Nebennieren bei Kindern: Die wichtigsten Informationen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nebennieren sind zwei kleine Drüsen, die auf den Nieren sitzen. Sie produzieren lebenswichtige Hormone – zum Beispiel das Stresshormon Cortisol und das Hormon Aldosteron, das den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers reguliert. Bei Kindern können die Nebennieren zu wenig oder zu viel Hormone bilden. Das kann verschiedene Beschwerden auslösen, lässt sich aber meist gut behandeln.
Wichtige Fakten
- Die Nebennieren sitzen auf den Nieren und machen wichtige Hormone für den Kreislauf und den Stoffwechsel.
- Manche Kinder haben schon bei der Geburt eine veränderte Nebennierenfunktion – oft wird das beim Neugeborenen-Screening entdeckt.
- Mit der richtigen Behandlung können die meisten Kinder mit Nebennierenerkrankungen ein normales und aktives Leben führen.
- Bei Infekten oder starkem Stress braucht der Körper manchmal eine angepasste Behandlung – Ihr behandelnder Arzt erklärt Ihnen den genauen Notfallplan.
Nebennierenerkrankungen sind bei Kindern selten. Die häufigste angeborene Form ist das adrenogenitale Syndrom (AGS), das etwa 1 von 10.000 Neugeborenen betrifft. Andere Störungen, wie eine Nebennierenunterfunktion durch eine Autoimmunreaktion, kommen bei Kindern noch seltener vor.
Kinder jeden Alters können betroffen sein – vom Säugling bis zum Jugendlichen. Manche Formen sind angeboren, andere entwickeln sich später, zum Beispiel als Folge einer Autoimmunerkrankung.
Symptome
- Sehr starkes Erbrechen oder Durchfall – das kann auf eine lebensbedrohliche Nebennierenkrise hinweisen
- Bewusstseinstrübung, extreme Benommenheit oder Ohnmacht
- Schockzeichen: kalter Schweiß, blasse Haut, schneller Puls
- Krampfanfälle
- ⚠Anhaltende starke Bauchschmerzen
- ⚠Wiederholtes Erbrechen ohne Besserung
- ⚠Auffällig niedriger Blutdruck oder Schwindel beim Aufstehen
- ⚠Jede ernsthafte körperliche Belastung (z. B. nach einem Unfall oder vor einer Operation) – dann sofort den Arzt informieren
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Schwäche
- Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund
- Niedriger Blutdruck, Schwindel
- Bauchschmerzen, Übelkeit
Symptome bei Kindern
- Bei Babys: Trinkschwäche, Erbrechen, Austrocknung
- Auffälliges Salzverlangen – manche Kinder essen zum Beispiel Salz pur
- Verzögertes oder ungewöhnlich schnelles Wachstum
- Bei angeborenen Formen können die äußeren Geschlechtsorgane bei Mädchen anders aussehen und bei Jungen eine frühe Pubertät auftreten
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Kindern und Jugendlichen: dunkle Hautverfärbungen, besonders an Ellbogen, Handlinien oder in der Mundschleimhaut
- Ausbleiben oder Verzögerung der Pubertät
- Starker Leistungsabfall in der Schule, beim Sport oder im Alltag
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Störungen der Hormonbildung (z. B. adrenogenitales Syndrom, kurz AGS)
- Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Nebennieren angreift (Morbus Addison)
- Gutartige oder bösartige Tumoren in der Nebenniere
- Schwere Infektionen der Nebennieren (sehr selten)
- Langzeitbehandlung mit bestimmten Hormonpräparaten, die die Nebennierenfunktion drosseln
Risikofaktoren
- Nebennierenerkrankungen in der Familie
- Andere Autoimmunerkrankungen bei Kind oder Familie
- Bestimmte Gendefekte oder Chromosomenveränderungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Zeichen einer Nebennierenkrise sofort den Notruf 112 wählen
- Bei anhaltendem Erbrechen, starkem Durchfall oder Bewusstseinsstörung am selben Tag ärztliche Hilfe suchen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihr Kind seit Wochen ungewöhnlich müde, schwach oder appetitlos ist
- Bei auffälligem Salzverlangen, dunklen Hautstellen oder sehr niedrigem Blutdruck
- Wenn Sie sich unsicher sind, ob Symptome zu den Nebennieren gehören könnten – fragen Sie Ihren Kinderarzt
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Nebennierenerkrankung untersucht der Arzt Ihr Kind gründlich, fragt nach allen Beschwerden und nach Erkrankungen in der Familie. Entscheidend ist eine Blutuntersuchung, bei der die Hormone der Nebennieren und die Salze im Blut gemessen werden.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttests auf Cortisol, Aldosteron und weitere Hormone
- Messung des Hormons, das die Nebennieren stimuliert (ACTH)
- Sammeln des Urins über 24 Stunden, um Hormon-Abbauprodukte zu bestimmen
- Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) der Nebennieren
- Genetischer Test, wenn eine angeborene Form vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Falls der Kinderarzt einen Verdacht hat, wird er Sie an eine spezialisierte Kinder-Endokrinologie überweisen – das ist ein Zentrum für Hormonerkrankungen bei Kindern. Dort werden die Untersuchungen durchgeführt. Die Diagnose braucht meist ein bis zwei Tage. Sie bekommen genügend Zeit für Fragen und eine ausführliche Beratung.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Wenn die Nebennieren zu wenig Hormone bilden, müssen diese Hormone ersetzt werden. Wenn die Nebennieren zu viel Hormone produzieren, wird versucht, die Überproduktion zu bremsen oder die Ursache zu behandeln.
Selbsthilfe zu Hause
- Einen schriftlichen Notfallplan mit Ihrem Arzt erstellen und mit Kita, Schule oder Sportverein teilen
- Medikamente und Notfallset immer griffbereit haben
- Bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall sofort den behandelnden Arzt kontaktieren – die Medikamentendosis muss in solchen Situationen oft angepasst werden
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt meist als Hormonersatztherapie: Das Kind bekommt die fehlenden Hormone in Form von Tabletten oder – in Notfällen – als Spritze. Welches Präparat und welche Dosis geeignet sind, entscheidet allein der Spezialist. Bei einer Überproduktion können auch Medikamente eingesetzt werden, die die Hormonbildung hemmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist manchmal nötig, wenn ein Tumor in der Nebenniere entfernt werden muss oder wenn eine angeborene Veränderung operativ korrigiert werden kann. Die Notwendigkeit wird in einem spezialisierten Zentrum sorgfältig geprüft.
Leben mit der Erkrankung
Kinder mit Nebennierenerkrankungen können fast alles tun, was andere Kinder auch tun – spielen, zur Schule gehen und Sport machen. Wichtig sind ein regelmäßiger Tagesablauf, die zuverlässige Einnahme der Medikamente und regelmäßige Kontrolltermine beim Spezialisten.
Tipps für den Alltag
- Fester Tagesrhythmus mit regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Schlaf
- Bei besonderen Stresssituationen (z. B. Prüfungen, Wettkämpfe) vorher mit dem Arzt besprechen, ob eine Anpassung nötig ist
- Einen Notfallausweis mit der Diagnose und den Medikamenten bei sich tragen
Ernährung und Bewegung
Die Ernährung ist meist ganz normal. Einige Kinder benötigen zusätzlich Salz – das bespricht der Arzt. Bewegung und Sport sind erlaubt und sogar wichtig. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind während des Sports genug trinkt, und beobachten Sie, wie es auf Anstrengung reagiert. Bei sehr intensivem Training kann eine Anpassung der Behandlung sinnvoll sein – aber nur nach Absprache mit dem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung kann für Kinder und Eltern belastend sein. Sprechen Sie offen über Sorgen und Ängste, erklären Sie die Erkrankung altersgerecht und suchen Sie sich regelmäßig Auszeiten. Wenn die seelische Belastung groß wird, ist eine Beratung durch eine psychologische Fachperson oder eine psychosoziale Unterstützung sehr hilfreich. In akuten Krisen mit Gedanken an Selbstverletzung wenden Sie sich an die Telefonseelsorge oder die nächstgelegene Notaufnahme.
Vorbeugung
Angeborene Formen der Nebennierenerkrankung lassen sich nicht verhindern. Wenn die Krankheit früh erkannt und konsequent behandelt wird, lassen sich die meisten schweren Komplikationen vermeiden. Wichtig sind das Wissen der Eltern über Warnzeichen und ein gut umgesetzter Notfallplan.
Impfungen
Kinder mit Nebennierenerkrankungen sollten alle empfohlenen Impfungen erhalten. Ihr Kinderarzt kann Sie beraten, ob besondere Vorsichtsmaßnahmen nötig sind – sprechen Sie die Impfungen im Rahmen der Kontrolltermine an.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird bei Neugeborenen routinemäßig ein Screening auf das adrenogenitale Syndrom (AGS) durchgeführt. Das ermöglicht eine frühe Diagnose und Behandlung bereits in den ersten Lebenstagen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lebensbedrohliche Nebennierenkrise bei Infekten, Unfällen oder starkem Stress
- Störungen des Salz- und Wasserhaushalts mit Kreislaufversagen
- Wachstumsverzögerung und verzögerte Pubertät
- Dauerhaft niedriger Blutdruck, Schwäche und Schwindel
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen und regelmäßigen Behandlung haben Kinder mit Nebennierenerkrankungen eine sehr gute Prognose. Die allermeisten erreichen eine normale Entwicklung, können aktiv am Leben teilnehmen und müssen nur wenig Einschränkungen hinnehmen. Entscheidend ist, die Krankheit im Blick zu behalten und in besonderen Situationen den Notfallplan anzuwenden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.