Nebennieren und Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nebennieren sind zwei kleine Drüsen, die oben auf den Nieren sitzen. Sie produzieren wichtige Hormone, die zum Beispiel den Blutdruck, den Salz-Wasser-Haushalt und den Stoffwechsel regulieren. In der Schwangerschaft verändert sich der Bedarf an diesen Hormonen. Meist passt sich der Körper gut an. Bei manchen Frauen treten jedoch Störungen der Nebennieren auf, oder eine bestehende Nebennierenerkrankung wird während der Schwangerschaft zuerst bemerkt.
Wichtige Fakten
- Die Nebennieren bilden Hormone wie Kortisol, Aldosteron und Stresshormone (Adrenalin und Noradrenalin).
- Während der Schwangerschaft ändern sich die Hormonwerte – das ist ein normaler Anpassungsprozess.
- Echte Nebennierenerkrankungen in der Schwangerschaft sind selten, aber wichtig, weil sie Mutter und Kind betreffen können.
Nebennierenerkrankungen in der Schwangerschaft sind selten. Viel häufiger führen die normalen Schwangerschaftsveränderungen zu harmlosen Beschwerden wie Müdigkeit oder Kreislaufschwäche.
Sie kann Frauen betreffen, die bereits eine Nebennierenerkrankung haben, zum Beispiel eine Nebennierenschwäche (Nebenniereninsuffizienz). Auch Frauen mit einem Tumor der Nebenniere oder einer erblichen Form wie dem Adrenogenitalen Syndrom (AGS) sind betroffen. In seltenen Fällen treten Probleme während der Schwangerschaft erstmals auf.
Symptome
- Starke Schwäche oder Bewusstlosigkeit
- Plötzlich auftretender sehr starker Kopfschmerz oder Brustschmerz
- Herzrasen, das auch in Ruhe nicht weggeht
- Hohes Fieber mit Verwirrtheit
- Krampfanfall
- Wiederholtes Erbrechen mit einem starken Blutdruckabfall
- ⚠Anhaltendes Erbrechen mit Schwindel
- ⚠Blutdruckwerte, die stark von den üblichen Werten abweichen
- ⚠Neue oder schlimmer werdende Kopfschmerzen
- ⚠Wiederholte Ohnmachtsanfälle oder Beinahe-Ohnmacht
- ⚠Starkes Durstgefühl in Verbindung mit häufigem Wasserlassen
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Schwindel oder niedriger Blutdruck
- Starkes Verlangen nach Salz
- Übelkeit oder Erbrechen
- Ungewöhnliche dunkle Hautstellen, zum Beispiel an den Handlinien oder im Bereich der Lippen
- Schneller Puls oder Herzklopfen
- Niedriger Blutzucker – sich zeigt durch Zittrigkeit oder Heißhunger
Ursachen
Hauptursachen
- Eine bestehende Nebennierenschwäche (Nebenniereninsuffizienz), meist durch eine Autoimmunerkrankung.
- Tumore der Nebenniere, die zu viele Hormone bilden – zum Beispiel zu viel Kortisol, Aldosteron oder Adrenalin.
- Entzündungen oder Blutungen in der Nebenniere – sehr selten.
- Erbliche Veränderungen, etwa beim Adrenogenitalen Syndrom (AGS).
Risikofaktoren
- Bekannte Nebennierenerkrankung in der eigenen Vorgeschichte
- Nebennierenerkrankung in der Familie
- Frühere Nebennierenkrise
- Mehrlingsschwangerschaft – durch die höhere Hormonbelastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie eines der Notfallzeichen bemerken oder sich Ihr Zustand rasch verschlechtert, rufen Sie sofort die 112 oder gehen Sie in die nächste Notaufnahme.
- Wenn Sie bereits wegen einer Nebennierenerkrankung in Behandlung sind und eine Verschlechterung spüren, kontaktieren Sie noch am selben Tag Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie schwanger sind und eine bekannte Nebennierenerkrankung haben, sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
- Auch bei neu aufgetretenem Schwindel, starkem Salzverlangen oder auffälligem Blutdruck sollten Sie in der Praxis anrufen.
- Wenn Sie eine erbliche Veranlagung für eine Nebennierenerkrankung haben, besprechen Sie dies früh bei der ersten Schwangerschaftsuntersuchung.
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt zuerst nach Beschwerden und Krankengeschichte. Danach helfen Blut- und Urintests, die Hormonwerte zu messen. Mit Ultraschall oder einer Kernspintomographie (MRT) lassen sich die Nebennieren darstellen. Die Abklärung erfolgt gemeinsam mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Hormonerkrankungen (Endokrinologie). In Deutschland orientieren sich die Ärztinnen und Ärzte dabei an der AWMF-Leitlinie zu Nebennierenerkrankungen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttests auf Kortisol, Aldosteron und Stresshormone (Adrenalin/Noradrenalin)
- Urinsammlung über 24 Stunden, um die Hormonausscheidung zu messen
- Ultraschall der Nieren und Nebennieren
- Magnetresonanztomographie (MRT) – falls genauere Bilder nötig sind
- Genetische Untersuchung bei Verdacht auf eine erbliche Form
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Schwangerschaft in der Regel sicher. Sie müssen je nach Test Blut oder Urin abgeben. Möglicherweise sind mehrere Termine nötig, bis alle Werte vorliegen. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen jeden Schritt genau. Die meisten Tests schmerzen nicht und sind mit einer Blutdruckmessung oder Ultraschalluntersuchung vergleichbar.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der genauen Nebennierenerkrankung ab. Wenn Sie bereits Medikamente einnehmen, werden diese während der Schwangerschaft angepasst. Ziel ist ein stabiler Hormonspiegel, damit es Ihnen und Ihrem Baby gut geht. Die Behandlung erfolgt in Absprache zwischen Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen und einer endokrinologischen Fachpraxis.
Selbsthilfe zu Hause
- Essen Sie regelmäßig und ausreichend, um den Blutzucker stabil zu halten.
- Achten Sie auf genügend Flüssigkeit – ob Sie mehr Salz brauchen, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Vermeiden Sie Überanstrengung und legen Sie im Alltag Pausen ein.
- Wenn Sie zuhause Blutdruck messen, notieren Sie die Werte und nehmen Sie sie zu den Vorsorgen mit.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache werden zum Beispiel fehlende Hormone ersetzt oder Medikamente eingesetzt, die die übermäßige Hormonproduktion reduzieren. Eine Nebennierenschwäche wird mit Hormonersatz behandelt – die Dosis wird für die Schwangerschaft oft angepasst. Bei einem hormonproduzierenden Tumor kann eine Operation nötig werden. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet allein Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Bitte ändern Sie niemals eigenmächtig Ihre Medikamente, auch wenn Sie sich schlechter fühlen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt vor allem infrage, wenn ein Tumor der Nebenniere gefährliche Hormonwerte verursacht. Der Eingriff erfolgt meist minimal-invasiv, also durch kleine Schnitte. Je nach Schwangerschaftswoche kann der Eingriff während der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Babys durchgeführt werden.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag ist eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam wichtig. Lassen Sie sich einen Notfallplan und – falls Sie eine Nebennierenschwäche haben – eine medizinische Notfallkarte geben. Klären Sie Ihre Familie oder enge Freunde darüber auf, was im Notfall zu tun ist. Halten Sie Ihre Vorsorgetermine zuverlässig ein.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf.
- Nehmen Sie Stress ernst und nutzen Sie Entspannungstechniken wie Atemübungen.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf – auch kurze Ruhepausen am Tag helfen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, regelmäßige Ernährung ist besonders wichtig. Manche Frauen mit Nebennierenschwäche benötigen mehr Salz; das entscheidet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin individuell. Geeignete Bewegung sind zum Beispiel Spaziergänge, Schwangerschaftsgymnastik oder Schwimmen. Bei Schwindel oder Unwohlsein sollten Sie sofort pausieren und sich hinsetzen oder legen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung in der Schwangerschaft kann Angst machen und emotional belasten. Es ist völlig in Ordnung, sich überfordert zu fühlen. Sprechen Sie Ihre Sorgen offen bei den Vorsorgeuntersuchungen an. Auch psychologische Unterstützung oder ein Austausch mit anderen betroffenen Frauen kann helfen.
Vorbeugung
Die meisten Nebennierenerkrankungen lassen sich nicht ursächlich verhindern. Sie können aber viel dafür tun, Komplikationen zu vermeiden: regelmäßige Kontrollen, eine gut abgestimmte Behandlung und schnelles Handeln bei Warnzeichen.
Impfungen
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über empfohlene Impfungen vor und während der Schwangerschaft. Ein ausreichender Impfschutz kann Infekten vorbeugen, die den Körper zusätzlich belasten.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gehört das Neugeborenen-Screening zur Standardvorsorge. Dabei werden auch angeborene Nebennierenerkrankungen wie das Adrenogenitale Syndrom untersucht. Wenn in Ihrer Familie eine erbliche Nebennierenerkrankung vorkommt, ist eine genetische Beratung schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Nebennierenkrise mit lebensbedrohlich niedrigem Blutdruck
- Zu hoher Blutdruck durch überschüssige Stresshormone
- Wachstumsverzögerung des ungeborenen Babys
- Vorzeitige Wehen oder Frühgeburt
- Schwere Störungen des Salz-Wasser-Haushalts
Langzeitprognose
Mit einer engmaschigen Betreuung und einer angepassten Behandlung ist die Prognose heute sehr gut. In spezialisierten Zentren arbeiten Fachleute aus Gynäkologie, Endokrinologie und Anästhesie zusammen, um Mutter und Kind bestmöglich zu versorgen. Viele Frauen mit einer Nebennierenerkrankung erleben eine gesunde Schwangerschaft und gebären ein gesundes Kind.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.