Die Nebennieren: Ein Überblick für Patienten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nebennieren sind zwei kleine, etwa dreieckige Organe, die direkt auf den Nieren liegen. Sie stellen lebenswichtige Hormone her. Diese Hormone steuern wichtige Körperfunktionen: Sie regeln den Blutdruck, den Salz- und Wasserhaushalt, den Zuckergehalt im Blut und die Stressreaktion. Wenn die Nebennieren zu wenige oder zu viele Hormone bilden, kann der ganze Körper aus dem Gleichgewicht geraten.
Wichtige Fakten
- Es gibt zwei Nebennieren – eine auf jeder Niere.
- Sie bestehen aus verschiedenen Zellschichten, die unterschiedliche Hormone bilden.
- Nebennierenerkrankungen sind selten, aber meist gut behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt werden.
Nebennierenerkrankungen sind insgesamt selten. Manche gutartige Tumoren der Nebenniere werden jedoch bei Erwachsenen häufiger entdeckt, oft zufällig bei einer Ultraschall- oder CT-Untersuchung.
Nebennierenerkrankungen können in jedem Alter auftreten. Frauen sind von einigen Formen, wie dem Cushing-Syndrom, häufiger betroffen. Andere Formen kommen bei Männern und Frauen etwa gleich häufig vor. Einige Erkrankungen treten familiär gehäuft auf.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an: bei starken Schmerzen im Bauch, Rücken oder in den Beinen, begleitet von Übelkeit oder Erbrechen.
- Rufen Sie ebenfalls den Notruf 112 an, wenn eine Person plötzlich bewusstlos wird, Krämpfe hat oder im Schock ist – zum Beispiel mit bleichem Gesicht und kaltem Schweiß.
- Bei bekanntem Nebennierenproblem und plötzlicher schwerer Schwäche mit Kreislaufkollaps ist ebenfalls sofort die Notaufnahme zu veranlassen.
- ⚠Schwere Müdigkeit, die plötzlich einsetzt
- ⚠Ausgeprägter Schwindel und niedriger Blutdruck
- ⚠Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, die nicht aufhören
- ⚠Verwirrtheit, besonders bei älteren Menschen
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Schwäche ohne erkennbare Ursache
- Ungewollter Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme
- Niedriger oder erhöhter Blutdruck
- Schwindel beim Aufstehen
- Hautveränderungen, zum Beispiel dunkle Hautstellen oder übermäßige Körperbehaarung
- Stimmungsschwankungen, Gereiztheit oder Antriebslosigkeit
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung oder ausbleibende Gewichtszunahme
- Muskelschwäche und übermäßige Müdigkeit
- Vermehrter Durst und häufiges Wasserlassen
- Bei schweren Verläufen: Erbrechen, Austrocknung und Kreislaufprobleme
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Schwäche
- Stürze durch Schwindel und Kreislaufprobleme
- Blutdruckabfall, vor allem beim Aufstehen
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunreaktion: Das Immunsystem greift die Nebennieren an und zerstört sie.
- Tumoren der Nebenniere – gutartig oder bösartig
- Lang andauernde Behandlung mit bestimmten entzündungshemmenden Medikamenten (sogenannte Kortikosteroide)
- Blutungen in der Nebenniere
- Seltene Infektionen wie Tuberkulose
Risikofaktoren
- Vorerkrankungen des Immunsystems, zum Beispiel Typ-1-Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion
- Langfristige Einnahme von Kortikosteroiden
- Schwere körperliche Belastungen wie Operationen, Unfälle oder schwere Infekte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich sehr schwach und schwindelig werden
- Wenn Sie eine bekannte Nebennierenerkrankung haben und sich der Zustand schnell verschlechtert
- Wenn Sie trotz Ersatztherapie stark erbrechen oder Durchfall haben und keine Medikamente bei sich behalten können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich über Wochen erschöpft fühlen, ohne dass sich eine Erklärung findet
- Wenn Sie ungewollt Gewicht verlieren oder zunehmen
- Wenn Ihr Blutdruck auffällig ist oder Sie beim Aufstehen häufig schwummrig werden
Diagnose
Zur Diagnose führt der Arzt zuerst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen und untersucht Sie körperlich. Anschließend werden Blut- und Urinproben entnommen, um die Hormonwerte zu messen. Je nach Verdacht folgen spezielle Funktionstests, bei denen die Nebennieren gezielt stimuliert oder gebremst werden.
Mögliche Untersuchungen
- Blutentnahme zur Bestimmung von Kortisol und anderen Hormonen, meist morgens
- Sammeln des Urins über 24 Stunden zur Messung der Hormonausscheidung
- ACTH-Stimulationstest: Ein Hormon wird gespritzt und die Reaktion der Nebenniere gemessen
- Bildgebung der Nebennieren durch Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen können ambulant durchgeführt werden. Manche Tests müssen nüchtern oder zu besonderen Uhrzeiten erfolgen. Ihr Behandlungsteam gibt Ihnen hierzu genaue Anweisungen. Bis zur Diagnose kann etwas Zeit vergehen – das ist normal.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der genauen Ursache und der Art der Erkrankung. Ziel ist es, den Hormonhaushalt auszugleichen, Beschwerden zu lindern und eine normale Lebensqualität zu ermöglichen. Die Therapie wird individuell auf Sie abgestimmt.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Medikamente immer genau nach ärztlicher Anweisung ein.
- Planen Sie regelmäßige Kontrolltermine bei Ihrem Arzt.
- Lassen Sie sich bei einer Nebennieren-Insuffizienz einen Notfallausweis ausstellen.
- Tragen Sie Ihre Medikamentenliste immer bei sich.
- Vermeiden Sie starken Stress und extreme körperliche Belastung ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt durch spezialisierte Ärztinnen und Ärzte. Sie kann aus der Einnahme von Medikamenten bestehen, die fehlende Hormone ersetzen. Manche Erkrankungen werden mit Medikamenten behandelt, die die übermäßige Hormonproduktion reduzieren. In schweren Situationen kann eine Infusionstherapie im Krankenhaus notwendig sein. Die genaue Dosierung wird individuell angepasst und engmaschig überwacht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist manchmal erforderlich, wenn ein Tumor der Nebenniere vorliegt – auch wenn er gutartig ist. Die Operation erfolgt meist minimalinvasiv über kleine Schnitte. Nach dem Eingriff werden die Hormonwerte regelmäßig kontrolliert.
Leben mit der Erkrankung
Eine Nebennierenerkrankung bedeutet für viele Betroffene eine dauerhafte Umstellung. Mit einer gut eingestellten Therapie ist der Alltag aber in den meisten Fällen gut zu bewältigen. Wichtig sind Zuverlässigkeit bei der Medikamenteneinnahme und ein gutes Netz aus Ärzten, Angehörigen und Freunden.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie feste Zeiten für Mahlzeiten und Medikamente ein.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Pausen.
- Führen Sie Ihren Notfallausweis und Ihre Medikamentenliste immer mit.
- Informieren Sie enge Angehörige über die Erkrankung und was im Notfall zu tun ist.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit frischen Lebensmitteln wird empfohlen. Falls Ihr Arzt es rät, kann eine ausreichende Salzzufuhr wichtig sein – zum Beispiel bei niedrigem Blutdruck. Bewegung wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen ist meist gut möglich. Bei intensivem Sport sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt sprechen, ob und wie Sie die Medikamente anpassen müssen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Hormonstörung kann sich auch auf die Stimmung auswirken. Viele Betroffene fühlen sich zeitweise niedergeschlagen oder ängstlich. Das ist verständlich und ernst zu nehmen. Psychologische Unterstützung oder der Austausch mit anderen Betroffenen können sehr helfen.
Vorbeugung
Die meisten Nebennierenerkrankungen lassen sich nicht verhindern. Wenn eine langfristige Hormontherapie notwendig ist, kann der Arzt die Dosis so wählen, dass die Nebennieren möglichst wenig geschädigt werden. Patienten, die solche Medikamente nehmen, sollten die Dosis nie eigenmächtig verändern oder absetzen.
Impfungen
Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob bestimmte Impfungen für Sie sinnvoll sind – zum Beispiel gegen Grippe oder Lungenentzündung. Menschen mit Nebenniereninsuffizienz wird oft zu Impfungen geraten, da Infekte den Körper stark belasten können.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf Nebennierenerkrankungen. Wenn in Ihrer Familie eine erbliche Form bekannt ist, kann Ihr Arzt mit Ihnen besprechen, ob eine vorbeugende Untersuchung oder regelmäßige Kontrolle sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lebensbedrohliche Addison-Krise: Der Körper hat dann akut zu wenig Kortisol und Aldosteron, was zu Kreislaufversagen führen kann.
- Schwere Entgleisungen des Blutdrucks und des Elektrolythaushalts (zum Beispiel zu niedriges Natrium)
- Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und verlängerte Erholungszeiten
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung und regelmäßigen Kontrollen können die meisten Menschen mit einer Nebennierenerkrankung ein weitgehend normales Leben führen. Auch wenn die Therapie meist langfristig nötig ist, ist die Prognose insgesamt gut – vor allem, wenn die Erkrankung früh erkannt wird.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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