Arthritis: Wann Sie ärztliche Hilfe suchen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Arthritis (Gelenkentzündung) ist eine Entzündung in einem oder mehreren Gelenken. Das Gelenk schwillt an, wird warm, rötet sich und tut weh. Man unterscheidet sie von der Arthrose, bei der der Gelenkknorpel verschleißt – ohne echte Entzündung. Bei einer Arthritis reagiert der Körper mit einer Entzündungsreaktion, zum Beispiel weil das Immunsystem das Gelenk fälschlicherweise angreift.
Wichtige Fakten
- Arthritis bedeutet: ein oder mehrere Gelenke sind entzündet.
- Es gibt viele Arten, z. B. rheumatoide Arthritis, Gicht oder infektiöse Arthritis.
- Eine frühe Behandlung schützt die Gelenke und kann schwere Schäden verhindern.
Ja, Arthritis ist eine häufige Erkrankung. Allein in Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen an einer Form von Gelenkentzündung.
Arthritis kann jede Person treffen – vom Kind bis ins hohe Alter. Manche Formen kommen bei Frauen häufiger vor, andere bei Männern. Die rheumatoide Arthritis beginnt oft zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.
Symptome
- Plötzlich stark geschwollenes, heißes, gerötetes Gelenk mit Fieber – das kann auf eine schwere Gelenkinfektion hinweisen. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Unfähigkeit, ein Gelenk oder Bein zu bewegen, bei starken Schmerzen.
- Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis): Verwirrtheit, schneller Puls, Fieber, Atemnot.
- Sehr starke Schmerzen nach einem Unfall oder Sturz – möglich ist ein Knochenbruch.
- ⚠Rötung und Schwellung eines Gelenks, die nicht zurückgeht.
- ⚠Fieber zusammen mit Gelenkschmerzen.
- ⚠Schmerzen, die den Alltag stark einschränken oder nach einigen Tagen nicht besser werden.
Häufige Symptome
- Schmerzen im Gelenk, besonders bei Bewegung.
- Schwellung, die das Gelenk dicker wirken lässt.
- Rötung und warme Haut über dem Gelenk.
- Steifigkeit, vor allem morgens oder nach längerem Sitzen.
- Abgeschlagenheit und allgemeines Krankheitsgefühl.
Symptome bei Kindern
- Hinken oder Schonhaltung beim Laufen.
- Das Kind weigert sich, am Unterricht oder am Spielen teilzunehmen.
- Morgens nicht in Bewegung kommen oder Weinen beim Anziehen.
- Fieber zusammen mit Gelenkbeschwerden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schmerzen in mehreren Gelenken gleichzeitig.
- Zunehmende Steifigkeit und Schwierigkeiten beim Greifen oder Aufstehen.
- Sturzangst durch eingeschränkte Beweglichkeit.
- Bei Entzündungen können allgemeine Schwäche oder Verwirrtheit auftreten – dann sofort medizinische Hilfe holen.
Ursachen
Hauptursachen
- Bei der rheumatoiden Arthritis greift das Immunsystem die Gelenkinnenhaut an.
- Bei Gicht bilden sich Harnsäurekristalle im Gelenk.
- Bakterien oder Viren können eine Gelenkentzündung auslösen (infektiöse Arthritis).
- Bei einigen Hautkrankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis) kann auch eine Arthritis auftreten.
- Manchmal ist die Ursache unbekannt.
Risikofaktoren
- Übergewicht und Bewegungsmangel.
- Rauchen – es erhöht das Risiko für die rheumatoide Arthritis.
- Familiäre Vorbelastung.
- Gelenkverletzungen in der Vergangenheit.
- Bestimmte Infektionen.
- Alter – viele Gelenkerkrankungen treten mit zunehmendem Alter häufiger auf.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Ein Gelenk ist geschwollen, heiß und gerötet – besonders mit Fieber.
- Sie können das Gelenk plötzlich nicht mehr belasten oder bewegen.
- Die Schmerzen nehmen trotz Schonung immer weiter zu.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben seit mehreren Wochen morgens Gelenksteifigkeit, die länger als 30 Minuten anhält.
- Gelenkschmerzen kommen wiederholt oder verschlimmern sich.
- Sie möchten abklären lassen, ob eine entzündliche Gelenkerkrankung vorliegt.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt erhebt zuerst die Krankengeschichte (Anamnese) und fragt nach Ihren Beschwerden. Danach tastet und bewegt sie oder er die schmerzenden Gelenke. Je nach Verdacht folgen Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: Entzündungswerte wie CRP und Blutsenkung, Antikörper wie Rheumafaktor und ACPA.
- Ultraschall der Gelenke, um Entzündungen und Ergüsse zu sehen.
- Röntgenaufnahmen, um Gelenkschäden zu erkennen.
- Magnetresonanztomographie (MRT) für eine genauere Darstellung.
- Gelenkpunktion: Entnahme von Gelenkflüssigkeit zur Untersuchung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert je nach Umfang 20 bis 60 Minuten. Blutabnahme und Ultraschall sind in der Regel nicht schmerzhaft. Eine Gelenkpunktion kann kurz brennen, ist aber gut durchführbar. Sie erhalten danach eine Einschätzung und, falls nötig, eine Überweisung an eine rheumatologische Schwerpunktpraxis.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Form und der Schwere der Arthritis. Hauptziele sind: Entzündung eindämmen, Schmerzen lindern und Gelenkschäden verhindern. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten. In Deutschland gelten dabei die Empfehlungen der aktuellen AWMF-Leitlinien.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie das Gelenk mehrmals täglich ruhig, aber vermeiden Sie völlige Ruhigstellung, um Muskeln und Gelenke nicht zu schwächen.
- Kühlen Sie akut geschwollene Gelenke mit einem Kühlpack (Tuch dazwischen legen).
- Wärmen Sie steife Gelenke mit einem warmen Bad oder einer Wärmflasche.
- Nutzen Sie Hilfsmittel wie einen Gehstock oder eine Handgelenkschiene.
Medizinische Behandlungen
Es gibt entzündungshemmende Schmerzmittel, die vorübergehend eingesetzt werden können. Zudem werden Medikamente verordnet, die das Immunsystem beruhigen – dazu gehören Kortisonpräparate und langwirksame krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs). Je nach Form kommen auch Medikamente zum Einsatz, die bestimmte Botenstoffe der Entzündung blockieren. Welche Therapie für Sie geeignet ist, entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn ein Gelenk durch die Arthritis stark zerstört ist und konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen, kann eine Operation helfen. Dazu gehören Gelenkersatz (künstliche Gelenke) oder Eingriffe an der Gelenkschleimhaut. Die Entscheidung wird individuell gemeinsam mit dem orthopädischen Team getroffen.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ihren Tag mit regelmäßigen Pausen. Hören Sie auf Schmerzsignale Ihres Körpers und wechseln Sie zwischen Bewegung und Ruhe. Kleine Hilfsmittel im Alltag – zum Beispiel Aufdrehhilfen oder erhöhte Sitzgelegenheiten – erleichtern das Leben.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig – am besten gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga.
- Verzichten Sie auf das Rauchen.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, um die Gelenke zu entlasten.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Zeiten der Erholung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und ungesättigten Fettsäuren (zum Beispiel aus fettem Fisch) kann Entzündungen günstig beeinflussen. Um den richtigen Übungsplan zu finden, fragen Sie eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten. Diese können ein individuelles Training mit Ihnen erstellen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen können müde machen und die Stimmung belasten. Es ist ganz normal, wenn man sich manchmal angespannt oder niedergeschlagen fühlt. Wenn diese Gefühle länger anhalten, suchen Sie sich Unterstützung, zum Beispiel durch eine ärztliche Beratung oder eine Selbsthilfegruppe. In einer akuten Krise – wenn Sie sich sehr hoffnungslos fühlen oder Gedanken an Selbstverletzung haben – rufen Sie bitte sofort die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) oder den Notruf (112) an.
Vorbeugung
Arthritis lässt sich nicht in allen Fällen verhindern. Sie können das Risiko aber senken, indem Sie nicht rauchen, Normalgewicht halten, auf regelmäßige Bewegung achten und übermäßige Gelenkbelastungen vermeiden. Bei einer bereits bestehenden Arthritis verlangsamt ein gesunder Lebensstil den Verlauf.
Impfungen
Gegen einige Infektionen, die zu Gelenkentzündungen führen können, schützen Impfungen – etwa gegen Grippe, Pneumokokken oder Masern. Lassen Sie sich im Zweifel von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Früherkennungsprogramm für Arthritis gibt es nicht. Bei familiärer Vorbelastung oder wiederkehrenden Gelenkbeschwerden kann eine regelmäßige ärztliche Kontrolle jedoch sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung kann die Entzündung Knorpel und Knochen zerstören, was zu Gelenkdeformitäten führt.
- Sehnen, Bänder und umliegende Gewebe können dauerhaft geschädigt werden.
- Entzündliche Formen können auch innere Organe wie Herz, Lunge oder Augen betreffen.
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Diagnose und einer angepassten Therapie lässt sich der Verlauf bei den meisten Menschen deutlich verlangsamen. Viele Betroffene führen dank moderner Behandlungen ein selbstbestimmtes und aktives Leben. Die Medizin entwickelt sich ständig weiter – das gibt Anlass zu zuversichtlicher Hoffnung.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Rheuma-Liga ↗ · Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.