Brugada syndrome awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Brugada-Syndrom ist eine seltene, erbliche Herzerkrankung, die die elektrischen Signale des Herzens stört. Es kann zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen, die zu Ohnmacht oder plötzlichem Herzstillstand führen können. Die Krankheit betrifft oft junge, scheinbar gesunde Menschen.
Wichtige Fakten
- Das Brugada-Syndrom ist eine genetisch bedingte Ionenkanalerkrankung des Herzens.
- Es kann zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) führen.
- Viele Betroffene haben keine Symptome, bis ein Ereignis eintritt.
- Ein Herzschrittmacher oder Defibrillator (ICD) kann das Risiko senken.
Das Brugada-Syndrom ist selten. Etwa 1 von 5.000 bis 10.000 Menschen ist betroffen, in Südostasien häufiger.
Es tritt häufiger bei Männern auf und wird meist im jungen Erwachsenenalter (zwischen 30 und 40 Jahren) entdeckt. Auch Kinder können betroffen sein, vor allem wenn ein Familienmitglied die Erkrankung hat.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht, die länger als eine Minute dauert
- Krampfanfälle (epileptischer Anfall)
- Plötzlicher Kollaps oder Herzstillstand – sofort 112 anrufen und Wiederbelebung beginnen
- ⚠Wiederholtes Ohnmachtsgefühl oder Schwindel
- ⚠Herzrasen, das nicht aufhört
- ⚠Brustschmerzen oder Atemnot bei Belastung
Häufige Symptome
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen) ohne erkennbare Ursache
- Herzrasen oder Herzstolpern (Palpitationen)
- Nächtliches Keuchen oder Atemnot
Symptome bei Kindern
- Fieberbedingte Ohnmacht oder Krampfanfälle
- Auffälliges Verhalten während des Schlafs (z. B. unruhiger Schlaf)
- Plötzliche Müdigkeit oder Erschöpfung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Wiederholte Ohnmachtsanfälle
- Herzrasen bei körperlicher Belastung
- Nächtliches Aufwachen mit Atemnot
Ursachen
Hauptursachen
- Genetische Veränderung (Mutation) im SCN5A-Gen, das für Natriumkanäle in den Herzmuskelzellen zuständig ist
- Vererbung: Bei 1 von 5 Betroffenen liegt eine familiäre Vorbelastung vor
Risikofaktoren
- Fieber (besonders bei Kindern)
- Bestimmte Medikamente (z. B. einige Herzmedikamente oder Antidepressiva – fragen Sie Ihren Arzt)
- Übermäßiger Alkoholkonsum oder Drogen (z. B. Kokain)
- Magnesium- oder Kaliummangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie oder ein Angehöriger eine plötzliche Ohnmacht ohne erkennbare Ursache erleben
- Wenn Sie nachts mit Herzrasen oder Keuchen aufwachen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn in Ihrer Familie das Brugada-Syndrom bekannt ist oder jemand plötzlich und unerwartet im jungen Alter gestorben ist
- Wenn Sie wiederholt Schwindel oder Herzrasen haben
Diagnose
Die Diagnose wird durch ein spezielles Elektrokardiogramm (EKG) gestellt, oft nach einer Fiebersenkung oder mit einem Medikament, das das Herz belastet. Ein Gentest kann die Ursache bestätigen.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: zeigt charakteristische Muster (Brugada-Zeichen)
- Langzeit-EKG: Aufzeichnung über 24–48 Stunden
- Belastungs-EKG: unter körperlicher Belastung
- Medikamenten-Test: mit einem vom Arzt verabreichten Mittel (Ajmalin oder Flecainid) – nie selbst anwenden!
- Gentest: Blutuntersuchung auf Veränderungen im SCN5A-Gen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Kardiologe wird Sie ausführlich befragen, ein EKG machen und gegebenenfalls eine Überweisung zum Gentest ausstellen. Die Untersuchungen sind schmerzfrei, aber manche Tests finden im Krankenhaus statt. Nehmen Sie bei Fieber unbedingt Kontakt auf, da dies das EKG verändern kann.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, gefährliche Herzrhythmusstörungen zu verhindern und das Risiko eines plötzlichen Herzstillstands zu senken. Eine Heilung gibt es nicht, aber mit den richtigen Maßnahmen können die meisten Betroffenen ein normales Leben führen.
Selbsthilfe zu Hause
- Fieber senken (sofort mit fiebersenkenden Mitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen – nach Rücksprache mit dem Arzt)
- Alkohol und Drogen vermeiden
- Magnesiumreiche Ernährung (z. B. Nüsse, Bananen, Vollkornprodukte) – fragen Sie Ihren Arzt
- Auf eine ausreichende Kaliumzufuhr achten (z. B. Obst, Gemüse)
- Vermeiden Sie übermäßige Hitze (z. B. Sauna, heißes Baden)
Medizinische Behandlungen
Eine medikamentöse Therapie wird nur in seltenen Fällen empfohlen. Der Arzt kann aufbauend auf Ihrem persönlichen Risiko eine Behandlung mit bestimmten Antiarrhythmika verschreiben – dies geschieht immer unter ärztlicher Kontrolle. Verzichten Sie auf Selbstmedikation! Bei hohem Risiko wird ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) eingesetzt, der bei gefährlichen Rhythmusstörungen sofort eingreift.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Implantation eines ICD (Defibrillator) ist die wirksamste Maßnahme bei Patienten mit hohem Risiko. Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt und der Defibrillator unter die Haut gelegt.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Behandlung und Vorsicht können Sie fast alle normalen Aktivitäten ausüben. Vermeiden Sie aber extremes Ausdauertraining oder Sportarten, die bei Ohnmacht gefährlich wären (z. B. Schwimmen allein, Bergsteigen). Tragen Sie einen medizinischen Notfallausweis mit sich.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Symptomtagebuch – notieren Sie Ohnmacht, Herzrasen oder Fieber
- Informieren Sie Familie, Freunde und Kollegen über das Syndrom und Erste-Hilfe-Maßnahmen
- Tragen Sie immer einen Notfallausweis oder hinterlegen Sie Ihre Diagnose im Handy (z. B. ICE-Kontakt)
- Melden Sie Fieber sofort Ihrem Arzt und behandeln Sie es konsequent
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Magnesium und Kalium ist empfehlenswert – sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine eventuelle Nahrungsergänzung. Moderate Bewegung wie Spazierengehen, leichtes Joggen oder Yoga ist meist unbedenklich. Vermeiden Sie extremen Leistungssport, vor allem ohne Begleitung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer möglicherweise lebensbedrohlichen Herzerkrankung kann Angst und Unsicherheit auslösen. Viele Betroffene entwickeln Panikattacken oder depressive Verstimmungen. Holen Sie sich bei Bedarf psychologische Unterstützung – der Kardiologe kann Ihnen Adressen nennen. Bei akuter Krise wenden Sie sich an die Telefonseelsorge (kostenlos, 24 h).
Vorbeugung
Das Brugada-Syndrom selbst kann man nicht verhindern, da es angeboren ist. Aber man kann das Risiko von lebensbedrohlichen Ereignissen senken: Vermeiden Sie Auslöser wie Fieber, bestimmte Medikamente, Alkohol und Drogen. Lassen Sie sich regelmäßig kardiologisch überwachen.
Impfungen
Gegen das Brugada-Syndrom gibt es keinen Impfstoff. Lassen Sie sich aber gegen Grippe und andere Infekte impfen, um Fieber zu vermeiden – nach Rücksprache mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Wenn bei einem Familienmitglied das Syndrom diagnostiziert wurde, sollten alle nahen Verwandten (Eltern, Geschwister, Kinder) eine kardiologische Untersuchung und einen Gentest angeboten bekommen. Eine frühzeitige Diagnose kann Leben retten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Plötzlicher Herzstillstand mit Bewusstlosigkeit
- Wiederholte Ohnmachtsanfälle (Synkopen) mit Verletzungsgefahr
- Kammerflimmern (lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung)
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung – besonders der ICD-Implantation bei Risikopatienten – ist die Prognose gut. Viele Betroffene führen ein aktives Leben. Entscheidend ist, die Diagnose zu kennen und Auslöser zu meiden. Die Forschung macht Fortschritte, und die Unterstützungsangebote verbessern sich stetig.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.