Chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei der chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) handelt es sich um eine seltene Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass das Immunsystem – die körpereigene Abwehr – fälschlicherweise die Schutzhülle (Myelinscheide) der Nerven angreift. Diese Schutzhülle sorgt dafür, dass Signale schnell von den Gliedmaßen zum Gehirn und zurück geleitet werden. Durch die Entzündung und Schädigung kommt es zu fortschreitenden Kraftverlusten, Taubheitsgefühlen und Missempfindungen, vor allem an Armen und Beinen. Die Erkrankung verläuft meist wellenförmig und kann ohne Behandlung zu bleibenden Nervenschäden führen.
Wichtige Fakten
- CIDP ist eine seltene, aber behandelbare neurologische Erkrankung.
- Die Symptome entwickeln sich meist über Wochen bis Monate. Eine frühzeitige Diagnose verbessert die Behandlungschancen.
- Behandlungen zielen darauf ab, die Entzündung zu stoppen und die Nervenfunktion zu erhalten.
Nein, CIDP ist selten. Schätzungen zufolge erkranken jährlich etwa 1 bis 2 von 100.000 Menschen daran.
Die Erkrankung kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Am häufigsten wird sie jedoch bei Erwachsenen zwischen 30 und 60 Jahren festgestellt. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. In seltenen Fällen kann auch die Kindheit oder das höhere Lebensalter betroffen sein.
Symptome
- Plötzliche und starke Verschlechterung der Gehfähigkeit oder Lähmungserscheinungen in beiden Beinen
- Atembeschwerden oder das Gefühl, nicht tief genug einatmen zu können
- Schluckbeschwerden (z. B. Verschlucken oder Nahrung bleibt stecken)
- Starke, neu auftretende Schwäche, die innerhalb von Stunden oder Tagen fortschreitet (Ruf 112)
- ⚠Schnell zunehmende Schwäche in Armen und Beinen
- ⚠Gefühlsstörungen, die sich rasch ausbreiten
- ⚠Schwierigkeiten beim Husten oder Abhusten von Schleim
- ⚠Sehstörungen oder undeutliche Sprache
Häufige Symptome
- Allmähliche Schwäche in Armen und Beinen, die sich über Wochen oder Monate verschlechtert
- Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühl in Fingern und Zehen
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Unsicherer Gang, häufiges Stolpern
- Nachlassende Feinmotorik, z. B. beim Zuknöpfen oder Schreiben
- Schwäche beim Treppensteigen oder Heben von Gegenständen
Symptome bei Kindern
- Verzögerung der motorischen Entwicklung (z. B. spätes Laufen oder häufiges Hinfallen)
- Schwierigkeiten beim Treppensteigen oder beim Aufstehen vom Boden
- Klagen über Schmerzen in den Beinen, oft nachts
- Gereiztheit oder Rückzug im Spiel
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stürze und Gehbeschwerden, die leicht übersehen werden
- Verlust von Feinmotorik (z. B. Öffnen von Verpackungen)
- Zunehmende Abhängigkeit bei Alltagsaktivitäten
- Verwirrtheit durch Schmerzen oder Bewegungseinschränkung
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunreaktion: Das Immunsystem greift die Myelinscheide (Isolierschicht) der peripheren Nerven an. Warum dies geschieht, ist nicht vollständig geklärt.
- In manchen Fällen tritt CIDP im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auf, z. B. HIV, Hepatitis oder seltenen Nerventumoren.
- Eine genetische (erbliche) Form ist sehr selten und zeigt sich meist schon in der Kindheit.
Risikofaktoren
- Die genauen Risikofaktoren sind unbekannt. Es gibt keine bewusste Vorbeugung.
- Manchmal geht eine Infektion voraus, z. B. ein grippaler Infekt oder eine Magen-Darm-Erkrankung, die als Auslöser für die Immunreaktion vermutet wird.
- Rauchen und Übergewicht könnten Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen, sind jedoch keine ursächlichen Risikofaktoren.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher Verschlechterung der Kraft in Armen oder Beinen, die das Gehen unmöglich macht
- Bei Atemnot oder Schluckbeschwerden (sofort den Notarzt 112 rufen)
- Wenn die Muskelschwäche innerhalb weniger Tage extrem zunimmt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltender Schwäche oder Kribbeln in den Gliedmaßen, das länger als zwei Wochen besteht
- Wenn Bewegungseinschränkungen den Alltag beeinträchtigen
- Bei Unsicherheit oder Stürzen, die nicht durch andere Ursachen erklärt werden
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Facharzt für Neurologie gestellt. Dieser erhebt die Krankengeschichte, untersucht die Muskelkraft, die Reflexe und die Empfindungen. Typische Tests messen die Nervenleitgeschwindigkeit und entzündliche Veränderungen im Nervenwasser (Liquor). Eine Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal) ist oft nötig. Manchmal werden auch MRT oder Blutuntersuchungen durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Nervenleitgeschwindigkeitstest (Elektroneurographie, ENG)
- Lumbalpunktion (Nervenwasseruntersuchung) – zeigt oft erhöhte Eiweißwerte
- Blutuntersuchungen (z. B. Entzündungsmarker, Antikörpertests)
- Magnetresonanztomographie (MRT) – zum Ausschluss anderer Ursachen
- Biopsie der Nerven (nur in seltenen, unklaren Fällen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch dauert etwas länger. Sie bekommen feine Nadelelektroden auf die Haut, um die Nervenreizung zu messen. Das ist nicht schmerzhaft, kann aber kurzzeitig ein Kribbeln auslösen. Bei der Lumbalpunktion werden Sie örtlich betäubt. Bitten Sie eine Begleitperson mitzunehmen, da Sie sich nach diesen Untersuchungen etwas erschöpft fühlen können.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung zu unterdrücken und die Nerven zu schützen. Da die Erkrankung von Mensch zu Mensch unterschiedlich verläuft, wird die Therapie individuell angepasst. Eine frühzeitige Behandlung erhöht die Chance auf eine Besserung erheblich.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Bewegung und Physiotherapie zur Kräftigung der Muskeln und zur Förderung des Gleichgewichts
- Ergotherapie für Übungen zur Verbesserung der Feinmotorik
- Anpassungen im Alltag (z. B. rutschfeste Unterlagen, Haltegriffe)
- Schonung bei akuten Schüben, aber nicht zu viel Bettruhe – Balance halten
- Ausreichend schlafen und Stress vermeiden, da Stress Schübe begünstigen kann
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung erfolgt in der Regel durch Immuntherapien. Dazu gehören entzündungshemmende Mittel wie Kortisonpräparate, spezielle Immunmodulatoren (intravenöse Immunglobuline) oder die Plasmapherese (Blutwäsche, bei der Antikörper aus dem Blut entfernt werden). Ihre Neurologin oder Ihr Neurologe wird gemeinsam mit Ihnen abwägen, welche Therapie für Sie am besten geeignet ist. Wichtig: Nehmen Sie niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt eigenständig Medikamente ein oder ändern die Dosierung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Chirurgische Eingriffe sind bei CIDP in der Regel nicht erforderlich. Nur in seltenen Fällen, wenn zum Beispiel ein Nerventumor oder eine Einengung durch Narbengewebe die Ursache ist, kann eine Operation sinnvoll sein. Dies wird dann vom behandelnden Neurochirurgen beurteilt.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit CIDP erfordert oft eine gute Planung. Hören Sie auf Ihren Körper und legen Sie Pausen ein, bevor die Erschöpfung zu groß wird. Viele Menschen mit CIDP entwickeln ein gutes Gespür dafür, wann ein Schub droht. Teilen Sie Ihren Tagesablauf in überschaubare Abschnitte ein und nehmen Sie Hilfe an, wenn nötig.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, sanfte Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen hilft, die Muskeln aktiv zu halten
- Stressabbau durch Entspannungstechniken wie Yoga, Atemübungen oder Hörbücher
- Vermeiden Sie Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum, da diese die Nervengesundheit beeinträchtigen können
- Gute Schlafhygiene: feste Schlafzeiten, kühles und dunkles Schlafzimmer
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt den Körper. Es gibt keine spezielle Diät gegen CIDP, aber eine entzündungshemmende Ernährung (z. B. mit Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Leinsamen) kann sich günstig auswirken. Besprechen Sie größere Änderungen mit Ihrem Arzt. Bewegung sollte möglichst täglich erfolgen, aber ohne Überlastung. Physio- und Ergotherapie helfen dabei, den richtigen Umfang zu finden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer chronischen Erkrankung kann Ängste, Traurigkeit oder Wut auslösen. Es ist normal, sich manchmal überfordert zu fühlen. Psychologische Beratung oder der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen. Achten Sie auf Warnsignale wie anhaltende Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen oder sozialen Rückzug. Bei Suizidgedanken wenden Sie sich sofort an den psychiatrischen Notdienst (Telefon 0800-111 0 111 oder 112) – scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen.
Vorbeugung
Nein, CIDP lässt sich nicht vorbeugen, da die genauen Auslöser unbekannt sind. Man kann jedoch versuchen, durch eine gesunde Lebensweise das Immunsystem zu unterstützen und so Schübe seltener oder schwächer zu machen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die CIDP verhindert. Standardimpfungen nach den Empfehlungen der STIKO sollten Sie dennoch wahrnehmen, da Infekte manchmal Schübe auslösen können. Besprechen Sie Impfungen mit Ihrem Neurologen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening auf CIDP. Bei unklaren Nervenstörungen sollte der Hausarzt oder Neurologe die entsprechenden Untersuchungen einleiten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende, dauerhafte Nervenschäden, die zu Lähmungen führen
- Muskelschwund und Gelenkfehlstellungen
- Dauerhafte Gehbehinderung und Rollstuhlpflichtigkeit
- Erhöhte Sturzgefahr mit Knochenbrüchen
- Atemschwäche in fortgeschrittenen Fällen (selten, aber ernst)
Langzeitprognose
Die Erkrankung ist chronisch, aber mit frühzeitiger und konsequenter Behandlung kann bei den meisten Betroffenen eine deutliche Besserung erzielt werden. Viele Menschen mit CIDP führen ein weitgehend normales Leben, auch wenn manche Einschränkungen bleiben. Die Therapiemöglichkeiten verbessern sich ständig. Wichtig ist, eng mit Ihrem Neurologen zusammenzuarbeiten und bei ersten Anzeichen eines Schubes schnell zu reagieren. Verlieren Sie nicht den Mut – es gibt wirksame Behandlungen, und niemand ist mit CIDP allein.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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