Critical limb ischaemia awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die kritische Extremitätenischämie (kritische Durchblutungsstörung der Beine) ist eine schwere Form der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Dabei sind die Arterien in den Beinen so stark verengt oder verschlossen, dass das Gewebe nicht mehr genügend Sauerstoff erhält. Dies führt zu dauerhaften Schmerzen, Wunden, die nicht heilen, und im schlimmsten Fall zu Gewebetod (Gangrän).
Wichtige Fakten
- Die kritische Extremitätenischämie ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.
- Häufigste Ursache ist die Arteriosklerose (Ablagerungen in den Arterien).
- Ohne Behandlung kann die Durchblutungsstörung zur Amputation des betroffenen Beins führen.
Die kritische Extremitätenischämie ist eine seltene, aber sehr ernste Erkrankung. Sie tritt vor allem bei Menschen mit fortgeschrittener Arteriosklerose auf.
Besonders betroffen sind ältere Menschen über 60 Jahre, Raucher, Diabetiker (Zuckerkranke) und Personen mit Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten.
Symptome
- Plötzlicher starker, anhaltender Beinschmerz mit blasser oder bläulicher Haut.
- Fehlender Puls im Fuß bei gleichzeitiger Taubheit oder Lähmungsgefühl.
- Anzeichen einer schweren Infektion: Fieber, rote Ränder um eine Wunde, Eiter oder übler Geruch.
- ⚠Eine nicht heilende Wunde, die größer oder tiefer wird.
- ⚠Schmerzen im Fuß, die auch nachts nicht aufhören.
- ⚠Verfärbung der Zehen oder des Fußes (dunkel, blau, schwarz).
Häufige Symptome
- Ruheschmerz: Schmerzen im Fuß oder Zehen, die auch im Liegen oder Sitzen nicht verschwinden, vor allem nachts.
- Wunden, die nicht heilen: Offene Stellen an den Zehen, Fersen oder am Fuß, die über Wochen bestehen bleiben.
- Hautveränderungen: Die Haut ist blass, kühl, glänzend und manchmal bläulich verfärbt.
- Fehlender Puls: Der Puls am Fuß oder hinter dem Innenknöchel ist nicht mehr tastbar.
Symptome bei Kindern
- Die kritische Extremitätenischämie ist bei Kindern extrem selten. Falls doch, können Symptome wie Schmerzen beim Gehen (Schonhaltung), eine kühle oder blasse Haut an den Beinen oder verzögerte Wundheilung auftreten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen verspüren oft zusätzlich allgemeine Schwäche und Bewegungseinschränkung. Die Wunden heilen besonders schlecht und die Schmerzempfindung kann durch andere Erkrankungen (z. B. Diabetes) vermindert sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose: Verkalkung und Verengung der Arterien durch Fett- und Kalkablagerungen (Plaques).
- Blutgerinnsel (Thrombose): Ein Blutgerinnsel kann eine bereits verengte Arterie plötzlich komplett verschließen.
- Entzündliche Gefäßerkrankungen (Vaskulitis): Seltene Ursachen, bei denen die Gefäßwände entzündet sind.
Risikofaktoren
- Rauchen (stärkster Risikofaktor)
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Bewegungsmangel und Übergewicht
- Hohes Alter
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jedem Verdacht auf kritische Extremitätenischämie – sofort den Notruf 112 wählen oder die nächste Notaufnahme aufsuchen.
- Wenn eine bestehende Wunde Anzeichen einer Infektion zeigt (Rötung, Schwellung, Fieber).
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei neuen oder zunehmenden Schmerzen in den Beinen beim Gehen (Schaufensterkrankheit).
- Wenn Wunden an den Füßen oder Beinen nicht innerhalb von 2 Wochen abheilen.
- Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören (Raucher, Diabetiker) und Veränderungen an Ihren Beinen bemerken.
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Facharzt für Gefäßmedizin (Angiologen) oder einem Gefäßchirurgen gestellt. Zuerst erfolgt ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden und Risikofaktoren. Dann wird der Arzt Ihre Beine untersuchen: Puls fühlen, Haut betrachten und den Knöchel-Arm-Index messen.
Mögliche Untersuchungen
- Knöchel-Arm-Index (ABI): Blutdruckmessung am Knöchel und am Oberarm – ein niedriger Wert deutet auf eine Durchblutungsstörung hin.
- Farbdoppler-Sonographie: Ultraschalluntersuchung, die die Blutströmung in den Arterien sichtbar macht.
- Angiographie (Gefäßdarstellung): Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel, um verengte oder verschlossene Stellen genau zu zeigen.
- Blutuntersuchungen: Zur Überprüfung von Blutzucker, Blutfetten und Entzündungswerten.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei oder nur mit leichten Beschwerden verbunden (z. B. Blutabnahme). Die Angiographie wird meist stationär durchgeführt. Nach der Diagnose bespricht der Arzt mit Ihnen die beste Therapie.
Behandlung
Die Behandlung der kritischen Extremitätenischämie zielt darauf ab, die Durchblutung so schnell wie möglich zu verbessern. Das ist ein medizinischer Notfall. Die Therapie besteht aus einer Kombination von Medikamenten, Eingriffen zur Wiederherstellung des Blutflusses und Maßnahmen zur Wundpflege.
Selbsthilfe zu Hause
- Rauchen Sie nicht – das ist das Wichtigste, was Sie selbst tun können.
- Halten Sie die Füße sauber und trocken. Untersuchen Sie Ihre Füße täglich auf neue Wunden.
- Bewegen Sie sich so viel wie möglich, aber vermeiden Sie Überlastung. Kurze Spaziergänge sind gut, wenn keine Schmerzen auftreten.
- Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und nehmen Sie verschriebene Medikamente regelmäßig ein.
Medizinische Behandlungen
Medikamente wie Thrombozytenaggregationshemmer (Blutverdünner) und gefäßerweiternde Mittel können die Durchblutung verbessern. Auch Cholesterinsenker und Blutdrucksenker sind oft nötig. Der Arzt entscheidet individuell, welche Medikamente für Sie geeignet sind. Zusätzlich kommen durchblutungsfördernde Infusionen zum Einsatz. Bei Infektionen werden Antibiotika gegeben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Medikamente nicht ausreichen, ist ein Eingriff nötig. Häufig wird ein Ballonkatheter eingesetzt: Ein kleiner Ballon weitet die verengte Stelle auf (PTA), manchmal wird ein Stent (Gefäßstütze) eingesetzt. Bei langen Verschlüssen ist eine Bypass-Operation möglich, bei der eine Umleitung um die verschlossene Stelle gelegt wird. In schwersten Fällen muss das betroffene Gewebe oder der Fuß amputiert werden – das versuchen Ärzte möglichst zu vermeiden.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Behandlung stehen regelmäßige Kontrollen beim Gefäßspezialisten an. Sie müssen Ihre Füße besonders pflegen und auf Veränderungen achten. Tragen Sie gut sitzende Schuhe und vermeiden Sie Druckstellen. Viele Menschen können nach erfolgreicher Therapie wieder gut gehen, auch wenn manche Einschränkungen bleiben.
Tipps für den Alltag
- Vollständiger Rauchverzicht – das ist der wichtigste Schritt.
- Gesunde Ernährung mit wenig Fett, Zucker und Salz, dafür viel Obst, Gemüse und Vollkorn.
- Regelmäßige Bewegung an die Schmerzgrenze angepasst, z. B. Gehtraining.
- Gute Fußpflege: Täglich waschen, abtrocknen, eincremen und auf Wunden achten.
- Gewicht normalisieren.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung hilft, Blutfette und Blutdruck zu senken. Bewegung – wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen – fördert die Durchblutung und kann das Fortschreiten der Erkrankung bremsen. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Intensität für Sie geeignet ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Erkrankung kann verunsichern und ängstigen. Die Sorge vor einer Amputation oder die Einschränkungen im Alltag belasten viele Betroffene. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu holen – bei Freunden, Familie oder psychologischen Beratungsstellen. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Arzt kann auch helfen.
Vorbeugung
Die kritische Extremitätenischämie lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko ist durch einen gesunden Lebensstil deutlich senkbar. Besonders wichtig: nicht rauchen, sich ausreichend bewegen, Übergewicht vermeiden, Blutzucker und Blutdruck gut einstellen lassen.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit Risikofaktoren (Raucher, Diabetiker, über 60 Jahre) empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Angiologie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt. Dazu gehört die Tastung der Fußpulse und eine Bestimmung des Knöchel-Arm-Index. Lassen Sie Ihre Risikofaktoren mindestens einmal jährlich überprüfen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitender Gewebstod (Gangrän) des Fußes oder Unterschenkels
- Schwere Infektionen bis hin zur Blutvergiftung (Sepsis)
- Amputation des betroffenen Beins
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Langzeitprognose
Die Prognose hängt stark davon ab, wie früh die Erkrankung erkannt und behandelt wird. Bei rechtzeitiger Therapie ist eine Amputation oft vermeidbar. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung müssen Sie dauerhaft auf Ihre Risikofaktoren achten. Mit einem gesunden Lebensstil und regelmäßigen Kontrollen kann die Lebensqualität erhalten bleiben. Verzweifeln Sie nicht – viele Menschen schaffen es, die Erkrankung gut zu bewältigen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) · Deutschland
- Selbsthilfegruppen für Gefäßkranke – erfragen Sie bei Ihrer Krankenkasse oder dem lokalen Gesundheitsamt · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.