Leben mit Diabetes in der Familie
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Diabetes mellitus (die Zuckerkrankheit) ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Dabei ist der Blutzucker dauerhaft zu hoch, weil der Körper zu wenig Insulin bildet oder schlecht darauf reagiert. Insulin ist ein Hormon, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen bringt.
Wichtige Fakten
- Es gibt verschiedene Typen. Am häufigsten sind Typ-1- und Typ-2-Diabetes.
- Diabetes ist nicht ansteckend und kein Grund, sich zu schämen.
- Mit guter Behandlung, gesunder Lebensweise und Unterstützung der Familie ist ein erfülltes Leben möglich.
Ja, Diabetes ist häufig. In Deutschland leben etwa jeder zehnte Mensch mit Diabetes – viele davon wissen es zunächst nicht.
Typ-1-Diabetes beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter. Typ-2-Diabetes trifft vor allem Erwachsene und ältere Menschen, kommt aber auch bei Jüngeren immer häufiger vor. Auch während der Schwangerschaft kann Diabetes entstehen.
Symptome
- Die Person ist bewusstlos oder hat einen Krampfanfall
- Schwere Unterzuckerung mit starker Verwirrtheit, aggressivem Verhalten oder kaum noch Ansprechbarkeit
- Anzeichen einer gefährlichen Überzuckerung: starke Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, ausgeprägter Durst und fruchtiger Atem
- ⚠Wiederholte Unterzuckerung, wenn die Person nicht mehr klar denkt, aber ansprechbar ist
- ⚠Anhaltend stark erhöhte Blutzuckerwerte mit Übelkeit oder Schwäche
- ⚠Fieber ohne erkennbare Ursache
- ⚠Risswunden oder Blasen an den Füßen mit Rötung oder Schwellung
Häufige Symptome
- Starker Durst
- Häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit und Schwäche
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
- Schlecht heilende Wunden
- Verschwommenes Sehen
Symptome bei Kindern
- Kind muss nachts wieder einnässen, obwohl es schon trocken war
- Hält oft nach Getränken
- Wirkt schlapp und hat keine Energie
- Nimmt ab trotz normalem Appetit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Unerklärliche Müdigkeit
- Schwindelgefühl
- Verwirrtheit oder Wesensänderung
- Häufige Infektionen wie Blasenentzündung
- Schlecht heilende Wunden an den Füßen
Ursachen
Hauptursachen
- Bei Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem aus unklarer Ursache die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse.
- Bei Typ-2-Diabetes spricht der Körper über lange Zeit schlechter auf Insulin an und die Bauchspeicheldrüse kann den Bedarf nicht mehr decken.
- In der Schwangerschaft können Hormone der Plazenta die Wirkung des Insulins abschwächen.
Risikofaktoren
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Zucker und Fett
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Familiäre Vorbelastung
- Alter über 45 Jahre bei Typ-2-Diabetes
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie bei sich oder einem Angehörigen plötzlich starken Durst, ungewöhnliche Müdigkeit oder wiederkehrende Infekte bemerken
- Wenn die Notfallzeichen wie Bewusstlosigkeit oder anhaltende Verwirrtheit auftreten – sofort die 112 anrufen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung bei Hausarzt oder Diabetes-Schwerpunktpraxis
- Blutzucker und Langzeitzuckerwert (HbA1c) regelmäßig messen lassen
- Augen und Füße jährlich untersuchen lassen
- Impfstatus überprüfen lassen
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt anhand von Bluttests. Meist wird der Blutzucker nüchtern gemessen, zusätzlich der Langzeitzuckerwert HbA1c und in manchen Fällen ein Zuckerbelastungstest.
Mögliche Untersuchungen
- Blutzucker nüchtern
- HbA1c-Wert (zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 2-3 Monate)
- Oraler Glukosetoleranztest (zuckerhaltige Testlösung, danach Blutzucker messen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt erklärt die Befunde verständlich und schlägt eine Behandlung vor. Oft werden Sie an eine spezielle Diabetesschulung überwiesen, in der Sie lernen, gut mit der Erkrankung umzugehen.
Behandlung
Diabetes ist gut behandelbar, also nicht heilbar, aber gut einstellbar. Die Behandlung richtet sich nach dem Typ, dem Alter und der persönlichen Situation. Im Mittelpunkt stehen gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und – bei Bedarf – Medikamente.
Selbsthilfe zu Hause
- Blutzucker regelmäßig messen und aufschreiben
- Mahlzeiten regelmäßig und mit Ballaststoffen planen
- Täglich bewegen, zum Beispiel 30 Minuten zügiges Gehen
- Füße täglich ansehen und sorgfältig pflegen
- Medikamente zuverlässig einnehmen, nie eigenmächtig absetzen
Medizinische Behandlungen
Es gibt Tabletten, die den Blutzucker senken, und in manchen Fällen Spritzen mit Insulin oder anderen Medikamenten. Diabetes kann zunächst mit Tabletten behandelt werden, bei Typ-1-Diabetes ist von Anfang an Insulin notwendig. Welche Therapie für Sie am besten ist, entscheiden Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gemeinsam – nach den aktuellen Empfehlungen der AWMF-Leitlinien.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in besonderen Fällen ein Thema, zum Beispiel bei stark ausgeprägtem Typ-2-Diabetes mit schwerem Übergewicht. Dies wird in spezialisierten Zentren sorgfältig geprüft.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit Diabetes ist einfacher, wenn er feste Strukturen kennt: regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung und Kontrollen. Die Familie kann den Rhythmus mitgehen und dadurch das gemeinsame Leben gesünder machen.
Tipps für den Alltag
- Gemeinsam kochen und Mahlzeiten ohne Druck einhalten
- Routinen für Bewegung finden, zum Beispiel Spaziergänge nach dem Essen
- Auf das Rauchen verzichten
- Genug Schlaf und Stress in Grenzen halten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und ungesüßten Getränken hilft – nicht nur dem Menschen mit Diabetes, sondern der ganzen Familie. Für Menschen mit Diabetes gibt es keine speziellen 'Diabetikerlebensmittel'; wichtig ist normales, ausgewogenes Essen. Bewegung senkt auf Dauer den Blutzucker und tut Herz und Kreislauf gut.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann Angst, Wut oder Trauer auslösen. Die ständige Kontrolle und das Denken an mögliche Folgen belasten. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und mit vertrauten Menschen zu sprechen. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit hilft eine psychologische Beratung.
Vorbeugung
Typ-2-Diabetes lässt sich in vielen Fällen verhindern oder hinauszögern, wenn man früh auf ein gesundes Gewicht, ausreichend Bewegung und ausgewogene Ernährung achtet. Typ-1-Diabetes ist bislang nicht verhinderbar.
Impfungen
Für Menschen mit Diabetes sind Impfungen besonders wichtig, zum Beispiel gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu den empfohlenen Impfungen beraten.
Früherkennungsprogramme
Wenn in der Familie bereits Diabetes vorkommt, kann eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckers beim Hausarzt sinnvoll sein. Auch ab 45 Jahren gehören Blutzucker-Checks zur Vorsorge.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schäden an den Gefäßen von Herz, Gehirn und Beinen
- Nierenschäden bis hin zur Nierenschwäche
- Netzhautschäden, die das Sehvermögen bedrohen
- Nervenschäden mit Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen, vor allem in den Füßen
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung, einem gesunden Lebensstil und der Unterstützung von Familie und medizinischem Team lässt sich mit Diabetes ein aktives und erfülltes Leben führen. Viele Komplikationen lassen sich durch gut eingestellte Blutzuckerwerte lange hinauszögern oder ganz vermeiden.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ↗ · Deutschland
- Diabetesinformationsportal (diabinfo) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.