Diabetes: Wann ärztliche Hilfe wichtig ist
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Diabetes (umgangssprachlich: Zuckerkrankheit) ist eine Erkrankung des Stoffwechsels. Bei Diabetes ist der Blutzucker dauerhaft zu hoch. Der Körper braucht das Hormon Insulin, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu bringen. Bei Diabetes fehlt dieses Hormon oder es wirkt nicht richtig.
Wichtige Fakten
- Es gibt zwei Hauptformen: Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes.
- Diabetes ist gut behandelbar, wenn Sie die Kontrollen ernst nehmen.
- Viele Menschen mit Diabetes leben beschwerdearm und aktiv.
Ja, Diabetes ist sehr verbreitet. In Deutschland sind mehrere Millionen Menschen betroffen.
Typ-1-Diabetes beginnt meist in jungen Jahren. Typ-2-Diabetes tritt häufig ab dem mittleren Alter auf, aber auch jüngere Menschen können erkranken.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle bei bekanntem Diabetes
- Sehr starke Verwirrtheit oder eine Person ist kaum ansprechbar
- Übelkeit und Erbrechen mit schneller Atmung und fruchtigem Geruch aus dem Mund
- Starke Bauchschmerzen zusammen mit hohem Blutzucker
- ⚠Fußwunden, die nicht heilen, rot oder warm werden
- ⚠Wiederholt sehr stark erhöhte Blutzuckerwerte, wenn Sie unsicher sind
- ⚠Anhaltendes Erbrechen, Durchfall oder hohes Fieber
- ⚠Sehstörungen, die über den Tag nicht besser werden
Häufige Symptome
- starker Durst
- häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- verschwommenes Sehen
- ungewollter Gewichtsverlust
- Wunden, die schlecht heilen
- wiederkehrende Infekte, zum Beispiel an der Haut oder Harnwegen
Symptome bei Kindern
- Kinder trinken auffällig viel und müssen häufig auf die Toilette
- Sie wirken müde, schlapp oder reizbar
- Wieder auftretendes Bettnässen kann ein Zeichen sein
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Beschwerden sind oft unauffällig, zum Beispiel nur Schwäche oder Schwindel
- Manchmal treten Verwirrtheit oder unscharfes Sehen auf
- Schlecht heilende Wunden an den Füßen sind ein Warnsignal
Ursachen
Hauptursachen
- Beim Typ-1-Diabetes greift das körpereigene Immunsystem die insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an.
- Beim Typ-2-Diabetes wirkt das Insulin in den Zellen nicht mehr ausreichend (Insulinresistenz). Die Bauchspeicheldrüse versucht anfangs, mit mehr Insulin gegenzusteuern, kann das aber mit der Zeit nicht mehr schaffen.
Risikofaktoren
- Übergewicht, vor allem im Bauchbereich
- Bewegungsmangel
- Diabetes bei Eltern oder Geschwistern
- Alter über 40
- Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette
- Diabetes während einer Schwangerschaft (Schwangerschaftsdiabetes)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie können Ihre Beschwerden nicht mehr sicher einschätzen und fühlen sich krank.
- Sie haben Fußwunden, die nicht heilen oder sich röten.
- Sie erbrechen wiederholt oder haben starke Bauchschmerzen.
- Sie messen deutlich höhere Blutzuckerwerte als sonst, verbunden mit Unwohlsein.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie vermuten, Diabetes zu haben, weil Sie zum Beispiel ständig durstig sind und viel Wasser lassen müssen.
- Wenn Angehörige Ihres engsten Umfelds Diabetes haben und Sie unsicher sind.
- Wenn Sie bereits wegen Diabetes in Behandlung sind und regelmäßige Kontrollen anstehen.
- Wenn Sie über Nebenwirkungen Ihrer Medikamente Bescheid wissen möchten – sprechen Sie die Ärztin oder den Arzt darauf an.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt nimmt Ihnen eine Blutprobe ab. Damit lässt sich Ihr Blutzucker messen. Häufig wird auch der Langzeitzucker (HbA1c) bestimmt. Er zeigt, wie hoch Ihr Blutzucker in den letzten Monaten durchschnittlich war.
Mögliche Untersuchungen
- Nüchternblutzucker: Messung nach 8 bis 12 Stunden ohne Essen
- HbA1c-Wert: Langzeit-Blutwert, der den Durchschnitt der letzten 8–12 Wochen zeigt
- Oraler Zuckertest: Sie trinken eine Zuckerlösung, danach wird der Blutzucker mehrfach gemessen
- Urintest: zum Beispiel auf Zucker oder Eiweiß
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutentnahme ist meist schmerzarm und schnell vorbei. Sie müssen vorher nüchtern bleiben, wenn der Arzt das anordnet. Nach der Untersuchung erhalten Sie einen Termin zur Besprechung der Werte.
Behandlung
Die Behandlung hat das Ziel, den Blutzucker möglichst gut im Gleichgewicht zu halten. Dazu gehören Schulung, Ernährungsumstellung, regelmäßige Bewegung und, wenn nötig, Medikamente. Ihr Behandlungsteam arbeitet nach modernen Leitlinien (AWMF-Leitlinien) und bespricht alle Schritte mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Blutzucker regelmäßig messen und die Werte dokumentieren
- Ausreichend trinken (vor allem Wasser oder ungesüßte Tees)
- Füße täglich ansehen und trocken halten
- Rauchen vermeiden
- Alkohol nur gelegentlich und nicht auf leeren Magen
Medizinische Behandlungen
Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist die Gabe des Hormons Insulin als Spritze oder über eine Pumpe wichtig. Bei Typ-2-Diabetes gibt es Tabletten und auch blutzuckersenkende Spritzen, die je nach Verlauf eingesetzt werden. Das Behandlungsteam erstellt mit Ihnen einen individuellen Plan.
Wann kommt eine Operation infrage?
Oft ist keine Operation nötig. Bei besonderen Situationen, zum Beispiel bei ausgeprägtem Übergewicht mit schwerer Stoffwechselstörung, kann eine Magenoperation als Teil des Behandlungskonzepts in bestimmten Zentren besprochen werden.
Leben mit der Erkrankung
Ein normaler Alltag ist gut möglich. Wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung und eingebaute Kontrollzeiten. Eine Diabetes-Schulung hilft Ihnen, Ihren Alltag sicher zu gestalten.
Tipps für den Alltag
- Kleine, regelmäßige Mahlzeiten statt großer süßer Zwischenmahlzeiten
- Viel Bewegung im Alltag, zum Beispiel Treppen statt Aufzug
- Gezielte Entspannung mit Atemübungen
- Genug Schlaf
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten hält den Blutzucker stabil. Regelmäßige Bewegung senkt den Blutzucker, weil die Muskeln den Zucker verwerten. Lassen Sie sich dazu von einer Fachperson für Diabetes beraten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Mit Diabetes zu leben ist manchmal herausfordernd. Sorgen, Ängste oder eine gedrückte Stimmung sind keine Schwäche. Sprechen Sie offen darüber, zum Beispiel mit dem Behandlungsteam. Wenn Sie sich sehr belastet fühlen oder an Suizid denken, suchen Sie sofort Unterstützung, etwa über die Telefonseelsorge, eine psychologische Beratung oder in einer psychiatrischen Klinik.
Vorbeugung
Typ-1-Diabetes lässt sich bislang nicht vorbeugen. Bei Typ-2-Diabetes können ein gesundes Körpergewicht, Bewegung und eine vollwertige Ernährung das Risiko deutlich senken.
Impfungen
Lassen Sie Ihre Impfungen regelmäßig prüfen. Bei Diabetes können Infekte schwerer verlaufen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann mit Ihnen besprechen, welche Impfungen sinnvoll sind, zum Beispiel gegen Grippe oder COVID-19.
Früherkennungsprogramme
Die Gesundheitsuntersuchung in Deutschland (Check-up) umfasst unter anderem Blutzucker- und Blutfettmessung. Nutzen Sie diese Angebote, besonders wenn in der Familie Diabetes vorkommt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte können Blutgefäße und Nerven schädigen.
- Mögliche Folgen sind Erkrankungen von Herz, Nieren und Augen.
- Auch der Fuß kann betroffen sein: Schlecht heilende Wunden und Nervenstörungen sind möglich.
- Ohne Behandlung kann eine schwere Stoffwechselentgleisung mit Übersäuerung des Blutes entstehen.
Langzeitprognose
Werden Diabetes und Belastungen früh erkannt und behandelt, lassen sich viele Folgen vermeiden. Menschen mit Diabetes können heute gut mit der Erkrankung leben – mit einem starken Behandlungsteam, einem eigenen Plan und ehrlicher Selbstfürsorge.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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