Diabetic neuropathy
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die diabetische Neuropathie ist eine Nervenschädigung, die durch einen dauerhaft zu hohen Blutzucker (Zucker im Blut) bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) entsteht. Die Nerven werden geschädigt, was zu Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen führen kann, vor allem in den Füßen und Beinen.
Wichtige Fakten
- Etwa jeder dritte Mensch mit Diabetes entwickelt im Laufe der Zeit eine Neuropathie.
- Die Erkrankung kann auch innere Organe wie Herz, Magen oder Blase betreffen.
- Eine gute Blutzuckereinstellung kann das Risiko senken und den Verlauf verlangsamen.
Ja, die diabetische Neuropathie ist eine häufige Spätfolge von Diabetes. Schätzungsweise 30 bis 50 Prozent aller Menschen mit Diabetes sind irgendwann davon betroffen.
Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, insbesondere wenn der Blutzucker über viele Jahre nicht gut eingestellt war. Auch Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen begünstigen die Entstehung.
Symptome
- Eine offene Wunde am Fuß, die nicht heilt und Anzeichen einer Infektion zeigt (Rötung, Wärme, Eiter)
- Plötzliche starke Schwellung und Rötung am Fuß ohne ersichtlichen Grund (möglicher Charcot-Fuß)
- ⚠Taubheitsgefühl oder Kribbeln, das sich innerhalb weniger Tage verschlimmert
- ⚠Schmerzen, die den Schlaf oder Alltag stark beeinträchtigen
Häufige Symptome
- Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühl in den Füßen oder Händen
- Schmerzen, die wie Stechen oder Ziehen beschrieben werden
- Empfindungsstörungen wie ein pelziges Gefühl
- Muskelschwäche oder Koordinationsprobleme
- Überempfindlichkeit bei Berührung
Ursachen
Hauptursachen
- Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die kleinen Blutgefäße, die die Nerven versorgen. Auch entzündliche Prozesse und Stoffwechselprodukte des Zuckers tragen zur Nervenschädigung bei.
Risikofaktoren
- Schlechte Blutzuckereinstellung
- Lange Diabetesdauer
- Übergewicht (Adipositas)
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfette
- Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich eine offene Stelle am Fuß bemerken
- Wenn sich Gefühlsverlust oder Schmerzen innerhalb weniger Tage verschlimmern
- Wenn Sie Fieber oder Rötung an einem Fuß haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Füßen bemerken
- Wenn Sie Ihren Blutzucker nicht gut einstellen können
- Einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung der Füße bei Diabetes
Diagnose
Die Diagnose erfolgt gemäß den nationalen Leitlinien der AWMF. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei wird die Empfindung der Haut mit einem feinen Nylonfaden (Monofilament) und einer Stimmgabel geprüft.
Mögliche Untersuchungen
- Monofilament-Test: Prüfung der Berührungsempfindung an den Füßen
- Stimmgabel-Test: Prüfung des Vibrationsempfindens
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln
- Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Messung, wie schnell Nerven Signale weiterleiten
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei bis auf Elektromyographie, bei der dünne Nadeln in die Muskeln gestochen werden. Nach der Diagnose bespricht Ihr Arzt mit Ihnen die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten zu verlangsamen und Komplikationen wie Fußgeschwüre zu vermeiden. Im Vordergrund steht die optimale Blutzuckereinstellung.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliche Fußinspektion: Kontrollieren Sie Ihre Füße auf Risse, Wunden oder Hautveränderungen
- Geeignete Fußpflege: weiche Hautcreme, aber nicht zwischen den Zehen
- Gut sitzende Schuhe tragen, die nicht drücken
- Vermeiden Sie zu heißes Wasser beim Waschen der Füße, da Sie Verletzungen nicht spüren
- Regelmäßige Bewegung, um die Durchblutung zu fördern
Medizinische Behandlungen
Medikamente können eingesetzt werden, um Nervenschmerzen zu lindern. Dazu gehören Arzneimittel, die eigentlich gegen Krampfanfälle oder Depressionen entwickelt wurden, aber auch bei Nervenschmerzen wirken. Schmerzsalben mit bestimmten Inhaltsstoffen können lokal aufgetragen werden. Diese Behandlungen werden von Ihrem Arzt individuell angepasst.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt selten in Frage, z.B. bei Engpass-Syndromen wie dem Karpaltunnelsyndrom, das durch Diabetes begünstigt wird. Bei schweren Fußdeformationen kann eine Operation zur Druckentlastung notwendig sein.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit diabetischer Neuropathie erfordert Achtsamkeit. Achten Sie auf Ihre Füße wie auf einen Schatz. Planen Sie tägliche Kontrollen ein und suchen Sie bei Auffälligkeiten sofort medizinische Hilfe.
Tipps für den Alltag
- Blutzucker regelmäßig messen und Zielwerte einhalten
- Nicht rauchen, da Rauchen die Durchblutung verschlechtert
- Alkoholkonsum einschränken
- Stress abbauen durch Entspannungstechniken
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, diabetesgerechte Ernährung hilft, den Blutzucker zu stabilisieren. Bewegung – wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren – verbessert die Durchblutung und kann Schmerzen lindern. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Bewegung für Sie geeignet ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und die ständige Sorge um die Füße können belasten. Es ist normal, sich manchmal ängstlich oder traurig zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber – er kann Ihnen helfen, auch psychische Unterstützung zu erhalten. Falls Sie sich in einer Krise fühlen, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder die nächste psychiatrische Klinik.
Vorbeugung
Eine diabetische Neuropathie lässt sich nicht immer verhindern, aber ihr Risiko kann deutlich gesenkt werden: durch eine gute Blutzuckereinstellung ab Diagnose von Diabetes, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Verzicht auf Rauchen. Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen der Füße sind wichtig.
Früherkennungsprogramme
Menschen mit Diabetes sollten mindestens einmal jährlich eine Fußuntersuchung durch ihren Arzt erhalten. Bei ersten Anzeichen einer Neuropathie sind engmaschigere Kontrollen sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fußgeschwüre und -infektionen, die im schlimmsten Fall zu einer Amputation führen können
- Fehlbelastungen der Gelenke (Charcot-Fuß) mit dauerhaften Fußdeformationen
- Stürze aufgrund von Gangunsicherheit
- Autonome Neuropathie mit Störungen der Verdauung, Blasenentleerung oder des Blutdrucks
Langzeitprognose
Eine diabetische Neuropathie ist nicht heilbar, aber mit einer guten Blutzuckereinstellung und konsequenter Selbstpflege können Sie das Fortschreiten verlangsamen und schwerwiegende Komplikationen vermeiden. Viele Menschen mit Neuropathie führen ein aktives und erfülltes Leben. Lassen Sie sich von Ihrem Behandlungsteam begleiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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