Durchfall-Schübe verstehen und richtig handeln
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Durchfall-Schub ist eine Phase, in der Sie plötzlich mehr Stuhlgang haben als sonst und der Stuhl weich oder flüssig ist. Oft dauert er nur wenige Tage. Er kann viele Ursachen haben, zum Beispiel eine Infektion, bestimmte Lebensmittel oder eine bestehende Darmerkrankung.
Wichtige Fakten
- Durchfall ist meist nach wenigen Tagen wieder vorbei.
- Das Wichtigste ist, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
- Bei Blut im Stuhl oder hohem Fieber sollten Sie schnell ärztliche Hilfe suchen.
Ja, Durchfall ist sehr häufig. Fast jeder Mensch hat irgendwann einmal einen Durchfall-Schub. In Deutschland treten pro Jahr etwa 20 bis 30 Millionen Fälle von akutem Durchfall auf.
Durchfall-Schübe können alle Menschen treffen – Säuglinge, Kinder, Erwachsene und ältere Menschen. Manche Menschen mit chronischen Darmerkrankungen wie Reizdarmsyndrom oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen erleben immer wieder Schübe.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Blut im Stuhl oder schwarzer, teerartiger Stuhl
- Zeichen einer schweren Austrocknung: kaum Urin, eingesunkene Augen, schneller Puls, kalter Schweiß
- Der Betroffene ist kaum aufweckbar oder sehr verwirrt
- Krampfanfälle oder starke, anhaltende Bauchschmerzen
- ⚠Bei Säuglingen unter 6 Monaten bereits bei ersten Durchfall-Zeichen
- ⚠Blut oder Schleim im Stuhl – ohne weitere Symptome
- ⚠Anhaltendes Erbrechen, sodass keine Flüssigkeit getrunken werden kann
- ⚠Sehr hohes Fieber über 39 Grad Celsius
- ⚠Durchfall, der länger als zwei Tage bei Erwachsenen anhält
Häufige Symptome
- Häufiger Stuhlgang (mehr als dreimal am Tag)
- Weicher oder flüssiger Stuhl
- Bauchschmerzen oder Krämpfe im Bauch
- Übelkeit oder Erbrechen
- Gegebenenfalls Fieber oder Kopfschmerzen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kommt häufig Erbrechen hinzu.
- Die Windeln sind häufiger nass oder verschmutzt.
- Kinder können schnell müde und schlapp werden.
- Achten Sie auf dunkel gefärbten Urin – das kann ein Zeichen für Flüssigkeitsmangel sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen verliert der Körper schnell Wasser und Salze.
- Schwindel und Verwirrtheit können auftreten.
- Es kann zu Stuhlunfällen kommen, weil der Druck auf den Darm groß ist.
- Auch die Einnahme von Blutdrucktabletten kann durch Flüssigkeitsmangel problematisch werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Infektionen durch Viren (wie Noroviren), Bakterien oder seltener Parasiten
- Verunreinigte Lebensmittel oder Wasser (Lebensmittelvergiftung)
- Unverträglichkeiten, zum Beispiel gegen Milchzucker (Laktose)
- Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Antibiotika)
- Stress oder Aufregung, die den Darm reizen
- Chronische Darmerkrankungen wie Reizdarm, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
Risikofaktoren
- Reisen in Länder mit niedrigeren Hygienestandards
- Geschwächtes Immunsystem durch Krankheit oder bestimmte Medikamente
- Alter – Säuglinge und ältere Menschen sind empfindlicher
- Kontakt zu erkrankten Personen, zum Beispiel in der Familie oder in Gemeinschaftseinrichtungen
- Mangelnde Händehygiene beim Kochen oder nach dem Toilettengang
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blut im Stuhl oder sehr dunkler Stuhl
- Fieber über 39 Grad Celsius
- Anhaltende Bauchschmerzen oder Erbrechen
- Anzeichen von Austrocknung (starker Durst, wenig Urin, trockener Mund, Schwindel)
- Bei Kindern, älteren Menschen, Schwangeren oder Menschen mit Vorerkrankungen frühzeitiger ärztlichen Rat einholen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der Durchfall länger als zwei Tage anhält
- Wenn Sie an einer chronischen Darmerkrankung leiden und ein neuer Schub auftritt
- Wenn Sie gerade eine Antibiotika-Behandlung machen
- Wenn der Durchfall immer wiederkehrt, auch wenn er nur kurz dauert
Diagnose
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin fragt zunächst nach Ihren Beschwerden, Ihrem Stuhlgang und möglichen Auslösern. Dann folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Bauch abgetastet wird. Je nach Situation können weitere Untersuchungen sinnvoll sein.
Mögliche Untersuchungen
- Stuhlprobe, um Krankheitserreger nachzuweisen
- Blutuntersuchung, um Entzündungszeichen oder Flüssigkeitsmangel zu erkennen
- Bei länger anhaltenden Beschwerden: Darmspiegelung (Koloskopie), um die Darmschleimhaut zu beurteilen
- Atemtest, um eine Lebensmittelunverträglichkeit abzuklären
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Eine Darmspiegelung findet in der Regel mit einer Beruhigungsspritze statt. Danach können Sie meist nach Hause gehen. Das Wichtigste ist, dass Ihr Arzt oder Ihre Ärztin eine sichere Diagnose stellt und mit Ihnen den nächsten Schritt bespricht.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Stärke des Durchfalls. In den meisten Fällen reicht es, den Darm zu entlasten und viel zu trinken. Medikamente sind nur in bestimmten Situationen sinnvoll – sprechen Sie immer mit einer medizinischen Fachperson.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend – am besten Wasser, ungesüßten Tee oder eine Elektrolytlösung aus der Apotheke
- Nehmen Sie die Lösung in kleinen Schlucken, am besten bei Raumtemperatur
- Essen Sie leichte Kost wie Brühe, Zwieback, geriebene Äpfel oder Kartoffeln
- Waschen Sie sich nach dem Toilettengang gründlich die Hände
- Bleiben Sie zu Hause, wenn Sie sich krank fühlen – das schont Sie und schützt andere
- Vermeiden Sie Alkohol und stark gewürzte Speisen, bis der Durchfall abklingt
Medizinische Behandlungen
In einigen Fällen verschreibt die Ärztin oder der Arzt Medikamente, die den Stuhl festigen oder gegen die Erreger wirken. Diese richten sich nach der jeweiligen Ursache. Nehmen Sie keine rezeptfreien Mittel ohne Rücksprache mit einer Fachperson ein – manche Mittel können den Durchfall verlängern oder Nebenwirkungen haben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn eine schwere Darmerkrankung wie eine akute Darmentzündung oder ein Darmverschluss vorliegt. Das ist eine Notfallsituation, die im Krankenhaus behandelt wird.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Sie immer wieder Durchfall-Schübe haben, ist es hilfreich, einen Rhythmus zu finden. Nehmen Sie sich Zeit für die Toilettengänge und planen Sie ausreichend Pausen ein. Führen Sie ein kleines Tagebuch über Ihre Beschwerden und mögliche Auslöser – das hilft auch bei der ärztlichen Beratung.
Tipps für den Alltag
- Schlafen Sie ausreichend und gönnen Sie Ihrem Körper Ruhepausen
- Gehen Sie sanft mit Ihrem Bauch um: Wärme in Form von Wärmflasche oder Kissen kann beruhigen
- Reduzieren Sie Stress durch Entspannungsübungen, Atemtechniken oder einen Spaziergang
- Trinken Sie auch an beschwerdefreien Tagen genug Wasser
- Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Medikamente für Sie sicher sind
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt Ihren Darm. Bei akuten Schüben hilft hingegen eine leichte, bekömmliche Kost. Bewegung an der frischen Luft regt den Kreislauf an, aber vermeiden Sie starke körperliche Anstrengung während eines Schubs. Versuchen Sie zu erkennen, welche Lebensmittel Ihnen guttun – das ist bei jedem Menschen unterschiedlich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständige Durchfall-Schübe können sehr belastend sein. Viele Menschen schämen sich oder haben Angst vor unangenehmen Situationen. Es ist wichtig zu wissen: Das ist eine Krankheit, die behandelt werden kann. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin auch über seelische Belastungen zu sprechen. Falls Sie ernsthafte Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, suchen Sie sofort das nächste Krankenhaus auf oder wählen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jeder Durchfall-Schub lässt sich vermeiden, aber oft hilft die richtige Hygiene. Waschen Sie sich regelmäßig die Hände, besonders vor dem Essen und nach dem Toilettengang. Achten Sie auf saubere Küchengeräte und auf eine gute Lebensmittelhygiene. Trinken Sie auf Reisen im Zweifel nur abgepacktes Wasser und meiden Sie rohe Speisen.
Impfungen
Für Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen gibt es Schutzimpfungen gegen manche Durchfallerreger, zum Beispiel gegen Rotaviren für Säuglinge. Ihre Kinderärztin oder Ihr Hausarzt kann Ihnen mehr dazu sagen.
Früherkennungsprogramme
Eine regelmäßige Darmkrebsvorsorge ist ab 50 Jahren empfohlen. Sie kann frühe Veränderungen im Darm entdecken, die später auch mit Durchfall einhergehen können. Bitte fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis nach, wann der richtige Zeitpunkt für Sie ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydratation): Der Körper verliert zu viel Wasser
- Störung des Salz- und Mineralstoffhaushalts, was Herzrhythmus und Nerven beeinflussen kann
- Nierenversagen durch Flüssigkeitsmangel
- Bei Säuglingen und Kleinkindern kann eine Austrocknung lebensbedrohlich werden
Langzeitprognose
Die meisten Durchfall-Schübe klingen ohne Behandlung innerhalb weniger Tage ab. Wenn Sie auf Ihre Flüssigkeitszufuhr achten und bei Warnzeichen frühzeitig ärztliche Hilfe holen, sind ernste Komplikationen sehr selten. Chronische Darmerkrankungen erfordern eine langfristige Betreuung, aber viele Menschen finden damit einen guten Umgang und führen ein aktives Leben.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.