Durchfall verstehen: Ein Überblick für Patientinnen und Patienten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Durchfall (Diarrhö) ist ein Zustand, bei dem der Stuhl häufig, ungeformt oder wässrig ist. Der Darm gibt dann mehr Flüssigkeit nach außen ab, als normal wäre. Dadurch verliert der Körper Wasser und Salze (Elektrolyte).
Wichtige Fakten
- Akuter Durchfall dauert meist nur 2 bis 4 Tage und heilt oft von selbst.
- Die häufigste Ursache ist eine Infektion mit Viren.
- Wichtig ist, ausreichend Flüssigkeit und Salze zu sich zu nehmen, um Austrocknung zu vermeiden.
Ja, Durchfall ist sehr häufig. Erwachsene in Deutschland erkranken durchschnittlich ein- bis zweimal pro Jahr an akutem Durchfall.
Durchfall kann jeden treffen. Besonders anfällig sind kleine Kinder, ältere Menschen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Reisende in Regionen mit niedriger Hygienestandards.
Symptome
- Blut im Stuhl oder schwarzer, teerartiger Stuhl
- Anzeichen einer schweren Austrocknung: kein Urin, kalte und trockene Haut, Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung
- Anhaltendes hohes Fieber über 39 °C
- Starke Bauchschmerzen oder ein zusammengefallener Kreislauf
- ⚠Durchfall, der länger als 3 Tage ohne Besserung anhält
- ⚠Bei Kindern: keine nassen Windeln, keine Tränen beim Weinen, eingerollte Augen
- ⚠Bei Erwachsenen: Schwindel, Dunkelheit des Urins, starke Schwäche
- ⚠Durchfall bei Säuglingen unter 6 Monaten oder bei Personen mit schweren chronischen Erkrankungen
Häufige Symptome
- Dünnflüssiger oder wässriger Stuhl, der häufiger als gewöhnlich auftritt
- Bauchschmerzen oder krampfartige Beschwerden
- Übelkeit und gegebenenfalls Erbrechen
- Allgemeines Schwächegefühl und Müdigkeit
Symptome bei Kindern
- Weicher, sehr häufiger Stuhl
- Bauchschmerzen und Krämpfe
- Erbrechen und Übelkeit
- Fieber und eine ungewöhnliche Müdigkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Wässriger Stuhl und häufige Toilettengänge
- Leichte Verwirrtheit oder Schwindel als Zeichen von Flüssigkeitsmangel
- Verminderter Appetit und Trinkmenge
- Trockene Haut und dunkler Urin
Ursachen
Hauptursachen
- Viren wie Noroviren oder Rotaviren
- Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacter, oft über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser
- Nebenwirkungen von Arzneimitteln, zum Beispiel bei Antibiotika
- Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz
- Chronische Darmerkrankungen wie Reizdarmsyndrom oder entzündliche Darmerkrankungen
Risikofaktoren
- Aufenthalte in Ländern mit schlechter Trinkwasserqualität
- Enger Kontakt zu erkrankten Personen im Haushalt oder in Gemeinschaftseinrichtungen
- Ein geschwächtes Immunsystem durch Vorerkrankungen oder Medikamente
- Mangelnde Händehygiene, besonders bei der Zubereitung von Speisen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Durchfall seit mehr als 3 Tagen ohne Besserung
- Zeichen von Austrocknung, zum Beispiel Schwindel, Verwirrtheit oder stark reduziertes Wasserlassen
- Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl
- Durchfall bei Babys unter 6 Monaten, bei pflegebedürftigen älteren Menschen oder bei Personen mit schwerer Grunderkrankung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrender oder chronischer Durchfall, der länger als 2 Wochen besteht
- Ungewollter Gewichtsverlust oder nächtlicher Durchfall
- Durchfall, der nach einer Auslandsreise auftritt
- Bei bekannten chronischen Darmerkrankungen, wenn sich die Beschwerden verschlimmern
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose meist durch eine ausführliche Befragung und eine körperliche Untersuchung. Wichtig sind Angaben zu Beginn, Häufigkeit, Stuhlbeschaffenheit und Begleitsymptomen.
Mögliche Untersuchungen
- Stuhlprobe, um nach Krankheitserregern zu suchen
- Blutuntersuchung, um Entzündungszeichen oder einen Flüssigkeitsmangel festzustellen
- Bei chronischen Beschwerden: Bauchultraschall oder Darmspiegelung (nur nach ärztlicher Indikation)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt wird Ihnen gezielte Fragen stellen, den Bauch abtasten und gegebenenfalls eine Stuhl- oder Blutuntersuchung anordnen. Meist lässt sich die Ursache schnell eingrenzen, ohne dass eine aufwendige Diagnostik nötig ist.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Bei akutem Durchfall steht der Ausgleich von Flüssigkeit und Salzen im Mittelpunkt. Die Versorgung in Deutschland orientiert sich an der AWMF-Leitlinie zu akutem Durchfall. In den meisten Fällen ist keine besondere medikamentöse Therapie erforderlich.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend: Wasser, ungesüßten Tee oder fertige Elektrolytlösung aus der Apotheke in kleinen Schlucken
- Essen Sie leichte Kost wie Zwieback, geriebenen Apfel, Bananen oder klare Gemüsebrühe
- Verzichten Sie auf fettige, scharf gewürzte oder sehr süße Speisen, solange der Durchfall besteht
- Waschen Sie sich gründlich die Hände, um eine Ansteckung anderer zu vermeiden
Medizinische Behandlungen
In bestimmten Fällen können Ärztinnen und Ärzte Medikamente verordnen, zum Beispiel gegen die Erreger (Antibiotika) bei bakterieller Ursache oder Mittel, die die Darmbewegung verlangsamen. Die Entscheidung darüber wird individuell getroffen und hängt von Ursache, Alter und Begleiterkrankungen ab. Auch Arzneimittel mit Elektrolyten und Zucker können unterstützend eingesetzt werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei gewöhnlichem Durchfall nicht erforderlich. Sie kommt nur bei seltenen zugrunde liegenden Erkrankungen in Betracht, zum Beispiel bei schweren Darmentzündungen oder Tumoren.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Sie von Durchfall betroffen sind, ist es wichtig, auf Ihren Flüssigkeitshaushalt zu achten und sich körperlich zu schonen. Notieren Sie, wie oft und wie lange der Durchfall besteht, und suchen Sie bei Warnzeichen frühzeitig ärztliche Hilfe auf.
Tipps für den Alltag
- Bei akutem Durchfall zu Hause bleiben und ausreichend ruhen
- Nach jedem Toilettengang und vor dem Essen die Hände gründlich mit Seife waschen
- Eigene Handtücher und Hygieneartikel verwenden, um andere nicht anzustecken
Ernährung und Bewegung
Körperliche Ruhe ist bei akutem Durchfall sinnvoll. Leichte Bewegung, zum Beispiel Spazierengehen, ist erlaubt, sobald Sie sich kräftig genug fühlen. Die Ernährung können Sie nach Abklingen des Durchfalls langsam wieder auf Ihren normalen Speiseplan umstellen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltender Durchfall kann belastend sein, besonders wenn er mit Scham oder der Sorge vor akuten Toilettengängen verbunden ist. Es ist verständlich, sich unsicher zu fühlen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn die Beschwerden Ihre Lebensqualität stark einschränken.
Vorbeugung
In den meisten Fällen lässt sich akuter Durchfall durch gute Hygiene, sicheres Trinkwasser und sorgfältig zubereitete Speisen vermeiden.
Impfungen
Für einige Erreger, wie Rotaviren im Säuglingsalter, stehen Schutzimpfungen zur Verfügung. Lassen Sie sich hierzu von Ihrer Kinder- und Hausarztpraxis beraten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Früherkennungsprogramm für Durchfallerkrankungen. Wenn Durchfall wiederholt oder über einen längeren Zeitraum auftritt, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydration) mit Schwindel, Verwirrtheit und Kreislaufproblemen
- Verlust von Salzen (Elektrolyte), was Herzrhythmusstörungen begünstigen kann
- Bei chronischem Durchfall: Gewichtsverlust, Nährstoffmangel und Schwächegefühl
Langzeitprognose
Akuter Durchfall klingt in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage von selbst ab. Werden ausreichend Flüssigkeit und Salze zugeführt und Warnzeichen ernst genommen, ist die Aussicht auf vollständige Genesung sehr gut.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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