Durchfall – was Sie selbst tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Durchfall bedeutet, dass Sie häufiger als sonst Stuhlgang haben und der Stuhl sehr weich oder flüssig ist. Meist ist er harmlos und klingt nach ein paar Tagen von allein wieder ab. Das Wichtigste ist, dass Sie genug trinken, damit Ihr Körper nicht austrocknet.
Wichtige Fakten
- Durchfall ist meist ein Zeichen, dass der Körper etwas Unverträgliches oder Krankmachendes loswerden will.
- In den meisten Fällen dauert Durchfall nur 2 bis 3 Tage und braucht keine besondere Behandlung.
- Am wichtigsten ist es, genügend Flüssigkeit und Salze (Elektrolyte) zu sich zu nehmen.
- Bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen kann Durchfall schneller gefährlich werden.
- Wenn Sie starke Schmerzen, Fieber über 39 °C oder Blut im Stuhl bemerken, sollten Sie ärztlichen Rat suchen.
Ja, Durchfall gehört zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Fast jeder Mensch erlebt ihn mehrmals im Jahr – zum Beispiel bei einer Magen-Darm-Infektion, auf Reisen oder nach bestimmten Lebensmitteln.
Durchfall kann jeden treffen – Säuglinge und Kinder ebenso wie Erwachsene und ältere Menschen. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, chronisch Kranke und Menschen, die viel reisen.
Symptome
- Sie oder Ihr Kind sind nicht mehr ansprechbar oder reagieren kaum noch.
- Der Blutdruck ist so niedrig, dass Sie ohnmächtig werden oder kreislaufbedingt nicht mehr stehen können.
- Sie erbrechen Blut oder haben schwarzen, teerigen Stuhl.
- Zusätzlich treten starke Atemnot oder Brustschmerzen auf.
- Bei Säuglingen: über 6 Stunden keine nassen Windeln und eintrübung des Bewusstseins.
- ⚠Blut oder Schleim im Stuhl
- ⚠Fieber über 39 °C, das länger als einen Tag anhält
- ⚠Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Zeichen von Austrocknung: trockene Zunge, kaum Urin, Schwindel
- ⚠Durchfall, der bei einem Säugling, Kleinkind oder älteren Menschen länger als 12 Stunden anhält
Häufige Symptome
- Mindestens drei weiche oder flüssige Stuhlgänge pro Tag
- Bauchschmerzen oder krampfartige Beschwerden
- Übelkeit oder Erbrechen
- Ein Gefühl, dringend zur Toilette zu müssen
- Manchmal leichtes Fieber
Symptome bei Kindern
- Weicher oder flüssiger Stuhl über mehrere Stunden oder Tage
- Ungewöhnlich viel Schreien oder Weinen bei Säuglingen
- Trockene Lippen und wenig Urin – Anzeichen für Flüssigkeitsmangel
- Eingesunkene Augen oder eingefallene Fontanelle (weiche Stelle am Kopf)
- Teilnahmslosigkeit oder starke Müdigkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schnell einsetzende Schwäche und Verwirrtheit
- Trockene Haut und trockene Zunge
- Schwindel und Benommenheit beim Aufstehen
- Deutlich weniger Toilettengänge zum Wasserlassen
- Weicher Stuhl mit Bauchschmerzen oder Erbrechen
Ursachen
Hauptursachen
- Viren (zum Beispiel Magen-Darm-Grippe, auch Noroviren oder Rotaviren genannt)
- Bakterien (zum Beispiel durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel)
- Lebensmittelunverträglichkeiten (zum Beispiel Laktose oder Fruchtzucker)
- Wechselwirkungen von Medikamenten oder eine Antibiotika-Behandlung
- Stress oder Aufregung, die den Darm reizen
Risikofaktoren
- Reisen in Länder mit anderen Hygienestandards
- Kontakt zu durchfallkranken Personen (Schmierinfektionen)
- Geschwächtes Immunsystem durch Krankheit oder Medikamente
- Bestimmte Grunderkrankungen wie Reizdarmsyndrom oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Fleisch, Fisch oder Eiern
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blut oder Schleim im Stuhl
- Zeichen starker Austrocknung (kaum Urin, trockene Zunge, Schwindel)
- Durchfall länger als 3 Tage bei Kindern und länger als 2 Tage bei älteren Menschen
- Anhaltendes hohes Fieber (über 39 °C)
- Starke Bauchschmerzen oder starkes Erbrechen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie wissen, dass Sie eine chronische Darmerkrankung haben und sich die Beschwerden verändern.
- Durchfall tritt immer wieder auf, ohne dass Sie die Ursache kennen.
- Sie sind sich unsicher, ob eine bestehende Grunderkrankung (zum Beispiel Diabetes) zusätzliche Maßnahmen erfordert.
Diagnose
In den meisten Fällen stellt die Ärztin oder der Arzt die Diagnose anhand Ihrer Schilderungen und einer körperlichen Untersuchung. Dabei wird auch geprüft, ob Sie Anzeichen von Flüssigkeitsmangel haben.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Sie zeigt, ob Ihr Körper genug Flüssigkeit und Salze hat.
- Stuhlprobe: Sie wird im Labor auf Bakterien, Viren oder Parasiten untersucht, wenn der Durchfall länger anhält oder Blut enthalten ist.
- Bauchultraschall oder Darmspiegelung: Nur bei unklaren oder länger andauernden Beschwerden nötig.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden vom Arzt befragt, seit wann der Durchfall besteht, wie oft und wie der Stuhl aussieht. Oft ist keine weitere Untersuchung nötig. Falls doch ein Test gemacht wird, ist das schmerzfrei. Ein Gespräch und eine schnelle körperliche Untersuchung geben meist schon Klarheit, ob eine einfache Selbstbehandlung ausreicht.
Behandlung
Der wichtigste Grundsatz bei Durchfall ist: Viel trinken, am besten Wasser oder eine fertige Elektrolyt-Lösung aus der Apotheke. In der Regel ist keine medikamentöse Behandlung nötig, da der Körper die Infektion selbst bekämpft. Wenn die Ursache eine Unverträglichkeit oder eine Grunderkrankung ist, kann die Behandlung darauf abgestimmt werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie mindestens 2 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag – am besten Wasser, ungesüßten Kräutertee oder eine Beutel-Elektrolyt-Lösung aus der Apotheke.
- Vermeiden Sie Fruchtsäfte und stark gezuckerte Getränke, da sie den Darm zusätzlich reizen können.
- Essen Sie leichte, gut verdauliche Kost, zum Beispiel Zwieback, Reis, Bananen oder Haferbrei.
- Wenn Sie stillen oder Säuglingsnahrung geben: Füttern Sie weiter, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
- Waschen Sie sich nach jedem Toilettengang gründlich die Hände mit Seife, um anderen keine Krankheitserreger weiterzugeben.
- Ruhen Sie sich aus und hören Sie auf Ihren Körper – vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten.
Medizinische Behandlungen
In ärztlicher Beratung kann bei Bedarf ein Medikament verordnet werden, das die Darmbewegung hemmt oder bei einer bakteriellen Infektion Antibiotika eingesetzt werden. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der Ursache und Ihrem Gesundheitszustand ab. Warten Sie niemals zu lange mit dem Arztbesuch, wenn der Durchfall stark ist oder Sie besondere Anzeichen wie Blut oder Fieber bemerken.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Durchfall fast nie nötig. Nur bei sehr seltenen Komplikationen wie einem Darmverschluss oder einer Bauchfellentzündung könnte ein chirurgischer Eingriff erforderlich werden. Dies wird dann nach genauer Untersuchung entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Solange der Durchfall anhält, planen Sie alle Wege mit Bedacht: Möglicherweise müssen Sie kurzfristig eine Toilette aufsuchen können. Nehmen Sie ein paar Wechselunterwäsche mit und nutzen Sie gut erreichbare Toiletten, etwa in Bahnhöfen oder Einkaufszentren. Nach jedem Toilettengang ist gründliches Händewaschen wichtig.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt, nicht nur bei Durst.
- Achten Sie auf eine ruhige Umgebung und gönnen Sie sich ausreichend Schlaf.
- Reduzieren Sie Stress in den Tagen nach der Erkrankung – Ihr Darm ist noch empfindlich.
- Körperliche Anstrengung und Sport sollten Sie vermeiden, bis der Durchfall vorbei ist.
Ernährung und Bewegung
Ernährung: Beginnen Sie mit leicht verdaulichen Lebensmitteln wie Zwieback, geriebener Apfel, Reis und gekochten Kartoffeln. Danach können Sie langsam wieder auf das zurückkehren, was Sie gut vertragen. Bewegung: Leichte Spaziergänge sind erlaubt, sobald Sie sich kräftig genug fühlen. Auf intensiven Sport sollten Sie mindestens 2 bis 3 Tage nach dem letzten Durchfall verzichten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Durchfall kann sehr unangenehm und peinlich sein – das ist völlig normal. Viele Menschen fühlen sich dadurch belastet und meiden soziale Kontakte. Es ist wichtig, offen mit engen Vertrauten zu sprechen und sich klarzumachen, dass es sich meist um eine vorübergehende, körperliche Erkrankung handelt. Wenn Sie merken, dass die Angst oder der Rückzug lange anhält, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie Unterstützung.
Vorbeugung
Einem akuten Durchfall lässt sich nicht immer vorbeugen, aber Sie können eine Magen-Darm-Infektion durch gute Händehygiene und saubere Essenszubereitung seltener bekommen. Meiden Sie auf Reisen Speisen, die roh oder ungekocht sind, und trinken Sie Wasser aus sicheren Quellen.
Impfungen
Es gibt in Deutschland Schutzimpfungen gegen Rotaviren, die bei Säuglingen und Kleinkindern einen häufigen Auslöser von schwerem Durchfall darstellen. Fragen Sie Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt dazu. Auch eine Schluckimpfung gegen Typhus kann für Reisen in bestimmte Regionen sinnvoll sein – sprechen Sie vor der Reise einen Reisemediziner oder Ihre Hausarztpraxis an.
Früherkennungsprogramme
Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung speziell für Durchfall gibt es nicht. Wenn Sie jedoch häufig unter Durchfall leiden, kann eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrankheiten sinnvoll sein. Besprechen Sie dies mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydratation) – der Körper verliert zu viel Wasser und Salze, was zu Kreislaufproblemen führen kann.
- Elektrolytentgleisung – ein Mangel an Natrium und Kalium kann Herzrhythmusstörungen verursachen.
- Nierenprobleme, wenn die Nieren nicht mehr genug Flüssigkeit erhalten.
- Bei Kleinkindern und älteren Menschen können schon ein bis zwei durchfallreiche Tage gefährlich werden.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht ist: Bei gesunden Menschen verschwindet Durchfall meist nach 2 bis 3 Tagen von selbst. Mit ausreichender Flüssigkeit und etwas Ruhe erholt sich der Darm vollständig. Auch wenn es unangenehm ist – Ihr Körper hat eine natürliche Fähigkeit, solche Infektionen allein zu überwinden. Bleibt er länger als ein paar Tage oder kommen Warnzeichen dazu, ist schnelle ärztliche Hilfe in den allermeisten Fällen wirksam.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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