Durchfall behandeln – ein Überblick über wirksame Maßnahmen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Durchfall (medizinisch Diarrhoe) ist ein meist harmloses Zeichen, dass der Darm gestört ist. Der Stuhl wird häufiger und flüssiger als gewohnt. In den meisten Fällen liegt eine Infektion zugrunde, seltener eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine chronische Darmerkrankung.
Wichtige Fakten
- Durchfall ist in der Regel selbstlimitierend und bessert sich binnen weniger Tage.
- Das Wichtigste ist, den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen.
- Bei Blut im Stuhl, hohem Fieber oder starken Schmerzen immer ärztlichen Rat einholen.
- Kinder und ältere Menschen brauchen besondere Beobachtung.
Ja, Durchfall gehört zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Jeder Mensch hat im Laufe des Lebens mehrfach Durchfall – oft im Rahmen einer harmlosen Magen-Darm-Infektion.
Durchfall kann jede und jeden treffen, unabhängig vom Alter. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem, weil ihr Körper leichter austrocknet.
Symptome
- Notruf 112 wählen, wenn Blut im Stuhl oder Erbrochenem auftritt
- Notruf 112 wählen bei Anzeichen einer schweren Austrocknung: kaum Urin, eingesunkene Augen, Verwirrtheit
- Notruf 112 wählen bei Ohnmacht oder Kreislaufzusammenbruch
- Notruf 112 wählen bei anhaltenden, sehr starken Bauchschmerzen mit hartem Bauch
- Notruf 112 wählen bei Säuglingen und Kindern mit unstillbarem Erbrechen oder über sechs Stunden ohne nasse Windel
- ⚠Hohes Fieber über 39 °C bei Erwachsenen beziehungsweise über 38,5 °C bei Kindern
- ⚠Anhaltendes Erbrechen, sodass kein Trinken möglich ist
- ⚠Verschlechterung des Allgemeinzustands trotz ausreichender Flüssigkeitsaufnahme
- ⚠Einnahme eines Antibiotikums während der letzten Wochen
- ⚠Geschwächtes Immunsystem durch Vorerkrankung oder Behandlung
Häufige Symptome
- Mindestens drei ungeformte, wässrige Stühle innerhalb von 24 Stunden
- Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen
- Blähungen
- Übelkeit oder Erbrechen
- Allgemeines Krankheitsgefühl, manchmal Fieber
Symptome bei Kindern
- Eingesunkene Augen
- Trockene Zunge und trockene Lippen
- Übermäßige Müdigkeit oder Teilnahmslosigkeit
- Weniger nasse Windeln als sonst
- Kaum Tränen beim Weinen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
- Trockener Mund und trockene Haut
- Verwirrtheit oder Verlangsamung
- Starkes Schwächegefühl
- Weniger Urin als üblich
Ursachen
Hauptursachen
- Virale Magen-Darm-Infekte, zum Beispiel Noroviren oder Rotaviren
- Bakterielle Erreger, zum Beispiel Salmonellen oder Campylobacter
- Lebensmittelvergiftungen
- Nebenwirkungen von Medikamenten, etwa nach Antibiotika-Gabe
- Unverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz oder Zöliakie
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
Risikofaktoren
- Mangelnde Händehygiene nach dem Toilettengang
- Gemeinschaftseinrichtungen wie Kita oder Schwimmbad
- Reisen in Länder mit erhöhtem Infektionsrisiko
- Medikamente, die die Magensäure oder Darmflora beeinflussen
- Hohes oder sehr niedriges Lebensalter
- Schwaches Immunsystem
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blut im Stuhl
- Fieber über 39 °C bei Erwachsenen beziehungsweise über 38,5 °C bei Kindern
- Zeichen starker Austrocknung
- Nicht fähig, ausreichend zu trinken
- Schwere Bauchschmerzen oder Kreislaufprobleme
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Durchfall dauert länger als drei Tage an
- Durchfall tritt immer wieder auf oder wird nach kurzer Besserung erneut schlimmer
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Durchfall nach einer Antibiotika-Therapie
- Hinweise auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Auftreten, Häufigkeit, Begleitsymptomen, Reisen, Medikamenten und Vorerkrankungen. Dazu gehört eine körperliche Untersuchung mit Blick auf Flüssigkeitsstatus und Bauch. Bei Bedarf wird die Untersuchung durch Laboruntersuchungen ergänzt. In Deutschland orientiert man sich dabei an der aktuellen AWMF-Leitlinie.
Mögliche Untersuchungen
- Stuhlprobe auf Erreger wie Bakterien oder Viren
- Bluttest zur Beurteilung von Entzündungszeichen und Salzverlust
- Test auf verstecktes Blut im Stuhl
- Bei Verdacht auf Unverträglichkeit: Atemtest oder Eliminationsdiät
- Bei chronischen Beschwerden: Darmspiegelung (Koloskopie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die ärztliche Untersuchung ist meist unkompliziert. Sie werden gebeten, zu erzählen, wie es zum Durchfall kam. Ein kurzer Tastbefund des Bauchs und das Messen von Puls und Blutdruck zeigen, wie gut Sie Flüssigkeit verloren haben. Oft reicht das aus, um eine Einschätzung zu geben.
Behandlung
Die wichtigste Behandlung ist, den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Trinken Sie nicht alles auf einmal, sondern in kleinen Schlucken. Magen und Darm brauchen Ruhe, und die meisten Durchfälle klingen ohne spezielle Therapie ab. Der Arzt oder die Ärztin entscheidet, ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken: am besten Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe
- Fertige Elektrolytmischungen aus der Apotheke nach Packungsbeilage verwenden
- Auf leichte Kost umsteigen, zum Beispiel Banane, Reis, Zwieback oder Haferflocken
- Übergangsweise nichts Fettiges, Scharfes oder Milchprodukte essen
- Mehrere Stunden Ruhe gönnen und ausreichend schlafen
- Hände mit Seife waschen, um Ansteckung zu vermeiden
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache und Verlauf können Ärztinnen und Ärzte Mittel gegen Übelkeit oder Krämpfe verordnen, Medikamente gegen die Erreger (Antibiotika) bei bakterieller Infektion oder eine spezielle Behandlung der Grunderkrankung bei chronischen Formen. Auch Arzneimittel gegen das Symptom Durchfall können in Absprache mit der Behandlung sinnvoll sein. Wichtig: Nehmen Sie keine Medikamente, die für eine andere Person bestimmt waren, und halten Sie die ärztliche Dosierung genau ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei gewöhnlichem Durchfall fast nie nötig. Sie kommt erst infrage, wenn eine schwere Grunderkrankung wie ein Darmverschluss, eine akute Blinddarmentzündung oder eine entzündliche Darmerkrankung mit Komplikationen vorliegt.
Leben mit der Erkrankung
Bei akutem Durchfall sind Ruhe und ausreichend Flüssigkeit die wichtigsten Begleiter. Planen Sie den Tag so, dass Sie in der Nähe einer Toilette sind und sich zurückziehen können. Wenn sich der Magen beruhigt, können Sie wieder langsam normal essen.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie regelmäßig kleine Mengen, nicht zu viel auf einmal
- Achten Sie auf hygienische Toilettengänge mit gründlichem Händewaschen
- Nehmen Sie sich Zeit zum Ausruhen und Stressabbau
- Vermeiden Sie bis zur Besserung Sport und schweres Heben
- Ziehen Sie bei längerem Bestehen eine ärztliche Abklärung in Betracht
Ernährung und Bewegung
In den ersten 24 Stunden sind leicht verdauliche Speisen wie Brühe, Zwieback oder gekochter Reis gut. Vermeiden Sie rohes Gemüse, scharfe Gewürze und Alkohol. Sport ist bei Durchfall nicht sinnvoll, da er den Körper zusätzlich belastet. Sobald sich der Zustand bessert, kann man vorsichtig Spaziergänge einplanen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Durchfall kann auch emotional belastend sein – viele Menschen schämen sich oder haben Angst, nicht rechtzeitig eine Toilette zu finden. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer vertrauten Person, insbesondere wenn die Beschwerden länger anhalten.
Vorbeugung
Ein großer Teil akuter Durchfälle lässt sich durch Händewaschen mit Seife, sorgfältigen Umgang mit Lebensmitteln und sicheres Trinkwasser vermeiden. Nicht jede Infektion ist aber verhinderbar – besonders bei Kindern im Kontakt mit anderen Kindern.
Impfungen
Gegen Rotaviren gibt es in Deutschland eine von der Ständigen Impfkommission empfohlene Schluckimpfung für Säuglinge. Weitere Impfungen können bei Reisen in bestimmte Länder sinnvoll sein. Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt beziehungsweise Ihrer ärztlichen Praxis.
Früherkennungsprogramme
Für akuten Durchfall gibt es keine Vorsorgeuntersuchung. Bei wiederholten oder chronischen Beschwerden kann eine Darmspiegelung zur Abklärung sinnvoll sein – auch das wird ärztlich entschieden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydrierung) mit Schwindel, Verwirrtheit und Nierenbelastung
- Störungen des Elektrolythaushalts, die Herz und Muskulatur beeinträchtigen können
- Unbeabsichtigter Gewichtsverlust und Nährstoffmangel
- Bei chronischen Ursachen: dauerhafte Entzündung oder Schädigung der Darmschleimhaut
Langzeitprognose
Die Prognose bei Durchfall ist in der Regel sehr gut: Die meisten akuten Krankheitsverläufe klingen innerhalb von ein bis drei Tagen von selbst ab. Mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Ruhe und – wenn nötig – ärztlicher Unterstützung sind schwere Komplikationen selten. Auch chronische Formen lassen sich heute meist gut behandeln.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.