Empyema awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Empyem (ausgesprochen: Em-pü-ehm) ist eine Ansammlung von Eiter im Brustkorb, genauer gesagt zwischen der Lunge und der Brustwand. Normalerweise ist dieser Raum flüssigkeitsleer. Bei einem Empyem entzündet sich die Lunge oder das umliegende Gewebe, und es sammelt sich eitrige Flüssigkeit an. Das kann die Atmung erschweren und muss behandelt werden.
Wichtige Fakten
- Ein Empyem entsteht meist als Folge einer Lungenentzündung (Pneumonie).
- Es handelt sich um eine ernste Erkrankung, die im Krankenhaus behandelt werden muss.
- Die Behandlung umfasst in der Regel Antibiotika und das Ableiten des Eiters.
- Mit rechtzeitiger Behandlung können die meisten Menschen vollständig genesen.
Empyeme sind nicht sehr häufig, aber auch nicht extrem selten. In Deutschland treten sie schätzungsweise bei etwa 1 von 100 Menschen mit einer Lungenentzündung auf. Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Lungenerkrankungen haben ein höheres Risiko.
Empyeme können Menschen jeden Alters betreffen, treten aber häufiger bei Erwachsenen auf, besonders bei älteren Menschen oder solchen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, chronischer Bronchitis oder einer geschwächten Immunabwehr.
Symptome
- Plötzliche, starke Atemnot, die nicht nachlässt
- Blaue Lippen oder bläuliche Fingernägel (Anzeichen für Sauerstoffmangel)
- Verwirrtheit oder Bewusstseinseintrübung
- Sehr hohes Fieber (über 39,5 °C) mit Schüttelfrost und Kreislaufproblemen
- ⚠Fieber über 38,5 °C, das länger als einen Tag anhält
- ⚠Starke Brustschmerzen, die das Atmen erschweren
- ⚠Husten mit eitrigem Auswurf, der nach einigen Tagen nicht besser wird
- ⚠Anhaltende Kurzatmigkeit bei leichter Belastung
Häufige Symptome
- Fieber und Schüttelfrost
- Starke, oft stechende Schmerzen auf einer Seite des Brustkorbs, die sich beim Atmen oder Husten verschlimmern
- Husten, oft mit gelb-grünlichem Auswurf
- Kurzatmigkeit und flache Atmung
- Allgemeines Schwächegefühl und Abgeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Fieber und Husten
- Schnelle oder angestrengte Atmung
- Appetitlosigkeit, Trinkverweigerung
- Ungewöhnliche Müdigkeit oder Reizbarkeit
- Bläuliche Verfärbung der Lippen oder Fingernägel (bei Sauerstoffmangel)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Leichtes Fieber oder sogar normale Körpertemperatur
- Atemnot auch in Ruhe
- Verschlechterung einer bestehenden Lungenerkrankung (z. B. COPD)
- Stürze oder Gangunsicherheit aufgrund von Schwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Lungenentzündung (Pneumonie) – die häufigste Ursache. Bakterien aus der Lunge gelangen in den Brustfellspalt und verursachen dort eine eitrige Entzündung.
- Ein Lungenabszess – eine abgekapselte Eiteransammlung in der Lunge, die ins Brustfell einbrechen kann.
- Verletzungen des Brustkorbs (z. B. durch einen Unfall oder einen chirurgischen Eingriff), bei denen Bakterien von außen eindringen.
Risikofaktoren
- Chronische Lungenerkrankungen wie COPD, Asthma oder Bronchiektasen
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Diabetes, Krebs, HIV oder bestimmte Medikamente)
- Alkoholkonsum – übermäßiger Alkoholkonsum schwächt die Abwehrkräfte
- Rauchgewohnheiten – Rauchen schädigt die Lunge und erhöht das Risiko für Lungenentzündungen
- Alter – Menschen über 65 Jahre haben ein höheres Risiko
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 38,5 °C in Kombination mit Brustschmerzen oder Husten (sofortige ärztliche Vorstellung, z. B. in einer Bereitschaftspraxis oder Notaufnahme)
- Wenn die Atemnot zunimmt oder Sie sich allgemein sehr krank fühlen
- Wenn die Symptome einer Lungenentzündung nach drei Tagen trotz Behandlung nicht besser werden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Fieberschübe haben oder Husten mit Auswurf, der länger als eine Woche anhält, auch ohne akute Notfallzeichen
- Nach einer Lungenentzündung zur Nachkontrolle, um ein Empyem auszuschließen
Diagnose
Die Diagnose wird im Krankenhaus gestellt. Zuerst wird der Arzt oder die Ärztin Sie gründlich untersuchen, nach Ihren Symptomen und Ihrer Krankengeschichte fragen und die Lunge abhören. Bei Verdacht auf ein Empyem folgen bildgebende Untersuchungen und eine Punktion (Flüssigkeitsentnahme) aus dem Brustfellspalt.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs (zeigt Flüssigkeitsansammlungen)
- Ultraschalluntersuchung (kann die Flüssigkeit und ihre Beschaffenheit genau darstellen)
- Computertomographie (CT) – eine detaillierte Schnittbilduntersuchung, die auch kleine Empyeme sichtbar macht
- Pleurapunktion: Mit einer dünnen Nadel wird etwas Flüssigkeit aus dem Brustfellspalt entnommen. Diese wird im Labor auf Bakterien und Eiter untersucht.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Punktion ist ein kurzer Eingriff, der unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Sie bleiben dabei wach und verspüren nur wenig Schmerz. Nach der Diagnose wird in der Regel sofort mit der Behandlung begonnen.
Behandlung
Die Behandlung eines Empyems zielt darauf ab, die Infektion zu bekämpfen und den Eiter abzuleiten, damit die Lunge sich wieder ausdehnen kann. Eine alleinige Behandlung mit Antibiotika reicht meist nicht aus, weil sich der Eiter nicht von selbst auflöst. Daher ist fast immer ein Eingriff zur Entwässerung nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie sich an die ärztlichen Anweisungen, insbesondere was die Einnahme von Medikamenten und die Nachsorge betrifft.
- Schonen Sie sich, aber bewegen Sie sich, sobald der Arzt oder die Ärztin es erlaubt – leichte Bewegung unterstützt die Heilung.
- Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (trinken Sie viel, wenn nicht anders verordnet).
- Vermeiden Sie Rauchen und Alkohol, da diese die Heilung beeinträchtigen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung umfasst in der Regel intravenöse Antibiotika, die auf die nachgewiesenen Bakterien abgestimmt werden. Zusätzlich wird ein Drainageschlauch (Thoraxdrainage) in den Brustkorb gelegt, durch den der Eiter abfließen kann. Manchmal werden mehrere Drainagen benötigt. Die Behandlung dauert oft einige Wochen, zunächst im Krankenhaus, später mit oralen Antibiotika zu Hause.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Drainage nicht ausreicht oder das Empyem bereits abgekapselt ist (sogenanntes „gekämmertes“ Empyem), kann eine Operation notwendig sein. Dabei wird der Eiter operativ entfernt und das Brustfell gereinigt – ein Eingriff, der meist gut verläuft.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist Geduld wichtig. Die vollständige Erholung kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Sie werden anfangs schnell müde sein. Planen Sie daher Ruhepausen ein. Leichte Spaziergänge können helfen, die Lungenfunktion zu verbessern. Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten, bis Ihr Arzt oder Ihre Ärztin grünes Licht gibt.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Ihre Medikamente genau nach Anweisung – auch wenn Sie sich schon besser fühlen.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, um die Abwehrkräfte zu stärken.
- Vermeiden Sie Passiv- und Aktivrauchen.
- Gehen Sie zu allen vereinbarten Nachsorgeterminen (Kontrollröntgen oder Ultraschall).
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung mit ausreichend Eiweiß (z. B. mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte) unterstützt die Wundheilung. Bewegung ist nach ärztlicher Freigabe wichtig: Beginnen Sie mit Spaziergängen, später mit leichtem Ausdauertraining. Atemübungen können helfen, die Lungenkapazität zu verbessern – fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Physiotherapeutin danach.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine schwere Erkrankung wie ein Empyem kann belastend sein. Angst vor Rückfällen, Erschöpfung und die lange Erholungszeit können die Stimmung beeinflussen. Es ist normal, sich nach solch einer Erkrankung niedergeschlagen oder ängstlich zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber – er oder sie kann Ihnen gegebenenfalls Unterstützung anbieten, z. B. eine Psychotherapie oder eine Selbsthilfegruppe.
Vorbeugung
Ein Empyem lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko kann deutlich gesenkt werden. Die wichtigste Maßnahme ist, Lungenentzündungen und andere Lungeninfekte frühzeitig und richtig zu behandeln.
Impfungen
Es gibt Impfungen, die vor einigen Erregern schützen, die Lungenentzündung und damit auch Empyeme verursachen können. Dazu gehören die Pneumokokkenimpfung und die jährliche Grippeimpfung. Fragen Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin, ob diese Impfungen für Sie empfohlen werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ausbreitung der Infektion in den Blutkreislauf (Sepsis – eine lebensbedrohliche Blutvergiftung)
- Dauerhafte Vernarbung des Brustfells (Pleuraschwarte), die die Lungenfunktion einschränkt
- Lungenabszess – eine Eiteransammlung im Lungengewebe
- Atemversagen, wenn die Lunge sich nicht mehr ausdehnen kann
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger und angemessener Behandlung ist die Prognose für ein Empyem heute sehr gut. Die meisten Menschen erholen sich vollständig. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto geringer ist das Risiko für Komplikationen. Auch wenn die Erholung einige Zeit in Anspruch nehmen kann – die überwiegende Mehrheit der Betroffenen kann nach der Erkrankung ein normales Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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