Epididymitis
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Nebenhodenentzündung (medizinisch: Epididymitis) ist eine schmerzhafte Schwellung und Entzündung des Nebenhodens. Der Nebenhoden ist ein schmaler Schlauch, der an der Rückseite jedes Hodens sitzt. Er speichert und transportiert Spermien. Meist wird die Entzündung durch Bakterien verursacht.
Wichtige Fakten
- Die Nebenhodenentzündung betrifft hauptsächlich Männer – vom jungen Erwachsenen bis zum älteren Mann.
- Sie wird meist durch eine Infektion ausgelöst, zum Beispiel durch sexuell übertragbare Keime oder Bakterien aus den Harnwegen.
- Mit der richtigen Behandlung heilt die Nebenhodenentzündung in der Regel gut aus. Unbehandelt kann sie zu Komplikationen wie einem Abszess oder Unfruchtbarkeit führen.
Ja, eine Nebenhodenentzündung ist eine häufige Erkrankung, besonders bei Männern zwischen 15 und 35 Jahren sowie bei Männern über 60 Jahren.
Nebenhodenentzündungen treten vor allem bei jungen, sexuell aktiven Männern auf (durch sexuell übertragbare Erreger) und bei älteren Männern, die zum Beispiel Harnwegsinfekte oder eine vergrößerte Prostata haben. Auch Männer, die einen Harnkatheter tragen, haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen im Hodensack – besonders einseitig und ohne Auslöser
- Übelkeit, Erbrechen oder kalter Schweiß zusammen mit Hodenschmerzen
- Hohes Fieber (über 39 °C) mit Schüttelfrost
- ⚠Schwellung des Hodensacks, die innerhalb weniger Stunden zunimmt
- ⚠Schmerzen beim Wasserlassen oder sichtbarer Blut-/Eiterbeimengung im Urin
- ⚠Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- ⚠Ausfluss aus der Harnröhre, vor allem wenn ein Risiko für Geschlechtskrankheiten besteht
Häufige Symptome
- Schwellung und Rötung eines oder beider Hoden
- Schmerzen im Hodensack, die oft plötzlich einsetzen oder zunehmen
- Druckschmerz am Hoden – die Stelle fühlt sich warm und empfindlich an
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Häufigerer Harndrang
- Ausfluss aus der Harnröhre (Eiter oder klare Flüssigkeit)
Symptome bei Kindern
- Bei Jungen vor der Pubertät ist die Nebenhodenentzündung seltener. Mögliche Anzeichen sind Schwellung und Schmerzen am Hoden, oft verbunden mit Fieber oder Bauchschmerzen.
- Ursache kann eine Verletzung oder eine rückwärts gerichtete Urinströmung sein.
- Kinder sollten immer ärztlich untersucht werden, um andere Ursachen wie eine Hodenverdrehung auszuschließen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern zeigen sich oft weniger lokale Schmerzen, dafür allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber oder Unwohlsein.
- Häufig bestehen gleichzeitig Beschwerden einer vergrößerten Prostata oder eines Harnweginfekts.
- Die Symptome können weniger deutlich sein, daher ist eine ärztliche Abklärung besonders wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterielle Infektion: Am häufigsten sind sexuell übertragbare Erreger wie Chlamydien oder Gonokokken (bei Männern unter 35 Jahren).
- Infektionen aus den Harnwegen: Bakterien wie Escherichia coli (E. coli) können über die Harnröhre in den Nebenhoden wandern, besonders bei älteren Männern.
- Rückfluss von Urin (Harnreflux): Wenn Urin beim Pressen oder bei Prostatavergrößerung in den Nebenhoden gelangt, kann eine Entzündung entstehen.
Risikofaktoren
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr – insbesondere mit häufig wechselnden Partnern
- Harnwegsinfektionen in der Vorgeschichte
- Vergrößerte Prostata (Prostatahyperplasie)
- Harnkatheter oder kürzliche Operation im Bereich der Harnwege
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei akuten Schmerzen im Hoden oder Hodensack – besonders wenn die Schmerzen plötzlich und stark sind (Verdacht auf Hodenverdrehung, die ein Notfall ist).
- Bei Fieber, Schüttelfrost oder starker Übelkeit
- Wenn der Hodensack innerhalb von Stunden stark anschwillt oder sich rötet
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei leichten Schmerzen oder Schwellung, die über 2–3 Tage nicht besser werden – auch wenn die Beschwerden erträglich sind.
- Wenn Sie Ausfluss aus der Harnröhre bemerken, auch ohne starke Schmerzen.
- Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem Partner, der möglicherweise eine Geschlechtskrankheit hat
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch ein Gespräch (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung. Er tastet den Hodensack ab, beurteilt Schwellung und Schmerzhaftigkeit und prüft auf Begleitsymptome wie Fieber.
Mögliche Untersuchungen
- Urintest (Urin-Streifentest und Urinkultur): Hiermit werden Bakterien und Entzündungszeichen im Urin nachgewiesen.
- Abstrich aus der Harnröhre: Bei Verdacht auf sexuell übertragbare Infektionen wird ein Abstrich genommen und auf Chlamydien oder Gonokokken untersucht.
- Ultraschall des Hodensacks: Mit dieser schmerzlosen Untersuchung kann der Arzt die Durchblutung des Hodens beurteilen und eine Hodenverdrehung ausschließen. Auch ein Abszess (Eiteransammlung) wird sichtbar.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft, aber der betroffene Hoden kann bei Berührung empfindlich sein. Der Arzt wird vorsichtig vorgehen. Die Ergebnisse der Urin- und Abstrichuntersuchung liegen meist innerhalb von 1–2 Tagen vor. Ein Ultraschall wird direkt in der Praxis oder Klinik durchgeführt.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. In den allermeisten Fällen wird eine Antibiotika-Therapie verordnet – die Wahl des Antibiotikums hängt vom Erreger ab (z. B. bei sexuell übertragbaren Erregern oder bei Harnwegsinfektionen). Unterstützend helfen entzündungshemmende Medikamente und Hausmittel. Die Therapie dauert in der Regel 1 bis 2 Wochen, bei chronischen Verläufen auch länger.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhe und Schonung: Vermeiden Sie körperliche Anstrengung, schweres Heben und Sport für einige Tage.
- Kühlen: Legen Sie ein in ein Tuch gewickeltes Kühlpack (z. B. Coolpack) für 15–20 Minuten auf den Hodensack – das lindert Schwellung und Schmerz.
- Hochlagern: Ein zusammengerolltes Handtuch unter den Hodensack beim Liegen kann den Druck nehmen.
- Unterstützende Unterwäsche: Tragen Sie enge Unterhosen oder einen Suspensorium (Hodenstütze), um den Hoden zu entlasten.
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung umfasst in der Regel Antibiotika, die gegen die nachgewiesenen oder vermuteten Bakterien wirken. Zusätzlich können entzündungshemmende Medikamente (wie Ibuprofen oder Diclofenac) zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Bei starken Schmerzen werden manchmal lokale Betäubungsmittel oder eine kurze Behandlung mit Kortison erwogen. Bei einer sexuell übertragbaren Infektion sollte der Partner ebenfalls behandelt werden, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig. Sie wird in Betracht gezogen, wenn sich ein Abszess (Eiteransammlung) im Nebenhoden gebildet hat und nicht von allein abheilt. Auch bei chronischen, immer wiederkehrenden Entzündungen, die auf keine Therapie ansprechen, kann eine operative Entfernung des Nebenhodens (Epididymektomie) erwogen werden – dieser Schritt ist aber sehr selten.
Leben mit der Erkrankung
Während der Behandlung (meist 1–2 Wochen) sollten Sie sich schonen. Nach Abklingen der akuten Beschwerden können Sie Ihren Alltag langsam wieder aufnehmen. Führen Sie die Antibiotika-Therapie immer vollständig durch – auch wenn Sie sich schon besser fühlen. Trinken Sie ausreichend Wasser, um die Harnwege zu spülen.
Tipps für den Alltag
- Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome, bis die Behandlung abgeschlossen und die Infektion ausgeheilt ist.
- Achten Sie auf eine gute Intimhygiene, aber vermeiden Sie aggressive Reinigungsmittel.
- Vermeiden Sie starke Unterkühlung des Beckenbereichs (z. B. langes Sitzen auf kaltem Untergrund).
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist nicht notwendig. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Flüssigkeit. Intensive sportliche Aktivitäten sollten Sie für die Dauer der Erkrankung meiden. Leichte Bewegung (Spazierengehen) ist in Ordnung, solange keine Schmerzen auftreten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Nebenhodenentzündung kann emotional belastend sein – vor allem, wenn eine sexuell übertragbare Infektion die Ursache ist. Viele Männer fühlen sich schamhaft oder haben Angst vor Langzeitfolgen. Es ist wichtig, sich ärztlich beraten zu lassen und bei Bedarf psychologische Unterstützung zu suchen. Auch der Austausch mit dem Partner kann helfen.
Vorbeugung
Ja, Sie können das Risiko einer Nebenhodenentzündung senken: Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr immer Kondome – das schützt vor den häufigsten Erregern. Behandeln Sie Harnwegsinfektionen rechtzeitig. Vermeiden Sie unnötige Harnkatheter und achten Sie auf eine gute Hygiene bei Katheterwechseln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Abszessbildung (Eiteransammlung) im Nebenhoden – oft mit stärkeren Schmerzen und Fieber verbunden.
- Chronische Nebenhodenentzündung: Die Entzündung wird immer wieder aktiv und kann zu dauerhaften Schmerzen führen.
- Vernarbung und Verstopfung des Nebenhodens – dies kann die Samenleitungen blockieren und in seltenen Fällen zu Unfruchtbarkeit (Zeugungsunfähigkeit) führen.
- Ausbreitung der Infektion auf den Hoden selbst (Orchitis) oder auf andere Bereiche des Urogenitalsystems.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Prognose sehr gut. Die meisten Männer sind nach 1–2 Wochen beschwerdefrei. Frühe Diagnose und vollständige Antibiotika-Therapie verhindern Komplikationen in den meisten Fällen. Sollten dennoch Probleme auftreten, stehen wirksame Behandlungen zur Verfügung – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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