Giant cell arteritis awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Riesenzellarteriitis (auch Arteriitis temporalis genannt) ist eine entzündliche Erkrankung der mittleren und großen Blutgefäße. Die Entzündung betrifft oft die Schläfenarterien und kann zu Durchblutungsstörungen führen. Unbehandelt kann sie zur Erblindung führen.
Wichtige Fakten
- Die Riesenzellarteriitis ist eine der häufigsten Formen der Gefäßentzündung bei älteren Menschen.
- Sie betrifft fast ausschließlich Menschen über 50 Jahre, am häufigsten zwischen 70 und 80 Jahren.
- Eine frühzeitige Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten (Kortisonpräparate) ist wichtig, um das Sehvermögen zu schützen.
Die Riesenzellarteriitis ist relativ selten. In Deutschland erkranken etwa 10 bis 20 von 100.000 Menschen über 50 Jahren pro Jahr.
Sie tritt fast ausschließlich bei Erwachsenen über 50 Jahren auf, häufiger bei Frauen als bei Männern. Besonders häufig betroffen sind Menschen nordeuropäischer Abstammung.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge – sofort den Notruf 112 wählen oder die nächste Notaufnahme aufsuchen.
- ⚠Jede neu auftretende Sehstörung, auch wenn sie vorübergehend ist
- ⚠Starke, neu einsetzende Kopfschmerzen mit Überempfindlichkeit der Kopfhaut
Häufige Symptome
- Neu auftretende, starke Kopfschmerzen, oft im Bereich der Schläfen
- Berührungsempfindlichkeit der Kopfhaut, besonders beim Kämmen
- Schmerzen im Kiefer beim Kauen (Kieferklaudikation)
- Sehstörungen wie Doppelbilder, verschwommenes Sehen oder vorübergehender Sehverlust
- Allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Fieber, Nachtschweiß
- Schmerzen und Steifigkeit in Schultern, Hüften und Nacken (Polymyalgia rheumatica)
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern tritt die Riesenzellarteriitis praktisch nicht auf.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen können die Symptome unspezifisch sein, wie allgemeine Schwäche, Gewichtsverlust oder depressive Verstimmung.
- Auch Sehstörungen oder sogar ein plötzlicher Sehverlust auf einem Auge können das erste Anzeichen sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Es handelt sich um eine Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Gefäßwände angreift und dort Entzündungen verursacht.
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre (besonders über 70)
- Weibliches Geschlecht
- Nordeuropäische Herkunft
- Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Sehstörungen oder Sehverlust sofort in die Notaufnahme oder Notruf 112.
- Bei neu auftretenden starken Kopfschmerzen besonders im Schläfenbereich, die sich nicht bessern.
- Bei Schmerzen im Kiefer beim Kauen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über 50 sind und allgemeine Krankheitssymptome wie Müdigkeit, unerklärlichen Gewichtsverlust, Fieber oder Steifigkeit in Schultern und Hüften haben, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf die typischen Symptome, eine Blutuntersuchung und eine Gewebeprobe aus der Schläfenarterie (Biopsie).
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Entzündungswerte wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Protein (CRP) sind fast immer stark erhöht.
- Biopsie der Schläfenarterie: Eine kleine Gewebeprobe wird entnommen und unter dem Mikroskop auf Entzündungszeichen untersucht.
- Bildgebung: Manchmal wird eine Ultraschalluntersuchung der Schläfenarterien oder eine MRT durchgeführt, um die Entzündung sichtbar zu machen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ein Arzt oder eine Ärztin wird Sie gründlich befragen und körperlich untersuchen. Danach erfolgt in der Regel eine Blutabnahme. Wenn der Verdacht stark ist, wird oft schon vor der Biopsie eine Behandlung begonnen, um das Sehvermögen zu schützen.
Behandlung
Die Behandlung der Riesenzellarteriitis erfolgt in der Regel mit hochdosierten entzündungshemmenden Medikamenten (Kortisonpräparaten). Ziel ist es, die Entzündung schnell zu stoppen und das Sehvermögen zu erhalten. Die Medikamente werden über mehrere Monate langsam reduziert. Eine enge ärztliche Überwachung ist wichtig.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhen Sie sich aus, bis die Symptome unter Kontrolle sind.
- Vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten während der aktiven Entzündungsphase.
- Nehmen Sie Ihre Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung ein und setzen Sie sie nie eigenständig ab.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung beginnt meist mit einer hohen Dosis eines Kortisonpräparats (Glukokortikoid), die oral eingenommen wird. Anschließend wird die Dosis je nach Krankheitsverlauf langsam reduziert. Bei Sehbeteiligung oder schwerem Verlauf kann auch eine intravenöse Gabe erfolgen. Zusätzlich können Medikamente eingesetzt werden, die das Immunsystem modulieren (Immunsuppressiva), um die Dauer der Kortisoneinnahme zu verkürzen. Die genaue Therapie wird individuell von einem Rheumatologen oder einer Rheumatologin festgelegt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird in der Regel nicht benötigt.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Behandlung können die meisten Menschen ihren Alltag normal fortsetzen. Wichtig ist, die Medikamente regelmäßig einzunehmen und die ärztlichen Kontrollen wahrzunehmen.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Ihre Medikamente konsequent ein und führen Sie ein Beschwerdetagebuch.
- Schützen Sie Ihre Augen bei Sonnenlicht mit einer Sonnenbrille, da Kortison die Lichtempfindlichkeit erhöhen kann.
- Vermeiden Sie Infektionen durch gute Hygiene, da die Behandlung das Immunsystem schwächt.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, die Knochengesundheit während der Kortisonbehandlung zu unterstützen. Leichte Bewegung wie Spaziergänge ist sinnvoll, aber vermeiden Sie Überanstrengung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Entzündung und die langfristige Einnahme von Kortison können belastend sein. Es ist normal, sich manchmal ängstlich oder niedergeschlagen zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihre seelische Belastung zu sprechen.
Vorbeugung
Da die genaue Ursache unbekannt ist, kann die Riesenzellarteriitis nicht verhindert werden.
Impfungen
Personen, die langfristig Kortison einnehmen, sollten ihren Impfstatus überprüfen lassen, insbesondere gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening wird nicht empfohlen. Bei Symptomen sollte jedoch frühzeitig eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erblindung durch Durchblutungsstörungen des Sehnervs (am häufigsten und schwerwiegendsten)
- Schlaganfall
- Aortenaneurysma (Ausweitung der Hauptschlagader, selten)
- Durchblutungsstörungen in anderen Organen
Langzeitprognose
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist die Prognose gut. Die meisten Menschen können die Erkrankung unter Kontrolle bringen und ein normales Leben führen. Die Behandlung erfordert Geduld, da die Medikamente über Monate reduziert werden. Mit der richtigen Betreuung durch ein erfahrenes medizinisches Team sind bleibende Schäden selten.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- Internationaler Verband der Rheuma-Ligen (ILAR)
Lokale Organisationen
- Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V. · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.