Gout flares
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Gichtanfall ist ein plötzlicher, sehr starker Schmerz in einem Gelenk, meist im großen Zeh. Das Gelenk schwillt an, wird rot und fühlt sich heiß an. Ursache sind winzige Kristalle aus Harnsäure, die sich im Gelenk ablagern.
Wichtige Fakten
- Gichtanfälle kommen oft nachts und völlig unerwartet.
- Betroffen ist meist das Grundgelenk der großen Zehe, aber auch andere Gelenke wie Fuß, Knie oder Hand können betroffen sein.
- Zwischen den Anfällen sind die Gelenke meist völlig beschwerdefrei.
Ja, Gicht ist eine der häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen in Deutschland. Etwa 1–2 % der Erwachsenen sind betroffen.
Gicht tritt häufiger bei Männern ab 40 Jahren auf. Bei Frauen steigt das Risiko nach den Wechseljahren. Auch Übergewicht, Bluthochdruck und bestimmte Ernährungsgewohnheiten begünstigen Gicht.
Symptome
- Wenn Sie zu den Gelenkschmerzen hohes Fieber (über 38,5 °C), Schüttelfrost oder starkes Unwohlsein haben – das kann auf eine Gelenkentzündung durch Bakterien hinweisen.
- Wenn das betroffene Gelenk extrem heiß ist und Sie es nicht bewegen können.
- ⚠Bei einem ersten, sehr heftigen Gichtanfall, der innerhalb von 24 Stunden nicht nachlässt.
- ⚠Wenn Sie bereits wissen, dass Sie Gicht haben, aber die Schmerzen trotz Behandlung schlimmer werden.
Häufige Symptome
- Plötzlicher, stechender Schmerz in einem Gelenk, der innerhalb weniger Stunden sehr stark wird.
- Das Gelenk ist geschwollen, gerötet und fühlt sich heiß an.
- Selbst leichte Berührung oder der Druck einer Bettdecke können unerträglich schmerzen.
Symptome bei Kindern
- Gichtanfälle bei Kindern sind extrem selten. Wenn sie auftreten, liegen meist angeborene Stoffwechselstörungen vor – das sollte dringend ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Schmerzen weniger typisch sein: Oft sind mehrere Gelenke betroffen, etwa an den Händen oder Handgelenken. Die Rötung ist manchmal weniger deutlich.
Ursachen
Hauptursachen
- Ein zu hoher Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie).
- Die Harnsäure bildet spitze Kristalle, die sich im Gelenk ablagern und eine Entzündungsreaktion auslösen.
Risikofaktoren
- Übergewicht oder starkes Übergewicht (Adipositas).
- Ernährung mit viel Fleisch, Innereien, Meeresfrüchten und purinreichen Lebensmitteln.
- Alkoholkonsum – besonders Bier und Schnaps.
- Bestimmte Medikamente, vor allem entwässernde Mittel (Diuretika).
- Nierenerkrankungen oder eine familiäre Veranlagung.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei einem ersten, sehr starken Gelenkschmerz – vor allem, wenn das Gelenk geschwollen und heiß ist.
- Wenn das Gelenk rot und warm ist und Sie gleichzeitig Fieber haben.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bereits einen Gichtanfall hatten und die Harnsäurewerte überprüfen oder einstellen lassen möchten.
- Bei wiederholten Anfällen, um langfristige Schäden zu vermeiden.
Diagnose
Die Diagnose wird meist anhand der typischen Symptome und einer Blutuntersuchung gestellt. In unklaren Fällen wird eine Gelenkpunktion durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: Messung des Harnsäurespiegels (allerdings kann dieser während eines Anfalls normal sein).
- Gelenkpunktion: Mit einer dünnen Nadel wird etwas Gelenkflüssigkeit entnommen und unter dem Mikroskop auf Harnsäurekristalle untersucht.
- Bildgebung: Ultraschall oder Röntgen können helfen, Ablagerungen oder Gelenkschäden sichtbar zu machen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird die Schmerzen genau erfragen, das Gelenk untersuchen und gegebenenfalls eine Blutprobe nehmen. Eine Gelenkpunktion erfolgt unter örtlicher Betäubung und ist in der Regel nicht schmerzhafter als eine Blutabnahme.
Behandlung
Die Behandlung eines Gichtanfalls hat zwei Ziele: den akuten Schmerz zu lindern und die Harnsäure langfristig zu senken, um weitere Anfälle zu verhindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Kühlen des schmerzenden Gelenks – wickeln Sie ein Kühlpack in ein Tuch und legen Sie es für 15–20 Minuten auf.
- Lagern Sie das Gelenk hoch, zum Beispiel auf einem Kissen.
- Trinken Sie viel Wasser (mindestens 2 Liter pro Tag), um die Harnsäure auszuschwemmen.
- Vermeiden Sie Alkohol und purinreiche Lebensmittel (Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte) während des Anfalls.
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann entzündungshemmende Medikamente verschreiben, die den Schmerz schnell lindern, zum Beispiel nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Colchicin. Für die langfristige Senkung der Harnsäure stehen Medikamente wie sogenannte Urikostatika oder Urikosurika zur Verfügung. Diese dürfen nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden – fragen Sie Ihren Arzt, welche Behandlung für Sie geeignet ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einem akuten Gichtanfall nicht erforderlich. Nur sehr große Harnsäureablagerungen (Tophi), die starke Beschwerden verursachen oder die Gelenkfunktion beeinträchtigen, können in seltenen Fällen chirurgisch entfernt werden.
Leben mit der Erkrankung
Ein Gichtanfall kann einige Tage bis zu zwei Wochen andauern. In dieser Zeit ist das Gelenk sehr empfindlich. Nach Abklingen des Anfalls sind die Gelenke meist wieder normal. Wenn Sie die Harnsäure dauerhaft im Zielbereich halten, können Sie oft ganz anfallsfrei leben.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf eine purinarme Ernährung: wenig Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte – stattdessen viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte.
- Verzichten Sie weitgehend auf Alkohol, besonders auf Bier.
- Trinken Sie ausreichend (Wasser oder ungesüßte Tees).
- Bauen Sie Übergewicht langsam und gesund ab – aber nicht während eines akuten Anfalls.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber schonen Sie das Gelenk bei einem Anfall.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen Produkten hilft, den Harnsäurespiegel zu senken. Bewegung ist wichtig, aber während eines akuten Anfalls sollten Sie das schmerzende Gelenk ruhigstellen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über geeignete Sportarten (z. B. Schwimmen, Radfahren).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederholte Gichtanfälle können belastend sein – die plötzlichen, starken Schmerzen und die Einschränkungen im Alltag können Ängste auslösen oder die Stimmung drücken. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit chronischen Schmerzen umzugehen.
Vorbeugung
Ja, durch eine Umstellung der Ernährung, ausreichend Bewegung und gegebenenfalls eine medikamentöse Senkung des Harnsäurespiegels können Gichtanfälle oft verhindert werden.
Früherkennungsprogramme
Bei Menschen mit Risikofaktoren (Übergewicht, familiäre Vorbelastung, Nierenerkrankungen) wird empfohlen, regelmäßig den Harnsäurewert im Blut überprüfen zu lassen. Nach dem ersten Gichtanfall ist eine Kontrolle alle 6–12 Monate sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Gichtanfälle können zu Gelenkschäden und dauerhaften Bewegungseinschränkungen führen.
- Es können sich Harnsäurekristallablagerungen unter der Haut (Tophi) bilden – meist an Zehen, Fingern, Ellbogen oder Ohren.
- Nierensteine aus Harnsäure sind möglich und können zu Nierenschäden führen.
Langzeitprognose
Gicht ist eine gut behandelbare Erkrankung. Mit der richtigen Therapie – Lebensstilanpassung und bei Bedarf Medikamenten – können die meisten Menschen ein normales, aktives Leben führen, ohne ständige Angst vor neuen Anfällen. Wichtig ist, die Behandlung konsequent mit Ihrem Arzt abzustimmen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Rheuma‐Liga Deutschland e.V. ↗ · Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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