Graves disease
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Morbus Basedow (auch Graves-Krankheit genannt) ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Bei dieser Erkrankung greift das körpereigene Abwehrsystem die Schilddrüse an und bringt sie dazu, zu viele Schilddrüsenhormone zu produzieren. Die Schilddrüse ist ein kleines Organ im Hals, das viele wichtige Körperfunktionen steuert – zum Beispiel Herzschlag, Verdauung und Körpertemperatur. Wenn sie zu aktiv ist, spricht man von einer Schilddrüsenüberfunktion, medizinisch Hyperthyreose.
Wichtige Fakten
- Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung – das Immunsystem greift fälschlicherweise die Schilddrüse an.
- Die Krankheit führt zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen, was den gesamten Stoffwechsel beschleunigt.
- Unbehandelt kann Morbus Basedow zu ernsthaften Komplikationen führen, darunter Herzprobleme und eine sogenannte thyreotoxische Krise (lebensbedrohliche Überfunktion).
- Mit modernen Behandlungen ist die Erkrankung gut in den Griff zu bekommen.
Morbus Basedow ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion in Deutschland. Etwa 1 von 100 Menschen ist betroffen.
Die Krankheit tritt am häufigsten bei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren auf, kann aber in jedem Alter vorkommen – auch bei Männern und älteren Menschen. Raucher und Menschen mit einer familiären Vorbelastung haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Bei einer thyreotoxischen Krise: plötzliches hohes Fieber (über 38,5 °C), starkes Herzrasen, Verwirrtheit, Unruhe oder Bewusstlosigkeit. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- ⚠neu auftretende Sehstörungen oder Doppelbilder
- ⚠starke Schmerzen oder Druckgefühl hinter den Augen
- ⚠plötzliche Atemnot oder Schluckbeschwerden durch den Kropf
- ⚠unkontrollierbares Herzrasen ohne Fieber
Häufige Symptome
- Gewichtsverlust trotz normaler oder gesteigerter Nahrungsaufnahme
- Herzklopfen, Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag
- Zittern (Tremor) an Händen und Fingern
- vermehrtes Schwitzen, Hitzeunverträglichkeit
- Müdigkeit und Muskelschwäche
- Nervosität, Reizbarkeit, Angstgefühle oder innere Unruhe
- vergrößerte Schilddrüse (Kropf, medizinisch Struma), die als Schwellung am Hals sichtbar sein kann
- hervortretende Augen und Augenprobleme (endokrine Orbitopathie), wie trockene Augen, Lichtempfindlichkeit oder Druckgefühl
Symptome bei Kindern
- übermäßige Aktivität und Unruhe (Hyperaktivität)
- schlechtere schulische Leistungen wegen Konzentrationsproblemen
- beschleunigtes Längenwachstum
- häufige Kopfschmerzen oder Zittern
Symptome bei älteren Erwachsenen
- weniger typische Symptome wie Heißhunger oder Zittern
- stärkere Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Herzrhythmusstörungen (zum Beispiel Vorhofflimmern) und Atemnot
- ungewollter Gewichtsverlust und Muskelschwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem bildet Antikörper (Abwehrproteine), die die Schilddrüse fälschlicherweise stimulieren, zu viele Hormone zu produzieren.
- Es gibt eine erbliche Veranlagung – die Krankheit tritt in manchen Familien gehäuft auf.
- Rauchen ist ein wichtiger Umweltfaktor, der das Risiko erhöht und den Verlauf verschlechtern kann.
Risikofaktoren
- weibliches Geschlecht (Frauen erkranken 5- bis 10-mal häufiger als Männer)
- Alter zwischen 20 und 40 Jahren
- familiäre Vorbelastung (Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis oder andere in der Familie)
- Rauchen
- psychischer oder körperlicher Stress
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Symptomen einer thyreotoxischen Krise (hohes Fieber, Herzrasen, Verwirrtheit) sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei plötzlichen Sehstörungen, starken Augenschmerzen oder Atemnot umgehend in eine Notaufnahme gehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Suchen Sie Ihren Hausarzt oder eine Hausärztin auf, wenn Sie mehrere der genannten Symptome über Wochen oder Monate bemerken, vor allem ungewollten Gewichtsverlust, Herzrasen, Zittern oder anhaltende Unruhe.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einem Hausarzt oder einer Fachärztin für Innere Medizin (Endokrinologe / Endokrinologin) gestellt. Dabei werden die Beschwerden, die körperliche Untersuchung und Bluttests kombiniert.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung auf Schilddrüsenhormone (TSH, fT3, fT4) – ein niedriger TSH-Wert und erhöhte freie Hormone weisen auf eine Überfunktion hin.
- Nachweis von Antikörpern gegen den TSH-Rezeptor (TRAK) – dieser Test bestätigt die autoimmunbedingte Ursache.
- Schilddrüsensonographie (Ultraschall) – zeigt eine vergrößerte Schilddrüse mit verändertem Gewebe.
- Schilddrüsenszintigraphie – eine nuklearmedizinische Untersuchung, die die Überaktivität der Schilddrüse sichtbar macht.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind für den Patienten nicht belastend. Blut wird aus der Armvene entnommen, und für die Szintigraphie bekommen Sie eine leichte Spritze mit einer schwach radioaktiven Substanz (die Nebenwirkungen sind sehr gering). Die Ergebnisse liegen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen vor.
Behandlung
Die Behandlung von Morbus Basedow zielt darauf ab, die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen zu stoppen und die Symptome zu lindern. Es gibt mehrere Behandlungsmöglichkeiten, die je nach Schweregrad, Alter und persönlicher Situation ausgewählt werden. Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen die beste Therapie besprechen.
Selbsthilfe zu Hause
- Rauchen aufgeben – Rauchen verschlechtert die Augensymptome und den Krankheitsverlauf.
- Stress vermeiden oder lernen, mit Stress umzugehen (z. B. durch Entspannungsübungen, leichte Bewegung).
- Auf ausreichend Schlaf achten – der Körper braucht Ruhe.
- Eine gesunde, ausgewogene Ernährung beibehalten – aber Jodpräparate und jodreiche Lebensmittel (wie Algen) meiden, da sie die Überfunktion verstärken können.
Medizinische Behandlungen
Es gibt drei Hauptbehandlungen: medikamentöse Therapie (mit sogenannten Thyreostatika, die die Hormonproduktion bremsen), Radiojodtherapie (eine einmalige orale Gabe von radioaktivem Jod, das die überaktiven Schilddrüsenzellen zerstört) und die Operation (Entfernung des Schilddrüsengewebes). Auch Betablocker können eingesetzt werden, um Symptome wie Herzrasen zu lindern. Die genaue Wahl der Medikamente und der Dosis wird von Ihrem Arzt individuell festgelegt. Informieren Sie sich nicht selbst im Internet über Medikamente – Ihr Arzt wird Sie beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (Schilddrüsenentfernung) wird in der Regel empfohlen, wenn die Schilddrüse sehr groß ist, wenn die Augensymptome schwer sind oder wenn Medikamente nicht anschlagen oder nicht vertragen werden. Auch bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft kann eine Operation sinnvoll sein.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit Morbus Basedow führen ein normales Leben, wenn die Schilddrüsenüberfunktion behandelt wird. Anfangs können Symptome wie Müdigkeit und Unruhe den Alltag beeinträchtigen, aber nach einigen Wochen bis Monaten bessert sich das Befinden deutlich.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung – aber nicht übertreiben, besonders zu Beginn. Geeignet sind Spaziergänge, Yoga oder Schwimmen.
- Stressreduktion: Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Meditation können helfen.
- Ausreichend Schlaf – legen Sie feste Schlafzeiten fest.
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente regelmäßig ein und vereinbaren Sie Kontrolltermine bei Ihrem Arzt (Blutuntersuchungen).
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Vermeiden Sie jodreiche Nahrungsergänzungsmittel und extrem jodhaltige Lebensmittel (z. B. getrocknete Algen). Leichte Bewegung wie Radfahren oder Walking kann helfen, den Kreislauf zu stabilisieren und das Wohlbefinden zu steigern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Morbus Basedow kann durch die körperlichen Symptome und die Angst vor Komplikationen psychisch belasten. Viele Betroffene fühlen sich ängstlich, gereizt oder erschöpft. Es ist völlig normal, sich überfordert zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle, wenn die seelische Belastung zu groß wird.
Vorbeugung
Morbus Basedow lässt sich nicht vollständig verhindern, da die Veranlagung vererbt wird. Allerdings können Sie das Risiko für einen schweren Verlauf senken, indem Sie nicht rauchen und Stress vermeiden.
Früherkennungsprogramme
Wenn in Ihrer Familie bereits Fälle von Morbus Basedow oder anderen Autoimmunerkrankungen bekannt sind, können Sie Ihren Hausarzt auf ein erhöhtes Risiko ansprechen. Ein allgemeines Screening auf die Krankheit wird jedoch nicht empfohlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Thyretotoxische Krise – lebensbedrohliche Überfunktion mit Fieber, Kreislaufversagen und Bewusstseinsstörungen.
- Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, und Herzinsuffizienz (Herzschwäche).
- Osteoporose (Knochenschwund) durch dauerhaft erhöhte Schilddrüsenhormone.
- Augenbeteiligung (endokrine Orbitopathie) – kann zu Sehverlust führen, wenn sie nicht behandelt wird.
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Diagnose und geeigneter Behandlung ist die Prognose bei Morbus Basedow sehr gut. Die meisten Menschen werden beschwerdefrei und können ein normales Leben führen. Bei einem Teil der Betroffenen tritt die Erkrankung nach erfolgreicher Behandlung nicht wieder auf. Bei anderen kann es zu Rückfällen kommen, die dann erneut behandelt werden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um langfristig gesund zu bleiben.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- International Thyroid Federation
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) · Deutschland
- Schilddrüsenzentrum / Endokrinologische Praxis in Ihrer Nähe · Deutschland – Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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