Guillain Barre awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene Erkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Nerven angreift. Dies führt zu Schwäche, Kribbeln und manchmal auch Lähmungen, die meist von den Füßen aufsteigen.
Wichtige Fakten
- Es tritt oft einige Tage bis Wochen nach einer Infektion auf, z. B. einer Magen-Darm- oder Atemwegsinfektion.
- Die Symptome können sich innerhalb von Tagen bis Wochen verschlimmern, bessern sich aber bei den meisten Menschen wieder.
- Eine frühzeitige Behandlung im Krankenhaus verbessert die Heilungschancen deutlich.
Nein, das Guillain-Barré-Syndrom ist selten. Jährlich sind etwa 1 bis 2 von 100.000 Menschen betroffen.
Das Syndrom kann in jedem Alter auftreten, aber Erwachsene über 50 Jahre sind etwas häufiger betroffen. Männer erkranken etwas öfter als Frauen.
Symptome
- Atemnot oder das Gefühl, nicht tief genug einatmen zu können
- Plötzliche Lähmung, z. B. in beiden Beinen oder Armen
- Schluckbeschwerden, sodass Speichel oder Flüssigkeit nicht geschluckt werden kann
- Verwirrtheit oder starke Benommenheit
- ⚠Sich verschlimmernde Schwäche innerhalb von Stunden oder Tagen
- ⚠Neu auftretendes Kribbeln oder Taubheitsgefühl, das aufsteigt
- ⚠Starke Schmerzen in den Beinen oder im Rücken ohne erkennbare Ursache
Häufige Symptome
- Schwäche oder Kribbeln in den Beinen, die sich im Verlauf auf Arme und Oberkörper ausbreiten
- Verlust von Reflexen, z. B. am Knie
- Schwierigkeiten beim Gehen oder Treppensteigen
- Schmerzen, besonders in den Beinen und im Rücken
- Probleme beim Sprechen, Kauen oder Schlucken
- Doppelbilder oder unscharfes Sehen
Symptome bei Kindern
- Unsicherer Gang (Kind stolpert häufiger)
- Klagen über Schmerzen in den Beinen
- Ungewöhnliche Müdigkeit
- Schwierigkeiten beim Greifen von Gegenständen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stärkere Schwäche, die schneller fortschreitet
- Höheres Risiko für bleibende Nervenschäden
- Längere Erholungszeit als bei jüngeren Menschen
Ursachen
Hauptursachen
- Eine frühere Infektion, zum Beispiel eine Magen-Darm-Infektion mit Campylobacter-Bakterien, eine Grippe oder eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus
- In sehr seltenen Fällen kann eine Impfung (z. B. gegen Grippe oder COVID-19) das Syndrom auslösen – das Risiko ist jedoch extrem niedrig und die Impfung wird weiterhin empfohlen
Risikofaktoren
- Jede vorangegangene Infektion, besonders mit Durchfall oder Atemwegsbeschwerden
- Ein geschwächtes Immunsystem (selten)
- Männliches Geschlecht (leicht erhöhtes Risiko)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neu auftretende Schwäche oder Kribbeln in Armen oder Beinen bemerken, das sich ausbreitet
- Wenn Sie Probleme beim Gehen, Treppensteigen oder mit der Feinmotorik haben
- Wenn Sie Schluck- oder Sprechbeschwerden bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltendem, aber nicht zunehmendem Kribbeln in den Füßen – lassen Sie es von Ihrem Hausarzt abklären
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Neurologen gestellt, der Ihre Beschwerden und Ihren körperlichen Zustand genau untersucht. Typisch ist die aufsteigende Schwäche und der Verlust von Reflexen.
Mögliche Untersuchungen
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: Dabei wird gemessen, wie schnell elektrische Signale durch Ihre Nerven wandern
- Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion): Eine kleine Menge Nervenwasser wird aus dem Rückenmarkskanal entnommen. Bei GBS ist oft der Eiweißgehalt erhöht
- Blutuntersuchungen, um andere Ursachen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden in der Regel für die Diagnose stationär aufgenommen. Der Arzt wird eine ausführliche Krankengeschichte erheben und die Tests durchführen. Bis zur endgültigen Diagnose kann es ein bis zwei Tage dauern.
Behandlung
Das Guillain-Barré-Syndrom wird immer im Krankenhaus behandelt, meist auf einer Intensivstation oder einer spezialisierten Station. Ziel ist es, die Immunreaktion zu bremsen und die Nerven zu schonen.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel Ruhe und Schonung in der akuten Phase
- Regelmäßige Bewegung und Physiotherapie, sobald die Symptome nachlassen
- Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, wenn das Schlucken keine Probleme bereitet
Medizinische Behandlungen
Es gibt Behandlungen, die das Immunsystem beruhigen und die Attacke auf die Nerven stoppen. Dazu gehören die Plasmapherese, bei der das Blut von schädlichen Antikörpern gereinigt wird, oder die Gabe von Antikörpern (Immunglobuline). Beide Verfahren sind etwa gleich wirksam. Zusätzlich werden Schmerzmittel und Medikamente gegen Nervenschmerzen eingesetzt. Die konkrete Therapie wird von Ihrem Arzt individuell festgelegt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist beim Guillain-Barré-Syndrom nicht notwendig.
Leben mit der Erkrankung
Die Erholung kann Wochen bis Monate dauern. Viele Menschen brauchen anfangs Hilfe beim Gehen, Anziehen oder Essen. Mit der Zeit kehrt die Kraft meist zurück. Geduld und Unterstützung durch Familie und Physiotherapie sind wichtig.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Genesung – überfordern Sie sich nicht.
- Bauen Sie langsam wieder Bewegung in den Alltag ein, z. B. kurze Spaziergänge.
- Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Vitaminen und Nährstoffen unterstützt die Nervenregeneration. Bewegung sollte nach Absprache mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten erfolgen – anfangs reichen sanfte Dehnübungen, später kann das Training gesteigert werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Erkrankung kann Ängste auslösen, etwa vor bleibenden Schäden oder einem Rückfall. Traurigkeit und Frustration sind normal. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder suchen Sie psychologische Unterstützung, wenn die Belastung zu groß wird.
Vorbeugung
Da die genauen Auslöser nicht immer bekannt sind, lässt sich das Guillain-Barré-Syndrom nicht sicher verhindern. Eine gute Hygiene kann das Risiko von Infektionen senken, die das Syndrom auslösen könnten.
Impfungen
Das Risiko, nach einer Impfung an GBS zu erkranken, ist extrem gering und deutlich niedriger als das Risiko nach einer natürlichen Infektion. Impfungen werden weiterhin empfohlen, da ihr Nutzen in der Regel bei Weitem überwiegt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie spezielle Fragen haben.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening auf das Guillain-Barré-Syndrom. Es wird immer aufgrund der Symptome diagnostiziert.
Komplikationen
Unbehandelt
- Atemstillstand durch Lähmung der Atemmuskulatur
- Dauerhafte Nervenschäden mit bleibender Schwäche oder Taubheit
- Blutgerinnsel (Thrombosen) aufgrund längerer Bewegungsunfähigkeit
- Herzrhythmusstörungen oder Blutdruckschwankungen
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit Guillain-Barré-Syndrom erholen sich deutlich – oft bis zur vollständigen Unabhängigkeit. Die Erholung kann Monate dauern, und manche haben leichte Restsymptome wie Müdigkeit oder Kribbeln. Mit guter Behandlung und Geduld ist die Prognose jedoch meist günstig. Die AWMF-Leitlinien empfehlen eine frühzeitige Therapie, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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