Hashimotos thyroiditis
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Dabei greift das Immunsystem die eigene Schilddrüse an und zerstört sie nach und nach. Die Schilddrüse ist ein kleines Organ am Hals, das wichtige Hormone für den Stoffwechsel produziert. Durch die Zerstörung kann die Schilddrüse mit der Zeit zu wenig Hormone herstellen – das nennt man Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).
Wichtige Fakten
- Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland.
- Die Erkrankung betrifft Frauen etwa 5- bis 10-mal häufiger als Männer.
- Mit einer Behandlung durch Schilddrüsenhormone können die Beschwerden meist gut kontrolliert werden.
Ja, Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und betrifft in Deutschland schätzungsweise 5-10 % der Bevölkerung. Viele Menschen haben die Erkrankung, ohne es zu wissen.
Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Frauen zwischen 30 und 50 Jahren auf. Sie kann aber auch bei Männern, Jugendlichen und sogar Kindern vorkommen.
Symptome
- Bewusstseinsstörungen oder Koma (Myxödem-Koma – sehr selten, aber lebensbedrohlich)
- Starke Atemnot oder Erstickungsgefühl durch eine stark vergrößerte Schilddrüse (Kropf)
- ⚠Plötzliche, starke Schwellung oder Schmerzen im Hals
- ⚠Schluckbeschwerden oder das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben
- ⚠Schwere Erschöpfung, die sich plötzlich verschlechtert
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Gewichtszunahme trotz normaler Ernährung
- Kälteempfindlichkeit und Frösteln
- Trockene Haut und brüchige Nägel
- Haarausfall
- Verstopfung
- Muskelschwäche und Gliederschmerzen
- Antriebslosigkeit und depressive Verstimmung
- Konzentrationsprobleme („Brain Fog“)
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung und verzögerte Pubertät
- Lernschwierigkeiten und Konzentrationsstörungen
- Müdigkeit und wenig Energie
- Gewichtszunahme
- Verstopfung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Vergesslichkeit und Verwirrtheit, die oft mit Demenz verwechselt wird
- Gelenkschmerzen und Steifheit
- Heiserkeit und Schwellung im Halsbereich
- Herzprobleme wie verlangsamter Herzschlag
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem bildet Antikörper, die die Schilddrüse angreifen und nach und nach zerstören.
- Es wird vermutet, dass eine genetische Veranlagung eine wichtige Rolle spielt.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht (Frauen sind deutlich häufiger betroffen)
- Familiäre Vorbelastung (wenn nahe Verwandte Hashimoto oder andere Autoimmunerkrankungen haben)
- Andere Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes, rheumatoide Arthritis oder Zöliakie
- Umweltfaktoren wie übermäßige Jodzufuhr oder bestimmte Infektionen (noch nicht abschließend erforscht)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche starke Schwellung oder Schmerzen im Hals
- Schluck- oder Atembeschwerden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltende Müdigkeit, Gewichtszunahme oder andere Symptome, die auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten
- Wenn Sie eine Schilddrüsenvergrößerung (Kropf) bemerken
- Wenn Sie eine familiäre Vorbelastung haben und Beschwerden auftreten
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin stellt die Diagnose meist anhand einer Blutuntersuchung und einer Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf TSH (schilddrüsenstimulierendes Hormon) – zeigt, ob die Schilddrüse normal arbeitet
- Bluttest auf TPO-Antikörper (Thyreoperoxidase-Antikörper) – diese sind bei Hashimoto meist erhöht
- Ultraschall der Schilddrüse – zeigt die Größe und Struktur der Schilddrüse (oft auffällig mit verminderter Echogenität)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutabnahme ist einfach und schnell. Der Ultraschall ist schmerzfrei. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb weniger Tage vor. Der Arzt wird mit Ihnen die Befunde besprechen und gegebenenfalls eine Behandlung einleiten.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, den Mangel an Schilddrüsenhormonen auszugleichen. In den meisten Fällen reicht die tägliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform aus. Die Dosis wird individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Medikamente jeden Tag zur gleichen Zeit ein, am besten morgens 30 Minuten vor dem Frühstück.
- Lassen Sie Ihre Schilddrüsenwerte mindestens einmal im Jahr vom Arzt kontrollieren.
- Achten Sie auf eine ausreichende Jodzufuhr, aber vermeiden Sie übermäßige Jodmengen (z.B. durch Jodtabletten ohne ärztliche Anordnung).
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie andere Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, da diese die Aufnahme der Schilddrüsenhormone beeinflussen können.
Medizinische Behandlungen
Die Standardbehandlung ist die Gabe von synthetischen Schilddrüsenhormonen, die die fehlenden natürlichen Hormone ersetzen. Die Dosis wird anhand Ihres TSH-Werts eingestellt und kann sich im Laufe der Zeit ändern. Bei einer sehr starken Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf) kann auch eine Behandlung mit Radiojod oder eine Operation in Betracht gezogen werden – dies ist jedoch selten nötig.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird nur in Ausnahmefällen empfohlen, zum Beispiel wenn ein sehr großer Kropf Atem- oder Schluckbeschwerden verursacht, oder wenn der Verdacht auf bösartige Veränderungen besteht. Die Entscheidung trifft der Arzt nach gründlicher Abklärung.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer gut eingestellten Behandlung können Sie ein normales, aktives Leben führen. Es ist wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen und die Arzttermine wahrzunehmen. Achten Sie auf Ihren Körper und besprechen Sie Veränderungen mit Ihrem Arzt.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Ruhephasen.
- Bauen Sie Stress ab, zum Beispiel durch Entspannungsübungen, Yoga oder Spaziergänge.
- Vermeiden Sie extreme Diäten und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt Ihren Körper. Regelmäßige Bewegung wie Spaziergänge, Schwimmen oder Radfahren hilft, das Energieniveau zu steigern und das Wohlbefinden zu verbessern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie mit einem neuen Sportprogramm beginnen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Hashimoto kann durch die hormonelle Veränderung auch die Stimmung beeinflussen. Viele Betroffene leiden unter Antriebslosigkeit oder depressiven Verstimmungen. Wenn Sie sich niedergeschlagen oder ängstlich fühlen, scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Bei akuten Krisen wenden Sie sich an eine psychosoziale Beratungsstelle oder rufen Sie die kostenlose Nummer der Telefonseelsorge an (0800 111 0 111 / 0800 111 0 222).
Vorbeugung
Hashimoto-Thyreoiditis kann man nicht verhindern, da die Ursachen nicht vollständig vermeidbar sind. Allerdings kann eine frühzeitige Diagnose und Behandlung die Beschwerden und mögliche Komplikationen wirksam verhindern.
Früherkennungsprogramme
Ein routinemäßiges Screening der gesamten Bevölkerung wird nicht empfohlen. Wenn bei Ihnen jedoch Risikofaktoren vorliegen (z.B. familiäre Vorbelastung) oder Symptome auftreten, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schilddrüsenvergrößerung (Kropf), die zu Beschwerden beim Schlucken oder Atmen führen kann
- Verschlechterung der Herzfunktion (Herzinsuffizienz)
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Myxödem (eine seltene, aber gefährliche Komplikation mit Verwirrtheit und Koma)
- Unfruchtbarkeit und Schwangerschaftskomplikationen
Langzeitprognose
Mit einer regelmäßigen Behandlung und Kontrolle ist die Prognose sehr gut. Die meisten Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis können ein normales, langes Leben führen. Die Behandlung ist einfach und sicher. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten und nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig ein – dann haben Sie beste Aussichten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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