Hämorrhoiden im Alter – verstehen, behandeln und vorbeugen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hämorrhoiden sind natürliche Gefäßpolster im Afterbereich. Sie helfen dabei, den Schließmuskel abzudichten. Wenn diese Gefäßpolster anschwellen oder sich vergrößern, spricht man von Hämorrhoiden-Leiden. Das ist keine Schande, sondern eine häufige und gut behandelbare Erkrankung.
Wichtige Fakten
- Hämorrhoiden sind keine Krampfadern, sondern normale Gefäßpolster, die sich vergrößern können.
- Mit zunehmendem Alter werden Bindegewebe und Muskulatur schwächer, dadurch treten Hämorrhoiden häufiger auf.
- Die meisten Beschwerden lassen sich mit einfachen Maßnahmen wie ballaststoffreicher Ernährung und viel Trinken lindern.
Ja. Hämorrhoiden sind sehr häufig, besonders bei Menschen über 50 Jahren. Schätzungsweise jeder zweite Erwachsene hat im Laufe des Lebens einmal Beschwerden mit Hämorrhoiden.
Betroffen sind vor allem ältere Erwachsene, aber auch jüngere Menschen. Risikofaktoren sind zum Beispiel starkes Pressen beim Stuhlgang, langes Sitzen, Übergewicht und eine ballaststoffarme Ernährung.
Symptome
- Starke, anhaltende Blutung aus dem After
- Plötzlich auftretende, sehr starke Schmerzen im Afterbereich
- Wenn Sie sich sehr schwach oder schwindelig fühlen und viel Blut verloren haben
- ⚠Blut im Stuhl, das nicht eindeutig helles Blut aus Hämorrhoiden ist
- ⚠Veränderung der Stuhlgewohnheiten über mehrere Wochen
- ⚠Wenn Sie bereits eine Hämorrhoiden-Diagnose haben und plötzlich neue Symptome auftreten
Häufige Symptome
- Juckreiz oder Brennen am After
- Schmerzen oder Druckgefühl im Afterbereich
- Helles Blut am Toilettenpapier oder auf dem Stuhl
- Schwellung oder Knoten am After
- Feuchte oder nässende Haut am After
Ursachen
Hauptursachen
- Starkes Pressen bei hartem Stuhlgang
- Langes Sitzen auf der Toilette
- Schwaches Bindegewebe, das mit dem Alter natürlicherweise nachlässt
- Chronische Verstopfung oder Durchfall
- Wenig Bewegung im Alltag
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Ballaststoffarme Ernährung
- Zu wenig Flüssigkeit
- Übergewicht
- Schwangerschaft und Geburt (bei Frauen)
- Erbliche Veranlagung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blut im Stuhl, besonders wenn es dunkel oder mit Schleim vermischt ist
- Plötzliche starke Schmerzen oder eine sehr große, schmerzhafte Schwellung
- Wiederholte Blutungen aus dem After
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltender Juckreiz oder Brennen am After
- Blut am Toilettenpapier, das mehr als einmal auftritt
- Sichtbare Knoten oder Schwellungen am After
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Danach schaut er sich den Afterbereich an und tastet den Enddarm mit einem Finger ab. Meist ist das schon ausreichend. Manchmal wird eine kurze Spiegelung des Enddarms (Proktoskopie) durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Ansehen und Abtasten des Afters
- Digitale rektale Untersuchung (Tastuntersuchung des Enddarms)
- Proktoskopie (Einblick in den Enddarm mit einem kurzen starren Rohr)
- Bei unklaren Blutungen kann eine Darmspiegelung (Koloskopie) empfohlen werden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist ambulant, das heißt, Sie können danach nach Hause gehen. Sie liegen dabei auf der Seite oder in einer Knie-Ellbogen-Lage. Der Arzt oder die Ärztin erklärt jeden Schritt. Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und ist nicht mit starken Schmerzen verbunden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Beschwerden. Bei leichten Hämorrhoiden helfen oft schon Veränderungen im Alltag. Bei stärkeren Beschwerden stehen medikamentöse und minimal-invasive Verfahren zur Verfügung, die der Arzt oder die Ärztin mit Ihnen bespricht. Grundlage ist die aktuelle Leitlinie der AWMF zu Hämorrhoiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend Wasser (etwa 1,5 bis 2 Liter täglich, außer Ihr Arzt verordnet anders)
- Achten Sie auf ballaststoffreiche Kost mit Vollkornprodukten, Obst und Gemüse
- Vermeiden Sie langes Sitzen auf der Toilette und starkes Pressen
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel Spazierengehen oder Schwimmen
- Halten Sie den Afterbereich sauber und trocken – am besten mit Wasser statt mit parfümiertem Toilettenpapier
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente als Salben, Zäpfchen oder Tücher, die Juckreiz und Schmerzen lindern können. Sie enthalten zum Beispiel entzündungshemmende oder abschwellende Wirkstoffe. Welches Mittel für Sie geeignet ist, klären Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Es gibt auch nicht-medikamentöse Verfahren wie Gummibandligatur, Verödung oder Infraratkoagulation, die ein Arzt ambulant durchführen kann.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Hämorrhoiden sehr groß sind oder andere Behandlungen nicht helfen, kann eine Operation sinnvoll sein. Dabei werden die vergrößerten Gefäßpolster entfernt oder fixiert. Die Entscheidung trifft der Arzt oder die Ärztin gemeinsam mit Ihnen. Nach der Operation ist in der Regel eine Weile Schonung nötig, aber die meisten Menschen sind danach beschwerdefrei.
Leben mit der Erkrankung
Mit Hämorrhoiden können Sie ein normales Leben führen. Wichtig ist, dass Sie auf einen weichen Stuhlgang achten und den After nicht übermäßig reizen. Nutzen Sie zum Beispiel feuchtes Toilettenpapier oder eine Bidet-Dusche. Tragen Sie lockere Unterwäsche aus Baumwolle und meiden Sie sehr enge Kleidung.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, idealerweise täglich 30 Minuten
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Vollkornprodukten
- Ausreichend trinken, am besten Wasser oder ungesüßte Tees
- Auf die Toilette gehen, wenn der Drang kommt – nicht unterdrücken
- Den After nach dem Stuhlgang sanft mit Wasser reinigen und trocken tupfen
Ernährung und Bewegung
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornbrot macht den Stuhl weicher und voluminöser. Dazu braucht Ihr Körper ausreichend Flüssigkeit. Gehen Sie regelmäßig spazieren oder machen Sie leichte Gymnastik, das regt die Verdauung an. Auch Beckenbodenübungen können die Muskulatur im Afterbereich stärken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Hämorrhoiden sind ein Tabuthema und können Scham auslösen. Viele Menschen haben Angst, darüber zu sprechen. Dabei ist es wichtig zu wissen: Hämorrhoiden sind eine normale medizinische Erkrankung wie viele andere. Wenn die Beschwerden Sie seelisch belasten oder Sie ängstlich sind, sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt. Er wird Sie ernst nehmen und nicht verurteilen.
Vorbeugung
Man kann nicht immer verhindern, dass Hämorrhoiden entstehen, besonders im Alter. Aber Sie können das Risiko deutlich senken, indem Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung achten. Vermeiden Sie starkes Pressen und langes Sitzen auf der Toilette. Wenn Sie bereits Hämorrhoiden hatten, können diese Maßnahmen auch helfen, Rückfälle zu vermeiden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Schmerzen und Schwellung
- Blutungen, die zu Blutarmut führen können
- Einklemmung eines Hämorrhoidalknotens (sehr schmerzhaft)
- Hautreizungen oder Entzündungen in der Afterregion
Langzeitprognose
Die Prognose ist gut. Mit den richtigen Maßnahmen und einer passenden Behandlung lassen sich Hämorrhoiden in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen. Auch im Alter gibt es wirksame und sanfte Behandlungsmöglichkeiten. Sie müssen nicht dauerhaft unter den Beschwerden leiden – scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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