Hämorrhoiden in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hämorrhoiden sind Gefäßpolster am Ende des Darms, genau am After. Wenn sie anschwellen, können sie Beschwerden wie Jucken, Brennen oder Blutungen machen. In der Schwangerschaft passiert das sehr oft, weil das Gewebe durch die wachsende Gebärmutter stärker belastet wird.
Wichtige Fakten
- Sie sind sehr häufig – etwa jede zweite Schwangere bemerkt Beschwerden.
- Sie sind meist harmlos und verschwinden nach der Geburt oft von selbst.
- Mit einfachen Maßnahmen wie Sitzbädern und viel Trinken lassen sich die Beschwerden lindern.
Ja, Hämorrhoiden gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Schwangerschaft. Besonders im letzten Drittel treten sie häufig auf.
Vor allem Schwangere im dritten Trimester sind betroffen. Auch Frauen, die schon vor der Schwangerschaft Hämorrhoiden hatten, haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Sehr starke Blutung aus dem After – rufen Sie sofort den Notruf 112
- Starke Schmerzen im After- oder Bauchbereich, die nicht nachlassen – rufen Sie den Notruf 112
- Schwindel, Schwäche oder Kreislaufprobleme – rufen Sie sofort den Notruf 112
- ⚠Blut im Stuhl, das dunkel oder mit Schleim vermischt ist – suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe
- ⚠Fieber oder eitriger Ausfluss aus dem After – das sollte am selben Tag abgeklärt werden
- ⚠Plötzlich zunehmende Beschwerden, die den Alltag stark einschränken
Häufige Symptome
- Jucken oder Brennen am After
- Schmerzen beim Stuhlgang
- Hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier
- Ein tastbares, manchmal schmerzhaftes Knötchen am After
- Gefühl, der Darm wäre nicht ganz entleert
Ursachen
Hauptursachen
- Der Druck der wachsenden Gebärmutter auf die Venen im Becken
- Hormonelle Veränderungen, die das Bindegewebe lockern
- Verstopfung und starkes Pressen beim Stuhlgang
Risikofaktoren
- Hämorrhoiden in einer früheren Schwangerschaft
- Chronische Verstopfung
- Übergewicht
- Mehrlingsschwangerschaft oder sehr großes Kind
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blut auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl – auch wenn es nur wenig ist, sollten Sie es zeitnah abklären lassen
- Starke Schmerzen, die nicht nachlassen
- Fieber oder eitriger Ausfluss aus dem After
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Erste Anzeichen wie Jucken oder Brennen, wenn Sie unsicher sind
- Spätestens bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung können Sie das Thema ansprechen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und schaut sich den Afterbereich an. Das ist in der Regel unkompliziert und dauert nur wenige Minuten. Die Untersuchung folgt den Empfehlungen der AWMF-Leitlinie.
Mögliche Untersuchungen
- Kurze Untersuchung des Afters durch Hinsehen und Abtasten
- Eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie) mit einem kleinen starren Rohr kann nötig sein, um die Hämorrhoiden genau zu sehen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung findet in der Arztpraxis statt. Sie liegen dabei entspannt auf der Seite. Meist ist die Untersuchung nicht schmerzhaft, höchstens etwas unangenehm. Bei Bedarf werden Sie im Anschluss beraten, was Ihnen hilft.
Behandlung
Die Behandlung in der Schwangerschaft zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und Verstopfung zu vermeiden. Die AWMF-Leitlinie empfiehlt, zuerst mit nicht-medikamentösen Maßnahmen zu beginnen. Viele Beschwerden gehen nach der Geburt von selbst zurück. Medikamente werden zurückhaltend eingesetzt – immer in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Täglich lauwarme Sitzbäder für 10 bis 15 Minuten
- Kalte, feuchte Umschläge oder Kühlpads (in ein Tuch gewickelt) auf den After legen
- Auf der Seite schlafen, um den Druck auf das Becken zu verringern
- Nicht zu lange auf der Toilette sitzen und nicht pressen
- Nach dem Stuhlgang nur weiches Toilettenpapier oder feuchte Tücher ohne Duftstoffe verwenden
Medizinische Behandlungen
Es gibt Salben und Zäpfchen, die abschwellend oder betäubend wirken. In der Schwangerschaft sind jedoch nicht alle Wirkstoffe erlaubt. Fragen Sie in Ihrer Apotheke oder bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt nach einem geeigneten Produkt. Auch pflanzliche Präparate sollten Sie nur nach Rücksprache anwenden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist in der Schwangerschaft nur in sehr seltenen Fällen nötig – etwa wenn sich ein Blutgerinnsel im Hämorrhoidalknoten bildet und starke Schmerzen verursacht. Meist wird ein Eingriff aber bis nach der Geburt aufgeschoben.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie sich im Alltag Zeit für einen regelmäßigen Stuhlgang. Wenn Sie den Drang verspüren, sollten Sie nicht warten. Vermeiden Sie langes Stehen und Sitzen – wechseln Sie die Position und legen Sie die Beine hoch.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie ausreichend, mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee am Tag
- Bewegen Sie sich regelmäßig – Spazierengehen, Schwimmen oder eine sichere Schwangerschaftsgymnastik
- Vermeiden Sie schweres Heben
- Nehmen Sie bei Verstopfung Ballaststoffe zu sich, zum Beispiel aus Vollkornprodukten, Obst und Gemüse
Ernährung und Bewegung
Eine ballaststoffreiche Ernährung hält den Stuhl weich und beugt Pressen vor. Dazu gehören Vollkornbrot, Haferflocken, Leinsamen, Obst wie Äpfel und Birnen sowie Gemüse. Ausreichend Bewegung – zum Beispiel 30 Minuten Spazierengehen am Tag – regt die Verdauung an. Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ärztin über geeignete Übungen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Hämorrhoiden können unangenehm sein und manche Frauen fühlen sich unsicher oder belastet. Es ist völlig normal, sich unwohl zu fühlen. Suchen Sie sich Unterstützung und sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin, Ihrer Hebamme oder einer vertrauten Person. Sie sind damit nicht allein.
Vorbeugung
Nicht immer lässt sich verhindern, dass Hämorrhoiden entstehen. Aber Sie können das Risiko senken, indem Sie Verstopfung vermeiden, sich ausreichend bewegen und auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten.
Impfungen
Gegen Hämorrhoiden gibt es keinen Impfstoff.
Früherkennungsprogramme
Hämorrhoiden werden nicht im Rahmen eines eigenen Screenings untersucht. Aber bei den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft können Sie das Thema jederzeit ansprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei anhaltendem Pressen kann sich ein Blutgerinnsel im Knoten bilden (Thrombose), was starke Schmerzen verursacht
- Starke Blutungen können – sehr selten – zu Blutarmut führen
- Starke Beschwerden können den Alltag und den Schlaf beeinträchtigen
Langzeitprognose
Die allermeisten Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sind gutartig und bilden sich nach der Geburt zurück. Mit den richtigen Maßnahmen können Sie die Beschwerden meist gut lindern. Sollten die Beschwerden bleiben, gibt es auch nach der Geburt gute und schonende Behandlungsmöglichkeiten. Sie haben also allen Grund zuversichtlich zu sein.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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