Hämorrhoiden: Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hämorrhoiden sind gutartige Gefäßpolster im Afterkanal. Sie gehören zum normalen Körperbau. Beschwerden entstehen, wenn sie sich vergrößern oder entzünden.
Wichtige Fakten
- Sehr häufig: Bis zu 70 % aller Menschen haben irgendwann im Leben Beschwerden.
- Meist harmlos: Hämorrhoiden sind keine gefährliche Krankheit.
- Viel kann man selbst tun: Mit ballaststoffreicher Ernährung und viel Trinken lässt sich viel erreichen.
- Bei Blut am Stuhl immer ärztlich abklären lassen: Auch andere Ursachen können dahinterstecken.
Ja, Hämorrhoiden sind sehr häufig. Fast jeder zweite Erwachsene hat zumindest zeitweise Beschwerden.
Sie können in jedem Alter auftreten, besonders häufig zwischen 45 und 65 Jahren. Auch Schwangere sind oft betroffen.
Symptome
- Sehr starke Blutung aus dem After
- Starke Schmerzen im Afterbereich, die plötzlich auftreten
- Schwindel oder Ohnmacht, verbunden mit Blut im Stuhl
- ⚠Erstmals Blut im Stuhl
- ⚠Blutungen, die länger als ein paar Tage anhalten
- ⚠Anhaltende Veränderungen beim Stuhlgang (z. B. Durchfall oder Verstopfung)
- ⚠Wenn ein Knoten sich nicht zurückschieben lässt und sehr schmerzhaft ist
Häufige Symptome
- Blut auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl
- Juckreiz oder Brennen am After
- Schmerzen, besonders beim Stuhlgang
- Vorwölbung oder Knoten, der beim Stuhlgang austritt
- Gefühl der unvollständigen Entleerung
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind Hämorrhoiden selten. Manchmal treten Äderchen auf, die sich bei starkem Pressen wegen Verstopfung bemerkbar machen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter können die Gewebestrukturen nachlassen, wodurch Hämorrhoiden häufiger und ausgeprägter auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Starker Druck im Bauchraum
- Anhaltendes Pressen beim Stuhlgang
- Schwaches Bindegewebe im Afterbereich
- Schwangerschaft und Geburt
Risikofaktoren
- Verstopfung
- Zu wenig Bewegung
- Ballaststoffarme Ernährung
- Übergewicht
- Langes Sitzen, z. B. im Beruf
- Schwere körperliche Arbeit mit Heben
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blut im Stuhl – das sollte immer abgeklärt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen
- Starke Schmerzen, die nicht nachlassen
- Wenn der Knoten eingeklemmt ist und sich nicht zurückschieben lässt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Hämorrhoiden länger als eine Woche Beschwerden machen
- Bei Jucken, Brennen oder Nässen, das nicht besser wird
- Vor Beginn einer Selbstbehandlung zur Sicherheit
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und schaut im Rahmen einer körperlichen Untersuchung kurz den Afterbereich an. Eine einfache digitale Untersuchung (mit dem Finger) folgt oft direkt.
Mögliche Untersuchungen
- Tastuntersuchung des Enddarms
- Proktoskopie (Betrachtung des Afterkanals mit einem kurzen starren Instrument)
- Auf Wunsch oder bei unklaren Befunden eine Darmspiegelung (Koloskopie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist kurz und meist nicht schmerzhaft. Sie müssen keine Angst haben. Ihr Arzt erklärt Ihnen jeden Schritt. Bei Bedarf hilft ein örtliches Betäubungsmittel.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden und dem Befund. Für viele reichen eigenständige Maßnahmen und einfache Hausmittel. In schwereren Fällen stehen ärztliche Behandlungen bis hin zu einem kleinen Eingriff zur Verfügung.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend und nehmen Sie Ballaststoffe (z. B. Vollkorn, Obst, Gemüse) zu sich.
- Vermeiden Sie Pressen – gehen Sie zum Stuhlgang nur, wenn es wirklich nötig ist.
- Nehmen Sie warme Sitzbäder (ca. 10 Minuten, mit warmem Wasser ohne Zusätze).
- Bewegen Sie sich regelmäßig und meiden Sie langes Sitzen.
- Reinigen Sie den After sanft mit Wasser oder feuchtem Papier, ohne zu reiben.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund kommen lokal wirkende Zubereitungen (z. B. Salben oder Zäpfchen) infrage, die Entzündung oder Juckreiz lindern. Bei ausgeprägteren Hämorrhoiden stehen Verfahren wie die Gummibandligatur (Abschnüren mit einem kleinen Gummiring), Verödung oder andere ambulante Methoden zur Auswahl. Ihr Arzt erklärt Ihnen genau, welche Option für Sie geeignet ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt infrage, wenn andere Behandlungen nicht geholfen haben oder ein sehr ausgeprägter Befund vorliegt. Moderne Verfahren sind heute meist wenig belastend und werden häufig ambulant durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie auf eine weiche Stuhlentleerung und verhindern Sie Verstopfung. Legen Sie kleine Rituale an: Täglich Bewegung, ausreichend Wasser und eine Toilettenroutine ohne Zeitdruck.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßte Getränke pro Tag.
- Nehmen Sie sich für den Toilettengang Zeit, ohne zu pressen.
- Lockern Sie längeres Sitzen durch aufrechte Positionen und Gehpausen.
- Vermeiden Sie schweres Heben oder drücken Sie dabei bewusst mit eingespanntem Bauch.
Ernährung und Bewegung
Eine Ernährung mit reichlich Ballaststoffen (Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte) macht den Stuhl weicher und voluminöser. Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen regt die Darmtätigkeit an und reduziert Druck im Bauch.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Hämorrhoiden sind ein Tabuthema – viele Menschen schämen sich. Das kann belasten. Aber: Ärztinnen und Ärzte sehen solche Beschwerden täglich. Es gibt keinen Grund zur Scham. Je offener Sie sprechen, desto schneller bekommen Sie Hilfe.
Vorbeugung
Ein großer Teil der Beschwerden lässt sich durch Ernährung, Bewegung und eine rücksichtsvolle Toilettenhygiene verhindern oder lindern. Nicht immer lässt sich die Neigung zu Hämorrhoiden ganz verhindern, aber die Häufigkeit und Stärke der Beschwerden nimmt meist deutlich ab.
Früherkennungsprogramme
Eine Vorsorge-Darmspiegelung wird in Deutschland ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Sie dient der Früherkennung von Darmkrebs und kann auch Hämorrhoidalbeschwerden sicher beurteilen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Hämorrhoiden können sich thrombosieren (eine schmerzhafte Blutgerinnselbildung im Knoten).
- Bei anhaltendem Blutverlust kann sich eine Blutarmut (Anämie) entwickeln.
- Wenn der Knoten sich nicht mehr zurückschieben lässt, kann sich ein Fremdkörpergefühl mit Schmerzen ergeben.
- Es können Hautreizungen und Ekzeme rund um den After entstehen.
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut. Die meisten Menschen werden mit einfachen Maßnahmen beschwerdefrei. Auch ausgeprägtere Befunde lassen sich heutzutage mit modernen, kleinen Eingriffen dauerhaft behandeln. Sie haben also keinen Grund zur Sorge – der Schlüssel liegt darin, den ersten Schritt zu machen und ärztlichen Rat einzuholen.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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