Hoher Blutzucker bei Kindern
Übersicht
Von hohem Blutzucker spricht man, wenn der Zuckergehalt im Blut höher ist als normal. Zucker im Blut liefert dem Körper Energie. Damit der Zucker in die Zellen gelangen kann, braucht der Körper das Hormon Insulin. Bei Kindern mit hohem Blutzucker kann der Körper entweder zu wenig Insulin produzieren oder das Insulin wirkt nicht richtig. Das kann zu verschiedenen Beschwerden führen.
Wichtige Fakten
- Hoher Blutzucker kann vorübergehend oder dauerhaft auftreten.
- Es gibt verschiedene Formen: Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes und Vorstufen davon.
- Ohne Behandlung kann hoher Blutzucker auf Dauer Organe wie Nieren, Augen und Nerven schädigen.
In Deutschland ist es heute nicht mehr selten, dass Kinder einen hohen Blutzucker haben. Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Auch Typ-2-Diabetes wird bei Kindern und Jugendlichen häufiger festgestellt, besonders bei starkem Übergewicht.
Betroffen sind meist Kinder und Jugendliche. Typ-1-Diabetes beginnt oft im Kindergarten- oder Grundschulalter. Typ-2-Diabetes tritt eher bei Jugendlichen mit Übergewicht auf, kann aber auch schon bei jüngeren Kindern vorkommen.
Symptome
- Ihr Kind wird bewusstlos oder wirkt stark benommen
- Ihr Kind atmet schnell und tief (wie nach starker Anstrengung) und der Atem riecht süßlich nach Obst oder Nagellackentferner
- Ihr Kind hat starke Bauchschmerzen mit wiederholtem Erbrechen
- Ihr Kind hat einen Krampfanfall
- ⚠Ihr Kind hat sehr starken Durst und muss noch häufiger Wasserlassen als sonst
- ⚠Ihr Kind ist deutlich schlapp, müde oder ungewöhnlich teilnahmslos
- ⚠Ihr Kind verliert ohne erkennbare Ursache Gewicht
- ⚠Bei hohem Blutzucker und zusätzlich Fieber oder Zeichen einer Infektion
Häufige Symptome
- Starker Durst
- Häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit und Schlappheit
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
Symptome bei Kindern
- Bettnässen, das vorher nicht bestand
- Bauchschmerzen
- Gereiztes oder quengeliges Verhalten
- Heißhunger auf Süßes
- Schlecht heilende Wunden oder häufige Infekte
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen macht sich hoher Blutzucker oft gar nicht mit deutlichen Symptomen bemerkbar. Er wird häufig erst bei einer Routineuntersuchung entdeckt.
- Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder wiederkehrende Harnwegsinfektionen können Zeichen sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Typ-1-Diabetes: Das Immunsystem zerstört die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen. Dadurch fehlt Insulin fast ganz.
- Typ-2-Diabetes: Die Körperzellen sprechen nicht mehr gut auf Insulin an (Insulinresistenz). Der Blutzucker steigt an.
- Seltenere Ursachen: bestimmte genetische Veränderungen, Hormonstörungen oder Medikamente wie Kortison.
Risikofaktoren
- Diabetes in der Familie (Eltern oder Geschwister)
- Starkes Übergewicht (Adipositas)
- Zu wenig Bewegung
- Ungesunde und zuckerreiche Ernährung
- Pubertät und Wachstumsschübe
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Kind mehrere Tage starken Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtsverlust hat – gehen Sie noch am selben Tag zu einem Kinder- und Jugendarzt.
- Wenn Ihr Kind krank ist und der Blutzucker stark erhöht – suchen Sie sofort ärztlichen Rat.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei den normalen Vorsorgeuntersuchungen kann der Blutzucker im Urin oder Blut getestet werden.
- Wenn Sie in der Familie Diabetes haben, sprechen Sie bei einer Vorsorgeuntersuchung offen mit Ihrem Kinderarzt.
Diagnose
Der Arzt misst den Blutzucker. Dafür genügt meist ein kleiner Piks in die Fingerkuppe oder eine Blutentnahme aus der Vene. Zusätzlich kann der Urin auf Zucker untersucht werden.
Mögliche Untersuchungen
- Blutzuckermessung: zeigt den Zuckergehalt im Blut im Moment
- Nüchternblutzucker: Messung mindestens 8 Stunden nach der letzten Mahlzeit
- Langzeitzucker (HbA1c): zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 8 bis 12 Wochen
- Zuckerbelastungstest: Das Kind trinkt eine Zuckerlösung und danach wird mehrfach der Blutzucker gemessen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt bespricht die Ergebnisse ausführlich mit Ihnen. Bei einem auffälligen Wert werden Sie an ein Diabetesteam oder eine Kinderklinik überwiesen. Dort folgen weitere Untersuchungen und eine genaue Beratung – keine Sorge, das dauert nicht lange.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Form und Ursache des hohen Blutzuckers ab. Ziel ist es, den Blutzucker im normalen Bereich zu halten, damit das Kind sich wohlfühlt und keine Spätschäden entstehen.
Selbsthilfe zu Hause
- Blutzucker regelmäßig zu Hause messen – das Diabetes-Team zeigt Ihnen genau, wie es geht
- Ausgewogene Mahlzeiten mit Vollkornprodukten, Gemüse und gesunden Fetten
- Auf zuckerhaltige Getränke verzichten und stattdessen Wasser oder ungesüßten Tee trinken
- Täglich Bewegung und Spiel an der frischen Luft
Medizinische Behandlungen
Je nach Diagnose kann eine Schulung, Ernährungsumstellung und Bewegung schon viel bewirken. Manche Kinder brauchen eine Insulintherapie – das Insulin wird gespritzt oder mithilfe einer Pumpe abgegeben. Andere Kinder und Jugendliche bekommen Tabletten, die die Zuckeraufnahme verbessern. Welche Behandlung zu Ihrem Kind passt, entscheidet das Diabetes-Team individuell. Ändern Sie niemals selbst die Dosis oder das Medikament ohne Rücksprache mit dem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei hohem Blutzucker bei Kindern in der Regel nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Ein Leben mit hohem Blutzucker ist gut machbar, wenn Sie als Eltern und Ihr Kind Unterstützung bekommen. Sie lernen, den Blutzucker einzuschätzen und im Alltag darauf zu reagieren. Ihr Kind kann ganz normal zur Schule gehen, Freunde treffen und Sport machen.
Tipps für den Alltag
- Feste Mahlzeiten einhalten
- Auf eine ausgewogene Ernährung achten
- Täglich bewegen
- Ausreichend schlafen
- Stress abbauen – zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder Gespräche
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung mit wenig Süßigkeiten und zuckerhaltigen Getränken hilft, den Blutzucker zu stabilisieren. Bewegung ist besonders wichtig, denn Muskeln verbrauchen Zucker und senken dadurch den Blutzucker auf natürliche Weise.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Diabetes kann für Eltern und Kinder eine große Belastung sein. Angst, Wut, Traurigkeit und Schuldgefühle sind normal. Sprechen Sie offen im Familien- und Freundeskreis und holen Sie sich bei Bedarf eine psychologische Beratung. Falls Ihr Kind Gedanken an Selbstverletzung äußert, nehmen Sie das ernst und suchen Sie sofort Hilfe – über den Notruf 112 oder eine psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Typ-1-Diabetes lässt sich nicht verhindern. Einer Typ-2-Diabetes kann häufig vorgebeugt werden, wenn Kinder ein gesundes Körpergewicht haben, sich ausgewogen ernähren und sich regelmäßig bewegen.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen Diabetes.
Früherkennungsprogramme
Bei Vorsorgeuntersuchungen kann der Urin auf Zucker untersucht werden. Kinder mit einem erhöhten Risiko – zum Beispiel wenn ein Elternteil Diabetes hat – können gezielt getestet werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Akute Gefahr durch eine Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose) – ein Notfall
- Störungen des Wachstums und der körperlichen Entwicklung
- Langfristige Schäden an Nieren, Augen, Nerven und Herz, die schleichend entstehen können
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung haben Kinder mit hohem Blutzucker sehr gute Aussichten. Sie können ein normales, aktives Leben führen. Mit Schulung und Unterstützung lernen Familien den Alltag sicher zu meistern. Die meisten Kinder haben durch die Behandlung kaum Einschränkungen und können später alle Berufe ergreifen.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 19. August 2026
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