Hypoparathyroidism
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hypoparathyreoidismus ist eine seltene Erkrankung, bei der die Nebenschilddrüsen (kleine Drüsen im Hals) zu wenig Hormon produzieren. Dies führt zu einem niedrigen Kalziumspiegel im Blut, was verschiedene Beschwerden auslösen kann.
Wichtige Fakten
- Die Nebenschilddrüsen steuern den Kalzium- und Phosphathaushalt im Körper.
- Ein Mangel an Parathormon (PTH) führt zu einem Abfall des Kalziumspiegels im Blut.
- Die Erkrankung ist meist Folge einer Operation an der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüse.
Nein, Hypoparathyreoidismus ist selten. Schätzungsweise 1 von 10.000 Menschen ist betroffen.
Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, aber am häufigsten nach einer Operation an der Schilddrüse oder den Nebenschilddrüsen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Symptome
- Plötzliche, starke Muskelkrämpfe (z. B. Verkrampfung der Hände oder Füße)
- Schwere Atemnot oder Kehlkopfkrämpfe
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle
- Sehr starker Herzklopfen oder Brustschmerz
- ⚠Anhaltende Übelkeit oder Erbrechen
- ⚠Starke Kopfschmerzen oder Verwirrtheit
- ⚠Sich verschlechterndes Kribbeln oder Taubheitsgefühl
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern, Zehen oder um den Mund herum
- Muskelkrämpfe oder -zuckungen
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Konzentrationsschwierigkeiten oder Vergesslichkeit
- Trockene Haut und brüchige Nägel
Symptome bei Kindern
- Reizbarkeit oder Apathie
- Zittern oder ungewollte Bewegungen
- Schwierigkeiten beim Füttern oder Trinken
- Verzögertes Wachstum
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verstärkte Muskelschwäche
- Gleichgewichtsstörungen und Sturzrisiko
- Verschlechterung bestehender Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen
Ursachen
Hauptursachen
- Verletzung oder Entfernung der Nebenschilddrüsen während einer Schilddrüsenoperation
- Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Nebenschilddrüsen angreift
- Seltene genetische Störungen
- Strahlenbehandlung im Halsbereich
Risikofaktoren
- Vorherige Operation an der Schilddrüse oder Nebenschilddrüse
- Bestrahlung des Halses (z. B. bei Krebsbehandlung)
- Bestimmte Autoimmunerkrankungen, wie Morbus Addison oder Hashimoto-Thyreoiditis
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen oder starken Muskelkrämpfen
- Bei Atemnot oder Anzeichen eines Kehlkopfkrampfes
- Bei Krampfanfällen oder Bewusstseinsverlust
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei länger anhaltendem Kribbeln oder Taubheitsgefühl
- Bei unerklärlicher Müdigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten
- Wenn Sie in der Vergangenheit eine Schilddrüsenoperation hatten und neue Symptome auftreten
Diagnose
Die Diagnose wird durch Blutuntersuchungen gestellt. Ihr Arzt wird die Kalzium-, Phosphat- und Parathormonwerte messen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest zur Messung von Kalzium, Phosphat und Parathormon (PTH)
- Magnesiumbestimmung im Blut
- 24-Stunden-Urinsammlung zur Kalziumausscheidung
- Gegebenenfalls bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall) zur Darstellung der Nebenschilddrüsen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutabnahme ist einfach und schnell. Ihr Arzt wird die Ergebnisse besprechen und gegebenenfalls weitere Tests veranlassen. Bei bestätigter Diagnose folgt eine Behandlungsplanung.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, den Kalzium- und Phosphathaushalt zu normalisieren und Symptome zu lindern. Sie basiert auf Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten, die genau auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf eine ausreichende Kalziumzufuhr über die Nahrung (z. B. Milchprodukte, grünes Blattgemüse).
- Trinken Sie ausreichend Wasser, aber vermeiden Sie kohlensäurehaltige Getränke, die den Kalziumspiegel beeinflussen können.
- Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum, da er den Kalziumhaushalt stören kann.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung umfasst die Gabe von Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten in individuell angepasster Dosierung. Gelegentlich werden auch andere Medikamente eingesetzt, um die Kalziumaufnahme zu verbessern oder den Phosphatspiegel zu senken. Ihr Arzt wird die Behandlung regelmäßig überwachen und anpassen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist in der Regel nicht erforderlich. In seltenen Fällen, wenn die Nebenschilddrüsen nicht ausreichend funktionieren und eine Transplantation in Betracht gezogen wird, kann dies diskutiert werden. Dies ist jedoch sehr speziell und wird nur in wenigen Zentren angeboten.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer angepassten Behandlung können Sie die meisten Aktivitäten wie gewohnt ausüben. Wichtig ist, die Medikamente regelmäßig einzunehmen und die Kalziumwerte im Auge zu behalten. Planen Sie regelmäßige Arztbesuche ein.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie immer einen Ausweis mit Ihrer Diagnose und Ihren Medikamenten bei sich.
- Vermeiden Sie abrupte Ernährungsumstellungen ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt.
- Informieren Sie Ihre Familie und enge Freunde über die Symptome, damit sie im Notfall helfen können.
Ernährung und Bewegung
Eine kalziumreiche Ernährung ist empfehlenswert, aber besprechen Sie die genaue Menge mit Ihrem Arzt. Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen, Yoga oder Schwimmen kann das Wohlbefinden steigern. Vermeiden Sie extrem anstrengende Sportarten, die Krämpfe auslösen könnten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Erkrankung kann zu Angstzuständen oder depressiven Verstimmungen führen, insbesondere aufgrund der Unsicherheit über den Kalziumspiegel. Suchen Sie bei Bedarf psychologische Unterstützung. Ein offener Austausch mit Ihrem Arzt ist wichtig.
Vorbeugung
Hypoparathyreoidismus lässt sich nicht immer verhindern, insbesondere wenn er nach einer Operation auftritt. Chirurgen versuchen bei Schilddrüsenoperationen die Nebenschilddrüsen zu schonen. Bei Autoimmunerkrankungen gibt es keine Vorbeugung.
Früherkennungsprogramme
Ein routinemäßiges Screening auf Hypoparathyreoidismus wird nicht empfohlen. Bei Risikopatienten, z. B. nach einer Schilddrüsenoperation, sollten jedoch die Kalziumwerte kontrolliert werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronisch niedriger Kalziumspiegel kann zu langfristigen Nierenschäden führen.
- Unerkannte schwere Hypokalzämie kann zu Krampfanfällen oder Herzrhythmusstörungen führen.
- Verkalkungen in den Blutgefäßen oder inneren Organen sind möglich.
- Katarakte (grauer Star) können früher auftreten.
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung ist die Lebenserwartung normal. Die meisten Beschwerden lassen sich gut kontrollieren. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind entscheidend, um Komplikationen vorzubeugen. Die Forschung entwickelt stetig neue Behandlungsansätze, sodass die Zukunft für Betroffene immer besser wird.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.