IgA nephropathy
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die IgA-Nephropathie (ausgesprochen ‚I-g-A-Nephropathie‘) ist eine Nierenerkrankung. Dabei lagern sich Antikörper – das sind normalerweise wichtige Abwehrstoffe des Immunsystems – namens Immunglobulin A (IgA) in den kleinen Filtern der Nieren ab. Diese Ablagerungen können Entzündungen verursachen und die Filterfunktion der Nieren allmählich beeinträchtigen. Die Erkrankung verläuft bei vielen Menschen über Jahre hinweg ohne Beschwerden, kann aber auch zu Blut im Urin oder Schwellungen führen.
Wichtige Fakten
- Die IgA-Nephropathie ist eine der häufigsten Formen der Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenfilter).
- Sie tritt oft bei jungen Erwachsenen auf, kann aber in jedem Alter vorkommen.
- Bei vielen Betroffenen verläuft die Erkrankung mild und schreitet nur langsam voran.
- Durch regelmäßige Kontrollen und eine angepasste Lebensweise lässt sich das Fortschreiten oft verlangsamen.
Die IgA-Nephropathie ist weltweit die häufigste Form der sogenannten Glomerulonephritis (einer Entzündung der Nierenfilter). In Europa und Asien kommt sie etwas häufiger vor als in anderen Regionen. Genaue Zahlen für Deutschland sind nicht bekannt, aber sie gilt als nicht selten.
Die Erkrankung kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt aber am häufigsten bei jungen Erwachsenen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Auch eine familiäre Häufung ist möglich, das heißt, die Erkrankung kann in manchen Familien gehäuft vorkommen.
Symptome
- Plötzliche, starke Atemnot oder Brustschmerzen – dies kann auf eine beginnende Lungenstauung durch Nierenversagen hindeuten.
- Kaum noch Urinausscheidung (weniger als ein halber Liter pro Tag) oder überhaupt kein Urin mehr.
- Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit – Hinweis auf eine schwere Stoffwechselentgleisung.
- ⚠Starke Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen, die innerhalb weniger Stunden zunehmen.
- ⚠Blut im Urin, das mit Fieber oder Schmerzen einhergeht.
- ⚠Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion.
- ⚠Plötzlich auftretender, sehr hoher Blutdruck (über 180/110 mmHg).
Häufige Symptome
- Blut im Urin – oft sichtbar als rötliche oder colafarbene Verfärbung (Makrohämaturie), besonders nach einem Infekt wie einer Erkältung oder Mandelentzündung.
- Schaumiger Urin – kann auf Eiweißverlust über die Nieren hindeuten.
- Geschwollene Knöchel, Füße oder Augenlider (Ödeme) – durch Flüssigkeitsansammlungen.
- Erhöhter Blutdruck – wird oft erst bei der ärztlichen Untersuchung festgestellt.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich die IgA-Nephropathie oft durch plötzliches sichtbares Blut im Urin, häufig im Zusammenhang mit einer Atemwegsinfektion.
- Manchmal treten auch Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen auf, die morgens stärker sein können.
- Kinder können Müdigkeit oder verminderten Appetit zeigen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen verläuft die Erkrankung häufig schleichend, ohne auffälliges Blut im Urin.
- Stattdessen können Bluthochdruck oder eine allmähliche Verschlechterung der Nierenfunktion die ersten Anzeichen sein.
- Schwellungen an den Beinen oder allgemeine Schwäche sind ebenfalls möglich.
Ursachen
Hauptursachen
- Eine genaue Ursache ist nicht bekannt. Man vermutet, dass eine Fehlregulation des Immunsystems dazu führt, dass zu viele oder veränderte IgA-Antikörper gebildet werden.
- Diese Antikörper lagern sich in den Nierenfiltern (Glomeruli) ab und lösen dort eine Entzündungsreaktion aus.
- Infekte der oberen Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts können die Erkrankung auslösen oder verschlechtern.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung: IgA-Nephropathie tritt in manchen Familien gehäuft auf – das Risiko ist dann leicht erhöht.
- Bestimmte ethnische Herkunft: In Ostasien und bei Kaukasiern ist die Erkrankung häufiger.
- Männliches Geschlecht: Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.
- Chronische Infekte oder entzündliche Darmerkrankungen können das Risiko möglicherweise erhöhen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sichtbares Blut im Urin, das nicht innerhalb weniger Tage verschwindet.
- Starke Schwellungen an Beinen, Knöcheln oder im Gesicht.
- Zeichen einer Nierenverschlechterung wie plötzlich verminderte Urinmenge oder anhaltende Übelkeit.
- Sehr hoher Blutdruck, der mit Kopfschmerzen oder Sehstörungen einhergeht.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bei einer Vorsorgeuntersuchung oder zufällig Blut oder Eiweiß im Urin festgestellt bekommen haben.
- Wenn Sie wiederholt schaumigen Urin bemerken.
- Wenn Sie anhaltende Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme haben, die nicht durch andere Ursachen erklärt werden.
- Wenn Sie bereits wissen, dass Sie eine IgA-Nephropathie haben, aber noch nicht in regelmäßiger nephrologischer Betreuung sind.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einem Nierenspezialisten (Nephrologen) gestellt. Zunächst erfolgen Blut- und Urintests. Zeigen diese Auffälligkeiten – zum Beispiel Blut oder Eiweiß im Urin sowie erhöhte Nierenwerte – folgt oft eine Nierenbiopsie. Dabei wird mit einer dünnen Nadel unter örtlicher Betäubung eine kleine Gewebeprobe aus der Niere entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Der Nachweis von IgA-Ablagerungen in den Nierenfiltern sichert die Diagnose.
Mögliche Untersuchungen
- Urintest: Messung von Blut, Eiweiß und weiteren Substanzen im Urin.
- Bluttest: Bestimmung der Nierenfunktion (Kreatinin, eGFR) und der Entzündungswerte.
- Blutdruckmessung: Bluthochdruck ist ein häufiger Begleiter und kann die Nieren zusätzlich belasten.
- Nierenbiopsie: Die Gewebeentnahme ist der einzige Weg, die Diagnose sicher zu bestätigen und das Ausmaß der Entzündung zu beurteilen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann einige Wochen in Anspruch nehmen. Nach den ersten auffälligen Urin- oder Blutbefunden wird Ihr Hausarzt Sie an einen Nephrologen überweisen. Eine Nierenbiopsie wird in der Regel ambulant oder mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt durchgeführt. Die meiste Zeit müssen Sie mit einer Erstdiagnose nicht im Krankenhaus bleiben – die Untersuchungen erfolgen nach und nach. Nach der Diagnose wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Behandlung
Die Behandlung der IgA-Nephropathie richtet sich nach der Schwere der Erkrankung, dem Ausmaß der Eiweißausscheidung im Urin und der Nierenfunktion. Ziel ist es, das Fortschreiten der Nierenschädigung zu verlangsamen und Komplikationen zu vermeiden. Nicht jeder Patient benötigt eine medikamentöse Therapie – bei milden Verläufen reicht oft eine regelmäßige Überwachung.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr – etwa 1,5 bis 2 Liter pro Tag (bei fortgeschrittener Nierenschwäche kann die empfohlene Menge abweichen).
- Reduzieren Sie Ihren Salzkonsum: Weniger Salz hilft, den Blutdruck zu senken und Schwellungen zu vermeiden.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – zum Beispiel Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen – das unterstützt das Herz-Kreislauf-System.
- Vermeiden Sie entzündungsfördernde Substanzen wie zum Beispiel nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) – fragen Sie Ihren Arzt, welche Schmerzmittel für Sie geeignet sind.
Medizinische Behandlungen
Ein Nierenspezialist kann Medikamente verschreiben, um den Blutdruck zu senken und die Eiweißausscheidung im Urin zu reduzieren. Dazu gehören in der Regel Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder AT1-Blocker. Bei aktiver Entzündung oder fortschreitender Nierenschädigung kommen manchmal auch entzündungshemmende Medikamente wie Kortison oder Immunsuppressiva zum Einsatz. Die Behandlung wird immer individuell abgestimmt – Ihr Arzt bespricht die Vor- und Nachteile mit Ihnen. Denken Sie daran: Nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Anweisung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei IgA-Nephropathie in der Regel nicht notwendig. Im Endstadium der Nierenschwäche (Nierenversagen) kann eine Nierenersatztherapie erforderlich werden – entweder in Form einer Dialyse (Blutwäsche) oder einer Nierentransplantation. Dies kommt aber nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen vor und ist für viele erst nach Jahren oder Jahrzehnten der Erkrankung ein Thema.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer IgA-Nephropathie lässt sich in den meisten Fällen ein normales Leben führen. Wichtig ist, dass Sie regelmäßig Ihren Hausarzt oder Nephrologen aufsuchen – meist sind Kontrollen alle drei bis zwölf Monate erforderlich. Achten Sie auf Veränderungen Ihres Urins oder auf Schwellungen und messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck. Mit einer gesunden Lebensweise und einer guten medizinischen Betreuung können Sie den Verlauf positiv beeinflussen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie regelmäßige ärztliche Termine ein – zur Kontrolle von Nierenfunktion, Blutdruck und Urinwerten.
- Vermeiden Sie Rauchen – Nikotin schädigt die Blutgefäße und kann die Nierenerkrankung verschlimmern.
- Trinken Sie Alkohol nur in Maßen, möglichst nicht täglich – zu viel Alkohol belastet die Nieren.
- Schützen Sie sich vor Infekten: Regelmäßiges Händewaschen, ausreichend Schlaf und eine gute Ernährung stärken das Immunsystem.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz und dafür viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Bei fortgeschrittener Nierenschwäche kann Ihr Arzt auch empfehlen, die Eiweißzufuhr anzupassen – besprechen Sie das am besten mit einem Ernährungsberater. Bewegung an der frischen Luft für 30 Minuten an den meisten Tagen hilft, das Gewicht zu halten und den Blutdruck zu regulieren.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Nierenerkrankung kann psychisch belastend sein – Sorgen um die Zukunft, Müdigkeit oder die Notwendigkeit regelmäßiger Arztbesuche können den Alltag beeinflussen. Es ist völlig in Ordnung, sich dabei Unterstützung zu suchen. Fühlen Sie sich über einen längeren Zeitraum niedergeschlagen oder ängstlich, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über psychologische Begleitangebote. Bei akuten Krisen steht Ihnen rund um die Uhr die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 zur Verfügung.
Vorbeugung
Da die genaue Ursache der IgA-Nephropathie nicht vollständig geklärt ist, gibt es keine sichere Möglichkeit, die Erkrankung zu verhindern. Sie können jedoch das Risiko für ein Fortschreiten der Nierenschädigung senken, indem Sie auf eine gesunde Lebensweise achten, Bluthochdruck behandeln lassen und Infekte frühzeitig ärztlich versorgen.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken impfen – Ihr Arzt wird Ihnen dazu entsprechend den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) raten. Impfungen helfen, schwere Infekte zu vermeiden, die eine Verschlechterung der Nierenerkrankung auslösen können.
Früherkennungsprogramme
Bei Menschen mit familiärer Belastung für IgA-Nephropathie kann eine regelmäßige Urinuntersuchung beim Hausarzt sinnvoll sein – sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, wenn die Erkrankung in Ihrer Familie vorkommt. Ansonsten gibt es kein spezielles Früherkennungsprogramm.
Komplikationen
Unbehandelt
- Allmähliche Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zur chronischen Nierenschwäche (Niereninsuffizienz).
- Erhöhter Blutdruck, der unbehandelt das Herz-Kreislauf-System schädigt.
- Ausbildung von Wassereinlagerungen (Ödemen) und erhöhtem Eiweißverlust im Urin (nephrotisches Syndrom).
- Im Endstadium: Nierenversagen, das eine Dialyse oder Nierentransplantation erforderlich macht.
Langzeitprognose
Die Prognose der IgA-Nephropathie ist sehr unterschiedlich. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen bleibt die Nierenfunktion über viele Jahre stabil – manche haben sogar nie Beschwerden. Nur bei etwa 20 bis 30 Prozent schreitet die Erkrankung innerhalb von 20 Jahren zu einer behandlungsbedürftigen Nierenschwäche fort. Durch eine frühzeitige Diagnose, regelmäßige Kontrollen und eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt können Sie den Verlauf positiv beeinflussen. Viele Menschen mit IgA-Nephropathie führen ein erfülltes Leben mit normaler Lebenserwartung.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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