Harninkontinenz in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Harninkontinenz bedeutet, dass ungewollt Urin abgeht – zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Lachen. In der Schwangerschaft ist das häufig, weil das Baby und die Gebärmutter Druck auf die Blase ausüben.
Wichtige Fakten
- In der Schwangerschaft ist leichter Urinverlust normal und meist kein Zeichen für eine ernste Erkrankung.
- Beckenbodenübungen können helfen, die Beschwerden zu lindern.
- Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme – es gibt viele gute Möglichkeiten, die Beschwerden zu behandeln.
Ja, Harninkontinenz ist in der Schwangerschaft sehr häufig. Schätzungsweise etwa jede zweite Schwangere ist zeitweise betroffen.
Schwangere Frauen – besonders ab dem zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel. Auch Frauen nach einer Geburt sind häufig betroffen.
Symptome
- Wenn Sie plötzlich sehr starke Schmerzen im Bauch oder Rücken haben – rufen Sie die 112 an.
- Wenn Sie Fieber über 38 Grad Celsius bekommen – rufen Sie die 112 an.
- Wenn Sie überhaupt keinen Urin mehr lassen können – suchen Sie sofort eine Notaufnahme auf.
- Wenn plötzlich eine große Menge Flüssigkeit abgeht – möglicherweise ist die Fruchtblase geplatzt. Rufen Sie die 112 an.
- ⚠Wenn Sie Blut im Urin sehen
- ⚠Wenn das Urinieren brennt oder schmerzt
- ⚠Wenn Sie sich allgemein sehr krank fühlen
Häufige Symptome
- Unwillkürlicher Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder bei körperlicher Anstrengung
- Starker Harndrang, der plötzlich auftritt
- Das Gefühl, ständig zur Toilette zu müssen
Ursachen
Hauptursachen
- Druck der wachsenden Gebärmutter auf die Blase
- Hormonelle Veränderungen, die das Bindegewebe lockern
- Die Beckenbodenmuskulatur wird durch das Gewicht stärker belastet
Risikofaktoren
- Eine oder mehrere frühere Geburten
- Übergewicht vor der Schwangerschaft
- Ältere werdende Mütter
- Verstopfung in der Schwangerschaft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Blut im Urin
- Bei Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Wenn Sie zusätzlich Fieber bekommen
- Wenn Sie plötzlich große Mengen Flüssigkeit verlieren
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der Urinverlust regelmäßig passiert
- Wenn Sie sich unsicher fühlen oder die Beschwerden Sie im Alltag einschränken
- Wenn Sie Fragen zu Übungen oder Hilfsmitteln haben
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Häufig wird auch eine Urinprobe untersucht, um eine Harnwegsinfektion auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Urinuntersuchung (zeigt Entzündungen oder Blut)
- Ultraschalluntersuchung der Nieren und Blase
- Beckenboden- und Funktionsuntersuchung (wird oft nach der Geburt gemacht)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist schmerzfrei. Sie können Ihre Beschwerden offen ansprechen – das Gespräch unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht.
Behandlung
Behandlung bedeutet in der Schwangerschaft vor allem Übungen und Verhaltenstipps. Medikamente sind in der Schwangerschaft oft nicht geeignet. Es gibt aber viele nicht-medikamentöse Möglichkeiten. Die aktuelle medizinische Leitlinie (AWMF) empfiehlt bei Belastungsinkontinenz in der Schwangerschaft ein strukturiertes Beckenbodentraining.
Selbsthilfe zu Hause
- Übungen zur Stärkung des Beckenbodens, am besten mit Unterstützung einer Physiotherapeutin oder Hebamme
- Rechtzeitig auf die Toilette gehen und nicht einhalten
- Trinken nicht einschränken – aber über den Tag verteilt, abends weniger
- Auf starken Druck im Bauch verzichten, z.B. schweres Heben vermeiden
- Verstopfung vermeiden durch ballaststoffreiche Ernährung und viel trinken
Medizinische Behandlungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen je nach Befund Maßnahmen wie ein Beckenbodentraining bei einer Physiotherapeutin, eine Blasenschulung oder ein Pessar (eine kleine Silikonstütze) als Unterstützung anbieten. Welche Option zu Ihnen passt, besprechen Sie individuell – bitte nehmen Sie ohne ärztliche Absprache keine Medikamente gegen Inkontinenz ein, da viele für Schwangere nicht geeignet sind.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist während der Schwangerschaft nicht üblich. Falls nach der Geburt weiterhin Beschwerden bestehen, kann eine Operation später eine Option sein – das wird aber erst nach der Familienplanung und einer gründlichen Untersuchung entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie den Tag mit praktischer Kleidung, die leicht zu wechseln ist. Bei Ausflügen ist es hilfreich, vorher die Toilette aufzusuchen. Sie können auch Einlagen oder spezielle Wäsche nutzen – am besten lassen Sie sich in der Apotheke oder im Sanitätshaus dazu beraten.
Tipps für den Alltag
- Beckenbodenübungen regelmäßig in den Alltag einbauen, zum Beispiel beim Zähneputzen
- Auf das Rauchen verzichten, weil Rauchen das Bindegewebe schwächt
- Ausreichend trinken, aber richtig verteilen
- Koffein in Maßen, da es den Harndrang verstärken kann
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung, um Verstopfung zu vermeiden. Leichte Bewegung wie Schwangerschaftsyoga, Schwimmen oder Spazierengehen ist erlaubt und tut gut. Vermeiden Sie Sport mit starkem Springen oder Stoßen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist ganz normal, wenn Sie sich unsicher oder belastet fühlen. Urinverlust ist kein Grund, sich zu verstecken. Sprechen Sie mit Ihren Lieben oder einer Fachperson – das entlastet und hilft.
Vorbeugung
Man kann das Risiko und die Beschwerden mit gezielt durchgeführten Beckenbodenübungen und einem gesunden Lebensstil oft deutlich verringern. Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht, weil sich der Körper in der Schwangerschaft einfach verändert.
Früherkennungsprogramme
In der Schwangerschaft werden bei den Vorsorgeuntersuchungen Harnwegsinfektionen regelmäßig durch eine Urinprobe ausgeschlossen. Ein spezielles Screening zur Inkontinenz ist nicht üblich, aber Sie können das Thema jederzeit ansprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Hautreizungen oder wunde Stellen im Intimbereich
- Wiederholte Harnwegsinfektionen
- Sozialer Rückzug, weil der Urinverlust als belastend empfunden wird
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Bei vielen Frauen bessert sich die Inkontinenz nach der Geburt deutlich. Wenn Sie frühzeitig mit Beckenbodentraining beginnen und professionelle Hilfe nutzen, bleiben die Beschwerden meist gut beherrschbar. Auch wenn die Beschwerden anhalten, gibt es moderne und sanfte Behandlungsmöglichkeiten.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.