Übelkeit bei einer Infektion: Ursachen, Symptome und was Sie tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Infektion entsteht, wenn Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien in den Körper eindringen und sich dort vermehren. Übelkeit ist ein häufiges Begleitsymptom vieler Infektionen – der Körper reagiert auf die Erreger und die Entzündung mit einem Unwohlsein im Magen, das bis zum Erbrechen führen kann. Es ist eine natürliche Abwehrreaktion, die oft nach einigen Tagen von selbst wieder verschwindet.
Wichtige Fakten
- Übelkeit kann bei vielen Infektionen auftreten, besonders bei Magen-Darm-Infekten, aber auch bei Erkältungen, Grippe oder Harnwegsinfektionen.
- Der Körper versucht durch Erbrechen möglicherweise, Erreger oder Giftstoffe loszuwerden.
- Wichtig ist, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um einer Austrocknung vorzubeugen.
- Die meisten Infektionen mit Übelkeit heilen von selbst aus und benötigen keine spezielle medizinische Therapie.
- Bei bestimmten Warnzeichen – zum Beispiel starkem Flüssigkeitsverlust oder hohem Fieber – sollte man ärztlichen Rat suchen.
Ja, Übelkeit bei Infektionen ist sehr häufig. Schätzungen zufolge hat fast jeder Mensch mindestens einmal im Jahr eine Infektion, die mit Übelkeit einhergeht. Besonders häufig tritt sie bei Magen-Darm-Infekten auf, die durch Viren wie Noroviren ausgelöst werden.
Jeder kann betroffen sein. Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem haben jedoch ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf und Komplikationen wie Austrocknung (Dehydration).
Symptome
- Anzeichen einer schweren Austrocknung: kaum bis kein Urin, starkes Schwächegefühl, kalte oder trockene Haut
- Blut im Erbrochenen oder im Stuhl
- Starre Nackenmuskulatur mit Kopfschmerzen und hohem Fieber – das kann auf eine Hirnhautentzündung hindeuten
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- Atemnot oder Brustschmerzen
- Wenn die Person nicht mehr ansprechbar ist oder Krampfanfälle hat
- ⚠Starkes, unkontrollierbares Erbrechen, das länger als 24 Stunden anhält
- ⚠Unfähigkeit, Flüssigkeit bei sich zu behalten
- ⚠Wenn eine ältere Person oder ein kleines Kind deutliche Anzeichen von Austrocknung zeigt (trockener Mund, wenig Urin, Schwäche)
- ⚠Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Hohes Fieber über 39,5 Grad Celsius
Häufige Symptome
- Übelkeit
- Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Durchfall
- Appetitlosigkeit
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- möglicherweise leichtes Fieber
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kann Übelkeit schnell zu Flüssigkeitsmangel führen, da sie weniger Reserven haben.
- Kinder sind oft weinerlich, schlapp und möchten nicht spielen.
- Sie können auch über Bauchschmerzen klagen, ohne genau zu zeigen, wo es wehtut.
- Wenn ein Kind länger als 6 Stunden kein Wasser lassen kann oder eingefallene Augen hat, ist das ein Warnzeichen für Austrocknung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen spüren Übelkeit oft nicht so deutlich, aber der Körper verliert trotzdem Flüssigkeit.
- Verwirrtheit oder Schwindel können Zeichen einer Austrocknung sein, auch wenn keine Übelkeit genannt wird.
- Eine bestehende Medikamenteneinnahme kann die Symptome verstärken oder die Austrocknung schneller eintreten lassen.
- Bei älteren Menschen kann eine Infektion auch ohne Fieber, aber mit einem starken Gefühl von Schwäche und Unwohlsein einhergehen.
Ursachen
Hauptursachen
- Magen-Darm-Infektionen durch Viren wie Noroviren oder Rotaviren
- Bakterielle Infektionen, zum Beispiel durch Salmonellen oder Campylobacter
- Infektionen der oberen Atemwege wie Grippe (Influenza) oder Erkältung, weil der Körper allgemein Infektionsstoffe bekämpft
- Harnwegsinfektionen, die manchmal mit Übelkeit einhergehen, besonders bei älteren Menschen
- Lebensmittelvergiftung durch verdorbene Speisen
- Bei manchen Infektionen wie COVID-19 kann Übelkeit ebenfalls auftreten
Risikofaktoren
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente
- Sehr junges oder sehr hohes Lebensalter
- Reisen in Länder mit anderen Hygienestandards oder Tropenkrankheiten
- Aufenthalt in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Kindergärten
- Ungeschützter Kontakt mit infizierten Personen
- Mangelnde Händehygiene
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie über 24 Stunden nichts bei sich behalten können und zu wenig trinken
- Bei Anzeichen von Dehydration: dunkler Urin, trockene Lippen, Schwäche oder Schwindel
- Bei Blut im Stuhl oder Erbrochenem
- Wenn Fieber länger als 3 Tage über 39 Grad Celsius bleibt
- Bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Übelkeit länger als eine Woche besteht, ohne dass ein klarer Infekt vorliegt
- Wenn Sie sich allgemein krank fühlen und unsicher sind, was die Ursache ist
- Bei wiederkehrenden Infektionen mit Übelkeit
- Wenn Sie schwanger sind oder eine chronische Erkrankung haben und eine Infektion vermuten
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird zuerst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese). Sie werden gefragt, wann die Übelkeit begonnen hat, ob Erbrechen oder Durchfall vorliegen, ob Sie Kontakt zu kranken Personen hatten und ob Sie kürzlich gereist sind. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Bauch abgetastet und der Flüssigkeitszustand des Körpers geprüft wird.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung, um Entzündungszeichen oder Austrocknung festzustellen
- Stuhlprobe, um Bakterien oder Viren nachzuweisen (bei schweren oder länger anhaltenden Fällen)
- Urinuntersuchung, vor allem bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion
- Gegebenenfalls Ultraschall des Bauches, wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden sollen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Wenn der Verdacht auf einen Magen-Darm-Infekt besteht, werden meist keine speziellen Tests durchgeführt – die Diagnose wird anhand der typischen Symptome gestellt. Falls eine bakterielle Infektion vermutet wird, kann die Stuhlprobe die Ursache bestätigen.
Behandlung
Die wichtigste Behandlung bei einer Infektion mit Übelkeit ist, den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen. Zusätzlich unterstützen magenschonende Maßnahmen und Ruhe den Heilungsprozess. In den meisten Fällen braucht es keine spezielle medizinische Therapie, da der Körper die Infektion selbst bekämpft.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie viel in kleinen Schlucken: stilles Wasser, Kräutertee oder eine Brühe
- Bei Durchfall oder Erbrechen können Sie eine Lösung aus Wasser, Zucker und Salz verwenden – oder fragen Sie in der Apotheke nach einer Elektrolytlösung
- Essen Sie nur, was Sie gut vertragen: Zwieback, Salzstangen, Bananen oder gekochte Haferflocken
- Gehen Sie es ruhig an: Bettruhe oder zumindest viel Ausruhen hilft dem Körper bei der Heilung
- Vermeiden Sie fettige, scharfe und stark gewürzte Speisen, bis es Ihnen besser geht
- Lüften Sie den Raum und vermeiden Sie starke Gerüche, die Übelkeit verstärken können
Medizinische Behandlungen
In schwereren Fällen können Ärzte Medikamente verschreiben, die die Übelkeit lindern oder das Erbrechen stoppen – sogenannte Antiemetika. Bei bakteriellen Infektionen kann je nach Ursache ein Antibiotikum eingesetzt werden. Diese Medikamente müssen immer ärztlich verordnet und nach Anweisung eingenommen werden. Bei starkem Flüssigkeitsverlust kann eine Infusion im Krankenhaus notwendig sein. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird entscheiden, welche Behandlung für Sie geeignet ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei einer Infektion mit Übelkeit ist eine Operation in der Regel nicht notwendig. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn eine schwere komplizierende Erkrankung wie eine Blinddarmentzündung oder ein Darmverschluss vorliegt, kann eine Operation erforderlich sein. Dies wird immer im Krankenhaus abgeklärt.
Leben mit der Erkrankung
Während einer Infektion mit Übelkeit ist es wichtig, auf Ihren Körper zu hören. Gönnen Sie sich Ruhe und versuchen Sie, kleine Mengen zu trinken. Wenn die akute Phase vorbei ist, steigern Sie die Nahrungsmenge langsam wieder. Achten Sie besonders auf Hygiene, um andere nicht anzustecken – waschen Sie sich regelmäßig die Hände und nutzen Sie getrennte Handtücher.
Tipps für den Alltag
- Waschen Sie Ihre Hände gründlich mit Seife, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen
- Sorgen Sie für eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, um das Immunsystem zu stärken
- Vermeiden Sie in der Erholungsphase Alkohol und Nikotin
- Bewegen Sie sich an der frischen Luft, sobald Sie sich wieder kräftig genug fühlen – aber übertreiben Sie es nicht
- Schlafen Sie ausreichend, um die Abwehrkräfte zu unterstützen
Ernährung und Bewegung
Setzen Sie in den ersten Tagen auf leichte Kost wie Zwieback, gekochte Kartoffeln, Bananen oder Reis. Vermeiden Sie Milchprodukte und schwer verdauliche Speisen, bis der Verdauungstrakt sich beruhigt hat. Wenn der Appetit zurückkehrt, können Sie langsam zu Ihrer normalen Ernährung übergehen. Leichte Bewegung – zum Beispiel Spazierengehen – hilft bei der Genesung, aber körperliche Anstrengung sollten Sie erst meiden, bis Sie sich vollständig erholt haben.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Infektion mit Übelkeit kann das Wohlbefinden stark beeinträchtigen – Sie fühlen sich möglicherweise schlapp, hilflos oder niedergeschlagen. Das ist ganz normal. Der Körper und die Psyche sind eng verbunden. Erlauben Sie sich, langsam zu genesen und holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie sich mit Angst oder Sorge über den Verlauf plagen. Wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten oder Sie sich sehr belastet fühlen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Vorbeugung
Nicht jede Infektion lässt sich verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Gründliches Händewaschen, sorgfältige Küchenhygiene und das Meiden von engem Kontakt zu erkrankten Personen sind die wichtigsten Maßnahmen. Beim Reisen in Länder mit niedrigeren Hygienestandards sollten Sie Leitungswasser und ungeschältes Obst meiden.
Impfungen
Es gibt wirksame Impfungen gegen einige erregerbedingte Durchfallerkrankungen, zum Beispiel gegen Rotaviren. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Rotavirus-Impfung für Säuglinge. Eine Grippeimpfung kann ebenfalls dazu beitragen, schwere Infektionen zu vermeiden, die mit Übelkeit einhergehen können. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Vorsorgeuntersuchungen im engeren Sinn gibt es für Infektionen mit Übelkeit nicht. Regelmäßige ärztliche Kontrollen, zum Beispiel im Rahmen des Gesundheits-Check-ups, können aber dazu beitragen, Risikofaktoren zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydration) und Elektrolytstörungen – das ist die häufigste Komplikation, besonders bei Kindern und älteren Menschen
- Nierenschwäche oder Nierenversagen bei schwerem Flüssigkeitsmangel
- Bei bakteriellen Infektionen kann sich die Erkrankung auf andere Organe ausbreiten, zum Beispiel auf die Gallenblase oder die Bauchspeicheldrüse
- Kreislaufprobleme bis hin zum Schock bei schwerem Flüssigkeitsverlust
- Länger anhaltende Erschöpfung und Schwäche nach der Infektion
Langzeitprognose
Die allermeisten Infektionen mit Übelkeit – ob viral oder bakteriell – heilen innerhalb weniger Tage vollständig aus. Mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Schonung erholen sich die meisten Menschen ohne Folgen. Auch kompliziertere Verläufe sind gut behandelbar, besonders wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Ihr Körper hat starke Selbstheilungskräfte – geben Sie ihm die Zeit, die er braucht.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt · Deutschland
- Öffentlicher Gesundheitsdienst (Gesundheitsamt) · Lokal in Ihrer Stadt oder Landkreis
- Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI) · Deutschland (Informationsseiten)
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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