Intermittent claudication
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Schaufensterkrankheit (medizinisch: intermittierende Claudicatio) ist ein Anzeichen für eine verengte oder verschlossene Arterie in den Beinen. Die Muskeln bekommen dann bei Bewegung zu wenig Blut und Sauerstoff. Das führt zu Schmerzen, die in Ruhe wieder verschwinden.
Wichtige Fakten
- Die Schaufensterkrankheit wird durch Arterienverkalkung (Atherosklerose) verursacht.
- Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor – Rauchstopp verbessert die Beschwerden oft deutlich.
- Regelmäßiges Gehtraining kann die Gehstrecke verlängern und die Muskeln besser durchbluten.
Ja, die Schaufensterkrankheit ist häufig, vor allem bei Menschen über 50 Jahren. In Deutschland sind schätzungsweise 4 bis 5 Millionen Menschen betroffen.
Am häufigsten betrifft sie Menschen über 50, Raucher, Diabetiker und Personen mit Bluthochdruck oder hohen Cholesterinwerten. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Bein, die nicht nachlassen
- Das Bein fühlt sich kalt an, die Haut ist blass oder bläulich
- Sie können den Fuß oder die Zehen nicht mehr bewegen
- Gefühllosigkeit im Bein oder Fuß
- ⚠Schmerzen, die auch in Ruhe nicht verschwinden (Ruheschmerz)
- ⚠Eine Wunde am Bein oder Fuß, die nicht abheilt
- ⚠Verfärbung der Haut am Unterschenkel oder Fuß
Häufige Symptome
- Schmerzen, Krämpfe oder ein Spannungsgefühl in den Waden, Oberschenkeln oder im Gesäß beim Gehen oder Treppensteigen
- Die Schmerzen verschwinden nach kurzer Ruhe (wenige Minuten) von selbst
- Mit der Zeit kann die Strecke, die Sie schmerzfrei gehen können, kürzer werden
- Kältegefühl in den Füßen oder Beinen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist die Schaufensterkrankheit sehr selten. Symptome können durch andere Erkrankungen wie Entzündungen der Blutgefäße oder angeborene Herzfehler auftreten.
- Achten Sie auf Schmerzen in den Beinen beim Spielen oder Sport, die in Ruhe besser werden – das sollte ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schmerzen beim Gehen werden oft fälschlich als Altersbeschwerden oder Arthrose gedeutet.
- Die Gehstrecke kann stark eingeschränkt sein, sodass Alltagswege zur Belastung werden.
- Auch Schmerzen in Ruhe oder nachts können auftreten – dann ist die Erkrankung meist fortgeschritten.
Ursachen
Hauptursachen
- Arterienverkalkung (Atherosklerose): Fett- und Kalkablagerungen verengen die Beinarterien und behindern den Blutfluss.
- Entzündungen der Blutgefäße (selten)
- Blutgerinnsel, die ein Gefäß plötzlich verschließen (akuter Verschluss)
Risikofaktoren
- Rauchen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck
- Erhöhte Cholesterinwerte
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Familienvorbelastung (Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Verwandten)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Schmerzen im Bein mit Kältegefühl oder Lähmungserscheinungen – sofort den Notruf 112 wählen!
- Wenn Schmerzen auch in Ruhe auftreten (Ruheschmerz)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sobald Sie beim Gehen regelmäßig Schmerzen in den Beinen haben, die in Ruhe wieder verschwinden.
- Wenn Sie einen Risikofaktor wie Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck haben und neue Beinschmerzen bemerken.
Diagnose
Die Diagnose stellt der Arzt oder die Ärztin anhand Ihrer Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Dabei werden die Pulse in Leiste, Kniekehle und am Fuß getastet. Ein wichtiger Test ist die Messung des Knöchel-Arm-Index (ABI).
Mögliche Untersuchungen
- Knöchel-Arm-Index (ABI): Blutdruckmessung am Knöchel und am Oberarm – der Vergleich zeigt, ob die Beinarterien verengt sind.
- Ultraschall (Doppler-Sonographie): Zeigt die Blutflussgeschwindigkeit und Verengungen in den Arterien.
- Bei Bedarf: Angiographie (Röntgen mit Kontrastmittel) oder CT/MRT zur genauen Darstellung der Gefäße.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und ambulant durchführbar. Sie müssen eventuell ein paar Stunden in der Praxis oder Klinik einplanen. Nach der Diagnose besprechen die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen die passende Behandlung gemäß den aktuellen Leitlinien (AWMF).
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Durchblutung zu verbessern, Schmerzen zu lindern und Komplikationen wie Geschwüre oder Amputationen zu verhindern. Sie besteht aus Lebensstiländerungen, Bewegungstherapie und bei Bedarf medikamentösen oder operativen Maßnahmen.
Selbsthilfe zu Hause
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – das ist der wirksamste Schritt.
- Gehen Sie regelmäßig: Tägliches Gehtraining (z. B. 30 Minuten zügig gehen, bis kurz vor den Schmerz, dann kurz Pause und weiter) kann die Gehstrecke verlängern.
- Achten Sie auf Ihre Füße: Tägliche Kontrolle auf Druckstellen oder Wunden, gut sitzende Schuhe, keine Verletzungen.
- Bewegen Sie Ihre Zehen und Knöchel regelmäßig, auch im Sitzen.
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann Medikamente verschreiben, die das Blut verdünnen und die Bildung von Blutgerinnseln erschweren (z. B. Thrombozytenaggregationshemmer) sowie Mittel, die die Blutfette senken (Statine). Auch eine Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes ist wichtig. Diese Medikamente werden immer individuell angepasst – besprechen Sie die genaue Therapie mit Ihrem Arzt. Bitte nehmen Sie keine eigenen Medikamente ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen und die Beschwerden stark einschränken oder Komplikationen drohen, kann ein Eingriff nötig sein. Dazu gehören minimalinvasive Verfahren wie eine Ballonaufdehnung (Angioplastie) mit Stenteinlage oder eine offene Gefäßoperation (Bypass).
Leben mit der Erkrankung
Mit der Schaufensterkrankheit können Sie Ihren Alltag weitgehend selbstständig gestalten. Planen Sie Gehpausen ein und nutzen Sie Hilfsmittel wie Gehstock, wenn nötig. Wichtig ist, Ihre Füße täglich zu pflegen und Verletzungen zu vermeiden.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – bei Bedarf Unterstützung zur Raucherentwöhnung suchen (z. B. beim Hausarzt oder in Selbsthilfegruppen).
- Gesundes Körpergewicht anstreben.
- Bewegung in den Alltag einbauen: Treppe statt Aufzug, kleine Spaziergänge.
- Fußpflege: Tägliche Kontrolle, weiche Socken, keine engen Schuhe.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig gesättigten Fetten, viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten hilft, die Arterienverkalkung zu verlangsamen. Regelmäßiges Ausdauertraining (Gehen, Radfahren, Schwimmen) ist das A und O. Starten Sie langsam und steigern Sie die Dauer. Ihr Arzt oder eine physiotherapeutische Gefäßsportgruppe kann Ihnen einen Trainingsplan erstellen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit können belastend sein und zu Niedergeschlagenheit oder Angst führen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt darüber. Bei Bedarf kann eine psychologische Beratung oder eine Selbsthilfegruppe helfen. Wenn Sie Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid haben, suchen Sie sofort professionelle Hilfe – z. B. über die Telefonseelsorge (kostenlos, 24h).
Vorbeugung
Ja, Sie können das Risiko für die Schaufensterkrankheit senken, indem Sie einen gesunden Lebensstil pflegen: Nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, Übergewicht vermeiden und auf eine ausgewogene Ernährung achten. Wenn Sie bereits Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes haben, lassen Sie diese konsequent behandeln.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit erhöhtem Risiko (Raucher, Diabetiker, über 50 Jahre) kann der Arzt im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung den Knöchel-Arm-Index messen. Eine generelle Vorsorgeuntersuchung ist in Deutschland nicht flächendeckend empfohlen, aber bei Risikopersonen sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreiten der Verengung bis zum Verschluss des Gefäßes
- Nicht heilende Wunden (Ulkus) an Unterschenkel oder Fuß
- Gewebeschaden (Nekrose) und Absterben von Zehen oder Teilen des Fußes
- Im schlimmsten Fall: Amputation des betroffenen Beines
- Höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall durch die allgemeine Atherosklerose
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Diagnose und konsequenten Behandlung ist die Prognose gut. Viele Menschen können ihre Gehstrecke durch Gehtraining und Rauchstopp deutlich verbessern. Auch wenn eine Operation nötig wird, sind die Erfolgsaussichten heute sehr gut. Wichtig ist, die Erkrankung ernst zu nehmen und gemeinsam mit Ihrem Arzt einen Behandlungsplan zu verfolgen. Bleiben Sie zuversichtlich – Sie können aktiv etwas tun!
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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