Nachsorge bei Nierenerkrankungen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Niere ist ein lebenswichtiges Organ. Sie filtert das Blut, scheidet Abfallstoffe aus und reguliert den Wasser- und Salzhaushalt. Bei einer Nierenerkrankung ist diese Funktion beeinträchtigt. Nachsorge bedeutet: Sie und Ihr Ärzteteam beobachten die Nieren regelmäßig, passen die Behandlung an und unterstützen Sie dabei, gesund zu bleiben.
Wichtige Fakten
- Bei rechtzeitiger Nachsorge lässt sich das Fortschreiten vieler Nierenerkrankungen deutlich verlangsamen.
- Die wichtigsten Kontrollen sind einfache Blut- und Urinuntersuchungen.
- Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Trinken, vollwertiger Ernährung und Bewegung schützt die Nieren.
Nierenerkrankungen sind häufig. In Deutschland leben schätzungsweise mehrere Millionen Menschen mit einer eingeschränkten Nierenfunktion – viele wissen es nicht.
Sie kann jede Person betreffen, besonders aber Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht oder einer familiären Vorbelastung. Auch das Alter ab 60 Jahren und langjähriges Rauchen erhöhen das Risiko.
Symptome
- Wenn Sie über viele Stunden keinen Urin lassen können oder aussetzen, sofort 112 anrufen.
- Wenn Sie plötzlich starke Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust haben.
- Wenn Sie ohnmächtig werden oder nicht mehr ansprechbar sind.
- ⚠Sichtbares Blut im Urin
- ⚠Fieber mit Schüttelfrost und starken Rückenschmerzen auf Höhe der Nieren
- ⚠Plötzlich auftretende starke Schwellungen an Beinen, Armen oder im Gesicht
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Schwäche
- Geschwollene Beine, Knöchel oder Augenlider
- Verändertes Wasserlassen (häufiger oder seltener)
- Schaumiger Urin
- Bluthochdruck
- Juckreiz oder trockene Haut
Symptome bei Kindern
- Wachstumsstörungen oder Gewichtsstagnation
- Auffälliger Durst
- Bettnässen oder ungewöhnlich häufiges Wasserlassen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Konzentrationsschwierigkeiten
- Appetitlosigkeit und Übelkeit
- Plötzliches Zurückhalten von Wasser (Ödeme)
- Abnahme der Leistungsfähigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Eingeschränkte Durchblutung der Nieren (zum Beispiel bei schwerer Herzschwäche)
- Langjähriger, schlecht eingestellter Bluthochdruck
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Entzündliche Nierenerkrankungen
- Harnwegsinfektionen, die aufsteigen
- Nierensteine oder Verengungen der ableitenden Harnwege
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- Übergewicht
- Rauchen
- Familiäre Vorbelastung
- Einnahme von Schmerzmitteln über einen langen Zeitraum oder in hoher Dosis
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei neu auftretenden oder sich verschlimmernden Beschwerden wie Blut im Urin, starken Schwellungen oder anhaltenden Schmerzen im Nierenbereich
- Wenn sich Ihre Messwerte (zum Beispiel Blutdruck) plötzlich stark verändern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei bekannter Nierenerkrankung in der Regel einmal pro Jahr oder häufiger, je nach Empfehlung Ihres Arztes
- Nach einer beendeten Behandlung (zum Beispiel nach Nierensteinen) zur Kontrolle
- Wenn Sie zur Risikogruppe gehören, lassen Sie mindestens einmal jährlich die Nierenwerte prüfen
Diagnose
Die Nierenfunktion wird hauptsächlich über Blut- und Urinuntersuchungen beurteilt. Zusätzlich hilft eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie), Struktur und Größe der Nieren sichtbar zu machen. Nur in Einzelfällen ist eine Gewebeprobe (Biopsie) nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Kreatinin und geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR)
- Urintest auf Eiweiß und Blut
- Ultraschall der Nieren
- Bei besonderen Fragen auch Röntgen, CT oder Gewebeprobe
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern meist nur wenige Minuten. Beim Bluttest wird eine Blutprobe aus der Armbeuge entnommen. Beim Ultraschall liegen Sie auf einer Liege, auf den Bauch wird etwas kühles Gel aufgetragen und ein Schallkopf sanft darüber geführt. Sie bekommen die Ergebnisse in der Regel beim nächsten Arztbesuch oder per Befundbericht.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Stadium der Nierenerkrankung. Vorrangiges Ziel ist, die Nierenfunktion zu erhalten, Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Ihr Ärzteteam plant die Behandlung individuell mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend – in der Regel 1,5 bis 2 Liter pro Tag, sofern Ihr Arzt nichts anderes empfiehlt.
- Ernähren Sie sich ausgewogen und salzarm (etwa 5 bis 6 Gramm Salz pro Tag).
- Verzichten Sie auf Rauchen und trinken Sie nur wenig Alkohol.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel 30 Minuten tägliches Spazierengehen oder leichtes Radfahren.
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente genau nach Anweisung ein.
Medizinische Behandlungen
Das Ärzteteam kann Medikamente verschreiben, um den Blutdruck zu senken, den Blutzucker zu verbessern und den Eiweißverlust über den Urin zu reduzieren. In fortgeschrittenen Fällen kommen Verfahren wie die Dialyse (Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation infrage. Diese Behandlungen werden in spezialisierten Zentren durchgeführt und immer gemeinsam mit Ihnen geplant.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig sein, wenn ein Gefäßzugang für die Dialyse geschaffen werden soll oder wenn eine Spenderniere eingesetzt wird. Auch bei großen Nierensteinen, Verengungen oder Tumoren kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie feste Kontrolltermine in Ihrer Hausarztpraxis oder in einem Nierenzentrum ein. Bringen Sie zu jedem Termin Ihre Versicherungskarte, einen Medikamentenplan und eine Liste mit aktuellen Fragen mit. Ein kleines Tagebuch mit Blutdruckwerten und Urintestergebnissen hilft, Entwicklungen zu erkennen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie einen regelmäßigen Schlafrhythmus ein.
- Achten Sie auf ausreichend Bewegung im Alltag – schon Treppensteigen und Spazierengehen sind wertvoll.
- Vermeiden Sie extreme körperliche Belastungen und starke Temperaturwechsel.
- Fragen Sie Ihren Arzt, bevor Sie rezeptfreie Mittel einnehmen, da einige Medikamente die Nieren belasten können.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie viel Obst und Gemüse, aber achten Sie bei fortgeschrittener Nierenerkrankung auf den Kalium- und Phosphatgehalt – Ihr Arzt gibt Ihnen dazu genaue Empfehlungen. Wählen Sie Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte und wenig rotes Fleisch. Bewegung – möglichst mit mäßiger Anstrengung – unterstützt den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Nierenerkrankung kann Angst, Niedergeschlagenheit oder innere Unruhe auslösen. Das Gefühl, dauerhaft von Kontrollen und Terminen abhängig zu sein, belastet viele Menschen. Sie sind damit nicht allein. Suchen Sie sich Unterstützung, zum Beispiel durch Gespräche mit Angehörigen oder durch psychologische Beratung.
Vorbeugung
Eine bestehende Nierenerkrankung lässt sich nicht immer vollständig heilen, aber Sie können sehr viel dafür tun, dass sie nicht voranschreitet. Kontrollen, gesunder Lebensstil und die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sind die wichtigsten Punkte.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken impfen, da Infektionen die Nieren zusätzlich belasten können. Ihr Hausarzt berät Sie, welche Impfungen in Ihrer Situation sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Bei erhöhtem Risiko (zum Beispiel bei Diabetes oder Bluthochdruck) sind regelmäßige Nierenkontrollen im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung möglich. Ihr Arzt kann mit einem einfachen Urin-Teststreifen eine Eiweißausscheidung früh erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Nachsorge kann sich die Nierenfunktion schleichend verschlechtern.
- Es können Wassereinlagerungen, Blutarmut und Knochenschäden entstehen.
- Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Dialyse oder Nierentransplantation unumgänglich.
- Auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt deutlich.
Langzeitprognose
Machen Sie sich bitte nicht unnötig Sorgen: Mit guter Nachsorge lässt sich das Fortschreiten einer Nierenerkrankung in vielen Fällen deutlich verlangsamen. Viele Menschen leben mit einer eingeschränkten Nierenfunktion über Jahre aktiv und selbstbestimmt. Und selbst wenn eine Ersatztherapie nötig wird – die Behandlungsmöglichkeiten sind heute sehr gut, und eine Transplantation bietet oft eine dauerhaft gute Lebensqualität.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.