Kidney function tests
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nierenfunktionstests sind Blut- und Urinuntersuchungen, mit denen Ärzte überprüfen, wie gut Ihre Nieren arbeiten. Die Nieren filtern Abfallstoffe aus dem Blut und scheiden sie mit dem Urin aus. Diese Tests messen zum Beispiel die Kreatinin- und Harnstoffwerte sowie die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) – das ist ein Wert, der angibt, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern.
Wichtige Fakten
- Nierenfunktionstests können frühe Anzeichen einer Nierenschädigung erkennen, bevor Symptome auftreten.
- Zu den häufigsten Tests gehören Blutuntersuchungen auf Kreatinin und eGFR sowie Urintests auf Eiweiß (Albumin).
- Diese Tests sind wichtig für Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder familiärer Vorbelastung.
Ja, Nierenfunktionstests gehören zu den Routineuntersuchungen, besonders bei Menschen mit Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck. In Deutschland werden sie jährlich bei Millionen von Patienten durchgeführt.
Nierenfunktionstests werden vor allem bei Menschen durchgeführt, die ein erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen haben: Ältere Menschen, Diabetiker, Menschen mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer familiären Vorbelastung.
Symptome
- Plötzlich stark verminderte Urinmenge (weniger als 400 ml pro Tag) oder gar kein Urin
- Atemnot oder starke Wassereinlagerungen (Lungenödem)
- Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Starke Übelkeit und Erbrechen, die das Trinken verhindern
- ⚠Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen, die plötzlich zunehmen
- ⚠Blut im Urin
Häufige Symptome
- Viele Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion haben zunächst keine Beschwerden.
- Mögliche Symptome können Müdigkeit, geschwollene Beine oder Knöchel (Ödeme), häufigerer oder seltenerer Harndrang, schaumiger Urin oder Appetitlosigkeit sein.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern können Nierenprobleme durch Wachstumsstörungen, häufiges Bettnässen, Bluthochdruck oder auffälligen Urin (z. B. trüb oder blutig) auffallen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen treten oft unspezifische Symptome wie Verwirrtheit, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustands auf – diese können auf eine Nierenfunktionsstörung hinweisen.
Ursachen
Hauptursachen
- Nierenfunktionstests werden durchgeführt, um eine bestehende Nierenschädigung zu erkennen oder zu überwachen. Die häufigsten Ursachen für eine Nierenschädigung sind Diabetes mellitus und Bluthochdruck.
- Weitere Ursachen sind chronische Nierenentzündungen (Glomerulonephritis), verengte Nierenarterien, erbliche Nierenerkrankungen (z. B. Zystennieren) oder langfristige Einnahme von Schmerzmitteln.
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Übergewicht (Adipositas)
- Rauchen
- Familiäre Vorbelastung mit Nierenerkrankungen
- Alter über 60 Jahre
- Langfristige Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (z. B. Ibuprofen, Diclofenac – ohne Markennamen genannt)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme bei plötzlicher, stark verminderter Urinmenge oder Atemnot.
- Bei Blut im Urin oder starken Wassereinlagerungen innerhalb von 24 Stunden einen Arzt aufsuchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrolle bei Diabetes, Bluthochdruck oder bekannten Nierenproblemen – wie mit Ihrem Hausarzt besprochen.
- Einmal jährlich ab dem 60. Lebensjahr oder bei Risikofaktoren eine Nierenfunktionsprüfung durchführen lassen.
Diagnose
Die Nierenfunktion wird mit Blut- und Urintests überprüft. Der Arzt oder die Ärztin wird dabei die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) berechnen – ein Wert, der die Filterleistung der Nieren angibt. Zusätzlich wird der Kreatininwert im Blut sowie das Vorhandensein von Eiweiß (Albumin) im Urin gemessen. Nach den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) erfolgt die Diagnose anhand dieser Werte in Kombination mit dem Urinbefund.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: Messung von Kreatinin und daraus Berechnung der eGFR
- Urintest: Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) oder Urinstreifentest auf Eiweiß
- Bildgebung: Ultraschall der Nieren (Nierensonografie) zur Beurteilung von Größe und Struktur
- Weiterführende Tests: Blutuntersuchung auf Harnstoff, Elektrolyte (Natrium, Kalium) und Blutsäure-Basen-Haushalt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt oder die Ärztin wird Ihnen Blut aus der Armvene abnehmen und Sie bitten, eine Urinprobe abzugeben. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Die Ergebnisse liegen meist nach ein bis zwei Tagen vor. Der Arzt bespricht mit Ihnen die Werte und erklärt, ob Ihre Nierenfunktion normal ist oder ob weitere Schritte nötig sind.
Behandlung
Nierenfunktionstests selbst erfordern keine Behandlung. Falls die Testergebnisse auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen, steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Ziel ist es, die Nierenfunktion zu erhalten und eine Verschlechterung zu verlangsamen. Dazu gehören die optimale Einstellung von Blutzucker und Blutdruck sowie die Vermeidung von nierenschädigenden Substanzen.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf ausreichendes Trinken – etwa 1,5 bis 2 Liter pro Tag (bei eingeschränkter Nierenfunktion nach ärztlicher Anweisung).
- Halten Sie Ihren Blutdruck im Zielbereich, meist unter 130/80 mmHg (wie mit Ihrem Arzt besprochen).
- Nehmen Sie bei Diabetes Ihre Medikamente regelmäßig ein und kontrollieren Sie den Blutzucker.
- Vermeiden Sie die langfristige Einnahme von Schmerzmitteln aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) ohne ärztliche Rücksprache.
- Nicht rauchen – Rauchen schädigt die Blutgefäße und damit auch die Nieren.
Medizinische Behandlungen
Bei eingeschränkter Nierenfunktion verordnet der Arzt Medikamente, die den Blutdruck senken (z. B. ACE-Hemmer oder Sartane) – diese schützen gleichzeitig die Nieren. Auch eine Umstellung der Diabetes-Medikation kann nötig sein. In fortgeschrittenen Stadien kommen Diuretika zur Ausschwemmung von Wasser oder Erythropoetin gegen Blutarmut zum Einsatz. Bei einer Nierenersatztherapie, also Dialyse oder Nierentransplantation, werden Sie an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen. Die genaue Behandlung richtet sich immer nach Ihrer individuellen Situation – Ihr Arzt wird Sie ausführlich beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt infrage, wenn eine Verengung der Nierenarterie (Nierenarterienstenose) vorliegt oder eine Zyste die Nierenfunktion beeinträchtigt. Auch eine Nierentransplantation ist ein chirurgischer Eingriff, der nach eingehender Vorbereitung und Wartezeit stattfinden kann.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Ihre Nierenfunktion eingeschränkt ist, können Sie aktiv dazu beitragen, dass sie sich nicht verschlechtert. Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck, nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig ein und führen Sie ein Blutdruck- oder Blutzuckertagebuch. Vereinbaren Sie mit Ihrem Hausarzt feste Kontrolltermine für Nierenfunktionstests.
Tipps für den Alltag
- Ausgewogene Ernährung mit wenig Salz und verarbeiteten Lebensmitteln
- Bewegung einbauen – täglich 30 Minuten Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Ausreichend schlafen und Stress vermeiden
- Alkoholkonsum einschränken (nicht mehr als ein Glas pro Tag für Frauen, zwei für Männer)
- Auf Rauchen verzichten
Ernährung und Bewegung
Eine nierenfreundliche Ernährung bedeutet in der Regel: wenig Salz, wenig tierisches Eiweiß, dafür viel Obst und Gemüse – aber Vorsicht bei kaliumreichen Lebensmitteln wie Bananen oder Tomaten, wenn die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist. Lassen Sie sich bei Bedarf von einer Ernährungsberatung unterstützen. Bewegung hilft, Blutdruck und Blutzucker zu stabilisieren und das Herz-Kreislauf-System zu stärken. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie ein neues Sportprogramm beginnen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer eingeschränkten Nierenfunktion kann belastend sein. Viele Menschen fühlen sich unsicher oder haben Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung. Gespräche mit dem Arzt, psychologische Unterstützung oder der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen. Bei anhaltenden depressiven Verstimmungen oder starker Angst suchen Sie bitte professionelle Hilfe – zögern Sie nicht, Ihre Hausarztpraxis anzusprechen. In akuten psychischen Krisen wenden Sie sich an die Nummer 116117 oder das örtliche Krankenhaus.
Vorbeugung
Ja, Sie können viel tun, um Ihre Nieren gesund zu halten. Blutdruck regelmäßig kontrollieren und gesund halten (unter 140/90 mmHg, besser unter 130/80 mmHg). Blutzucker bei Diabetes gut einstellen. Auf Rauchen verzichten. Ausreichend trinken – am besten Wasser oder ungesüßte Kräutertees. Vermeiden Sie die langfristige Einnahme von Schmerzmitteln (z. B. Ibuprofen) ohne ärztliche Empfehlung. Lassen Sie einmal jährlich die Nierenfunktion checken, wenn Sie zu Risikogruppen gehören.
Impfungen
Eine Impfung gegen Grippe und Pneumokokken wird für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion empfohlen – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über Ihren Impfschutz. Auch eine COVID-19-Impfung ist wichtig.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein flächendeckendes Screening für alle, aber bei Risikopersonen (Diabetes, Bluthochdruck, Alter über 60) wird eine jährliche Nierenfunktionsprüfung empfohlen. Ihr Hausarzt kann das einfach durchführen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreiten zur chronischen Niereninsuffizienz mit der Notwendigkeit einer Dialyse oder Nierentransplantation
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall)
- Blutarmut (Anämie)
- Knochenstoffwechselstörungen (renale Osteopathie)
- Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) bis hin zum Lungenödem
Langzeitprognose
Wenn eine Nierenschädigung früh erkannt wird, lässt sich das Fortschreiten oft durch eine konsequente Behandlung von Blutdruck und Blutzucker sowie einen gesunden Lebensstil deutlich verlangsamen. Viele Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion führen über Jahre ein normales Leben. Auch wenn die Nierenfunktion stark abnimmt, stehen heute moderne Behandlungen wie Dialyse und Nierentransplantation zur Verfügung, die eine gute Lebensqualität ermöglichen. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie auf jedem Schritt.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) ↗
- World Kidney Day – International Society of Nephrology ↗
Lokale Organisationen
- Bundesverband Niere e.V. ↗ · Deutschland
- Deutsche Nierenstiftung ↗ · Deutschland
- Patientenberatung der gesetzlichen Krankenkassen (UPD) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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