Nierengesundheit im Alter
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Mit zunehmendem Alter lässt die Leistungsfähigkeit der Nieren ganz natürlich nach. Die beiden bohnenförmigen Organe filtern das Blut, entfernen Abfallstoffe und überschüssiges Wasser und regulieren den Blutdruck. Bei einer Nierenschwäche (auch chronische Nierenerkrankung genannt) arbeiten die Nieren dauerhaft schlechter als bei einem gesunden jungen Erwachsenen. Dadurch bleiben schädliche Substanzen im Blut zurück.
Wichtige Fakten
- Die Nieren filtern jeden Tag rund 1.800 Liter Blut – das entspricht etwa 20 Badewannen.
- Eine Nierenschwäche bemerkt man lange nicht, da die Beschwerden erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten.
- Viele ältere Menschen haben eine eingeschränkte Nierenfunktion, ohne es zu wissen – ein Blut- und Urintest gibt Aufschluss.
Ja. Bei Menschen ab 60 Jahren ist eine gewisse Abnahme der Nierenfunktion sehr häufig. Besonders bei zusätzlichem Diabetes oder Bluthochdruck steigt die Gefahr einer ausgeprägten Nierenschwäche.
Betroffen sind vor allem Menschen über 60 Jahre, häufig solche mit Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Männer mit einer vergrößerten Prostata haben ein höheres Risiko, weil der Harnabfluss behindert sein kann.
Symptome
- Sie haben innerhalb von 6 Stunden so gut wie keinen Urin mehr losgelassen.
- Sie sehen hellrotes Blut oder einen sehr dunkelbraunen Urin.
- Sie leiden unter schwerer Atemnot – besonders im Liegen.
- Sie werden plötzlich sehr verwirrt oder verlieren das Bewusstsein.
- Sie haben starke Schmerzen im Rücken oder in der Seite, verbunden mit Fieber.
- ⚠Fieber mit Schüttelfrost und brennendem Schmerz beim Wasserlassen
- ⚠Wenige Tage anhaltende Übelkeit und Erbrechen
- ⚠Rasche Zunahme von Wassereinlagerungen in den Beinen
- ⚠Starkes Krankheitsgefühl mit niedrigem Blutdruck
Häufige Symptome
- Anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Appetitlosigkeit und Übelkeit
- Vermehrter Durst und nächtliches Wasserlassen
- Geschwollene Beine oder Knöchel
- Dunkler, schaumiger oder rötlicher Urin
- Juckende Haut, besonders am Rücken.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigen sich Nierenprobleme oft durch Wachstumsstörungen, ungewöhnlich viel Trinken, auffälliges Einnässen oder Bauchschmerzen. Hier gehört das Kind in die Kinderarztpraxis.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Zeichen manchmal unauffällig: Sie fühlen sich einfach abgeschlagen, verwirrt oder allgemein schwach.
- Wassereinlagerungen in den Beinen, Atemnot bei Belastung oder nächtliches Aufwachen mit Luftnot können ebenso auftreten.
- Auch eine plötzliche Verwirrtheit kann bei älteren Menschen ein Hinweis auf eine Nierenschwäche sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – dauerhaft hoher Blutzucker schädigt die feinen Blutgefäße in den Nierenfiltern.
- Bluthochdruck – zu hoher Druck zermürbt die Nierengefäße.
- Entzündliche Nierenerkrankungen (Nephritis) – oft verursacht durch Infekte oder eine Fehlreaktion des Immunsystems.
- Harnabflussstörungen, zum Beispiel durch eine vergrößerte Prostata oder Nierensteine.
- Bestimmte Schmerzmittel, wenn man sie über einen langen Zeitraum regelmäßig einnimmt – auch freiverkäufliche.
Risikofaktoren
- Alter über 60
- Übergewicht
- Rauchen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schaufensterkrankheit
- Familiäre Vorbelastung für Nierenerkrankungen
- Wiederkehrende Harnwegsinfekte oder Nierensteine
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nehmen Sie bei starken Schmerzen in der Nierengegend, sichtbarem Blut im Urin oder plötzlichem Urinverlust sofort den Notruf 112 oder suchen Sie die nächste Notaufnahme auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie anhaltende Müdigkeit, geschwollene Beine, nächtlichen Harndrang oder dunklen Urin bemerken.
- Bei bekanntem Diabetes oder Bluthochdruck: Lassen Sie einmal pro Jahr die Nierenwerte (Kreatinin und Urin) überprüfen – auch wenn Sie keine Beschwerden spüren.
Diagnose
Der Hausarzt stellt die Diagnose meist mit einer Blut- und Urinuntersuchung. Er berechnet daraus die geschätzte Filtrationsrate (eGFR). Bei Auffälligkeiten überweist er an eine nephrologische Schwerpunktpraxis oder Klinik. Die Fachleute orientieren sich dabei an aktuellen Behandlungsleitlinien, auch der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Blutentnahme: Bestimmung des Kreatinins und Berechnung der eGFR. Die eGFR zeigt an, wie viel Blut die Nieren pro Minute reinigen – je niedriger der Wert, desto eingeschränkter die Funktion.
- Urinprobe: Der Urin wird auf Eiweiß (besonders Albumin), rote Blutkörperchen und Bakterien untersucht.
- Ultraschall der Nieren: Zeigt die Nierengröße, Zysten, Steine oder einen Harnaufstau.
- Bei unklaren Fällen wird eine kleine Gewebeprobe aus der Niere entnommen (Nierenbiopsie) – dies geschieht nur bei besonderen Fragestellungen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und erfordern keine besondere Vorbereitung. Der Arzt bespricht die Ergebnisse ausführlich mit Ihnen. Für eine Blutentnahme müssen Sie nicht nüchtern erscheinen.
Behandlung
Eine Nierenschwäche ist in der Regel nicht heilbar, aber gut zu behandeln. Das Ziel ist, die Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten und Folgeerkrankungen zu verhindern. Die Behandlung passt der Arzt individuell an – je nach Ursache und Stadium der Erkrankung.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend – das sind meist 1,5 bis 2 Liter pro Tag, sofern Ihr Arzt keine Einschränkung empfiehlt.
- Verwenden Sie wenig Salz und meiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – bereits ein täglicher Spaziergang unterstützt die Nierenfunktion.
- Fragen Sie bei jedem Medikament in Ihrer Apotheke, ob es bei Nierenschwäche geeignet ist.
- Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck zu Hause und notieren Sie die Werte für Ihren Arzt.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache verschreibt der Arzt Medikamente, zum Beispiel Blutdrucksenker oder Mittel zur Diabetes-Einstellung. Diese können die Nieren entlasten und das Fortschreiten verlangsamen. In fortgeschrittenen Stadien kann eine Blutwäsche (Dialyse) notwendig werden. Welche Form der Dialyse für Sie in Frage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Nierenspezialisten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Nierenfunktion trotz Behandlung stark nachlässt, kann eine Nierentransplantation eine gute Option sein. Dabei wird eine gesunde Niere eines Spenders oder einer Spenderin eingesetzt. Die Operation findet in einem Transplantationszentrum statt und wird ausführlich vorbereitet.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer eingeschränkten Nierenfunktion können die meisten Menschen ihren Alltag weiterhin gut bewältigen. Wichtig sind regelmäßige Kontrolltermine und ein achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper. Nehmen Sie Warnsignale wie plötzliche Verschlechterung ernst.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Entspannung.
- Bewegen Sie sich täglich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten.
- Verzichten Sie auf Alkohol und Rauchen, da beides die Gefäße zusätzlich belastet.
- Nehmen Sie keine nicht verschriebenen Schmerzmittel über mehrere Tage ein.
Ernährung und Bewegung
Empfohlen wird eine ausgewogene Mischkost mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und pflanzlichen Ölen. Bei fortgeschrittener Nierenschwäche können eine Reduktion von Eiweiß und eine Anpassung wichtiger Nährstoffe sinnvoll sein. Ihr Arzt oder eine Ernährungsfachkraft erstellt dann einen persönlichen Plan. Bewegung hält die Gefäße elastisch und hilft, den Blutdruck zu senken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Nierenschwäche löst bei vielen Menschen zunächst Sorge aus. Das ist verständlich. Es kann helfen, über die Ängste zu sprechen – mit der Familie, mit dem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Viele Kliniken bieten hierzu eigene Sprechstunden an.
Vorbeugung
Eine normale altersbedingte Abnahme der Nierenfunktion lässt sich nicht verhindern – das gehört zum Leben dazu. Aber eine krankhafte Nierenschwäche lässt sich oft verhindern, wenn Sie Bluthochdruck und Diabetes gut behandeln, nicht rauchen, auf eine gesunde Ernährung achten und Schmerzmittel sparsam einsetzen.
Impfungen
Ihr Arzt kann Ihnen zu Impfungen raten, insbesondere gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19. Menschen mit Nierenschwäche haben ein höheres Risiko für schwere Verläufe von Infektionen.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder einer familiären Nierenerkrankung ist eine jährliche Untersuchung der Nierenwerte sinnvoll – auch ohne Beschwerden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bei unbehandelter Nierenschwäche steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich.
- Urämie: Bleiben Abfallstoffe im Blut, kann das zu Übelkeit, Juckreiz, Verwirrtheit und in schweren Fällen zu Bewusstseinsstörungen führen.
- Blutarmut (Anämie): Die Nieren bilden weniger Erythropoetin, was zu Müdigkeit und Blässe führt.
- Knochen- und Muskelschwäche: Die Nieren regulieren Kalzium und Phosphat – ist diese Regulation gestört, drohen Knochenschwund und Muskelschwäche.
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung lässt sich eine Nierenschwäche meist über Jahre stabilisieren. Viele Betroffene führen ein normales Leben, arbeiten und gehen ihren Hobbys nach. Auch bei einer schweren Nierenschwäche gibt es mit der Dialyse oder Transplantation zuverlässige Verfahren, die Sie am Leben erhalten und Ihnen eine gute Lebensqualität ermöglichen können.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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