Nierensteine: Was Sie selbst tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nierensteine sind harte Ablagerungen, die sich in den Nieren bilden. Sie entstehen aus Mineralien und Salzen, die sich im Urin zu Kristallen verbinden. Manche Steine sind so klein wie ein Sandkorn, andere können mehrere Zentimeter groß werden. Viele kleine Steine werden mit dem Urin ausgeschieden, größere können Schmerzen und Beschwerden verursachen.
Wichtige Fakten
- Kleine Nierensteine gehen oft von selbst mit dem Urin ab.
- Nicht jeder Nierenstein verursacht Beschwerden.
- Ein Arztbesuch ist wichtig, um die Ursache zu klären und Folgeprobleme zu vermeiden.
Ja, Nierensteine sind weit verbreitet. In Deutschland und anderen westlichen Ländern erkranken etwa 5 bis 10 von 100 Menschen mindestens einmal im Leben daran.
Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Das Risiko steigt mit dem Alter. Menschen mit Übergewicht, Diabetes oder einer familiären Vorgeschichte von Nierensteinen haben ebenfalls ein höheres Risiko.
Symptome
- Sehr starke Schmerzen, die mit Fieber und Schüttelfrost einhergehen – rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- Sie können plötzlich gar keinen Urin mehr lassen – dies ist ein Notfall, rufen Sie 112 an.
- Atemnot, Kreislaufprobleme oder Bewusstlosigkeit – rufen Sie den Notruf 112 an.
- ⚠Blut im Urin, auch wenn keine Schmerzen bestehen
- ⚠Anhaltende oder zunehmende Schmerzen, die mit Hausmitteln nicht nachlassen
- ⚠Übelkeit, die Sie am Trinken und Essen hindert
- ⚠Fieber über 38 Grad Celsius ohne erkennbare Ursache
Häufige Symptome
- Starke, wellenförmige Schmerzen im Rücken, an der Seite oder im Unterbauch
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Blut im Urin (sichtbar oder nur im Test)
- Häufiger und plötzlicher Harndrang
- Übelkeit und Erbrechen
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen, die nicht weggehen
- Unruhe oder Weinen ohne klaren Grund
- Blut im Urin
- Einnässen oder Probleme beim Wasserlassen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Weniger typische Schmerzen, oft eher ein Druckgefühl
- Müdigkeit, Verwirrtheit oder Allgemeinschwäche
- Fieber ohne erkennbare Ursache
- Blut im Urin
Ursachen
Hauptursachen
- Zu wenig Flüssigkeit – dadurch wird der Urin zu konzentriert
- Eine Ernährung mit viel Salz, Zucker und tierischem Eiweiß
- Harnwegsinfektionen
- Stoffwechselstörungen, zum Beispiel zu viel Kalzium oder Harnsäure im Urin
Risikofaktoren
- Übergewicht
- Familienmitglieder, die bereits Nierensteine hatten
- Eine vorherige Nierenstein-Erkrankung
- Bestimmte Grunderkrankungen und manche Medikamente – sprechen Sie dazu mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber, Schüttelfrost oder starken Schmerzen, die Sie nicht allein bewältigen
- Wenn Sie nicht mehr oder kaum noch Urin lassen können
- Wenn Sie Blut im Urin bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie erstmals Beschwerden vermuten
- Wenn Sie wiederkehrende Nierensteine hatten und eine Ursachenabklärung wünschen
- Bei Fragen zur Vorbeugung, zu Ernährung oder Bewegung
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt spricht zuerst mit Ihnen über Ihre Beschwerden und tastet Ihren Bauch und Rücken ab. Anschließend werden Urin und Blut untersucht. Eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnwege hilft, den Stein zu sehen. In manchen Fällen wird auch eine Computertomografie (CT) gemacht – dabei handelt es sich um eine Schichtaufnahme des Körpers. Die Behandlung richtet sich nach den aktuellen medizinischen Leitlinien, zum Beispiel der AWMF-Leitlinie zu Harnsteinen.
Mögliche Untersuchungen
- Urintest – prüft auf Blut, Infektion und Kristalle
- Bluttest – zeigt die Nierenfunktion und mögliche Abweichungen
- Ultraschall des Bauchraums – macht Steine und Stauungen sichtbar
- Computertomografie (CT) – liefert genaue Bilder der Harnwege
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei. Die Tastuntersuchung kann etwas unangenehm sein, ist aber harmlos. Nach der Diagnose erklärt Ihnen das Behandlungsteam alle Befunde und bespricht die nächsten Schritte mit Ihnen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von Größe, Lage und Zusammensetzung des Steins ab, aber auch von Ihren Beschwerden. Viele kleine Steine gehen mit viel Flüssigkeit und Geduld von selbst ab. Bei stärkeren Schmerzen, Komplikationen oder hartnäckigen Steinen gibt es verschiedene medizinische Verfahren, die die Steine zertrümmern oder entfernen können. Die Wahl trifft das ärztliche Team gemeinsam mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend – etwa 2 bis 3 Liter Wasser oder ungesüßten Tee am Tag, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es erlaubt.
- Legen Sie eine Wärmflasche auf Rücken oder Bauch – das kann die Schmerzen lindern.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel mit Spaziergängen – das kann den Abgang des Steins unterstützen.
- Meiden Sie stark gesalzene Speisen und sehr zuckerhaltige Getränke.
Medizinische Behandlungen
In der Arztpraxis oder im Krankenhaus können Steine zum Beispiel mit Stoßwellen zertrümmert, mit einem feinen Instrument durch die Harnwege entfernt oder im Rahmen eines kleinen Eingriffs behandelt werden. Schmerzmittel werden nach Bedarf ärztlich verordnet. Welche Methode für Sie geeignet ist, hängt von Ihrem persönlichen Fall ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig. Sie kann zum Beispiel erforderlich sein, wenn ein Stein sehr groß ist, die Harnwege vollständig blockiert oder eine schwere Infektion vorliegt.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Nierenstein ist es wichtig, die Ursache zu verstehen und weitere Steine zu vermeiden. Auch wenn Sie sich beschwerdefrei fühlen, sollten Sie Ihren nächsten Kontrolltermin wahrnehmen.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt – warten Sie nicht, bis Sie Durst haben.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.
- Bewegen Sie sich im Alltag, zum Beispiel mit Treppensteigen oder Radfahren.
- Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie Ihre Ernährung anpassen sollten.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und vollwertigen Getreideprodukten ist empfehlenswert. Reduzieren Sie Salz in Fertigprodukten und Wurstwaren. Wer zu Nierensteinen neigt, sollte auf sehr eiweißreiche Diäten verzichten. Bewegen Sie sich regelmäßig, aber vermeiden Sie extreme Anstrengung, wenn Sie gerade Schmerzen haben. Ein Glas Wasser vor dem Schlafengehen kann die Harnmenge über Nacht erhöhen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Nierensteine und starke Schmerzen können seelisch belasten. Es ist normal, sich sorgenvoll zu fühlen. Sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen, oder holen Sie sich Unterstützung bei Ihrem Behandlungsteam, wenn Sie sich bedrückt fühlen.
Vorbeugung
Nicht alle Nierensteine lassen sich verhindern, aber bei vielen Menschen kann das Risiko durch ausreichendes Trinken, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung deutlich gesenkt werden. Bei wiederkehrenden Steinen kann eine gezielte Beratung durch Fachleute sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Harnwegsinfektion kann entstehen, die sich auf die Niere ausbreitet
- Ein dauerhaft blockierter Harnleiter kann die Niere schädigen
- Wiederkehrende, sehr starke Schmerzattacken beeinträchtigen den Alltag und die Lebensqualität
Langzeitprognose
Die meisten Nierensteine sind gut behandelbar und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Mit einer guten Abklärung, ausreichender Flüssigkeit und angepassten Gewohnheiten können Sie viel dafür tun, dass Sie langfristig beschwerdefrei bleiben. Es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken – Sie haben viele Möglichkeiten.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.