Nierensteine: Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nierensteine sind feste Ablagerungen, die sich in den Nieren bilden. Sie bestehen aus Mineralien und Salzen aus dem Urin. Wenn sie klein sind, können sie mit dem Urin abgehen. Größere Steine können starke Schmerzen verursachen und müssen manchmal ärztlich behandelt werden.
Wichtige Fakten
- Nierensteine sind häufig – etwa 5 von 100 Menschen erleben mindestens einen Nierenstein im Leben.
- Viele Steine gehen von alleine ab, wenn sie klein sind und viel getrunken wird.
- Die Behandlung hängt von Größe, Lage und Begleitsymptomen ab – von Abwarten bis zu schonenden medizinischen Eingriffen.
- Mit ausreichend Trinken und der richtigen Ernährung lassen sich neue Steine oft vermeiden.
Nierensteine sind weit verbreitet. In Deutschland erkranken etwa 5 von 100 Menschen mindestens einmal im Leben daran. Die Zahl der Betroffenen steigt, auch weil Übergewicht und zu wenig Flüssigkeit zunehmen.
Nierensteine treten häufiger bei Männern auf als bei Frauen, meist im Alter zwischen 40 und 60. Aber auch Kinder und ältere Menschen können betroffen sein. Einmal aufgetreten, ist das Risiko für einen weiteren Stein erhöht.
Symptome
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost
- Kein Urin mehr absetzen können (Harnverhalt)
- Anhaltendes starkes Erbrechen, sodass keine Flüssigkeit getrunken werden kann
- Starke Schmerzen, die auch mit Schmerzmitteln nicht nachlassen – rufen Sie die 112
- ⚠Sichtbares Blut im Urin, besonders wenn es schmerzhaft ist
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost (auch leichtes Fieber) – das kann auf eine Infektion deuten
- ⚠Anhaltende Schmerzen trotz Ruhe und viel Trinken
Häufige Symptome
- stechende oder wellenförmige Schmerzen in der Seite oder im Rücken
- Schmerzen, die in den Unterbauch oder in die Leiste ausstrahlen
- Blut im Urin (sichtbar oder nur im Labor)
- Übelkeit und Erbrechen
- schmerzhaftes Wasserlassen
- häufiger Harndrang mit nur wenig Urin
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen (oft unspezifisch, manchmal mit Übelkeit)
- Blut im Urin
- Erbrechen, besonders nach dem Essen
- Fieber, wenn eine Infektion dazukommt
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verschwommene oder untypische Symptome wie allgemeine Schwäche, Verwirrtheit oder Appetitlosigkeit
- nur leichte Schmerzen, dafür häufig Fieber
- Blut im Urin oder Probleme beim Wasserlassen
Ursachen
Hauptursachen
- Wenn der Urin zu wenig Flüssigkeit enthält, werden Mineralien konzentrierter und können Kristalle bilden
- Ein seltener oder gehemmter Harnfluss begünstigt Nierensteine
- Manche Stoffwechselstörungen lassen die Nieren mehr steinbildende Stoffe ausscheiden
- Harnwegsinfektionen können die Bildung bestimmter Steine fördern
Risikofaktoren
- Zu wenig trinken
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Familiäre Vorbelastung – Nierensteine treten gehäuft auf
- Bestimmte Nahrungsmittel und einseitige Ernährung – zum Beispiel viel Salz, viel Tier-Eiweiß oder sehr viel Spinat/Rhabarber
- Manche Medikamente – fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Schmerzen, die nicht innerhalb weniger Stunden nachlassen oder stärker werden
- Zeichen einer Harnwegsinfektion wie Fieber, Brennen oder Urin mit Geruch
- Erbrechen oder Übelkeit, sodass Sie nichts trinken können
- Blut im Urin – suchen Sie am selben Tag ärztliche Hilfe
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Nierensteine – dann muss die Ursache genauer untersucht werden
- Kleine Steine, die zwar abgehen, aber wiederholt zu Beschwerden führen
- Fragen zu Ernährung und Vorbeugung nach einem Steinabgang
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Danach folgen Untersuchungen, um den Stein und die Nieren zu zeigen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung – zeigt, ob die Nieren gut arbeiten und ob Entzündungszeichen vorhanden sind
- Urinuntersuchung – weist Blut, Entzündungen oder Kristalle nach
- Bildgebung – meist eine Computertomographie (CT) oder ein Ultraschall der Nieren und Harnwege
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und dauern nicht lange. Sie müssen sich auf keine unangenehme Prozedur einstellen. Der Arzt erklärt jeden Schritt. Bei einem CT müssen Sie sich ruhig hinlegen – die eigentliche Aufnahme dauert nur wenige Minuten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Größe und Lage des Steins sowie danach, ob Sie Beschwerden haben. Ein kleiner Stein hat gute Chancen, von selbst abzugehen. Größere oder blockierende Steine können medizinisch behandelt werden. Die Behandlung orientiert sich an den aktuellen deutschen Leitlinien (AWMF).
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken – mindestens 2 bis 3 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag, wenn die Nieren das zulassen
- Bewegung kann das Abgehen erleichtern – zum Beispiel Spazierengehen oder Treppensteigen
- Schmerzmittel nur nach Absprache mit ärztlichen Fachkräften einnehmen; die Dosierung sollte mit dem Arzt besprochen werden
- Bei Fieber, starken Schmerzen oder Erbrechen sofort ärztliche Hilfe suchen
Medizinische Behandlungen
Viele Steine werden von alleine ausgeschieden. Um Schmerzen zu lindern, können Medikamente eingesetzt werden. Zusätzlich gibt es Medikamente, die den Harnleiter entspannen und so das Abgehen ermöglichen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie beraten, was in Ihrer Situation sinnvoll ist. Bei einer bestehenden Harnwegsinfektion wird meist ein Antibiotikum verordnet. Bitte nehmen Sie Medikamente niemals ohne ärztliche Anweisung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn der Stein nicht abgeht, sehr groß ist oder eine Infektion oder starke Schmerzen verursacht, sind heute meist schonende Eingriffe möglich. Häufig werden Steine mit Stoßwellen von außen zertrümmert (ESWL) oder mit einer kleinen Kamera durch die Harnröhre entfernt (Ureteroskopie). In seltenen Fällen ist eine Operation am Nierenbecken nötig. Ihr Ärzteteam bespricht mit Ihnen, welches Verfahren für Sie geeignet ist.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Nierenstein-Behandlung können Sie sich meist schnell erholen. Trinken Sie weiterhin viel, achten Sie auf Warnzeichen wie Fieber oder Schmerzen. Bei manchen Menschen kommen Steine wieder – regelmäßige ärztliche Kontrollen helfen, das zu erkennen.
Tipps für den Alltag
- Täglich ausreichend Flüssigkeit – Wasser oder ungesüßter Tee
- Salzreduzierte, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst
- Keine extrem proteinreichen Diäten
- Übergewicht vermeiden bzw. langsam abbauen – Bewegung unterstützt das
- Auf zuckerhaltige Getränke (Cola, Limonade) weitgehend verzichten
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist die beste Medizin. Wenn Sie bereits Nierensteine hatten, kann eine Ernährungsberatung helfen, die Ursachen zu verstehen. Welche Nahrungsmittel günstig sind, hängt von der Art des Steines ab – dazu fragt man am besten die Ärztin oder den Arzt. Bewegung in Alltag und Sport hält die Nieren durchblutet und beugt Übergewicht vor.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederholte Koliken können sehr belastend sein und Angst machen. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Sprechen Sie über diese Gefühle – mit der Hausärztin, in einer Selbsthilfegruppe oder mit vertrauten Menschen. Akute Schmerzattacken sind beherrschbar, und die meisten Betroffenen kommen gut damit zurecht.
Vorbeugung
Viele Nierensteine lassen sich durch genügend Flüssigkeit und eine ausgewogene Ernährung vermeiden. Bei wiederholten Steinen ist es sinnvoll, die genaue Ursache zu finden – zum Beispiel mit einer Urinanalyse über 24 Stunden. Dann kann die Vorbeugung gezielt erfolgen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Nierensteine.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen ohne Beschwerden gibt es kein allgemeines Screening. Nach einem Stein ist eine ärztliche Kontrolle sinnvoll, um Rückfällen vorzubeugen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Harnwegsinfekt, der sich auf die Nieren ausbreiten kann (Nierenbeckenentzündung)
- Harnstau, bei dem der Urin nicht mehr abfließen kann und die Niere geschädigt wird
- Ausbildung eines Nierenabszesses oder einer Blutvergiftung (selten, aber ernst)
Langzeitprognose
Mit der heutigen Medizin sind die meisten Nierensteine gut behandelbar. Auch Steine, die zunächst Beschwerden machen, heilen in der Regel vollständig aus. Der Schlüssel zum langfristigen Wohlbefinden liegt in der Vorbeugung: genug trinken, gesund essen und Warnzeichen ernst nehmen. Sie sind damit nicht allein – medizinisches Fachpersonal begleitet Sie.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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