Nierensteine: Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Nierenstein ist ein harter Klumpen aus Mineralien und Salzen, der sich in der Niere bildet. Er kann so klein wie ein Sandkorn oder mehrere Zentimeter groß sein. Wenn der Stein in den Harnleiter wandert, kann er sehr starke Schmerzen auslösen.
Wichtige Fakten
- Nierensteine sind in Deutschland weit verbreitet – etwa jeder zehnte Mensch bekommt im Laufe des Lebens einmal einen.
- Viele Steine gehen mit viel Flüssigkeit von ganz allein ab.
- Die Schmerzen treten oft plötzlich auf und können in Wellen kommen und gehen.
- Auch wenn es wehtut: In den meisten Fällen ist eine Behandlung möglich, die die Steine entfernt oder ihr Abgehen unterstützt.
- Wichtig ist, Warnzeichen wie Fieber oder Blut im Urin ernst zu nehmen.
Ja. Nierensteine zählen zu den häufigeren Erkrankungen der Nieren und Harnwege. Es wird geschätzt, dass in Deutschland jährlich etwa 150.000 Menschen wegen Nierensteinen behandelt werden.
Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Am öftesten erkranken Menschen zwischen 20 und 50 Jahren. Aber auch Kinder, ältere Menschen und Schwangere können Nierensteine bekommen.
Symptome
- Starkes Fieber oder Schüttelfrost – rufen Sie sofort den Notruf 112 an
- Sie können trotz starkem Harndrang keinen Urin lassen
- Plötzliche, unerträgliche Schmerzen, die Sie kaum aushalten
- Massiver Blutverlust über den Urin (hellroter Urin oder Blutgerinnsel)
- Kreislaufprobleme, Ohnmacht oder akute Verwirrtheit
- ⚠Blut im Urin, auch ohne starke Schmerzen – das sollte noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden
- ⚠Schmerzen, die sich trotz Ruhe nicht bessern oder immer wieder kommen
- ⚠Übelkeit und Erbrechen, sodass Sie wenig trinken können
- ⚠Zeichen einer Harnwegsinfektion wie Brennen beim Wasserlassen oder trüber Urin
- ⚠Sie haben bereits einen Nierenstein und bemerken erneute Beschwerden
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzender, sehr starker Schmerz im Rücken oder in der Seite, manchmal bis in den Unterbauch oder die Leiste ausstrahlend
- Schmerzwellen – die Schmerzen kommen und gehen, meist im Abstand von Minuten
- Blut im Urin, der dann rötlich oder bräunlich erscheint
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Ständiger Harndrang, aber es kommt oft nur wenig Urin
- Übelkeit und Erbrechen – vor allem während der Schmerzattacken
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen, die immer wieder kommen
- Blut im Urin
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Ungewöhnliche Unruhe oder Weinen, gerade bei kleinen Kindern
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufig nur unklare Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Verwirrtheit oder Appetitlosigkeit
- Zeichen einer Harnwegsinfektion: Brennen beim Wasserlassen, trüber Urin, manchmal Fieber
- Neue Inkontinenz oder Beschwerden beim Wasserlassen
Ursachen
Hauptursachen
- Zu wenig Flüssigkeit: Der Urin wird stark konzentriert, Salze und Mineralien können sich zu Kristallen verbinden.
- Ungleichgewicht von Stoffen im Urin, zum Beispiel zu viel Kalzium, Harnsäure oder Oxalat.
- Harnwegsinfektionen, die den Urin verändern und Steinbildung begünstigen.
- Stoffwechselerkrankungen wie erhöhte Harnsäurewerte (Gicht) oder bestimmte Hormonstörungen.
Risikofaktoren
- Wenn in der Familie schon Nierensteine vorkamen
- Zu wenig Trinken, vor allem an heißen Tagen oder bei viel Sport
- Ernährung mit sehr viel Salz, Fleisch oder oxalatreichen Lebensmitteln wie Spinat und Rhabarber
- Übergewicht
- Bestimmte Grunderkrankungen, zum Beispiel eine entzündliche Darmerkrankung
- Einige Medikamente können das Risiko erhöhen – fragen Sie dazu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sehr starke Schmerzen, die Sie nicht loslassen
- Fieber oder Schüttelfrost
- Blut im Urin, auch wenn es nur einmal auftritt
- Übelkeit und Erbrechen, sodass Sie keine Flüssigkeit bei sich behalten
- Harndrang ohne Urin (möglicherweise ist der Harnleiter blockiert)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende oder leichte Beschwerden im Rücken oder Bauch
- Anhaltendes Brennen beim Wasserlassen
- Sie hatten schon einmal Nierensteine und möchten wissen, wie Sie einen Rückfall verhindern können
- Zur Nachsorge nach der Behandlung eines Nierensteins
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, früheren Nierensteinen und möglichen Risikofaktoren. Anschließend wird der Bauch abgetastet und es werden Urin- und Blutwerte untersucht. Mit einer Bildgebung lassen sich die Steine im Nierenbecken und Harnleiter darstellen.
Mögliche Untersuchungen
- Urinprobe: Sie zeigt, ob Blut, Entzündungszeichen oder steinbildende Stoffe im Urin sind.
- Bluttest: Er misst Nierenwerte, Harnsäure, Kalzium und Entzündungswerte.
- Ultraschall: Damit lassen sich Steine und eine Stauung der Niere erkennen – ganz ohne Strahlung.
- Computertomographie (CT): Sie ist besonders genau und wird bei unklaren Befunden eingesetzt.
- Manchmal ergänzende Untersuchungen wie Röntgen oder Harnwegsuntersuchung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist meist in einigen Stunden möglich. Wenn Ihre Beschwerden stark sind oder Zeichen einer Infektion bestehen, werden Sie im Krankenhaus aufgenommen. Vorher bespricht das Team die weiteren Schritte mit Ihnen. Die Behandlung richtet sich nach den aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften (AWMF).
Behandlung
Wie ein Nierenstein behandelt wird, hängt von Größe, Lage und Beschwerden ab. Manche Steine brauchen keine Behandlung und gehen mit viel Trinken von selbst ab. Andere benötigen Unterstützung durch Medikamente oder spezielle Verfahren – immer nach den aktuellen medizinischen Leitlinien und persönlich für Sie angepasst.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie viel – Wasser oder ungesüßter Kräutertee. Versuchen Sie, über den Tag verteilt 2 bis 3 Liter zu trinken, wenn Ihr Arzt es nicht anders empfiehlt.
- Bewegen Sie sich leicht, zum Beispiel mit Spazierengehen – das kann das Abgehen des Steins fördern.
- Eine Wärmflasche auf der schmerzenden Seite kann helfen, die Muskulatur zu entspannen.
- Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob und welche Schmerzmittel Sie einnehmen können – nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Abstimmung ein.
- Nehmen Sie bei Fieber, Blut im Urin oder anhaltender Übelkeit sofort Kontakt zu medizinischem Fachpersonal auf.
Medizinische Behandlungen
Im Krankenhaus oder in einer Schwerpunktpraxis können Medikamente eingesetzt werden, die den Harnleiter entspannen und so den Steinabgang erleichtern. Schmerzmittel werden nach ärztlicher Anweisung gegeben. Bei größeren Steinen gibt es verschiedene Verfahren: Mit Stoßwellen von außen kann der Stein zertrümmert werden, damit er sich auflöst. Bei einer Harnleiterspiegelung wird der Stein entfernt. Auch eine kleine Schiene im Harnleiter kann vorübergehend helfen. Welche Methode für Sie infrage kommt, entscheidet Ihr Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein operativer Eingriff ist nötig, wenn der Stein nicht von selbst abgeht, er sehr groß ist, eine Infektion vorliegt oder die Niere dadurch nicht mehr gut ableiten kann. Heute sind die meisten Eingriffe schonend und ohne große Schnitte möglich. Bei kleineren Steinen reicht manchmal die Stoßwellenbehandlung oder die Harnleiterspiegelung mit Entfernung des Steins.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Behandlung oder während des Abwartens ist es wichtig, die Trinkmenge großzügig zu erhöhen und regelmäßig auf die Toilette zu gehen. Manche Steine brauchen Tage bis Wochen, bis sie abgehen. Beobachten Sie Ihren Urin und klären Sie neue oder zunehmende Beschwerden zeitnah mit Ihrem Arzt.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie vor allem Wasser – das ist die wichtigste Maßnahme. Ungesüßte Früchtetees sind ebenfalls gut.
- Reduzieren Sie Salz in Ihrer Ernährung, zum Beispiel durch weniger Fertigprodukte und Knabbereien.
- Essen Sie tierisches Eiweiß in Maßen – Sie müssen nicht darauf verzichten, aber große Fleischportionen sind ungünstig.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – das hält den Körper fit und hilft beim Gewicht.
- Meiden Sie sehr zuckerhaltige Softdrinks – sie können die Steinentstehung begünstigen.
Ernährung und Bewegung
Ausgewogene Ernährung und Bewegung sind bei Nierensteinen sinnvoll. Generell gilt: viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte sind empfehlenswert. Einige Menschen reagieren empfindlich auf oxalatreiche Lebensmittel wie Spinat, Mangold, Rhabarber, Nüsse oder schwarzen Tee. Sie müssen nicht ganz darauf verzichten, aber trinken Sie in den Stunden danach ausreichend Wasser. Eine Ernährungsberatung kann Ihnen helfen, eine passende Kost zu finden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nierensteine können sehr schmerzhaft sein, und die Angst vor einer erneuten Kolik ist verständlich. Viele Menschen fühlen sich danach unsicher. Sprechen Sie über diese Sorgen – mit Ihrem Hausarzt, einer Urologin oder einem Psychologen. Hilfe ist keine Schwäche.
Vorbeugung
Nicht jeder Nierenstein ist vermeidbar, aber mit den richtigen Maßnahmen können Sie Ihr persönliches Risiko deutlich senken. Die wichtigste Grundlage ist ausreichend Flüssigkeit – am besten Wasser. Dazu kommen eine ausgewogene Ernährung und die Behandlung von Grunderkrankungen wie Gicht oder Harnwegsinfekten. Nach einem Stein schlägt Ihr Arzt Ihnen oft eine Nachsorge vor, um die Ursache zu finden.
Impfungen
Eine Impfung gegen Nierensteine gibt es nicht. Vorbeugend sind jedoch ausreichend Trinken und eine gesunde Lebensweise die besten Mittel.
Früherkennungsprogramme
Eine allgemeine Vorsorgeuntersuchung für Nierensteine gibt es nicht. Wenn Sie wiederholt Steine hatten, kann Ihr Arzt spezielle Urin- und Bluttests veranlassen, um die Zusammensetzung des Urins zu prüfen und Maßnahmen für Sie zusammenzustellen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Blockade des Harnleiters kann zu einem Stau des Urins führen – dadurch kann die Niere geschädigt werden.
- Bei anhaltender Blockade kann sich eine Nierenbeckenentzündung bilden.
- In seltenen, schweren Fällen können Bakterien in die Blutbahn gelangen und eine Blutvergiftung (Urosepsis) auslösen – das ist ein Notfall.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut: Die meisten Nierensteine können gut behandelt werden und gehen letztendlich ab. Selbst größere Steine lassen sich heute mit schonenden Verfahren entfernen. Mit der richtigen Nachsorge und Vorbeugung lässt sich bei den meisten Menschen ein Rückfall verhindern oder die Beschwerden lassen sich deutlich mildern. Bleiben Sie mit Ihrem Behandlungsteam im Gespräch – das gibt Sicherheit.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.