Behandlungsmöglichkeiten bei Nierenerkrankungen: Ein Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nieren sind zwei bohnenförmige Organe, die das Blut reinigen, überschüssiges Wasser ausscheiden und den Blutdruck mitregulieren. Wenn die Nieren nicht mehr gut arbeiten, gibt es verschiedene Behandlungen, um sie zu unterstützen oder zu ersetzen. Dieser Artikel erklärt diese Möglichkeiten in einfachen Worten.
Wichtige Fakten
- Bei manchen Nierenerkrankungen können Medikamente helfen, das Fortschreiten zu verlangsamen.
- Bei fortgeschrittener Nierenschwäche gibt es die Blutwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation.
- Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, weil Nierenschäden oft lange keine Beschwerden machen.
Ja. Chronische Nierenerkrankungen sind häufig. Etwa jeder zehnte Erwachsene in Deutschland ist betroffen, viele wissen zunächst nichts davon.
Nierenerkrankungen können in jedem Alter auftreten. Besonders betroffen sind Menschen mit Diabetes (Zuckerkrankheit) oder hohem Blutdruck. Auch ältere Menschen und Menschen mit einer familiären Vorbelastung haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Sie scheiden kaum noch Urin aus (z. B. über sechs Stunden kein Urin).
- Starke Atemnot oder Schmerzen im Brustkorb.
- Ohnmacht oder starke Verwirrtheit.
- Krampfanfall oder plötzliche Lähmungen.
- Rufen Sie sofort den Rettungsdienst (Tel. 112).
- ⚠Sie bemerken Blut im Urin oder Ihr Urin ist kaffeesatzfarben.
- ⚠Sie haben starke Schmerzen an der Seite oder im Rücken.
- ⚠Sie bekommen plötzlich starke Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen.
- ⚠Ihr Urin ist deutlich weniger als normal – das kann ein Alarmzeichen sein.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, z. B. beim Hausarzt oder in der Notaufnahme.
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Geschwollene Knöchel, Füße oder Augenlider
- Veränderungen beim Wasserlassen (z. B. deutlich mehr oder weniger Urin)
- Juckreiz
- Übelkeit und Appetitlosigkeit
Symptome bei Kindern
- Das Kind wächst nicht wie erwartet
- Vermehrter Durst und häufiges Wasserlassen
- Einnässen oder nächtliches Wasserlassen, das vorher nicht auftrat
- Blasse Haut und dunkle Ringe unter den Augen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Konzentrationsstörungen
- Schwindel und unsicheres Gehen
- Deutlich reduzierte Urinmenge
- Schnelle Erschöpfung bei leichten Aktivitäten
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), besonders wenn der Blutzucker über Jahre zu hoch ist
- Hoher Blutdruck, der die feinen Nierengefäße schädigt
- Entzündungen der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis)
- Nierenzysten, also mit Flüssigkeit gefüllte Blasen in der Niere
- Harnabflussstörungen, z. B. durch eine vergrößerte Prostata
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung (Nierenerkrankungen in der Familie)
- Alter über 60
- Rauchen
- Übergewicht
- Langfristige und regelmäßige Einnahme bestimmter Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Blut im Urin oder starken Schmerzen in der Nierengegend sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- Wenn Sie plötzlich sehr wenig Urin oder gar keinen Urin mehr ausscheiden, ist das ein Notfall – wählen Sie die 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Diabetes oder hohen Blutdruck haben, lassen Sie einmal im Jahr Ihre Nierenwerte im Blut und Urin überprüfen.
- Wenn in Ihrer Familie Nierenerkrankungen bekannt sind, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über eine Vorsorgeuntersuchung.
Diagnose
Der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und untersucht Sie körperlich. Entscheidend sind Blut- und Urinuntersuchungen. Damit lassen sich Abfallstoffe im Blut und Eiweiß im Urin messen. Außerdem wird meist eine Ultraschalluntersuchung der Nieren gemacht, um Größe und Struktur zu sehen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: misst Kreatinin und die geschätzte GFR (glomeruläre Filtrationsrate) – das zeigt, wie gut die Nieren filtern.
- Urintest: prüft auf Eiweiß, Blut oder andere Auffälligkeiten.
- Ultraschall der Nieren und der Harnwege.
- Bei Bedarf: Gewebeprobe (Nierenbiopsie), bei der mit einer dünnen Nadel eine winzige Nierenprobe entnommen wird.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie müssen nicht viel vorbereiten. Bringen Sie Ihre Medikamentenliste und frühere Befunde mit. In der Praxis werden Blut abgenommen und eine Urinprobe angefragt. Die Ergebnisse liegen meist nach einigen Tagen vor. Ihr Arzt bespricht sie mit Ihnen und erklärt die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Fortschritt der Nierenerkrankung. Ziel ist es, die Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten, Beschwerden zu lindern und Folgeschäden zu vermeiden. Es gibt Behandlungen mit Medikamenten, Veränderungen im Alltag und – bei schwerer Nierenschwäche – die Dialyse oder eine Nierentransplantation.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend, aber nicht übermäßig – wie viel genau, besprechen Sie mit Ihrem Arzt.
- Nehmen Sie Ihre Medikamente genau so ein, wie es verordnet wurde.
- Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck zu Hause.
- Verzichten Sie auf das Rauchen und schränken Sie Alkohol stark ein.
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die den Blutdruck senken und die Nieren entlasten. Auch Mittel, die den Blutzucker regulieren oder zu viel Eiweiß im Urin reduzieren, können Teil der Therapie sein. Bei fortgeschrittener Nierenschwäche wird eine Blutwäsche (Dialyse) durchgeführt. Dabei reinigt eine Maschine das Blut. Alternativ kann eine Nierentransplantation – das Einsetzen einer gesunden Niere von einer Spenderin oder einem Spender – möglich sein. Welche Behandlung für Sie in Frage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nehmen Sie niemals Medikamente ein, ohne vorher mit einem qualifizierten Gesundheitspersonal zu sprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Nierentransplantation ist eine Operation. Vorher prüfen die Ärztinnen und Ärzte, ob Ihr Herz, Ihr Kreislauf und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand dafür geeignet sind. Nach der Operation müssen Sie langfristig Medikamente einnehmen, damit der Körper die neue Niere nicht abstößt. Ob eine Operation in Ihrem Fall sinnvoll ist, bespricht Ihr Nephrologe oder Ihre Nephrologin (Nierenspezialistin) ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit einer Nierenerkrankung ist in vielen Fällen gut zu bewältigen. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Kontrollen, eine gesunde Lebensweise und ein gutes Netz aus Familie und Freundinnen und Freunden. Nehmen Sie Veränderungen wahr und sprechen Sie offen über Ihre Fragen.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie feste Termine für Blutdruck- und Blutzuckerkontrollen.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Entspannung.
- Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe.
- Bleiben Sie in Bewegung, aber überfordern Sie sich nicht.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder einem Ernährungsberater, ob Sie Salz, Eiweiß und Kalium anpassen sollten. Leichte Bewegung wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen ist in den meisten Fällen gut. Fangen Sie langsam an und hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Nierenerkrankung kann emotional belasten. Sorgen, Ängste oder Antriebslosigkeit sind nicht ungewöhnlich. Es hilft, mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen. Wenn Sie sich sehr verzweifelt fühlen oder Gedanken an Selbstmord haben, suchen Sie sofort Hilfe. Sie können rund um die Uhr die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 anrufen oder den Rettungsdienst 112 wählen.
Vorbeugung
Nierenerkrankungen lassen sich nicht immer verhindern. Sie können das Risiko aber deutlich senken: viel Wasser trinken (in Absprache mit dem Arzt), nicht rauchen, Blutdruck und Blutzucker im gesunden Bereich halten und frei verkäufliche Schmerzmittel nur kurzfristig anwenden.
Impfungen
Menschen mit Nierenerkrankungen wird empfohlen, sich gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19 impfen zu lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie passenden Impfungen.
Früherkennungsprogramme
Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck sollten ihre Nierenwerte regelmäßig überprüfen lassen, zum Beispiel einmal pro Jahr beim Hausarzt. Auch ein einfacher Urintest auf Eiweiß gehört dazu.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitendes Nierenversagen, bis hin zur Notwendigkeit von Dialyse oder Transplantation
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall
- Blutarmut (Anämie) mit Müdigkeit und Konzentrationsstörungen
- Schwächung der Knochen (renale Osteodystrophie)
- Störungen des Elektrolythaushalts, die Herzrhythmusprobleme auslösen können
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und regelmäßiger Kontrolle lässt sich das Fortschreiten einer Nierenerkrankung in vielen Fällen verlangsamen. Auch wenn eine Dialyse oder Transplantation nötig wird, können die meisten Menschen ein erfülltes Leben führen. Jede Patientin und jeder Patient ist anders – besprechen Sie Ihre persönliche Prognose mit Ihrem Ärzteteam.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.