Labyrinthitis
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Labyrinthitis ist eine Entzündung im Innenohr, dem sogenannten Labyrinth. Dieses Organ ist für das Hören und das Gleichgewicht zuständig. Eine Entzündung führt zu plötzlichem Drehschwindel, Übelkeit und oft auch zu Hörverlust auf einem Ohr. Die Erkrankung ist meist harmlos und heilt bei den meisten Menschen von selbst wieder aus.
Wichtige Fakten
- Labyrinthitis wird meist durch Viren ausgelöst, die eine Erkältung oder Grippe verursachen.
- Das Hauptsymptom ist ein plötzlicher, heftiger Drehschwindel mit Übelkeit.
- Die Krankheit klingt in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen von selbst ab.
- Eine frühzeitige Behandlung durch einen Arzt kann helfen, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.
Labyrinthitis ist nicht sehr häufig, aber auch keine Seltenheit. Sie tritt bei etwa 5 von 100.000 Menschen pro Jahr auf.
Labyrinthitis kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten betrifft sie Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren. Sie tritt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig auf.
Symptome
- Plötzlicher kompletter Hörverlust auf einem Ohr
- Starker Drehschwindel, der es unmöglich macht, zu stehen oder zu gehen
- Lähmungserscheinungen im Gesicht oder an einem Arm/Bein (kann auf Schlaganfall hindeuten)
- Sehstörungen, Doppelbilder oder Sprachstörungen
- Bewusstseinsverlust oder Ohnmacht
- ⚠Starker Ohrschmerz oder Ausfluss aus dem Ohr
- ⚠Fieber über 38,5 °C
- ⚠Schwindel, der länger als zwei Tage anhält und sich nicht bessert
- ⚠Wiederholtes Erbrechen, das zu Austrocknung führen kann
- ⚠Hörverlust, der nach einigen Tagen nicht nachlässt
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzender, starker Drehschwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Hörverlust auf einem Ohr (oft einseitig)
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Unsicherheit beim Gehen oder Stehen
- Unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus)
Symptome bei Kindern
- Oft können Kinder ihre Beschwerden nicht genau beschreiben.
- Sie wirken plötzlich sehr unruhig, weinen viel oder halten sich an Gegenständen fest.
- Sie erbrechen möglicherweise, ohne dass eine Magen-Darm-Infektion vorliegt.
- Manche Kinder fassen sich ans Ohr oder klagen über Ohrenschmerzen.
- Seltener kommt es zu Hörverlust, der sich als Sprachverzögerung oder Gleichgewichtsstörung bemerkbar machen kann.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Das Risiko zu stürzen ist bei älteren Menschen mit Labyrinthitis deutlich erhöht.
- Der Hörverlust kann ausgeprägter sein und länger anhalten.
- Die Erkrankung kann sich mit Verwirrtheit oder Schwindel beim Aufstehen (Orthostase) äußern.
- Oft sind die Symptome weniger dramatisch, dafür aber chronischer.
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Virusinfektion, zum Beispiel im Rahmen einer Erkältung, Grippe oder einer Mittelohrentzündung.
- Seltener auch durch Bakterien, die über das Mittelohr oder über die Blutbahn in das Innenohr gelangen.
Risikofaktoren
- Eine kürzlich durchgemachte Virusinfektion der oberen Atemwege
- Mittelohrentzündungen (Otitis media)
- Rauchen
- Starker psychischer oder körperlicher Stress
- Ein geschwächtes Immunsystem
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichem Hörverlust auf einem Ohr.
- Bei starkem Drehschwindel, der nicht nachlässt.
- Wenn Sie sich nicht in der Lage fühlen, sicher zu stehen oder zu gehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei leichterem Schwindel, der länger als eine Woche anhält.
- Bei Ohrgeräuschen (Tinnitus), die Sie beunruhigen.
- Zur Abklärung, ob eine andere Ursache wie z. B. ein Schlaganfall vorliegt.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung gestellt. Der Arzt oder die Ärztin wird Sie nach Ihren Beschwerden und möglichen Auslösern fragen. Dabei wird auch geprüft, ob Ihr Ohr gerötet ist oder eine Mittelohrentzündung vorliegt.
Mögliche Untersuchungen
- Hörtest (Audiometrie) – um einen Hörverlust festzustellen.
- Gleichgewichtstest (z. B. Kopf-Impuls-Test) – dabei werden Ihre Augenbewegungen beobachtet.
- Blutuntersuchung – um Entzündungszeichen oder eine bakterielle Infektion zu erkennen.
- Bildgebung (MRT oder CT) – nur bei Verdacht auf eine andere Ursache wie z. B. einen Tumor oder Durchblutungsstörung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei. Bei den Gleichgewichtstests kann Ihnen kurz schwindlig werden, das ist normal. Der Arzt oder die Ärztin wird die Befunde mit Ihnen besprechen und bei Bedarf eine Überweisung an einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) ausstellen.
Behandlung
Die Behandlung einer Labyrinthitis hängt von der Ursache ab. In den meisten Fällen heilt die Entzündung von selbst aus. Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel Ruhe und Schlaf, um dem Körper die Erholung zu ermöglichen.
- Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen, Bücken oder plötzliche Kopfwendungen.
- Langsam und mit Unterstützung aufstehen, z. B. an einem Tisch oder Stuhl festhalten.
- Trinken Sie ausreichend Wasser, um einer Dehydrierung durch Erbrechen vorzubeugen.
- Vermeiden Sie helles Licht und laute Geräusche, die den Schwindel verstärken können.
Medizinische Behandlungen
Bei einer viralen Labyrinthitis können antivirale Medikamente eingesetzt werden, um die Entzündung zu hemmen. Bei bakterieller Ursache werden Antibiotika verschrieben. Zur Linderung von Schwindel und Übelkeit gibt es Medikamente, die das Gleichgewichtszentrum im Gehirn beruhigen (sogenannte Antivertiginosa). Auch Kortisonpräparate kommen manchmal zum Einsatz, um die Entzündung zu reduzieren und das Hören zu schützen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird die für Sie geeignete Therapie auswählen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn sich Eiter im Innenohr ansammelt oder eine chronische Mittelohrentzündung die Labyrinthitis verursacht. Dies wird von einem HNO-Arzt entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Solange der Schwindel anhält, sollten Sie auf Autofahren und das Bedienen von Maschinen verzichten. Planen Sie Aktivitäten so, dass Sie sich nicht überanstrengen. Es kann helfen, sich an einem festen Punkt im Raum zu orientieren, wenn Ihnen schwindlig wird.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich langsam und vermeiden Sie plötzliche Drehungen.
- Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung in Ihrer Wohnung, um Stürze zu vermeiden.
- Benutzen Sie bei Unsicherheit einen Gehstock oder suchen Sie Begleitung.
- Reduzieren Sie Stress durch Entspannungstechniken wie Meditation oder Atemübungen.
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung. Bei Übelkeit helfen häufig kleine, fettarme Mahlzeiten. Trinken Sie ausreichend, aber in kleinen Schlucken. Wenn der Schwindel nachlässt, können Sie mit sanften Übungen wie Spazierengehen das Gleichgewicht trainieren. Fragen Sie Ihren Arzt nach geeigneten Übungen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Labyrinthitis kann wegen des plötzlichen Schwindels und der Einschränkungen Ängste auslösen. Viele Menschen fühlen sich unsicher oder fürchten, dass der Schwindel nie wieder vergeht. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber – oft helfen Beratungsgespräche oder psychologische Unterstützung.
Vorbeugung
Eine Labyrinthitis lässt sich nicht immer verhindern, da sie oft im Rahmen einer Virusinfektion auftritt. Sie können jedoch das Risiko senken, indem Sie Ihr Immunsystem stärken, z. B. mit ausreichend Schlaf, gesunder Ernährung und Stressabbau. Vermeiden Sie Rauchen, da es die Schleimhäute reizt.
Impfungen
Es gibt keinen speziellen Impfstoff gegen Labyrinthitis. Eine Grippeimpfung kann jedoch helfen, schwere Virusinfektionen zu verhindern, die möglicherweise eine Labyrinthitis auslösen.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Labyrinthitis ist nicht sinnvoll. Wenn Sie häufiger unter Schwindel oder Ohrinfektionen leiden, kann ein regelmäßiger Besuch beim HNO-Arzt ratsam sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Teilweiser oder vollständiger Hörverlust auf dem betroffenen Ohr, der bestehen bleiben kann.
- Chronischer Schwindel (sogenannte Vestibularisausfall) mit dauerhaften Gleichgewichtsstörungen.
- Ohnmachtsanfälle oder Stürze mit Verletzungsfolgen.
- Ausbreitung der Infektion auf das Gehirn oder die Hirnhäute (sehr selten, aber ernst).
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit Labyrinthitis erholen sich vollständig innerhalb von wenigen Wochen. Schwindel und Hörverlust bessern sich meist innerhalb der ersten drei Monate. In seltenen Fällen kann ein leichter Hörverlust bestehen bleiben. Frühzeitige ärztliche Behandlung verbessert die Heilungschancen. Lassen Sie sich bitte nicht entmutigen – die Prognose ist bei richtiger Behandlung sehr gut.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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