Leben mit Diabetes
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Diabetes (Zuckerkrankheit) ist eine chronische Erkrankung, bei der der Blutzucker zu hoch ist. Der Körper braucht Insulin, ein Hormon, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu bringen – als Energie. Bei Diabetes fehlt dieses Hormon oder wirkt nicht richtig. Dadurch bleibt der Zucker im Blut und kann auf Dauer Gefäße und Organe schädigen.
Wichtige Fakten
- Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die heute gut behandelt werden kann.
- Es gibt verschiedene Formen – am häufigsten sind Typ-1- und Typ-2-Diabetes.
- Mit regelmäßiger Kontrolle und einem gesunden Lebensstil lassen sich viele Folgeerkrankungen vermeiden.
Ja. In Deutschland leben etwa acht Millionen Menschen mit Diabetes. Die Zahl steigt, weil Menschen heute älter werden und Übergewicht zunimmt – ein wichtiger Risikofaktor für Typ-2-Diabetes.
Diabetes kann jeden treffen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen. Typ-1-Diabetes beginnt oft im Kindes- oder Jugendalter. Typ-2-Diabetes entsteht meist nach dem 40. Lebensjahr, wird aber auch bei Jüngeren häufiger. Auch Schwangerschaftsdiabetes kommt vor.
Symptome
- Schwere Unterzuckerung: starke Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit, Krampfanfall
- Sehr hoher Blutzucker mit Übelkeit, Erbrechen und Auffälligem Geruch der Atemluft
- Starke Atemnot oder tiefe, schnelle Atmung
- Bewusstlosigkeit oder kein Reagieren
- ⚠Blutzucker ist sehr hoch oder sehr niedrig, aber es geht Ihnen noch einigermaßen gut
- ⚠Fieber oder Anzeichen einer Infektion
- ⚠Wunden, die nicht heilen oder rot und geschwollen sind
- ⚠Wiederholtes Erbrechen oder Durchfall
Häufige Symptome
- Starker Durst und häufiges Wasserlassen
- Ungewollte Gewichtsabnahme
- Müdigkeit und Schwäche
- Verschwommenes Sehen
- Schlecht heilende Wunden
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Füßen oder Händen
Symptome bei Kindern
- Kind trinkt und uriniert plötzlich viel
- Nächtliches Bettnässen
- Gewichtsverlust trotz normalem Appetit
- Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme
- Bauchschmerzen oder Übelkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Desorientierung
- Schwindel und Gangunsicherheit
- Schwäche und vermehrte Infekte
- Schlecht heilende Wunden an den Füßen
- Häufiger Harndrang oder Harnwegsinfekte
Ursachen
Hauptursachen
- Typ-1-Diabetes: Das Immunsystem zerstört die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen. Die Ursache dafür ist nicht vollständig geklärt.
- Typ-2-Diabetes: Die Körperzellen sprechen immer schlechter auf Insulin an (Insulinresistenz). Der Körper produziert dann zwar Insulin, kann den Blutzucker aber nicht richtig regulieren.
- Schwangerschaftsdiabetes: Während der Schwangerschaft kann die Hormonumstellung zu einem erhöhten Blutzucker führen.
- Andere Ursachen: Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, bestimmte Medikamente oder hormonelle Störungen können ebenfalls Diabetes auslösen.
Risikofaktoren
- Übergewicht, vor allem im Bauchbereich
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Zucker und fettreichen Lebensmitteln
- Familiäre Vorbelastung: Diabetes bei Eltern oder Geschwistern
- Hoher Blutdruck oder erhöhte Blutfettwerte
- Alter über 40 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Anzeichen einer Unter- oder Überzuckerung, wie eben beschrieben
- Wenn Sie wiederholt krank sind oder Fieber haben und Ihr Blutzucker schlecht einstellbar ist
- Wenn Wunden eitern oder sich stark entzünden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie ungewöhnlichen Durst oder vermehrten Harndrang bemerken
- Wenn ein erhöhter Blutzuckerwert bei einer Untersuchung festgestellt wurde
- Zur regelmäßigen Kontrolle von Blutzucker, Blutdruck, Nierenwerten, Füßen und Augen
Diagnose
Diabetes wird meistens im Blut festgestellt. Der Arzt misst Ihren Blutzuckerspiegel – entweder nüchtern, zu einem zufälligen Zeitpunkt oder mit einem oralen Zuckertest. Dabei trinkt man eine Zuckerlösung und der Blutzucker wird danach mehrfach gemessen.
Mögliche Untersuchungen
- Nüchternblutzucker: Blutentnahme nach mindestens 8 Stunden ohne Essen
- HbA1c-Wert: zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 2 bis 3 Monate
- Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)
- Eventuell ein Test auf Antikörper zur Unterscheidung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin bespricht die Ergebnisse mit Ihnen, erklärt die Befunde in einfachen Worten und schlägt eine Behandlung vor. Vielleicht überweist er oder sie Sie auch in eine Diabetes-Schwerpunktpraxis oder eine Diabetes-Schulung. Dort lernen Sie, Ihren Blutzucker selbst zu messen, Insulin oder Medikamente richtig zu verwenden und Ihren Alltag gut zu gestalten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Diabetesform, Ihrem persönlichen Gesundheitszustand und Ihrem Alltag. Sie ist nie allein eine „Zuckerbestimmung“, sondern ein Gesamtkonzept aus Ernährung, Bewegung, Medikamenten und regelmäßigen Checks. Die Empfehlungen folgen den aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien, in Deutschland zum Beispiel der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Messen Sie Ihren Blutzucker regelmäßig, wenn es der Arzt empfiehlt, und notieren Sie die Werte
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn und wenig zuckerhaltigen Getränken
- Bewegen Sie sich regelmäßig – am besten jeden Tag ein Spaziergang oder leichte Übungen
- Pflegen Sie Ihre Füße täglich und cremen Sie sie ein; achten Sie auf kleine Verletzungen
- Tragen Sie immer einen Notfall-Snack bei sich, zum Beispiel Traubenzucker, falls der Blutzucker zu tief sinkt
- Hören Sie mit dem Rauchen auf, denn Rauchen schädigt die Gefäße zusätzlich
Medizinische Behandlungen
Medikamente werden je nach Diabetesform und Verlauf verschrieben. Es gibt Tabletten, die den Blutzucker senken, und Hormonspritzen, zum Beispiel mit Insulin. Eine Insulintherapie ist vor allem bei Typ-1-Diabetes nötig, manchmal auch bei fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes. Der Arzt oder die Ärztin legt gemeinsam mit Ihnen fest, welche Behandlung zu Ihnen passt – und spricht offen über Nutzen und mögliche Wirkungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei starkem Übergewicht kann eine Operation des Magens (bariatrische Operation) den Diabetes deutlich verbessern oder sogar in eine Remission bringen – das heißt, der Blutzucker normalisiert sich ohne Medikamente. Diese Möglichkeit wird zusammen mit Spezialisten geprüft, wenn eine Gewichtsreduktion mit anderen Mitteln nicht gelingt.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag spielt Selbstmanagement eine große Rolle. Sie messen Ihren Blutzucker, planen Mahlzeiten, körperliche Aktivität und Medikamente. Anfangs wirkt das vielleicht viel, aber mit der Zeit wird es zur Routine. Tragen Sie einen Ausweis bei sich, der angibt, dass Sie Diabetes haben – zum Beispiel bei Unterzuckerungen hilft das dem Notfallpersonal.
Tipps für den Alltag
- Essen Sie regelmäßig und nehmen Sie drei ausgewogene Mahlzeiten zu sich
- Bewegen Sie sich mindestens 30 Minuten pro Tag, zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke wie Limonade, Säfte und süßen Kaffee
- Trinken Sie Wasser oder ungesüßten Tee
- Schlafen Sie ausreichend und bauen Sie Stress ab – zum Beispiel mit Entspannungsübungen
- Alkohol nur in Maßen und nie auf leeren Magen
Ernährung und Bewegung
Gute Ernährung und Bewegung tun doppelt gut: Sie senken den Blutzucker, unterstützen die Wirkung des Insulins und helfen beim Abnehmen. Setzen Sie auf Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse und magere Eiweißquellen. Süßigkeiten sind nicht verboten, aber in kleinen Mengen – und am besten geplant. Zusammen mit sportlicher Aktivität fällt es leichter, den Blutzucker in einem guten Bereich zu halten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Diabetes kann psychisch belasten. Ständige Kontrolle, Angst vor Unterzuckerungen oder das Gefühl, anders zu sein, sind häufig. Diese Ängste und Belastungen sind ernst zu nehmen. Suchen Sie sich Unterstützung – zum Beispiel bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, in einer Diabetes-Schulung oder bei psychologischen Beratungsstellen. Sie sind mit diesen Gedanken nicht allein.
Vorbeugung
Typ-1-Diabetes kann man derzeit nicht verhindern. Typ-2-Diabetes lässt sich aber durch einen gesunden Lebensstil oft vermeiden oder zumindest hinauszögern: ein normales Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und keine Zigaretten. Auch bei einem erhöhten Risiko können diese Maßnahmen den Ausbruch deutlich verzögern.
Impfungen
Empfohlene Impfungen sind auch für Menschen mit Diabetes wichtig, weil Infekte den Blutzucker beeinflussen können. Besonders eine Grippeimpfung und eine Pneumokokken-Impfung werden häufig empfohlen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre persönlichen Impfungen.
Früherkennungsprogramme
Ab einem gewissen Alter oder bei Risikofaktoren empfiehlt die ärztliche Vorsorge eine Blutzuckerkontrolle. Das kann ein einfacher Bluttest beim Hausarzt oder der Hausärztin sein. So kann ein Diabetes früh erkannt und behandelt werden, bevor er Schaden anrichtet.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schäden an den großen und kleinen Blutgefäßen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen in den Beinen)
- Nervenschäden, vor allem in Füßen und Beinen – mit Kribbeln, Taubheit und Fußwunden
- Nierenschäden bis hin zur Nierenschwäche
- Augenschäden mit Sehstörungen oder Erblindung
- Schlechte Wundheilung, besonders an den Füßen, im schlimmsten Fall mit Amputation
- Akute Stoffwechselentgleisungen wie Unterzuckerung oder Ketoazidose
Langzeitprognose
Diabetes ist heute gut behandelbar. Mit einer konsequenten Therapie, regelmäßigen Kontrollen und einem gesunden Leben können Sie langfristig fit und aktiv bleiben. Viele Menschen mit Diabetes führen ein normales Leben, arbeiten, haben Familie und treiben Sport. Die Medizin hat große Fortschritte gemacht – und Sie sind nicht allein, denn Ärzte, Diabetesberater und Selbsthilfegruppen begleiten Sie auf diesem Weg.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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