Leben mit Nierenerkrankungen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nieren sind zwei bohnenförmige Organe in Ihrem Rücken, die das Blut filtern, überschüssiges Wasser entfernen und Abfallstoffe über den Urin ausscheiden. Bei einer Nierenerkrankung sind diese Filter geschädigt und arbeiten nicht mehr richtig. Das bedeutet nicht, dass die Nieren sofort versagen – viele Menschen leben lange gut mit eingeschränkter Nierenfunktion.
Wichtige Fakten
- Die Nieren sind lebenswichtig und können nicht durch andere Organe ersetzt werden.
- Eine Nierenerkrankung verläuft oft schleichend – Frühzeichen fehlen häufig.
- Mit guter Behandlung und gesundem Lebensstil lässt sich der Verlauf oft verlangsamen.
Nierenerkrankungen sind keine Seltenheit. In Deutschland sind schätzungsweise mehrere Millionen Menschen betroffen, vor allem ältere Menschen.
Nierenerkrankungen kommen bei Erwachsenen jeden Alters vor, besonders jedoch bei Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht oder einer familiären Vorbelastung.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn Sie plötzlich gar keinen Urin mehr lassen können (über 12 Stunden).
- Bei sichtbarem Blut im Urin mit starken Schmerzen im Rücken oder Bauch rufen Sie den Notruf 112 an.
- Bei Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen wählen Sie sofort den Notruf 112.
- Bei Atemnot, die in Ruhe auftritt, wählen Sie den Notruf 112.
- ⚠Suchen Sie am selben Tag eine ärztliche Praxis auf, wenn Sie Fieber mit Schüttelfrost und Schmerzen im Rücken oder an den Flanken haben.
- ⚠Brennende Schmerzen beim Wasserlassen sollten Sie ebenfalls noch am gleichen Tag abklären lassen.
- ⚠Wenn Schwellungen an Beinen oder Knöcheln innerhalb weniger Tage deutlich zunehmen, ist ein zeitnaher Arztbesuch wichtig.
Häufige Symptome
- Schwellungen an Knöcheln, Beinen oder Augenlidern (Ödeme)
- Schäumender Urin (kann auf Eiweiß im Urin hindeuten)
- Blut im Urin
- Häufiger Harndrang oder nächtliches Wasserlassen
- Ungewöhnliche Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Verschlechterung der schulischen Leistungen
- Vermehrtes Durstgefühl und häufiges Wasserlassen
- Blasse Haut und dunkle Ringe unter den Augen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder starke Müdigkeit
- Übelkeit und Appetitlosigkeit
- Geschwollene Beine und Atemnot bei Belastung
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingter Funktionsverlust der Nieren
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck
- Entzündungen der Nieren (Glomerulonephritis)
- Verengung der Nierenarterien
Risikofaktoren
- Rauchen
- Starker Alkoholkonsum
- Langfristige Einnahme von Schmerzmitteln ohne ärztliche Absprache
- Wiederkehrende Harnwegsinfekte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei neu aufgetretenem Blut im Urin
- Wenn Sie über mehrere Tage geschwollene Beine bemerken
- Bei Fieber und gleichzeitigem Rückenschmerz
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit Wochen ungewöhnlich müde sind oder weniger Urin als üblich ausscheiden
- Wenn Sie Diabetes oder Bluthochdruck haben und Veränderungen beim Wasserlassen bemerken
- Bevor Sie ein neues Medikament einnehmen, das die Nieren belasten könnte
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und nimmt Blut und Urin ab. Im Blut misst er die Nierenwerte (Kreatinin) und errechnet daraus die Filterleistung der Nieren. Im Urin sucht er nach Eiweiß oder Blut.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Kreatinin
- Urintest auf Eiweiß und Blut
- Ultraschall der Nieren (Sonographie)
- Bei Bedarf feingewebliche Untersuchung einer Nierenprobe (Biopsie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Nach einem Blut- und Urintest bekommen Sie meist schon am selben Tag erste Ergebnisse. Bei einem Ultraschall wird etwas Gel auf Ihre Haut aufgetragen – Sie spüren davon nichts. Eine Biopsie wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist gut verträglich.
Behandlung
Eine Nierenerkrankung ist meist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Das Ziel ist, die verbleibende Nierenfunktion zu erhalten und das Fortschreiten zu verlangsamen. Die Behandlung basiert auf der Ursache und auf einem gesunden Lebensstil.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend – aber nur so viel, wie Ihr Arzt empfiehlt (bei Nierenschwäche oft um die 1,5 bis 2 Liter täglich).
- Reduzieren Sie Kochsalz in Ihrer Ernährung.
- Verzichten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkohol.
- Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck regelmäßig und halten Sie Ihre Werte in einem für Sie passenden Bereich.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Ihnen je nach Ursache Medikamente verschreiben, die den Blutdruck senken, den Blutzucker regulieren oder das Immunsystem dämpfen. Darüber hinaus können spezielle Nieren-Diät-Produkte oder eine angepasste Eiweißzufuhr helfen. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam – es wird die Therapie auf Sie und Ihre Nierenfunktion abstimmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Nieren ihre Arbeit vollständig einstellen, kann eine Dialyse (Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation notwendig werden. Beides sind etablierte Verfahren. Eine Transplantation wird immer dann erwogen, wenn die Nierenfunktion dauerhaft unter eine bestimmte Grenze fällt.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit einer Nierenerkrankung bedeutet: kleine tägliche Entscheidungen treffen. Kochen Sie vielseitig mit weniger Salz, bewegen Sie sich regelmäßig und nehmen Sie Ihre Kontrolltermine wahr. Hören Sie auf Ihren Körper – er zeigt Ihnen, was gut tut.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, sanfte Bewegung – zum Beispiel Gehen, Radfahren oder Schwimmen.
- Schlafenszeiten einhalten und Stress reduzieren.
- Achten Sie auf Medikamente: Fragen Sie immer Ihren Arzt, bevor Sie rezeptfreie Schmerzmittel einnehmen.
Ernährung und Bewegung
Eine nierenfreundliche Ernährung ist meist salzarm und eiweißbalanciert. Das heißt: nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel Eiweiß. Ihr Arzt oder eine Ernährungsfachkraft kann Ihnen einen passenden Rahmen geben. Zu Bewegung gehören mindestens 20 bis 30 Minuten pro Tag – am besten als Teil Ihrer Alltagsroutine.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung kann belasten und Ängste auslösen. Es ist normal, sich manchmal überfordert zu fühlen. Sprechen Sie darüber – mit Familie, Freundinnen oder einem psychologischen Beratungsangebot. Sie müssen nicht allein die Kraft aufbringen.
Vorbeugung
Sie können das Risiko für Nierenerkrankungen senken, indem Sie Blutdruck und Blutzucker kontrollieren, sich gesund ernähren und auf das Rauchen verzichten. Nicht alle Ursachen sind vermeidbar – aber ein gesunder Lebensstil hat einen großen Einfluss.
Impfungen
Lassen Sie sich zu Ihren Impfungen beraten – insbesondere Grippe- und Pneumokokken-Impfungen können sinnvoll sein, da Infektionen die Nieren zusätzlich belasten können.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder über 60 Jahren ist eine regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte sinnvoll – sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anämie (Blutarmut)
- Knochenstoffwechselstörungen
- Elektrolytstörungen – etwa ein erhöhter Kaliumwert im Blut
- Fortschreiten bis zur Dialysepflicht
Langzeitprognose
Mit guter Behandlung und Disziplin können die meisten Menschen mit einer Nierenerkrankung viele Jahre stabil leben. Die Nierenfunktion kann sich manchmal geringfügig bessern oder über lange Zeit stabil bleiben. Eine Nierenerkrankung ist heute besser behandelbar als je zuvor – und ein erfülltes Leben ist auch damit möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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