Leben mit Nierensteinen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nierensteine sind kleine, harte Kristalle, die sich in der Niere bilden. Sie entstehen, wenn bestimmte Stoffe im Urin zu viel vorhanden sind und sich zu festen Steinen verbinden. Viele Nierensteine sind kleiner als ein Reiskorn, manche können aber auch Kirschkern-groß werden.
Wichtige Fakten
- Viele Nierensteine machen keine Beschwerden und werden zufällig entdeckt.
- Ein Nierenstein wird oft als starker seitlicher Schmerz bemerkt, der in Wellen kommt.
- Die meisten Nierensteine gehen von selbst ab, wenn sie klein sind.
- Mit genügend Trinken und einer gesunden Ernährung lässt sich das Risiko senken.
Ja, Nierensteine sind häufig. Etwa jeder zehnte Mensch in Deutschland bekommt im Laufe des Lebens einmal einen Nierenstein.
Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder einer familiären Neigung haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Sie Fieber über 38,5 Grad und gleichzeitig Schmerzen in der Seite haben – das kann eine Nierenbeckenentzündung sein.
- Rufen Sie die 112, wenn Sie keinen Urin mehr lassen können.
- Rufen Sie die 112, wenn Sie schwere Zeichen einer Infektion wie Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl oder Bewusstseinstrübung bemerken.
- ⚠Suchen Sie schnell ärztliche Hilfe, wenn die Schmerzen sehr stark sind und nicht nachlassen.
- ⚠Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn Blut im Urin sichtbar ist.
- ⚠Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn Sie wegen Übelkeit und Erbrechen keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen können.
Häufige Symptome
- Starke, krampfartige Schmerzen in der Seite oder im unteren Rücken
- Ausstrahlende Schmerzen in den Unterbauch oder die Leiste
- Blut im Urin – erkennbar an einer rosaroten bis rötlichen Färbung
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Häufiger Harndrang
- Übelkeit und Erbrechen
Symptome bei Kindern
- Bei Babys zeigt sich ein Nierenstein oft nur durch wiederholtes Schreien, Unruhe oder Erbrechen.
- Ältere Kinder klagen über Bauchschmerzen, die bis in die Seite ausstrahlen können.
- Blut im Urin – auch wenn es nur im Test nachweisbar ist – kann ein Hinweis sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft unspezifische Beschwerden wie allgemeine Schwäche, Verwirrtheit oder Fieber.
- Schmerzen können weniger deutlich sein als bei jüngeren Personen.
- Auch eine plötzliche Harnwegsinfektion ohne klare Schmerzen kann auf einen Stein hinweisen.
Ursachen
Hauptursachen
- Wenn der Urin sehr konzentriert ist – zum Beispiel bei zu wenig Trinken
- Wenn bestimmte Mineralstoffe oder Salze im Urin übermäßig vorhanden sind
- Wenn ein Stoffwechselproblem vorliegt, zum Beispiel eine erhöhte Harnsäure
- Wenn der Urin längere Zeit in der Niere bleibt, etwa bei einer Engstelle oder Blasenentleerungsstörung
- Bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen können sich bestimmte Steine bilden
Risikofaktoren
- Zu wenig Flüssigkeit, vor allem bei Hitze oder starkem Schwitzen
- Ernährung mit sehr viel Salz, Fleisch und oxalatreichen Lebensmitteln wie Rhabarber oder Spinat
- Übergewicht
- Familiäre Veranlagung zu Nierensteinen
- Einnahme bestimmter Medikamente – fragen Sie im Zweifel Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Wenn Sie bereits einmal einen Nierenstein hatten, ist das Risiko für einen weiteren erhöht.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei sehr starken Schmerzen, die nicht nachlassen, sollten Sie innerhalb weniger Stunden ärztliche Hilfe suchen – zum Beispiel in einer Bereitschaftspraxis oder Notaufnahme.
- Wenn zu den Schmerzen auch Fieber kommt, ist eine schnelle Behandlung wichtig.
- Wenn Sie keinen Urin lassen können, müssen Sie sofort ärztlich versorgt werden.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie einmal einen Nierenstein hatten, ist eine Kontrolluntersuchung sinnvoll.
- Wenn Sie häufig Harnwegsinfekte haben oder Blut im Urin bemerken, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
- Wenn bereits ein Stein abgegangen ist, fragen Sie nach einer Untersuchung zur Ursache.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und tastet den Bauch und die Nierengegend ab. Mit bildgebenden Verfahren lässt sich ein Stein sicher sichtbar machen.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung der Nieren – sie zeigt viele Steine und einen gestauten Harnfluss
- Computertomographie, kurz CT – sie ist besonders genau, aber nicht immer nötig
- Urintest auf Blut, Entzündungszeichen oder eine Harnwegsinfektion
- Blutuntersuchung zur Kontrolle der Nierenfunktion und bestimmter Stoffwechselwerte
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und brauchen keine besondere Vorbereitung. Bei starken Schmerzen bekommen Sie vorher etwas dagegen. Für die Behandlung orientieren sich das medizinische Team und Sie an der aktuellen AWMF-Leitlinie zu Nierensteinen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Größe, Lage und Beschwerden des Steins. Viele kleine Steine gehen von selbst ab, wenn Sie viel trinken und sich bewegen. Bei größeren Steinen oder anhaltenden Schmerzen gibt es verschiedene Verfahren, die den Stein zertrümmern oder entfernen. Ihr Behandlungsteam wird Ihnen die Möglichkeiten erklären und mit Ihnen gemeinsam die beste Wahl treffen.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie viel – wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin nichts anderes sagt, sind etwa 2,5 bis 3 Liter über den Tag verteilt hilfreich.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – Treppensteigen, Hüpfen oder Gehen kann das Abgehen des Steins unterstützen.
- Wärme auf der schmerzenden Stelle, zum Beispiel ein warmes Kirschkernkissen, kann wohltuend sein.
- Wenn ein Stein abgeht, fangen Sie ihn mit einem Teesieb auf – so kann das medizinische Team untersuchen, woraus er besteht.
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die das Abgehen des Steins erleichtern oder den Harnleiter entspannen. Auch Schmerzmittel in ärztlicher Anordnung können eingesetzt werden. Welche Substanz für Sie geeignet ist, entscheidet allein die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Nehmen Sie niemals Medikamente ein, die für jemand anderen verschrieben wurden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn ein Stein zu groß ist, eine Infektion verursacht oder die Niere staut, ist ein Eingriff nötig. Dazu gehören schonende Verfahren wie Stoßwellentherapie, Laser- oder Spiegelbehandlung. Details dazu bespricht Ihr Operationsteam vorher genau mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Nierenstein ist es wichtig, auf die richtige Trinkmenge zu achten und den Urin hell zu halten. Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt – nicht erst, wenn Sie Durst haben. Nehmen Sie sich Zeit zum Wasserlassen und halten Sie den Urin nicht unnötig zurück.
Tipps für den Alltag
- Trinkplan: Verteilen Sie die Trinkmenge gleichmäßig von morgens bis abends.
- Kochsalz reduzieren: weniger Fertigprodukte und stark gesalzene Speisen.
- Bewusst essen: nicht zu viel Fleisch, aber auch nicht extrem einseitig.
- Bei Übergewicht kann eine sanfte Gewichtsabnahme helfen – sprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten ist sinnvoll. Schonkost für die Nieren bedeutet meist eine leichte, nicht zu salzige Mischkost. Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen hält den Körper in Schwung und kann das Risiko für neue Steine senken. Lassen Sie sich bei besonderen Fragen von einer Ernährungsfachkraft beraten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nierensteine können sehr schmerzhaft sein und verständlicherweise verunsichern. Manche Menschen haben Angst vor dem nächsten Anfall oder fühlen sich durch die Beschwerden belastet. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss. Wer möchte, kann mit einer Ärztin, einem Psychologen oder einer Beratungsstelle sprechen.
Vorbeugung
Sie können das Risiko für neue Nierensteine deutlich senken. Die wichtigsten Maßnahmen sind: viel trinken, ausgewogen essen und ein gesundes Körpergewicht halten. Wenn Sie bereits einen Stein hatten, kann eine Untersuchung zeigen, woraus er besteht – so lässt sich die Vorbeugung gezielt anpassen.
Früherkennungsprogramme
Eine allgemeine Vorsorgeuntersuchung bei gesunden Menschen ohne Steine ist nicht üblich. Bei Menschen mit wiederkehrenden Nierensteinen sind regelmäßige Kontrollen beim Facharzt oder der Fachärztin sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Nierenstauung: Der Urin staut sich vor dem Stein zurück zur Niere und kann die Nierenfunktion beeinträchtigen.
- Eine akute Nierenbeckenentzündung durch aufsteigende Bakterien – das ist ein Notfall.
- Wiederkehrende starke Schmerzattacken, die den Alltag sehr belasten können.
Langzeitprognose
Die große Mehrheit der Nierensteine ist gut behandelbar, und mit der richtigen Vorbeugung lassen sich neue Steine in vielen Fällen verhindern. Auch nach einem Eingriff erholen sich die meisten Menschen vollständig. Eine gesunde Lebensweise und eine gute ärztliche Begleitung geben Ihnen viel Sicherheit für den Alltag.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.