Leben mit Sehnenbeschwerden
Übersicht
Sehnen sind feste, aber dehnbare Bindegewebsstränge, die Muskeln mit Knochen verbinden. Sie übertragen die Kraft, die unsere Bewegungen möglich macht. Sehnenbeschwerden entstehen, wenn eine Sehne gereizt, überlastet oder verletzt ist und dadurch schmerzt. Im Alltag bedeutet das oft: Schmerzen bei bestimmten Bewegungen, Steifheit oder ein Gefühl von Schwäche. Die gute Nachricht: Die meisten Sehnenbeschwerden bessern sich mit der richtigen Behandlung und etwas Geduld deutlich.
Wichtige Fakten
- Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen und sind wie elastische Bänder.
- Bei Sehnenproblemen ist gezielte Bewegung meist besser als strenge Schonung.
- Eine gerissene Sehne ist ein Notfall und sollte sofort medizinisch versorgt werden.
- Sehnenheilung braucht Zeit – oft mehrere Wochen oder Monate.
- Physiotherapie, allmählicher Belastungsaufbau und Geduld sind wichtige Bausteine.
Ja. Sehnenbeschwerden zählen zu den häufigsten Gründen, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Sie betreffen Menschen in jedem Alter und an vielen Stellen des Körpers, zum Beispiel Schulter, Ellenbogen, Handgelenk, Knie oder Ferse.
Sehnenbeschwerden kommen bei sportlich Aktiven, Menschen mit einseitigen Arbeitsbewegungen und älteren Personen vor. Auch junge Menschen in Wachstumsphasen können vorübergehend empfindliche Sehnenansätze haben.
Symptome
- Offene Verletzung im Bereich einer Sehne mit stark blutender Wunde
- Deutliche Durchtrennung einer Sehne, zum Beispiel nach einem Schnitt- oder Stichverletzung
- Unfall mit sichtbarer Fehlstellung oder starkem Blutverlust
- ⚠Plötzliches Knallgeräusch in einer Sehne mit sofortigem Kraftverlust
- ⚠Sie können einen Finger, Daumen oder Zeh plötzlich nicht mehr aktiv bewegen
- ⚠Starke Schwellung, großer Bluterguss oder zunehmende Gefühllosigkeit in einem Gliedmaßenteil
- ⚠Schmerzen mit Rötung, Überwärmung und Fieber als möglichem Anzeichen einer Infektion
Häufige Symptome
- Schmerzen bei Bewegung oder Belastung, die in Ruhe nachlassen
- Anlaufsteifheit, zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen
- Spannungsgefühl oder Druckempfindlichkeit entlang der Sehne
- Leichte Schwellung oder tastbare Verdickung an der betroffenen Stelle
- Manchmal ein knirschendes oder reibendes Gefühl bei Bewegungen
Symptome bei Kindern
- Wachstumsbedingte Schmerzen an Sehnenansätzen, zum Beispiel an der Ferse oder unterhalb der Kniescheibe
- Beschwerden nehmen meist bei Sport oder starkem Wachstum zu und in Ruhe ab
- Die meisten dieser Schmerzen verschwinden nach der Wachstumsphase von selbst oder mit Begleitung durch eine Physiotherapie
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Sehnen verlieren im Alter Wasser und Elastizität, dadurch treten Beschwerden oft schleichend auf
- Typisch ist morgendliche Steifheit, die sich bei Bewegung langsam löst
- Auch ohne einen konkret erinnerbaren Unfall können Sehnen anfällig für Reizzustände sein
Ursachen
Hauptursachen
- Wiederholte, einseitige Belastung ohne ausreichende Erholungsphasen
- Plötzliche Steigerung von Training oder körperlicher Arbeit
- Fehlhaltungen oder schlecht angepasstes Schuhwerk
- Alterungsprozess mit nachlassender Elastizität und Regenerationsfähigkeit der Sehnen
- In manchen Fällen Grunderkrankungen wie Rheuma, Gicht oder Diabetes
Risikofaktoren
- Mangelndes Aufwärmen vor dem Sport
- Bewegungsmangel mit schwacher Muskulatur
- Übergewicht, das Gelenke und Sehnen stärker belastet
- Zu geringe Pausen und Erholungszeiten bei wiederkehrenden Bewegungen
- Rauchen, da es die Durchblutung und Heilung im Gewebe verschlechtert
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlicher Kraftverlust oder Verdacht auf einen Sehnenriss
- Gelenk ist instabil oder lässt sich nicht mehr belasten
- Schmerzen mit deutlicher Schwellung, Rötung und Fieber
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Beschwerden halten länger als ein bis zwei Wochen an
- Alltägliche Tätigkeiten wie Schuhe anziehen, Treppensteigen oder Schreiben werden schmerzhaft
- Sie möchten eine professionelle Beurteilung, ob eine Physiotherapie sinnvoll ist
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Ihren Beschwerden, Ihrer beruflichen Belastung und Ihren sportlichen Aktivitäten. Danach folgt eine gründliche körperliche Untersuchung: gezielter Druck auf die betroffene Stelle, Bewegungstests und Krafttests zeigen, welche Sehne betroffen ist und wie stark sie belastbar ist.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall, um die Sehnenstruktur und mögliche Risse sichtbar zu machen
- Magnetresonanztomographie (MRT) bei unklaren Befunden oder Verdacht auf tiefere Verletzungen
- Röntgen, um Knochenbeteiligung oder andere Ursachen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei oder nur leicht unangenehm. Sie brauchen keine besondere Vorbereitung. Wenn Sie akute Beschwerden haben, können Sie direkt eine allgemeinmedizinische oder orthopädische Praxis aufsuchen.
Behandlung
Das Ziel ist, die Sehne zu entlasten, ohne sie völlig stillzulegen. Eine gute Behandlung passt die Belastung an den Heilungsverlauf an und kräftigt die Sehne Schritt für Schritt. Meist steht eine konservative Therapie im Vordergrund, das heißt: keine Operation, sondern eine Kombination aus Physiotherapie, gezieltem Training und Alltagsanpassungen.
Selbsthilfe zu Hause
- Kühlen Sie die schmerzende Stelle bei akuter Reizung für etwa zehn Minuten
- Suchen Sie eine schmerzfreie Bewegungsmöglichkeit – Bewegung hält die Sehne geschmeidig
- Vermeiden Sie die genaue Bewegung, die den Schmerz auslöst
- Steigern Sie Belastungen nur langsam und in kleinen Schritten
- Achten Sie auf bequemes, gut stützendes Schuhwerk im Alltag
- Gönnen Sie sich regelmäßige Pausen, besonders bei wiederholten Tätigkeiten
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache und Verlauf kommen Behandlungen wie Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie, manuelle Therapie, Stoßwellentherapie oder ultraschallgestützte Verfahren in Betracht. In Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt können zeitweise entzündungshemmende Mittel unterstützen, zum Beispiel als Gel oder als Injektion. Auch Schmerzmittel aus der Apotheke – gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal ausgewählt – können kurzfristig helfen. Was im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der Diagnose ab und sollte immer fachlich begleitet werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist meist erst dann ein Thema, wenn eine Sehne vollständig gerissen ist oder wenn die konservative Behandlung über mehrere Monate keine ausreichende Besserung gebracht hat. Auch dann wird der Eingriff individuell geplant und durch eine Rehabilitation begleitet.
Leben mit der Erkrankung
Sie können den Alltag aktiv gestalten, ohne sich von den Beschwerden beherrschen zu lassen. Planen Sie Bewegung ein, aber achten Sie auf Schmerzgrenzen. Wechseln Sie einseitige Tätigkeiten ab, machen Sie kleine Dehn- und Bewegungspausen und schaffen Sie sich feste Ruheinseln. Ein kleines Schmerztagebuch kann helfen, zu erkennen, welche Bewegungen gut tun und welche eher schaden.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber dosiert – zum Beispiel Schwimmen, Radfahren oder Gehen
- Wärmen Sie sich vor dem Sport an, auch wenn die Sehne bereits vorbelastet ist
- Unterbrechen Sie sitzende oder einseitige Tätigkeiten alle 30 bis 60 Minuten
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf, denn im Schlaf regeneriert sich das Gewebe
- Verzichten Sie möglichst auf Rauchen, da Nikotin die Durchblutung und Heilung verschlechtert
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß unterstützt Muskeln und Bindegewebe. Es gibt kein Wundermittel, aber ein gesunder Lebensstil hilft. Empfehlenswert sind moderate Ausdauerbewegung und sanftes Krafttraining, das die Sehne an die Belastung gewöhnt. Sportarten mit vielen abrupten Stopps und Richtungswechseln sollten in der akuten Phase reduziert werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Länger anhaltende Schmerzen können seelisch belasten. Es ist normal, sich manchmal entmutigt zu fühlen, besonders wenn die Heilung Zeit braucht. Verlieren Sie nicht den Mut, setzen Sie sich realistische Ziele und sprechen Sie offen mit Familie, Freundinnen oder Behandelnden. Wenn eine ständige gedrückte Stimmung, Schlafstörungen oder Ängste auftauchen, kann eine psychologische Beratung oder Psychotherapie eine wichtige Stütze sein.
Vorbeugung
Nicht jede Sehnenerkrankung lässt sich verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Wichtig sind ein allmählicher Trainingsaufbau, ausreichende Erholung, gutes Schuhwerk und ein bewusstes Körpergefühl. Wer bei den ersten Warnzeichen die Belastung reduziert, gibt der Sehne die Chance, sich zu erholen, bevor eine größere Verletzung entsteht.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen Sehnenerkrankungen. Achten Sie dennoch auf einen aktuellen Tetanus-Impfschutz, besonders nach Verletzungen im Freien. Fragen Sie bei Ihrer Hausarztpraxis nach, wenn Sie unsicher sind.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Sehnen-Screening gibt es nicht. Wer regelmäßig intensiv trainiert oder körperlich einseitig arbeitet, kann eine sportmedizinische Untersuchung nutzen, um frühe Verschleißzeichen zu erkennen und den Trainingsplan anzupassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Beschwerden können chronisch werden und lange bestehen bleiben
- Die Sehne kann weiter geschädigt werden oder vollständig reißen
- Die umliegende Muskulatur wird schwächer und das Gelenk instabiler
- Lieblingsaktivitäten können über Monate nicht mehr ausgeübt werden
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt sehr gut. Die meisten Sehnenbeschwerden bessern sich mit Geduld, angepasster Bewegung und einer gezielten Therapie deutlich. Auch nach einer Sehnenruptur führen Behandlung und Rehabilitation in vielen Fällen wieder zu guter Beweglichkeit und Lebensqualität. Sehnen brauchen Zeit – aber mit einer stabilen Planung ist Besserung sehr wahrscheinlich.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Patienten-Information.de ↗ · Deutschland
- Deutsche Rheuma-Liga ↗ · Deutschland
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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