Chronische Schilddrüsenunterfunktion: Ursachen und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ im Hals. Sie produziert Hormone, die den Stoffwechsel, das Herz, die Verdauung und die Stimmung steuern. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse zu wenig dieser Hormone. Häufig wird sie durch eine chronische Entzündung der Schilddrüse verursacht, die als Hashimoto-Thyreoiditis bezeichnet wird. Das bedeutet, dass das körpereigene Immunsystem das eigene Schilddrüsengewebe angreift. Die Erkrankung besteht meist dauerhaft, lässt sich aber mit einer Hormonersatztherapie sehr gut behandeln.
Wichtige Fakten
- Die Schilddrüse steuert den Stoffwechsel und viele Körperfunktionen.
- Bei einer Unterfunktion produziert sie zu wenig Hormone.
- Die häufigste Ursache ist eine Autoimmunerkrankung (Hashimoto), bei der der Körper die Schilddrüse angreift.
- Eine gut eingestellte Behandlung gleicht die Hormonwerte dauerhaft aus.
- Eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Kontrollen sind Teil der Therapie.
Ja, die Schilddrüsenunterfunktion gehört in Deutschland zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen. Schätzungsweise 5 von 100 Menschen sind betroffen.
Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer – besonders zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Die Erkrankung kann aber auch bei Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen auftreten.
Symptome
- Bewusstseinsstörungen oder starke Benommenheit
- Extreme Schläfrigkeit, aus der man nicht erwacht
- Schwacher Puls und sinkende Körpertemperatur
- Schwerste Atemnot oder Kreislaufversagen
- ⚠Starke Brustschmerzen oder Herzrhythmusstörungen
- ⚠Plötzliche, starke Schwellung von Beinen oder Knöcheln
- ⚠Deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme trotz normalem Essen
- Dauerhaftes Frieren
- Trockene Haut und brüchige Haare
- Verstopfung
- Depressive Verstimmung oder Reizbarkeit
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Verlangsamter Puls
- Muskelschwäche oder Gelenkschmerzen
- Hebbarkeit des Gesichts oder Augenlider
Symptome bei Kindern
- Wachstumsstörungen und verzögerte Zahnentwicklung
- Müdigkeit und Leistungsabfall in der Schule
- Gewichtszunahme und Obstipation
- Trockene Haut und Haarausfall
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Gedächtnisstörungen, die wie eine Demenz wirken können
- Allgemeine Schwäche und Stürze
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Verwirrtheit und Teilnahmslosigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis)
- Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion durch Operation oder radioaktives Jod (in der Vergangenheit)
- Schädigung durch Strahlen- oder Medikamententherapie im Halsbereich
- Angeborene Schilddrüsenunterfunktion (selten)
- Extremer Jodmangel (in Deutschland durch jodiertes Salz eher selten)
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Weitere Autoimmunerkrankungen in der Familie (z. B. Typ-1-Diabetes, Zöliakie)
- Bestehende Autoimmunerkrankungen
- Alter über 30 Jahre
- Nach einer Schwangerschaft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Atemnot, Brustschmerzen oder Herzstolpern – sofort ärztliche Hilfe holen, im Zweifel die 112 anrufen.
- Bei Bewusstseinstrübung oder extremer Schwäche sofort den Notruf wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Müdigkeit, Gewichtszunahme oder andere Symptome länger als drei Wochen anhalten.
- Bei anhaltenden Verdauungs- oder Hautproblemen ohne erkennbare andere Ursache.
- Wenn eine Schilddrüsenerkrankung in der Familie bekannt ist und Sie Veränderungen bei sich bemerken.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin wird zuerst nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte fragen. Anschließend tastet die Schilddrüse im Hals ab. Entscheidend ist eine Blutuntersuchung: Sie zeigt, ob die Schilddrüsenhormone im Blut niedrig sind und ob das TSH (Hormon aus der Hirnanhangdrüse) erhöht ist. Bei Hashimoto lassen sich zusätzlich Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe nachweisen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf TSH, freies T3 und freies T4
- Messung der Schilddrüsen-Antikörper (TPO-AK, TG-AK)
- Ultraschall der Schilddrüse, um Größe und Struktur zu beurteilen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist meist in wenigen Tagen klar. Ein Bluttest ist schmerzarm und unkompliziert. Bei Unsicherheiten überweist Sie Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin an eine Facharztpraxis für Hormoner-krankungen (Endokrinologie).
Behandlung
Die Behandlung besteht darin, den fehlenden Schilddrüsenhormon-Spiegel durch ein künstlich hergestelltes Hormon zu ersetzen. Das Medikament wird als Tablette eingenommen. Die Dosis wird individuell festgelegt und regelmäßig anhand Ihrer Blutwerte angepasst. Für die meisten Menschen ist die Behandlung einfach und nebenwirkungsarm, wenn sie richtig eingestellt ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihr Hormonpräparat regelmäßig und täglich zur gleichen Zeit ein – am besten morgens auf nüchternen Magen.
- Lassen Sie Ihre Blutwerte regelmäßig kontrollieren, besonders nach Dosisänderungen.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch, um Veränderungen zu besprechen.
- Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Kalzium, Eisen) getrennt von der Tablette ein – fragen Sie Ihre Apotheke oder Ihren Arzt.
Medizinische Behandlungen
Das Mittel der Wahl ist ein synthetisches Schilddrüsenhormon in Tablettenform. Die richtige Dosis richtet sich nach Ihren Blutwerten, Ihrem Körpergewicht und Ihrem Befinden. In den ersten Wochen wird die Dosis häufig angepasst. Eine zusätzliche Behandlung der Autoimmunentzündung selbst gibt es nicht – die Erkrankung schreitet jedoch meist nur langsam voran, und die Hormonersatztherapie gleicht den Mangel gut aus. Eine spezielle Diät ist nicht nötig, aber auf Jod in hohen Dosen sollte verzichtet werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer reinen Schilddrüsenunterfunktion normalerweise nicht erforderlich. Sie kommt nur in Betracht, wenn die Schilddrüse sehr stark vergrößert ist und Beschwerden wie Schluck- oder Atemprobleme verursacht, oder wenn Knoten abgeklärt werden müssen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer gut eingestellten Schilddrüsenhormon-Therapie führt man ein ganz normales, aktives Leben. Wichtig ist, die Tabletten zuverlässig einzunehmen und die Arzttermine einzuhalten. Viele Menschen fühlen sich innerhalb weniger Wochen nach Behandlungsbeginn deutlich besser.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Schlafenszeiten helfen gegen Müdigkeit.
- Auszeiten und Entspannungstechniken wie Spazierengehen oder Meditation reduzieren Stress.
- Vorsicht mit Jod: Vermeiden Sie hochdosierte Jodpräparate ohne ärztliche Anweisung.
- Hören Sie auf Ihren Körper und passen Sie Ihre Energie an Ihren Zustand an.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Vollkorn, Gemüse, Obst und magerem Eiweiß ist empfehlenswert. Jodreiche Lebensmittel wie Seefisch sind in normalen Mengen in Ordnung. Einnahme von Jodtabletten nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Bewegung ist wichtig: Sie fördert den Stoffwechsel, hilft beim Gewichthalten und verbessert die Stimmung – auch bei beginnender Antriebslosigkeit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann Niedergeschlagenheit, Angst oder „Leere“-Gefühle auslösen. Es ist wichtig, das ernst zu nehmen und nicht nur als normale Müdigkeit abzutun. Mit der richtigen Hormoneinstellung bessern sich diese Beschwerden meist deutlich. Wenn seelische Belastungen bleiben, scheuen Sie nicht, psychologische Unterstützung zu suchen.
Vorbeugung
Eine autoimmune Schilddrüsenunterfunktion lässt sich nicht direkt verhindern, weil das Immunsystem eine veränderte Reaktion zeigt. Sie können aber Ihren Körper unterstützen, indem Sie Stress vermeiden, ausreichend schlafen und sich ausgewogen ernähren. Dadurch lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung günstig beeinflussen.
Früherkennungsprogramme
Wenn eine Schilddrüsenerkrankung in der Familie bekannt ist oder Sie Beschwerden haben, kann eine Blutuntersuchung sinnvoll sein. In Deutschland gibt es derzeit kein allgemeines Screening der Bevölkerung. Bei Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen oder in der Schwangerschaft wird die Schilddrüsenfunktion jedoch häufig kontrolliert.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anstieg der Blutfettwerte (erhöhtes Cholesterin)
- Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen
- Depressive Erkrankungen und Antriebslosigkeit
- Einschränkungen der Fruchtbarkeit bei Frauen
- In schweren Fällen lebensbedrohliche Unterfunktion (sog. Myxödemkoma)
Langzeitprognose
Mit einer zuverlässigen Hormonersatztherapie und regelmäßigen Kontrollen ist die Prognose sehr gut. Die meisten Betroffenen werden beschwerdefrei oder mit wenigen Einschränkungen leben. Die Behandlung gilt als sicher und gut verträglich. Sie müssen sich nur darauf einstellen, die Tablette ein Leben lang zu nehmen – das funktioniert im Alltag sehr gut.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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