Lymphoedema
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Lymphödem ist eine Schwellung, die entsteht, wenn die Lymphflüssigkeit nicht richtig abfließt. Die Lymphflüssigkeit ist eine klare Flüssigkeit, die Abfallstoffe aus dem Gewebe abtransportiert. Wenn dieser Abtransport gestört ist, staut sich die Flüssigkeit und es kommt zu Schwellungen, vor allem an Armen oder Beinen.
Wichtige Fakten
- Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar, aber gut behandelbar ist.
- Eine frühzeitige Behandlung kann Schwellungen reduzieren und Folgeschäden verhindern.
- Lymphödem kann angeboren oder als Folge von Operationen, Bestrahlungen oder Infektionen auftreten.
Lymphödem ist nicht sehr selten. Schätzungsweise etwa 1 von 1000 Menschen in Deutschland ist betroffen. Bei manchen Krebserkrankungen, besonders nach Brustkrebs-Operationen, tritt es häufiger auf.
Lymphödem kann Menschen jeden Alters betreffen. Angeborene Formen zeigen sich oft im Kindes- oder Jugendalter. Erworbene Formen treten häufiger bei Erwachsenen auf, vor allem nach Operationen oder Bestrahlungen im Bereich der Lymphknoten.
Symptome
- Plötzliche, starke Schwellung an einem Arm oder Bein, die mit Schmerzen und Überwärmung einhergeht – möglicherweise ein Zeichen für eine Thrombose (Blutgerinnsel)
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost und Rötung der Haut im Bereich der Schwellung – kann auf eine schwere Infektion hinweisen
- ⚠Sich ausbreitende Rötung oder Überwärmung der Haut am geschwollenen Bereich
- ⚠Starke Schmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Fieber über 38 °C ohne erkennbare andere Ursache
Häufige Symptome
- Schwellung eines Arms oder Beins, die zunächst weich und eindrückbar ist, später härter werden kann
- Spannungsgefühl oder Schweregefühl in der betroffenen Gliedmaße
- Hautveränderungen wie Verdickung oder Verhärtung (Fibrose)
- Eingeschränkte Beweglichkeit des geschwollenen Körperteils
- Wiederholte Infektionen der Haut (Erysipel, auch Wundrose genannt)
Symptome bei Kindern
- Schwellung meist an einem Bein oder Fuß, seltener an Armen
- Hautfalten können tiefer sein oder die Zehen wirken plump
- Kinder können Schmerzen oder Unbehagen haben, aber oft fällt es zunächst nicht auf
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schwellung tritt öfter an den Beinen auf, besonders bei eingeschränkter Beweglichkeit
- Die Haut alter Menschen ist dünner, daher steigt das Risiko für Infektionen und Hautrisse
- Mobilität kann durch die Schwere der Gliedmaßen weiter eingeschränkt werden
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Fehlentwicklung der Lymphgefäße (primäres Lymphödem)
- Schädigung der Lymphknoten oder Lymphgefäße durch Operationen, besonders bei Krebserkrankungen
- Bestrahlung (Strahlentherapie) im Bereich der Lymphknoten
- Infektionen wie Wundrose (Erysipel), die die Lymphbahnen schädigen können
Risikofaktoren
- Übergewicht oder Adipositas
- Bewegungsmangel
- Operationen oder Bestrahlungen im Bereich der Achselhöhle, Leiste oder am Hals
- Wiederholte Hautinfektionen
- Venenerkrankungen wie Krampfadern oder chronische Venenschwäche
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Schwellung, die innerhalb weniger Stunden oder Tage auftritt
- Schwellung mit Schmerzen, Fieber oder Hautrötung
- Atemnot oder Brustschmerzen bei gleichzeitiger Schwellung eines Arms oder Beins (Hinweis auf Lungenembolie)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn eine Schwellung an einem Arm oder Bein neu auftritt und länger als ein paar Tage anhält
- Wenn Sie bereits behandelt werden und sich die Schwellung verschlechtert
- Wenn Sie trotz Behandlung immer wieder Infektionen der Haut bekommen
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung gestellt. Die Ärztin oder der Arzt tastet die Schwellung ab, misst den Umfang beider Gliedmaßen und prüft die Haut. Falls nötig, wird eine Lymphszintigraphie oder eine andere Bildgebung durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Lymphszintigraphie: Ein schwach radioaktiver Stoff wird unter die Haut gespritzt, und mit einer Kamera wird beobachtet, wie die Lymphflüssigkeit abfließt.
- Ultraschall (Sonographie): Zeigt, ob die Schwellung durch eine Venenerkrankung oder andere Ursachen bedingt ist.
- Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT): Nur in besonderen Fällen, um Tumore oder andere Hindernisse auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzlos. Die Lymphszintigraphie kann einige Stunden dauern. Nach der Diagnose erhalten Sie eine umfassende Beratung zur Behandlung. Meist wird ein Behandlungsplan mit Physiotherapie und Kompressionsversorgung erstellt.
Behandlung
Lymphödem wird nicht geheilt, aber gut behandelt. Ziel ist es, die Schwellung zu reduzieren, die Beweglichkeit zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden. Die Behandlung besteht aus mehreren Bausteinen, die zusammenwirken.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliche Hautpflege mit rückfettenden Cremes, um Risse und Infektionen zu vermeiden
- Hochlagern des betroffenen Arms oder Beins, wenn möglich
- Regelmäßige Bewegung, vor allem Übungen, die die Muskeln anregen
- Vermeiden von engen Kleidungsstücken, die den Lymphfluss behindern
- Tragen von Kompressionsstrümpfen oder Kompressionsarmbinden, wenn verordnet
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE), die aus manueller Lymphdrainage (sanfte Massage), Kompressionsbandagierung, Bewegungsübungen und Hautpflege besteht. In manchen Fällen kommen auch Medikamente zum Einsatz, die die Flüssigkeitsausscheidung fördern, aber nur nach ärztlicher Verschreibung. Eine Operation wird selten durchgeführt, etwa wenn die konservative Behandlung nicht ausreicht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann in Betracht gezogen werden, wenn die konservative Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt. Dabei werden Lymphbahnen überbrückt (Lymphovenöse Anastomose) oder überschüssiges Gewebe entfernt (Liposuktion). Die Entscheidung trifft ein spezialisiertes Zentrum.
Leben mit der Erkrankung
Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, die Aufmerksamkeit im Alltag erfordert. Mit konsequenter Behandlung können die meisten Menschen aber gut leben. Wichtig ist, die Kompressionsversorgung täglich zu tragen und die Haut sorgfältig zu pflegen. Vermeiden Sie Verletzungen oder Insektenstiche am betroffenen Körperteil.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, z. B. Schwimmen, Walken oder Radfahren, fördert den Lymphabfluss
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, denn Übergewicht belastet das Lymphsystem
- Vermeiden Sie längeres Stehen oder Sitzen ohne Bewegung
- Tragen Sie keine zu engen Schuhe oder Kleidungsstücke
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz kann helfen, Wassereinlagerungen zu verringern. Bewegung ist sehr wichtig: Leichte Ausdauersportarten und spezielle Lymphübungen fördern den Abfluss. Lassen Sie sich von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten Übungen zeigen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Schwellung kann das Selbstbild und die Lebensqualität beeinträchtigen. Manche Menschen fühlen sich unsicher oder vermeiden soziale Kontakte. Es ist normal, sich manchmal belastet zu fühlen. Wichtig ist, Hilfe anzunehmen und mit vertrauten Personen zu sprechen.
Vorbeugung
Angeborenes Lymphödem lässt sich nicht verhindern. Erworbenes Lymphödem kann in manchen Fällen durch sorgfältige Hautpflege, Vermeidung von Verletzungen und Infektionen sowie durch Bewegung und Gewichtskontrolle vorgebeugt werden. Nach Operationen mit Lymphknotenentfernung kann eine frühzeitige physiotherapeutische Betreuung das Risiko senken.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe und andere Infektionen impfen, denn Infektionen können ein Lymphödem verschlechtern. Besprechen Sie Impfungen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Routine-Screening. Wenn in der Familie ein primäres Lymphödem bekannt ist, kann eine genetische Beratung sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Hautinfektionen wie Wundrose (Erysipel), die immer wieder auftreten können
- Verhärtung des Gewebes (Fibrose), die die Beweglichkeit einschränkt
- Lymphzysten (Lymphfisteln) – Austritt von Lymphflüssigkeit durch die Haut
- Verschlechterung der Schwellung bis hin zur Elephantiasis (sehr starke Verdickung)
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung ist die Prognose für Lymphödem gut. Die Schwellung lässt sich oft deutlich reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Auch wenn das Lymphödem nicht heilbar ist, können die meisten Betroffenen ein aktives Leben führen. Wichtig ist, den Behandlungsplan einzuhalten und regelmäßig ärztliche Kontrollen wahrzunehmen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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