Migräne-Schübe verstehen und lindern
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns und der Nerven – man sagt auch ‚neurologische Erkrankung‘. Bei einem Migräne-Schub, oft auch Migräne-Anfall genannt, kommt es zu starken Kopfschmerzen, häufig nur auf einer Seite. Typisch sind außerdem Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und eine große Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen.
Wichtige Fakten
- Migräne ist keine normale ‚Kopfschmerz-Attacke‘, sondern eine eigenständige Erkrankung mit körperlichen Ursachen.
- Ein Migräne-Schub kann wenige Stunden, manchmal auch mehrere Tage dauern.
- Bestimmte Auslöser – zum Beispiel Stress, Schlafmangel oder bestimmte Lebensmittel – können einen Schub begünstigen. Diese Auslöser lassen sich oft erkennen und vermeiden.
- Migräne ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Mit ärztlicher Begleitung und einem guten Umgang mit Auslösern lassen sich viele Schübe mildern oder verhindern.
Ja, Migräne ist weit verbreitet. In Deutschland sind schätzungsweise rund zehn bis fünfzehn Millionen Menschen betroffen. Damit gehört Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.
Migräne kann in jedem Alter beginnen, tritt aber meist das erste Mal zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr auf. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Auch Kinder und ältere Menschen können Migräne haben, manchmal zeigen sie dabei etwas andere Beschwerden.
Symptome
- Plötzlich auftretender, extrem starker Kopfschmerz – oft als ‚schlimmster Kopfschmerz des Lebens‘ beschrieben
- Kopfschmerz zusammen mit steifem Nacken, hohem Fieber und Verwirrtheit
- Kopfschmerz mit Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit
- Kopfschmerz mit Schwäche oder Taubheit auf einer Körperseite
- Plötzliche Sprach- oder Sehstörungen – rufen Sie sofort den Notruf 112
- ⚠Kopfschmerz, der nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf auftritt
- ⚠Kopfschmerz bei geschwächtem Immunsystem oder während einer Schwangerschaft
- ⚠Kopfschmerz mit Doppelbildern, Augenrötung oder starkem Druckschmerz am Auge
- ⚠Neue oder auffällig andere Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr
Häufige Symptome
- Starke, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen, oft auf einer Seite
- Mäßige bis starke Schmerzen, die sich bei Bewegung verschlimmern
- Übelkeit und Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit und Lärmempfindlichkeit
- Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen
- Blasse oder fahle Haut
- Manche Menschen bemerken vorher eine ‚Aura‘ – zum Beispiel Sehstörungen wie Flimmern, Blitze oder Zickzack-Linien, manchmal auch Kribbeln in Armen oder Beinen
Symptome bei Kindern
- Kinder haben oft weniger starke Kopfschmerzen als Erwachsene
- Typisch sind Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
- Das Kind wirkt blass, müde oder reizbar
- Oft hilft Schlaf oder Ruhe, die Beschwerden klingen dann wieder ab
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Der Kopfschmerz kann bei älteren Menschen schwächer sein als in jungen Jahren
- Sehstörungen oder Gleichgewichtsstörungen treten manchmal stärker in den Vordergrund
- Neue oder veränderte Kopfschmerzen im höheren Alter sollten immer ärztlich abgeklärt werden, da auch andere Ursachen dahinterstecken können
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass bestimmte Nervenbahnen im Gehirn übererregbar sind und bei einem Schub schmerzhafte Signale aussenden.
- Bei einem Migräne-Schub entzünden sich feine Nervenhüllen und die Blutgefäße im Gehirn weiten sich. Das führt zu den klassischen Kopfschmerzen und Begleiterscheinungen.
- Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle – Migräne kommt in manchen Familien gehäuft vor.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht und hormonelle Schwankungen, zum Beispiel rund um die Monatsblutung
- Stress oder plötzliche Entspannung nach Stress
- Unregelmäßiger Schlaf oder Schlafmangel
- Übersprungene Mahlzeiten oder starkes Durstgefühl
- Bestimmte Lebensmittel und Getränke wie stark verarbeitete Produkte, alter Käse, Alkohol oder sehr viel Koffein
- Wetterwechsel, grelles Licht, lauter Lärm oder starke Gerüche
- Auslöser können aber auch ganz individuell sein – was dem einen schadet, muss dem anderen nichts ausmachen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Kopfschmerzen treten zum ersten Mal sehr plötzlich und heftig auf
- Der Kopfschmerz ist anders als sonst oder schlimmer als jemals zuvor
- Kopfschmerzen gehen mit Fieber, Nackensteifigkeit oder Hautausschlag einher
- Kopfschmerzen treten nach einer Kopfverletzung auf
- Es kommen Sehstörungen, Sprachprobleme oder Lähmungen hinzu
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben wiederholt Migräne-Anfälle, die den Alltag deutlich einschränken
- Sie brauchen mehr als an zwei Tagen pro Woche Schmerzmittel – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine vorbeugende Behandlung
- Sie möchten mehr über Auslöser wissen und einen persönlichen Plan gegen Migräne entwickeln
- Migräne tritt während der Schwangerschaft auf oder Sie planen eine Schwangerschaft
Diagnose
Die Diagnose stellt medizinisches Fachpersonal vor allem anhand Ihrer Beschreibung. Wichtig sind die Art der Kopfschmerzen, Häufigkeit, Dauer und Begleitsymptome. Führen Sie am besten ein Kopfschmerztagebuch, in dem Sie darin festhalten, wann der Schub begonnen hat, wie lange er dauerte, was Sie gegessen und getrunken haben und was die Beschwerden verbessert oder verschlechtert hat. Ihr Arzt wird außerdem eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung und Prüfung der Reflexe, des Gleichgewichts und der Koordination
- Messung von Blutdruck und Puls
- In bestimmten Fällen Blutuntersuchungen
- Nur bei Warnzeichen ist eine Bildgebung nötig, zum Beispiel eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes – diese ist bei typischer Migräne meist nicht erforderlich.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die ärztliche Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und dauert nicht lange. Lassen Sie sich Zeit, alle Beschwerden zu schildern – auch ungewöhnliche Gefühle wie Sehstörungen oder Kribbeln. Je genauer Ihre Angaben sind, desto besser kann man Sie beraten. Bei der Migräne richtet sich die Behandlung nach den aktuellen medizinischen Leitlinien, zum Beispiel von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Behandlung
Die Behandlung von Migräne-Schüben hat zwei Ziele: Erstens, den akuten Schub zu stoppen oder zu lindern. Zweitens, bei häufigen Schüben vorbeugend zu behandeln. Was im Einzelfall hilft, kann sehr unterschiedlich sein. Deshalb ist ein persönlicher Behandlungsplan wichtig, den Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt aufstellen.
Selbsthilfe zu Hause
- Ziehen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück
- Kühlen Sie Stirn, Schläfen oder Nacken mit einem kühlen Tuch oder einer Kühlkompresse
- Schlafen oder ruhen Sie sich aus – das hilft besonders bei beginnenden Schüben
- Trinken Sie ausreichend Wasser, aber am besten in kleinen Schlucken
- Essen Sie leichte Kost, wenn Sie hungernd sind – zum Beispiel Zwieback oder eine Banane
- Vermeiden Sie Anstrengung und helle Bildschirme während eines Schubs
Medizinische Behandlungen
Medikamente gehören bei vielen Menschen zu einer wirksamen Migräne-Therapie. Wichtig ist: Verwenden Sie Schmerzmittel nicht zu häufig, sonst kann ein Teufelskreis mit noch mehr Kopfschmerzen entstehen. Ihr Arzt kann Ihnen geeignete Medikamente gegen die Schmerzen und gegen Übelkeit empfehlen. Für Menschen mit häufigen oder schweren Schüben gibt es außerdem vorbeugende Behandlungen. Dazu gehören Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden, und nicht-medikamentöse Verfahren wie Entspannungstechniken, Biofeedback oder kognitive Verhaltenstherapie. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – verändern Sie niemals eigenständig Ihre Medikation.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Migräne in der Regel nicht nötig. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn eine andere Erkrankung die Kopfschmerzen verursacht, kann ein Eingriff im Gespräch sein. Das wird dann immer individuell mit einem medizinischen Team abgeklärt.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, die ersten Anzeichen eines Schubs zu erkennen – zum Beispiel Müdigkeit, Gähnen, Heißhunger oder Lichtempfindlichkeit. Wenn Sie dann früh reagieren und sich zurückziehen, können Sie manche Anfälle abmildern. Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um persönliche Auslöser zu finden. So können Sie planen und sich in stressigen Phasen mehr Ruhe gönnen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie einen regelmäßigen Schlafrhythmus ein – auch am Wochenende
- Nehmen Sie sich feste Zeiten für Mahlzeiten und Trinken
- Bauen Sie Entspannungsübungen in den Alltag ein, zum Beispiel Atemübungen, Progressive Muskelentspannung oder Yoga
- Sorgen Sie für Pausen bei Bildschirmarbeit und ausreichend Bewegung
- Planen Sie schwierige Zeiten voraus – zum Beispiel Stressphasen oder Wetterwechsel mit häufigem Wetterfühlen
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten und genügend Flüssigkeit – am besten Wasser oder ungesüßte Tees. Manche Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel wie rotwein, Schokolade, Käse oder künstliche Süßstoffe. Probieren Sie aus, ob das bei Ihnen zutrifft, aber verzichten Sie nicht ohne Not auf ganze Lebensmittelgruppen. Leichte bis mäßige Ausdauerbewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren wirkt vorbeugend und hilft vielen Menschen, mit Stress besser umzugehen. Vermeiden Sie aber sehr anstrengende Sportarten während eines akuten Schubs.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz – sie kann den Alltag stark einschränken und auch emotional belasten. Viele Menschen haben Angst vor der nächsten Attacke oder fühlen sich machtlos. Das ist verständlich. Es kann helfen, mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen und sich fachliche Unterstützung zu holen. Auch eine Psychotherapie kann den Umgang mit Schmerzen verbessern und die Häufigkeit von Schüben verringern.
Vorbeugung
Migräne lässt sich nicht immer vollständig verhindern, aber sehr oft deutlich abschwächen. Wenn Sie Ihre Auslöser kennen und meiden, regelmäßig leben und gut auf sich achten, können Sie Häufigkeit und Stärke der Schübe reduzieren. Bei häufigen Anfällen gibt es außerdem vorbeugende Medikamente, die die Anzahl der Schübe senken können. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die für Sie geeignete Strategie.
Impfungen
Es gibt derzeit keine Impfung gegen Migräne. Impfungen gegen andere Erkrankungen können aber Migräne-Auslöser wie Infekte indirekt verhindern. Lassen Sie sich durch Ihre Hausarztpraxis zu empfohlenen Impfungen beraten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening für Migräne. Bei häufigen Kopfschmerzen ist es aber sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen und ein Kopfschmerztagebuch zu führen, damit die Diagnose gesichert und eine passende Behandlung geplant werden kann.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung können Schübe länger andauern und stärker werden
- Häufige Einnahme von Schmerzmitteln kann zu einem Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz führen – Kopfschmerzen, die durch die Schmerzmittel selbst entstehen
- Bei manchen Menschen wird aus episodischer Migräne eine chronische Migräne, wenn an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten
- Starke Schübe können zu Fehlzeiten in Arbeit oder Schule, zu sozialem Rückzug und zu einer Belastung der psychischen Gesundheit führen
Langzeitprognose
Migräne ist eine ernstzunehmende Erkrankung, aber sie ist nicht gefährlich und niemand muss sich damit abfinden. Mit einer guten medizinischen Begleitung, persönlichen Auslöser-Strategien und modernen Behandlungen können die meisten Menschen ihre Migräne gut in den Griff bekommen. Viele Betroffene führen ein erfülltes und aktives Leben – auch mit Migräne.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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