Mitral valve prolapse
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Mitralklappenprolaps bedeutet, dass sich die Mitralklappe (eine Herzklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer) beim Zusammenziehen des Herzens leicht in den Vorhof wölbt. Meist ist das harmlos, manchmal kann es zu Undichtigkeiten oder Herzrhythmusstörungen kommen.
Wichtige Fakten
- Die Mitralklappe ist eine von vier Herzklappen, die den Blutfluss im Herzen steuern.
- Ein Mitralklappenprolaps ist oft ein Zufallsbefund und verursacht häufig keine Beschwerden.
- In seltenen Fällen kann er zu einer Undichtigkeit (Mitralklappeninsuffizienz) führen, die behandelt werden muss.
Ja, ein Mitralklappenprolaps ist eine der häufigsten Herzklappenveränderungen. Etwa 2–3 % der Bevölkerung haben ihn.
Er tritt bei Frauen und Männern etwa gleich häufig auf, wird aber meist im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 40 Jahren entdeckt. Auch Kinder können betroffen sein, oft ohne Symptome.
Symptome
- Plötzliche starke Atemnot
- Brustschmerz, der in den Arm, Rücken oder Kiefer ausstrahlt
- Ohnmacht oder plötzlicher Bewusstseinsverlust
- Herzrasen mit Schwindel oder Kollapsneigung
- ⚠Neue oder zunehmende Atemnot bei leichter Belastung
- ⚠Wiederholtes Herzrasen oder Herzstolpern, das länger als ein paar Minuten anhält
- ⚠Schwellungen in den Beinen oder am Knöchel
Häufige Symptome
- Viele Menschen haben gar keine Beschwerden.
- Manche spüren ein Herzklopfen, Herzrasen oder ein Stolpern (Extrasystolen).
- Gelegentlich tritt ein leichter, stechender Schmerz in der Brust auf, der nicht von der Herzkranzgefäßverengung kommt.
- Kurzatmigkeit bei Belastung oder allgemeine Müdigkeit können vorkommen.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist ein Mitralklappenprolaps meist ein Zufallsbefund und verursacht keine Symptome.
- Selten berichten Kinder über Herzklopfen oder ungewöhnliche Müdigkeit beim Sport.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Alter kann ein vorbestehender Prolaps zu einer zunehmenden Undichtigkeit der Klappe führen.
- Symptome sind dann Atemnot bei Belastung, geschwollene Knöchel (Ödeme) und verminderte Leistungsfähigkeit.
- Herzrhythmusstörungen können häufiger auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Bindegewebsschwäche, bei der das Klappengewebe zu weich oder zu dehnbar ist.
- Veränderungen im Bindegewebe, wie beim Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom.
- Selten: Entzündungen der Herzklappe (Endokarditis) oder Schädigung nach einem Herzinfarkt.
Risikofaktoren
- Bindegewebserkrankungen in der Familie
- Bestimmte genetische Veranlagungen
- Frauen haben ein leicht erhöhtes Risiko im Vergleich zu Männern
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, schweren Symptomen wie starker Atemnot, Brustschmerz oder Ohnmacht sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei anhaltendem Herzrasen oder starkem Unwohlsein am gleichen Tag ärztliche Hilfe suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Herzklopfen oder ein Stolpern im Brustkorb bemerken, das immer wieder auftritt.
- Wenn Sie bei Belastung leichter außer Atem geraten als früher.
- Wenn in Ihrer Familie Bindegewebserkrankungen bekannt sind und Sie selbst Symptome haben.
Diagnose
Die Diagnose wird meist mit einem Herzultraschall (Echokardiografie) gestellt. Der Arzt hört das Herz mit dem Stethoskop ab – oft hört man ein typisches Klickgeräusch. Bestätigt wird der Befund durch die Ultraschalluntersuchung.
Mögliche Untersuchungen
- Abhören mit dem Stethoskop (Auskultation)
- Herzultraschall (Echokardiografie) – die wichtigste Untersuchung
- EKG (Elektrokardiogramm) – zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen
- Bei Bedarf: Langzeit-EKG oder Belastungs-EKG
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert meist 15–30 Minuten. Sie liegen auf einer Liege, ein Arzt führt einen Schallkopf über Ihren Brustkorb. Sie können direkt nach der Untersuchung nach Hause gehen und Ihren Alltag fortsetzen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob der Mitralklappenprolaps Beschwerden macht oder zu einer Undichtigkeit führt. Viele Menschen brauchen gar keine Therapie, sondern nur regelmäßige Kontrollen. Bei Symptomen oder Komplikationen stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Selbsthilfe zu Hause
- Vermeiden Sie extreme körperliche Anstrengung, wenn Sie Symptome haben – besprechen Sie Sport mit Ihrem Arzt.
- Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit – Dehydrierung kann Herzklopfen verstärken.
- Reduzieren Sie Stress durch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training.
- Verzichten Sie auf zu viel Koffein und Alkohol, da beides das Herz anregen kann.
Medizinische Behandlungen
Bei Herzrhythmusstörungen können Medikamente verschrieben werden, die den Herzschlag beruhigen (Betablocker oder andere Antiarrhythmika). Eine Antibiotikaprophylaxe vor Zahnbehandlungen wird nur noch bei bestimmten Risikopatienten empfohlen – fragen Sie Ihren Kardiologen. Bei einer Mitralklappeninsuffizienz können entwässernde Medikamente (Diuretika) oder blutdrucksenkende Mittel eingesetzt werden – immer nach ärztlicher Verordnung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird nötig, wenn die Undichtigkeit der Klappe sehr stark ist und das Herz belastet, oder wenn die Herzleistung nachlässt. Dann kann die Klappe repariert (Rekonstruktion) oder durch eine künstliche Klappe ersetzt werden. Die Entscheidung trifft ein Herzchirurg gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit einem Mitralklappenprolaps können ein völlig normales Leben führen. Nehmen Sie Ihre regelmäßigen Kontrolltermine beim Kardiologen wahr und achten Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie Symptome bemerken, suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat – das gibt Sicherheit.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige moderate Bewegung, z. B. Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen – nach Absprache mit Ihrem Arzt.
- Gesunde, ausgewogene Ernährung mit wenig Salz, um den Kreislauf zu entlasten.
- Ausreichend Schlaf und Stressmanagement.
- Verzicht auf Rauchen, da Nikotin das Herz-Kreislauf-System belastet.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und gesunden Fetten (z. B. Olivenöl) ist empfehlenswert. Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel und zu viel Salz. Bewegung ist erlaubt und sinnvoll – vermeiden Sie nur extremes Krafttraining oder Wettkampfsport, wenn Sie Symptome haben. Fragen Sie Ihren Arzt nach Ihren persönlichen Grenzen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann manchmal Ängste auslösen, vor allem wenn man spürt, dass das Herz „stolpert“. Das ist verständlich. Es hilft, mit Ihrem Arzt offen über Ihre Sorgen zu sprechen. Bei anhaltender Angst oder Belastung kann eine psychologische Beratung unterstützen.
Vorbeugung
Da der Mitralklappenprolaps meist angeboren oder durch eine Bindegewebsschwäche bedingt ist, kann man ihn nicht direkt verhindern. Aber Sie können das Risiko von Komplikationen senken, indem Sie auf Ihre Herzgesundheit achten und regelmäßige Kontrollen wahrnehmen.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe und Lungenentzündung (Pneumokokken) impfen – das schützt Ihr Herz bei Infekten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die empfohlenen Impfungen.
Früherkennungsprogramme
Wenn bei Ihnen ein Mitralklappenprolaps festgestellt wurde, sollten Sie alle 1–3 Jahre einen Herzultraschall machen lassen, vor allem wenn Sie Symptome haben. Bei Beschwerdefreiheit kann der Abstand länger sein – Ihr Arzt legt den Rhythmus fest.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz)
- Herzrhythmusstörungen, die das Risiko für Schlaganfall erhöhen können
- In schweren Fällen: Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Selten: bakterielle Entzündung der Herzklappe (Endokarditis)
Langzeitprognose
Die Prognose bei Mitralklappenprolaps ist in den allermeisten Fällen ausgezeichnet. Viele Menschen haben ein normales Leben ohne Einschränkungen. Nur wenn eine schwere Undichtigkeit oder Rhythmusstörungen auftreten, ist eine Behandlung nötig – dann sind die Erfolgsaussichten durch moderne Medizin und Operationen sehr gut. Mit regelmäßiger ärztlicher Kontrolle können Komplikationen früh erkannt und behandelt werden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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