Nervenschädigung (Polyneuropathie) – Wenn Nerven im Alter empfindlicher werden
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Polyneuropathie ist eine Schädigung von Nerven, die außerhalb des Gehirns und Rückenmarks liegen. Diese Nerven leiten Informationen zwischen Körper, Rückenmark und Gehirn. Sind sie geschädigt, kann das Gefühlsstörungen, Schmerzen oder Muskelschwäche verursachen. Man spricht auch von Nervenschädigung.
Wichtige Fakten
- Die häufigste Ursache ist eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).
- Typische Anzeichen sind Kribbeln, Taubheitsgefühl und brennende Schmerzen in Füßen und Beinen.
- Eine frühzeitige Behandlung kann die Beschwerden lindern und Folgeschäden verringern.
Ja, Nervenschädigungen sind weit verbreitet. Vor allem Menschen über 60 Jahren sind betroffen – häufig im Zusammenhang mit Diabetes, Nierenproblemen oder einem Vitaminmangel.
Sie kann jede und jeden treffen, kommt aber gehäuft bei älteren Erwachsenen vor. Das Risiko steigt mit Alter und bestimmten Vorerkrankungen.
Symptome
- Plötzlich auftretende starke Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen
- Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken
- Plötzliche Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
- Sehstörungen, Sprach- oder Gangstörungen, die plötzlich beginnen
- ⚠Schnell zunehmende Schwäche in den Beinen innerhalb weniger Tage
- ⚠Heftige oder unerträgliche Nervenschmerzen
- ⚠Neue Blasen- oder Darmentleerungsprobleme
- ⚠Ein offenes, nicht heilendes Geschwür am Fuß
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Füßen, Beinen oder Händen
- Taubheitsgefühl, zum Beispiel die Füße, sodass man den Boden nicht richtig spürt
- Brennende, stechende oder ziehende Schmerzen
- Muskelschwäche oder Unsicherheit beim Gehen
- Erhöhte Empfindlichkeit auf Berührung
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist die Erkrankung selten. Sie kann zum Beispiel bei angeborenen Stoffwechselstörungen oder Entzündungen im Körper auftreten.
- Auch hier können ähnliche Beschwerden wie bei Erwachsenen entstehen, häufig zuerst in den Beinen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Taubheitsgefühl an den Füßen, das Stürze begünstigt
- Brennende Schmerzen in den Beinen, besonders nachts
- Schwäche in den Beinen, zum Beispiel beim Treppensteigen
- Gleichgewichtsprobleme und Unsicherheit beim Gehen
- Veränderungen an der Haut oder trockene Stellen an den Füßen
Ursachen
Hauptursachen
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) – überhöhter Blutzucker schädigt die Nerven.
- Chronische Nierenerkrankungen – durch die Ansammlung von Giftstoffen im Blut.
- Vitaminmangel, insbesondere Vitamin B12.
- Alkoholmissbrauch über viele Jahre.
- Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Nerven angreift.
- Nebenwirkungen bestimmter Medikamente – vor allem bei Krebsbehandlungen.
- Erbliche Nervenschädigungen.
Risikofaktoren
- Älteres Alter
- Langjährige Zuckerkrankheit
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Nierenschwäche
- Mangelernährung oder einseitige Ernährungsweise
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Suchen Sie am selben Tag ärztliche Hilfe auf, wenn Sie neue oder sich schnell verschlimmernde Schwächen in den Beinen bemerken, starke Schmerzen auftreten oder Sie nicht mehr sicher stehen können.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie über mehrere Wochen Kribbeln, Taubheitsgefühl oder ein kaltes Gefühl in den Füßen spüren. Auch wenn Sie unsicher auf den Beinen sind oder Ihr Gang unsicherer wird, ist eine Abklärung sinnvoll.
Diagnose
Ihr Arzt befragt Sie zu Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und Ihren Lebensgewohnheiten. Eine körperliche Untersuchung – vor allem von Reflexen, Sensibilität und Kraft – gibt erste Hinweise. Anschließend folgen gezielte Tests.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchungen, um Zucker, Nierenwerte, Vitamine und Schilddrüsenhormone zu prüfen
- Nervenleitgeschwindigkeit: Dabei wird gemessen, wie schnell Nervensignale weitergeleitet werden.
- Elektromyografie (EMG): Eine Nadel misst die elektrische Aktivität der Muskeln.
- Bei Bedarf eine Nervenbiopsie oder Hautprobe – nur in seltenen, unklaren Fällen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzarm. Bei der Nervenleitmessung können Sie ein Kribbeln verspüren, bei der EMG einen kurzen Nadelstich. Nach der Diagnose besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Das Ziel ist, die Nerven weiter zu schützen, Beschwerden zu lindern und Stürze zu vermeiden. Wichtig sind eine gute Behandlung von Grunderkrankungen und eine angepasste Lebensweise.
Selbsthilfe zu Hause
- Untersuchen Sie Ihre Füße täglich auf Verletzungen, Druckstellen und Rötungen.
- Tragen Sie gut sitzende, bequeme Schuhe und meiden Sie Barfußlaufen.
- Nutzen Sie Handläufe und bewegungsunterstützende Hilfsmittel für mehr Sicherheit.
- Achten Sie auf regelmäßige Bewegung – aber überanstrengen Sie sich nicht.
- Verzichten Sie auf Alkohol und auf einseitige Diäten ohne ärztlichen Rat.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann je nach Ursache eine Therapie einleiten – zum Beispiel eine gute Einstellung des Blutzuckers, die Gabe von Vitaminen, Medikamente gegen Nervenschmerzen oder zur Behandlung der Grunderkrankung. Alle Medikamente stimmen Sie bitte vorher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab – nehmen Sie keine Mittel ohne ärztliche Verordnung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in bestimmten Situationen infrage, zum Beispiel wenn ein einzelner Nerv eingeengt ist – etwa an der Hand (Karpaltunnelsyndrom) – oder wenn ein Tumor oder Gewebe drückt. Das ist bei der klassischen Polyneuropathie im Alter meist nicht der Fall.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie im Alltag auf ausreichend Bewegung, gute Fußpflege und sichere Gehwege. Messen Sie sich feste Zeiten für regelmäßige Aktivitäten. Wenn Sie Schmerzen haben, können warme oder kühle Fußbäder, sanfte Massagen oder das Hochlegen der Beine hilfreich sein – sprechen Sie das aber vorher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich täglich – zum Beispiel mit einem Spaziergang oder Übungen im Sitzen.
- Vermeiden Sie langes Stehen oder Gehen mit Druckstellen.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und reduzieren Sie Stress.
- Planen Sie feste Kontrolltermine bei Ihrem Arzt ein.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die Nerven. Vitamin-B12-haltige Lebensmittel wie Milchprodukte, Eier und Fisch können helfen, wenn ein Mangel besteht. Bei Bewegung gilt: gleichmäßig, moderat und auf die eigenen Grenzen abgestimmt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Nervenschmerzen können belastend sein und zu Ängsten oder einer gedrückten Stimmung führen. Das ist keine Schwäche. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Auch eine Psychotherapie oder Entspannungsverfahren können helfen. Und denken Sie daran: Bei akuten psychischen Krisen können Sie sich jederzeit an Krisendienste wenden.
Vorbeugung
Nicht jede Nervenschädigung ist vermeidbar. Sie können das Risiko aber deutlich senken, indem Sie Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin im Blick behalten, auf Alkohol verzichten, sich ausgewogen ernähren, regelmäßig bewegen und auf gesunde Füße achten.
Impfungen
Manche Infektionen, die Nerven schädigen können – zum Beispiel eine Gürtelrose (Herpes Zoster) – lassen sich durch Impfungen verhindern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Impfung für Sie empfohlen wird.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie ein erhöhtes Risiko haben, zum Beispiel wegen Diabetes, sollten Sie Füße und Nerven regelmäßig ärztlich untersuchen lassen. So erkennt man Probleme frühzeitig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbemerkte Verletzungen an den Füßen, die sich entzünden können
- Stürze mit Knochenbrüchen durch fehlende Gefühlswahrnehmung
- Geschwüre oder offene Wunden an den Fußsohlen (diabetisches Fußsyndrom)
- Zunehmende Muskelschwäche bis hin zur Gehunfähigkeit
- Schmerzen und Schlafstörungen, die die Lebensqualität einschränken
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Behandlung und einer guten Anpassung der Lebensweise lässt sich die Erkrankung in vielen Fällen stabilisieren. Auch wenn Nervenschäden nicht immer vollständig zurückgehen, können Schmerzen gelindert und Komplikationen verhindert werden. Bleiben Sie aktiv und scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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