Taubheitsgefühl in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Taubheitsgefühl ist ein vermindertes oder verändertes Gefühl an einer Hautstelle. Es kann sich auch wie Kribbeln oder ‚Ameisenlaufen‘ anfühlen. In der Schwangerschaft tritt es häufig auf, weil Wassereinlagerungen auf Nerven drücken. Meist ist es harmlos, sollte aber ärztlich abgeklärt werden.
Wichtige Fakten
- Taubheitsgefühle und Kribbeln betreffen viele Schwangere, besonders an Händen und Fingern.
- Oft liegt die Ursache in Wassereinlagerungen oder einem eingeklemmten Nerv.
- Die Beschwerden verschwinden nach der Geburt meist von allein.
Ja. Taubheitsgefühle und Kribbeln sind in der Schwangerschaft weit verbreitet. Vor allem im letzten Drittel berichten viele Frauen davon.
Es kann jede Schwangere betreffen. Häufiger sind Frauen mit starken Wassereinlagerungen, Mehrlingsschwangerschaften oder wenn bereits früher Nervenprobleme auftraten.
Symptome
- Plötzliches Taubheitsgefühl auf einer Körperseite oder im Gesicht
- Plötzliche Schwäche oder Lähmung eines Arms oder Beins
- Sprach- oder Sehstörungen
- Starker, plötzlicher Kopfschmerz
- Bewusstlosigkeit
- ⚠Taubheitsgefühl, das sich schnell ausbreitet oder mit Lähmungserscheinungen einhergeht
- ⚠Zusätzlich starke Schwellungen, starke Beinschmerzen oder Atemnot
- ⚠Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- ⚠Taubheitsgefühl nach einem Sturz oder Unfall
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Fingern und Händen, besonders nachts
- Schmerzen oder Taubheit im Handgelenk und in den Handflächen
- Kribbeln in Füßen oder Beinen
- Vermindertes Gefühl beim Berühren oder Festhalten
Symptome bei Kindern
- Dieser Artikel betrifft Schwangere. Kinder haben andere Ursachen für Taubheitsgefühle – sprechen Sie bei einem Kind mit Taubheitsgefühlen mit einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Taubheitsgefühle bei älteren Menschen können andere Ursachen haben. Bei Schwangeren sind die Beschwerden meist unbedenklich, sollten aber immer ärztlich untersucht werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Wassereinlagerungen (Ödeme) drücken auf Nerven, zum Beispiel im Handgelenk (Karpaltunnelsyndrom).
- Die wachsende Gebärmutter drückt auf Nerven im Becken und an den Beinen.
- Hormonelle Veränderungen lockern das Bindegewebe.
- Eine veränderte Körperhaltung durch den wachsenden Bauch belastet Nerven.
Risikofaktoren
- Schwangerschaft an sich
- Mehrlingsschwangerschaft
- Starke Wassereinlagerungen
- Starke Gewichtszunahme
- Bestehende Erkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichem Taubheitsgefühl auf einer Körperhälfte oder im Gesicht – das kann ein Notfall sein.
- Bei zusätzlichen Zeichen wie starken Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Verwirrtheit.
- Wenn Sie einen Sturz oder Unfall hatten.
- Wenn Sie keine ärztliche Praxis erreichen, rufen Sie den Notruf 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Taubheitsgefühl regelmäßig auftritt oder länger anhält.
- Wenn es Ihren Schlaf stört oder Sie den Alltag nicht mehr gut bewältigen.
- Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, Ihrer Schwangerschaft und Ihren Vorerkrankungen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Auch die Reflexe und das Gefühl an den betroffenen Stellen werden geprüft. Nach den deutschen Leitlinien der AWMF ist eine ärztliche Abklärung bei neu auftretenden Taubheitsgefühlen wichtig.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Gefühls-, Kraft- und Reflexprüfung
- Blutdruckmessung
- Blutuntersuchung zum Beispiel auf Blutarmut oder Blutzucker
- Nervenmessung (Elektromyografie, kurz EMG) in besonderen Fällen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind ungefährlich für Sie und Ihr Baby. Sie können in der gynäkologischen Praxis, bei der Hebamme oder in einer neurologischen Ambulanz stattfinden. Sie dürfen jederzeit Fragen stellen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. In vielen Fällen reichen einfache Maßnahmen wie Hochlagern der Arme und sanfte Bewegung. Wichtig ist, ernsthafte Erkrankungen wie eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) auszuschließen.
Selbsthilfe zu Hause
- Hände und Füße regelmäßig hochlegen.
- Sanfte Bewegungen und Dehnübungen, zum Beispiel für die Handgelenke.
- Langes Sitzen oder Stehen vermeiden.
- Nachts den Arm auf einem Kissen lagern, um das Handgelenk zu entlasten.
- Druckstellen und zu enge Kleidung oder Schuhe vermeiden.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache können Physiotherapie, Krankengymnastik oder eine Schiene für das Handgelenk helfen. Auch eine Ergotherapie kann unterstützen. Medikamente sollten in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt angewendet werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist in der Schwangerschaft nur in sehr seltenen und schweren Fällen nötig, zum Beispiel bei einem eingeklemmten Nerv, der sich auf andere Weise nicht entlasten lässt. Das wird immer im Einzelfall entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag hilft es, auf seinen Körper zu hören. Wechseln Sie regelmäßig die Position. Machen Sie kleine Pausen. Wenn etwas wehtut oder sich unangenehm anfühlt, nehmen Sie es ernst.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige leichte Spaziergänge
- Schwangerschaftsyoga oder sanfte Gymnastik
- Entspannungsübungen, um Stress abzubauen
- Ausreichend trinken – am besten Wasser oder ungesüßten Tee
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und gesunden Fetten unterstützt die Nerven. Leichte Bewegung verbessert die Durchblutung. Vermeiden Sie einseitige Belastungen und übermäßige Anstrengung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Taubheitsgefühle können verunsichern und Angst machen. Es ist in Ordnung, sich Unterstützung zu holen. Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ärztin, wenn Sie sich belastet fühlen. Auch eine psychologische Beratung kann helfen. Falls Sie Gedanken haben, sich selbst zu verletzen, suchen Sie sofort Hilfe – zum Beispiel über den Notruf 112.
Vorbeugung
Taubheitsgefühle lassen sich nicht immer vermeiden. Ein achtsamer Umgang mit dem Körper und eine gesunde Lebensweise können das Risiko jedoch verringern.
Impfungen
Eine Impfung gegen Taubheitsgefühle gibt es nicht. Achten Sie auf die in der Schwangerschaft empfohlenen Impfungen und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
In der Schwangerschaft werden bei den Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig Blutdruck und Urin kontrolliert. Das hilft, mögliche Risiken für Mutter und Kind früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn eine Grunderkrankung wie eine Schwangerschaftsvergiftung nicht erkannt wird, kann sie sich verschlimmern.
- Dauerhafter Druck auf einen Nerv kann zu bleibenden Gefühlsstörungen führen.
- Durch vermindertes Schmerzempfinden können kleine Verletzungen unbemerkt bleiben und sich entzünden.
Langzeitprognose
Bei den allermeisten Schwangeren verschwinden Taubheitsgefühle innerhalb von Wochen nach der Geburt. Auch wenn die Beschwerden unangenehm sind – mit der richtigen Unterstützung ist die Prognose sehr gut.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.