Übergewicht im Alter: Was Sie über Adipositas wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Adipositas – auch starkes Übergewicht genannt – ist eine Erkrankung, bei sich zu viel Körperfett ansammelt. Bei älteren Menschen kann dies Beschwerden machen und bestimmte Krankheiten begünstigen. Der Fachbegriff Adipositas wird ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 verwendet. Der BMI setzt Gewicht und Größe ins Verhältnis – eine Messzahl, die die Ärztin oder der Arzt berechnet.
Wichtige Fakten
- Adipositas ist eine chronische Krankheit, keine Willensschwäche.
- Sie erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkprobleme.
- Auch im Alter können gezielte Maßnahmen dabei helfen, gesünder zu bleiben – egal ob dabei viel oder wenig abgenommen wird.
Ja. In Deutschland sind etwa zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen ab 65 Jahren übergewichtig oder haben Adipositas. Sie gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Alter.
Adipositas betrifft ältere Menschen jeden Geschlechts. Oft beginnt die Gewichtszunahme bereits im mittleren Lebensalter, manchmal aber auch erst im Rentenalter – zum Beispiel wenn der Alltag ruhiger wird oder die Mobilität nachlässt.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn Sie in Ruhe nicht mehr atmen können, starke Brustschmerzen oder Anzeichen eines Schlaganfalls haben (z.B. eine halbseitige Lähmung, hängender Mundwinkel oder Sprachschwierigkeiten).
- ⚠Wenn Sie plötzlich stark anschwellende Beine bemerken
- ⚠Wenn Sie einen sehr hohen Blutdruck messen (über 180/110 mmHg) und gleichzeitig Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen haben
- ⚠Wenn Sie wiederholt ohnmächtig werden oder nahezu bewusstlos werden
Häufige Symptome
- Kurzatmigkeit bei leichter Anstrengung
- Schmerzen in Knien, Hüfte oder Rücken
- Müdigkeit und Schlafprobleme einschließlich Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe)
- Vermehrtes Schwitzen bei normalen Alltagsaktivitäten
- Erhöhter Blutdruck
Symptome bei Kindern
- Adipositas bei Kindern ist ein eigenes Thema. Wenn Sie Fragen zur Gesundheit eines Kindes haben, wenden Sie sich bitte an die Kinderärztin oder den Kinderarzt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachlassende Mobilität und Schwierigkeiten beim Gehen oder Treppensteigen
- Verlust von Muskelmasse und Kraft – auch Sarkopenie genannt
- Erhöhtes Sturzrisiko
- Probleme bei der Körperpflege oder beim Anziehen
- Sozialer Rückzug wegen Scham oder Unsicherheit
Ursachen
Hauptursachen
- Der Körper nimmt mehr Energie über die Nahrung auf als er verbraucht – ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch
- Bewegungsmangel, etwa aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen
- Hormonelle Umstellungen, zum Beispiel in den Wechseljahren oder bei einer Schilddrüsenunterfunktion
- Bei älteren Menschen zusätzlich: Abnahme von Muskelmasse und dadurch ein sinkender Grundumsatz
- Manche Medikamente (wie bestimmte Antidepressiva oder Kortison) können den Appetit steigern oder den Stoffwechsel verlangsamen – sprechen Sie hierzu mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
Risikofaktoren
- Alter und reduzierte körperliche Aktivität
- Erbliche Veranlagung
- Schlafmangel oder Schlafstörungen
- Psychische Belastungen wie Einsamkeit, Depression oder Stress
- Niedriger sozioökonomischer Status: Menschen mit begrenztem Budget greifen oft zu kalorienreichen, günstigen Fertigprodukten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Gewicht in kurzer Zeit ohne erkennbaren Grund stark zunimmt
- Wenn Sie Atemnot in Ruhe oder bei geringer Anstrengung haben
- Wenn sich die Beweglichkeit so verschlechtert, dass Alltagsaufgaben nicht mehr möglich sind
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie abnehmen möchten und einen sicheren, für Ihr Alter passenden Weg suchen
- Wenn Sie unter Gelenkschmerzen oder Erschöpfung leiden
- Wenn Sie Fragen zu möglichen Folgen von Adipositas haben
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt führt zuerst ein ausführliches Gespräch. Dabei werden Ihre Beschwerden, Ihre Lebensgewohnheiten und Ihre Krankengeschichte besprochen. Danach werden Ihre Größe und Ihr Gewicht gemessen, der Body-Mass-Index (BMI) berechnet und Ihr Bauchumfang notiert. Zur Einschätzung der Gesundheit gehören auch Blutdruck und Blutwerte.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Blutzucker, Blutfette (Cholesterin und Triglyceride), Leber- und Nierenwerte
- Schilddrüsenhormon-Test, um eine Schilddrüsenunterfunktion auszuschließen
- Messung des Blutdrucks und eventuell Langzeit-Blutdruckmessung
- Gegebenenfalls Überweisung an eine Ernährungsberatung oder eine Fachambulanz für Adipositas
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die erste Abklärung dauert meist 20 bis 30 Minuten. Sie sollen sich verstanden fühlen. Gemeinsam wird ein individueller Plan erstellt – mit realistischen Zielen, die zu Ihrem Alltag passen. Sie dürfen jederzeit Fragen stellen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist nicht unbedingt eine schnelle oder starke Gewichtsabnahme. Bei älteren Menschen stehen der Erhalt von Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Mittelpunkt. Die Behandlung orientiert sich an den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Dafür kombiniert man meist drei Bereiche: eine angepasste Ernährung, ausreichend Alltagsbewegung und eine enge medizinische Begleitung.
Selbsthilfe zu Hause
- Essen Sie regelmäßig und mit Genuss, aber bevorzugen Sie unverarbeitete Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.
- Trinken Sie ausreichend – am besten Wasser oder ungesüßte Tees. Fragen Sie bei Herz- oder Nierenerkrankungen Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wie viel Flüssigkeit für Sie passt.
- Bewegen Sie sich so gut es geht: Spazierengehen, Sitzgymnastik oder Wassergymnastik sind sanfte Optionen.
- Achten Sie auf Entspannung und versuchen Sie Stress zu reduzieren – zum Beispiel durch Atemübungen oder Spaziergänge.
- Nehmen Sie Ihre Mahlzeiten bewusst ein, in Ruhe und ohne Fernsehen oder Handy.
Medizinische Behandlungen
Medikamente zur Behandlung von Adipositas gibt es nur auf Rezept und niemals als alleinige Lösung. Sie unterstützen die Umstellung von Ernährung und Bewegung. Ob ein Medikament für Sie in Frage kommt und wie lange es angewendet wird, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – immer unter Abwägung von Nutzen und möglichen Nebenwirkungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (Magenschlauch oder Magenbypass, sogenannte bariatrische Chirurgie) kommt nur bei schwerer Adipositas in Betracht, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind. Für ältere Menschen gelten besonders strenge Kriterien. Solche Eingriffe werden nur in spezialisierten Zentren und nach ausführlichen Untersuchungen durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Setzen Sie sich kleine, konkrete Ziele. Zum Beispiel: jeden Tag nach dem Mittagessen fünf Minuten um den Block gehen. Gewohnheiten brauchen Zeit – seien Sie geduldig mit sich. Ändern Sie nicht alles auf einmal, sondern beginnen Sie mit einer Sache, die Sie realistisch einhalten können.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie feste Zeiten für Mahlzeiten und Bewegung in Ihren Wochenablauf ein.
- Suchen Sie sich eine Bewegungsart, die Ihnen Freude macht – dann bleibt es leichter.
- Sorgen Sie für ausreichenden und regelmäßigen Schlaf.
- Reduzieren Sie nach Möglichkeit Zeit im Sitzen, etwa beim Fernsehen.
- Beziehen Sie Familie oder Freundinnen und Freunde mit ein, wenn Sie sich Unterstützung wünschen.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine Wunderdiät. Im Alter ist es wichtiger, ausreichend Eiweiß zu essen, um die Muskeln zu erhalten. Gute Eiweißquellen sind beispielsweise Magerquark, Joghurt, Eier, Hülsenfrüchte oder Fisch. Dazu gibt es viel Gemüse und Vollkornprodukte. Besprechen Sie Ihre Ernährung am besten mit einer Ernährungsfachkraft. Bewegung muss nicht anstrengend sein: Bereits regelmäßige Spaziergänge oder leichte Gymnastik sind ein guter Anfang – oder was auch immer Ihnen möglich ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Adipositas ist mit Scham und Vorurteilen verbunden. Viele ältere Menschen fühlen sich unsicher oder ziehen sich zurück. Das ist verständlich, aber es gibt Hilfe: Gespräche mit einer psychologischen Beratungsstelle können dabei helfen, ein besseres Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln. Scheuen Sie sich nicht, um Unterstützung zu bitten. Wenn Sie depressive Gedanken haben oder sich hoffnungslos fühlen, suchen Sie noch heute ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder wenden Sie sich an eine psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Nicht jede Adipositas lässt sich verhindern, denn Vererbung spielt eine Rolle. Aber Sie können Ihr persönliches Risiko verringern: durch eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und den Verzicht auf Rauchen. Diese Maßnahmen sind nie vergebens – egal ob schon Übergewicht besteht oder nicht.
Impfungen
Für Ihr Alter gelten die allgemeinen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Lassen Sie sich dazu in Ihrer Hausarztpraxis oder bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt beraten. Eine gute Impfprophylaxe schützt vor Infektionen, die bei Adipositas schwerer verlaufen können.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Vorsorgeprogramm nur für Adipositas. Sinnvoll ist es jedoch, im Rahmen Ihrer Routineuntersuchungen Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren zu lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes – erhöhte Zuckerwerte in Blut und Gewebe
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche
- Gelenkverschleiß (Arthrose) besonders an Knien und Hüfte, weil die Gelenke stärker belastet werden
- Atemprobleme und Schlafapnoe, die den Schlaf stören und den Blutdruck erhöhen
- Depression und soziale Isolation
Langzeitprognose
Auch mit Adipositas können Sie viele Jahre gesund und aktiv leben. Wichtig ist, dass Sie sich nicht aufgeben und sich fachliche Hilfe holen. Ihr Körper hat im Alter gewisse Grenzen, aber er ist auch erstaunlich anpassungsfähig. Jede positive Veränderung zählt – egal, ob die Waage wenig oder viel Bewegung zeigt.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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