Übergewicht in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Übergewicht in der Schwangerschaft bedeutet, dass eine Frau mit einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) schwanger wird. Der BMI setzt Körpergewicht und Körpergröße ins Verhältnis. Mit einer guten Betreuung und einem gesunden Lebensstil sind die meisten Schwangerschaften mit Übergewicht unkompliziert.
Wichtige Fakten
- Ein BMI von 25 bis 29,9 gilt als Übergewicht, ein BMI ab 30 als Adipositas (starkes Übergewicht).
- Übergewicht in der Schwangerschaft kann das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Kaiserschnitt erhöhen.
- Viele Frauen mit Übergewicht erleben eine völlig normale Schwangerschaft und gebären gesunde Kinder.
Ja. In Deutschland ist etwa ein Drittel der Schwangeren von Übergewicht oder Adipositas betroffen.
Es betrifft Frauen jeden Alters, die bereits vor der Schwangerschaft Übergewicht haben. Auch eine sehr starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft kann zu Übergewicht führen.
Symptome
- Sehr starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Flimmern vor den Augen oder starke Oberbauchschmerzen können auf eine schwere Schwangerschaftserkrankung (Präeklampsie) hinweisen. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Starke Blutungen aus der Scheide, Krampfanfälle oder das plötzliche Aussetzen der Kindsbewegungen sind ebenfalls Notfälle.
- ⚠Starke Atemnot, Fieber oder Schüttelfrost: Bitte suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
- ⚠Wenn sich die Kindsbewegungen deutlich verändern oder ganz aufhören, wenden Sie sich umgehend an Ihre Klinik oder Ihre Hebamme.
Häufige Symptome
- Übergewicht selbst verursacht oft keine direkten Beschwerden.
- In der Schwangerschaft können verstärkt Atemnot bei Belastung, Sodbrennen, Wassereinlagerungen in den Beinen, Rückenschmerzen oder Schlafprobleme auftreten.
Symptome bei Kindern
- Kinder von Müttern mit Übergewicht haben häufiger ein höheres Geburtsgewicht.
- Die meisten Kinder werden dennoch gesund geboren.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Schwangeren mit Übergewicht wird besonders auf Blutdruck und Blutzucker geachtet.
- Eine frühe und regelmäßige Vorsorge wirkt möglichen Risiken entgegen.
Ursachen
Hauptursachen
- Übergewicht entsteht, wenn über längere Zeit mehr Energie zugeführt wird, als der Körper verbraucht.
- Auch Hormone, Erbanlagen, seelische Belastungen und bestimmte Erkrankungen können zu Übergewicht beitragen.
Risikofaktoren
- Bewegungsmangel im Alltag
- Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln und zuckerhaltigen Getränken
- Übergewicht in früheren Schwangerschaften
- Hormonelle Erkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (eine häufige Hormonstörung, die Eierstockfunktion und Stoffwechsel betrifft)
- Familiäre Veranlagung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Symptomen wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwellungen im Gesicht oder an den Händen, Schmerzen im Oberbauch oder nachlassenden Kindsbewegungen sollten Sie noch am gleichen Tag ärztliche Hilfe suchen oder die Klinik anrufen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nehmen Sie alle Vorsorgetermine in der Schwangerschaft wahr.
- Lassen Sie sich frühzeitig zu Ernährung, Bewegung und möglichen Risiken beraten.
- Falls Sie bereits an Diabetes oder Bluthochdruck leiden, sollte die Behandlung vor und während der Schwangerschaft engmaschig begleitet werden.
Diagnose
Übergewicht wird anhand des Body-Mass-Index (BMI) festgestellt. Dazu werden Gewicht und Körpergröße gemessen. Zusätzlich prüft das medizinische Team Blutdruck, Blutzucker und im Ultraschall das Wachstum des Kindes.
Mögliche Untersuchungen
- Gewicht- und Größenmessung zur BMI-Berechnung
- Blutdruckmessung bei jeder Vorsorgeuntersuchung
- Blutzuckertest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche
- Ultraschalluntersuchungen zur Kontrolle des Kindeswachstums
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin, der Arzt oder die Hebamme sprechen mit Ihnen über Ihre Lebensgewohnheiten. Das Gespräch ist vertraulich und dient der Unterstützung. Sie können alle Fragen stellen, auch zu Ernährung, Bewegung und Ihrer seelischen Situation.
Behandlung
Die Behandlung setzt auf eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Kontrollen und eine individuelle Begleitung durch Ärzte, Hebammen und Ernährungsfachkräfte. Ziel ist nicht eine Diät, sondern eine ausgewogene Versorgung für Mutter und Kind.
Selbsthilfe zu Hause
- Bauen Sie Bewegung in den Alltag ein, zum Beispiel 30 Minuten zügiges Spazierengehen pro Tag.
- Trinken Sie vor allem Wasser oder ungesüßten Tee.
- Essen Sie regelmäßig und bewusst, mit viel Gemüse und Vollkornprodukten.
- Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf und Pausen.
Medizinische Behandlungen
Eine medikamentöse Gewichtsreduktion ist in der Schwangerschaft nicht geeignet. Das medizinische Team konzentriert sich darauf, erhöhten Blutdruck, Blutzucker oder andere Auffälligkeiten früh zu erkennen und zu behandeln. Die Behandlung orientiert sich an den Empfehlungen der AWMF, dem Zusammenschluss der medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Magenoperation zur Gewichtsreduktion wird während einer Schwangerschaft nicht durchgeführt. Wenn Sie eine solche Operation planen, sprechen Sie vor einer Schwangerschaft offen mit Ihrem Behandlungsteam darüber.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie die Schwangerschaft in kleinen Schritten. Nehmen Sie Hilfe von Familie und Freund:innen an und scheuen Sie sich nicht, bei Fragen Ihre Hebamme oder Ihre Arztpraxis zu kontaktieren.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder bei der Frauenärztin
- Sanfte Bewegung wie Schwimmen, Yoga oder Wandern
- Entspannungsübungen für den Alltag
- Verzicht auf Alkohol und Rauchen in der Schwangerschaft
Ernährung und Bewegung
Verzichten Sie auf Crash-Diäten. Essen Sie ausreichend, aber achten Sie auf eine vollwertige Mischung aus Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und magerem Fleisch oder anderen Eiweißquellen. Regelmäßige, lockere Bewegung ist sinnvoll. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen ein sinnvolles Ziel für die Gewichtszunahme nennen. In der Regel wird eine moderate, nicht zu starke Zunahme empfohlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Manche Frauen erleben Übergewicht in der Schwangerschaft als belastend und fühlen sich unsicher oder unter Druck. Es hilft, mit vertrauten Menschen oder einer Beratungsstelle zu sprechen. Auch anonyme Beratungsangebote am Telefon können entlasten – fragen Sie Ihre Beratungsstelle nach lokalen Möglichkeiten.
Vorbeugung
Übergewicht lässt sich nicht immer verhindern. Wer bereits vor der Schwangerschaft ein gesundes Gewicht anstrebt, senkt das Risiko. Aber auch während der Schwangerschaft können Sie mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung viel Gutes für sich und Ihr Kind tun.
Früherkennungsprogramme
Zu den regulären Vorsorgeuntersuchungen gehören Gewichtskontrolle, Blutdruckmessung und ein Blutzuckertest. Diese Untersuchungen erkennen früh, ob zusätzliche Unterstützung nötig ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwangerschaftsdiabetes (eine Zuckerkrankheit, die erst während der Schwangerschaft auftritt)
- Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck oder Präeklampsie (eine ernste Erkrankung mit hohem Blutdruck und möglicher Beeinträchtigung von Organen)
- Ein erhöhtes Geburtsgewicht des Kindes
- Häufigere Kaiserschnitte oder schwierigere Geburten
Langzeitprognose
Es gibt keinen Grund, den Mut zu verlieren. Die meisten Frauen mit Übergewicht haben eine gesunde Schwangerschaft und bekommen ein gesundes Kind. Mit guter Betreuung, einem achtsamen Lebensstil und Ihrer eigenen Fürsorge können Sie viel für einen guten Verlauf tun.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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